Wilhelm Josef Gerhards

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Wilhelm J. Gerhards (* 21. Januar 1943 in Mönchengladbach-Rheindahlen) ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist.

Wilhelm J. Gerhards

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Gerhards studierte, nach Hochschulreife und einer Ausbildung beim ehemaligen Industrieversicherer Gerling-Konzern, Düsseldorf, mit dem Stipendium einer Stiftung in Zürich Wirtschaftswissenschaften zum Diplom-Kaufmann, (Thema der Diplomarbeit: 'Unternehmenskultur und -ethik im Spannungsfeld der Unternehmensführung'), Journalistik und Philosophie über José Ortega y Gasset, Albert Camus und Jean-Paul Sartre. Danach war er hauptberuflich als 'Unternehmensberater für Versicherungsfragen' tätig.[1] Im Jahre 1987 wurde er Mitglied im ' DJV - Deutscher Journalisten-Verband ', ist Mitbegründer der kleinkommunalen Zeitung 'Stadt- und Landbote', scheidet dort 1993 aus und arbeitet als ' Freier ' Journalist für Printmedien und Rundfunkanstalten und als Dozent für Literatur und Journalistik.

Seit 1961 schreibt er Prosa, Theaterstücke, Lyrik und später, von 1989 bis 2010, gesellschafts- und sozialkritische Texte, deren Zeitraum er als 'Epoche der Wirklichkeit' bezeichnet. Als Buchautor sieht er sich als 'abseits des Mainstream'. Mit 18 Jahren erschienen seine ersten Veröffentlichungen in der Rhein/Ruhr-Zeitung in Düsseldorf. Es folgten Prosaveröffentlichungen in Zeitungen und Anthologien deutschlandweit. In den 80er und 90er Jahren hat er zahlreiche Lesungen seiner Prosa und Lyrik in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz gehalten, mit Rückblick und Diskussion der Literaturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Lesungen waren großteils als "Jazz mit / für Lyrik und Prosa" veranstaltet und fanden in der Auseinandersetzung und dem Zwiegespräch zwischen kritischer und verzaubernder lyrischer Sprache und einer jungen Musik viel Zuspruch. Man erkennt eine Seelenverwandtschaft, wenn Gerhards davon spricht, dass er Heinrich Heine wegen seiner literarisch-kritischen Sprache und seines frankophilen Lebensstils und seiner Weltanschauung verehrt. Von 1993 bis 2002 hat Gerhards überwiegend in Paris gelebt, geschrieben, und von dort für Printmedien und Radio berichtet. In dieser Zeit hat er aufgrund des Erlebten die Begriffe Kunst, "Kunst ist das Können, unserem Sehen und Denken neue Perspektiven zu erschaffen", und Lyrik, "Lyrik ist Denken, Fühlen, Schreiben jenseits der Emotionen, die wir beherrschen, die eine Empathie schafft, und das Menschsein erst lebenswert macht" für sich neu definiert. In seinen "Meditativen Interpretationen", wie er sie nennt, beschreibt er dann auch Kunst und allgemein Gegenständliches, im Sinne und spontanem Erleben des Betrachters, bei der Kunst ohne darauf zu achten, "was der Künstler uns sagen will".

Für den Teil seines kritischen Schreibens bezeichnete die Presse Gerhards nach seinen Lesungen als "Individualist', nicht aber als "Außenseiter". Seine Sprache, auch die lyrische seien Bild-Klang-Meditationen, Monologe und Fragen, die den Leser zum Autor werden lassen, mitten hineinstellen in das poetische, aber auch politische Denken. Diese Individualität zeigte Gerhards auch in seinem Hobby, als er im Alter von 38 Jahren die Prüfung zum Amateur-Trabrennfahrer machte, um diesen Sport einige Jahre zu betreiben.

Er nahm in den 1980er bis Anfang der 1990er Jahren an den schon legendären Literaturseminaren des Schriftstellers Walter Kempowski in dessen Haus Kreienhoop (= Krähennest) bei Nartum teil und fungierte hier verschiedentlich während der Seminare als Dozent für ein literarisches Fachgebiet.

