Wilhelm I. (Schottland)

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Wilhelm I. der Löwe (Schottisch-Gälisch (mittelalt.): Uilliam mac Eanric, modernes Schottisch-Gälisch: Uilleam mac Eanraig (dt. Wilhelm, Sohn Heinrichs), engl. William I the Lion, William Dunkeld, William Canmore; * 1143; † 4. Dezember 1214 auf Stirling Castle) war schottischer König von 1165 bis zu seinem Tod. Er war der zweite Sohn von Graf Heinrich von Schottland und dessen Ehefrau Ada von Surrey, der Enkel von David I. und der jüngere Bruder seines Vorgängers Malcolm IV.

Wilhelm I. der Löwe

Wilhelm entstammte dem Hause Dunkeld und war mit einer Herrschaftszeit von 49 Jahren der am längsten regierende aller schottischen Monarchen. Im Gegensatz zu seinem tief religiösen und schwächlichen Bruder war Wilhelm körperlich stark und auch eigensinnig, was ihm den Beinamen An Garbh (engl. The Rough (der Rauhe)) einbrachte. Er war ein effektiver König, doch die Bilanz seiner Herrschaft wurde von zahlreichen erfolglosen Versuchen, die Kontrolle über Northumbria wiederzuerlangen, getrübt.

1178 gründete er Arbroath Abbey, in der fast 150 Jahre später die Declaration of Arbroath verabschiedet wurde. Während der Dauer seiner Herrschaft wurde er interessanterweise nicht "der Löwe" genannt, auch bezog sich dieser Beiname nicht auf seinen Charakter oder seine militärischen Fähigkeiten. Den Namen erhielt er vielmehr wegen seiner Flagge, eines aufrechten roten Löwen mit geteiltem Schwanz auf gelbem Feld. Diese bildet noch heute einen Teil der Royal Standard des Vereinigten Königreichs und des Wappens von Schottland.

Wilhelm handelte auch die Auld Alliance aus, das erste Defensivbündnis zwischen verschiedenen Staaten. Schottland, Frankreich und Norwegen verpflichteten sich zur gegenseitigen Verteidigung. Besonders das Verhältnis zwischen Schottland und Frankreich war sehr eng, während Norwegen sich stark zurückhielt. 1152 erbte William auch den Titel des Earls von Northumbria. Allerdings musste er 1157 diesen Titel an den englischen König Heinrich II. abtreten.

In der Revolte von 1173-74 gegen Heinrich II. war Wilhelm eine Schlüsselfigur. Während eines Feldzugs im Jahr 1174 führte er die schottischen Truppen persönlich gegen die englische Armee. Dabei soll er gerufen haben: "Jetzt werden wir sehen, welche von uns gute Ritter sind!" (Now we shall see which of us are good knights!) Wilhelm wurde vom Pferd gestoßen und durch die Engländer gefangen genommen.[1] Man führte ihn in Ketten zunächst nach Northampton und schließlich nach Falaise in der Normandie. Heinrich entsandte eine Armee und besetzte Schottland.

Damit Wilhelm sein Königreich wiedererlangen konnte, musste er Heinrich als seinen obersten Lehnsherrn anerkennen und für die Kosten der englischen Besatzung in Schottland aufkommen. Nach der Unterzeichnung des Abkommens von Falaise wurde ihm die Rückkehr nach Schottland erlaubt.[1] Das Abkommen blieb fünfzehn Jahre in Kraft. Der neue englische König, Richard Löwenherz, löste den Vertrag auf. Als Gegenleistung erhielt er 10.000 Mark Silber für die Finanzierung des Dritten Kreuzzugs.

Gemäß den Bestimmungen des Abkommens von Falaise stand Heinrich II. das Recht zu, Wilhelms Braut auszuwählen. 1186 heiratete Wilhelm Irmgard de Beaumont, eine Enkelin von Heinrich I.; die Mitgift war Edinburgh Castle. Erst nach über zwölf Jahren wurde ein Erbe geboren. Aus der Ehe entstammten folgende Kinder:

Wilhelm starb 1214 in Stirling und wurde in der von ihm gegründeten Arbroath Abbey beigesetzt. Sein Sohn Alexander II. folgte ihm auf den Thron.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Alan & Veronica Palmer: The Pimlico Chronology of British History; from 250.000 BC to the Present Day. Pimlico, 1996, ISBN 0-7126-7331-8, S. 70

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Malcolm IV. König von Schottland
1165–1214
Alexander II.