1990 erschien der Lyrik-Band „Atemstösse-Hauchweisen“, der Gedichte von 1961 bis 1989 enthält und wofür er 1991 den Literaturpreis der Autorengalerie Weinstadt erhielt. Ebenfalls 1991 erhielt Gerhards den Literaturpreis des Textwettbewerbs mit dem Thema: "Eine neue Hymne für eine 'neue' Zeit, für ein vereintes Deutschland, und, 'ich möchte wieder eine 1. Strophe singen'."

Der Text: 1. Strophe: "Deutschland, Deutschland über alles / alles was mein Herz verehrt / wenn es stets zum Schutz und Nutze / brüderlich uns je belehrt / fließen Donau, Main und Isar / künden Oder, Elbe, Rhein: / Deutschland, Deutschland über alles / alles was mein Herz begehrt. 2. Strophe: "Es geschah, was wir erhofften / Einheit, Brüder edles Band / zur Verpflichtung für uns alle / mit Europa als Garant / glauben, was das Schicksal lehrte / was uns alle neu verband: / Blüh' im Glanze dieses Glückes / Deutschland einig Vaterland."

Gerhards selbst bezeichnet sich einmal in einem Interview als Vertreter der Beat Generation und als 68-er, der allerdings aufgrund seiner philosophischen Studien seine eigenen Vorstellungen der Bewegung in Bezug auf Ethik und Humanität habe, die er am Ende nicht in Einklang mit den politischen Ideen der Studentenbewegung bringen konnte. So mahnt Gerhards in seinem Schreiben immer wieder die moralischen Werte an, indem er an einer Stelle schreibt: "Im Erkennen unserer Perspektive liegt die Chance, die Probleme des Menschseins zu lösen, in einer Verantwortung von Maß und Grenze. Dieses Prinzip verlangt nach einer Ethik und Humanität, für ein Miteinander, das die höheren menschlichen Werte jenseits des Ich zum Maßstab aller Dinge erklärt". Der Begriff Perspektive (die räumlichen und linearen Verhältnisse von Objekten im Raum) bekam für Gerhards eine besondere und auch persönliche Bedeutung im Rahmen der philosophischen Erkenntnistheorie, als er die ersten Aufnahmen der Erde in den 1960er Jahren aus dem All sieht. In seinem Schauspiel "Überall ist Salinas" verarbeitet er dann diese Eindrücke.

Seit November 2011 ist Gerhards politisch engagiert in der politischen Initiative "Stimme der Nichtwähler", die Wahlbürger wieder an die Wahlurnen bringen will, und die mit ihrer Richtung, einer sozialen bürgerlichen Mitte und einem breiten Meinungsspektrum, seinem Weltbild am ehesten entspricht, wie er in einer Rede sagt mit dem Titel "Wo stehen wir? - Die politische Kultur und Situation in Deutschland im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts". Das Motto seiner politischen Arbeit lautet: "Der Mensch ist zwischen den Wahlen nicht Untertan" und "Nichtwählen entschuldigt nichts." Gerhards sagt in einem Interview weiterhin zum Thema Nichtwählen: "Eigentlich ist Nichtwählen eine Kritik und 'Bestrafung', ein Ausdruck der Mißbilligung, für schlechte Politik und/oder der Unvereinbarkeit mit dem politischen Angebot im Rahmen unseres Parteienspektrums. Da nur Wähler, unabhängig von der Wahlbeteiligung der Gesamtwählerschaft, in den Parlamenten vertreten werden, wird der Demokratie durch steigende Nichtwähler-Zahlen permanent ein Schaden zugefügt. Politiker sollten bedenken, dass die Armut in Deutschland immer größer wird - 'Schere zwischen Arm und Reich' - und die Gefahr für eine Gesellschaft immer 'von der Straße' ausgeht. Im Jahre 2013 gründete Gerhards mit einer Gruppe von Journalistenkollegen die Initiative "Zentralrat der Nicht-Wähler in Deutschland", die in der Nachfolge der 'Stimme der Nichtwähler' steht, und deren Sprecher er ist. Er bezeichnet sie als "Schwarm-Intelligenz eines inzwischen viel zu großen Bevölkerungsanteils", aber auch als die "Grenzfindung einer machbaren und möglichen Politik in Deutschland".

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Wilhelm J. Gerhards: Atemstösse, Hauchweisen. (Ausgewählte Gedichte 1961-1989), Nachwort von Prof. Dr. Juliane Eckhardt. Aachen 1990, ISBN 3-927854-48-4.
  •  Wilhelm J. Gerhards: Was die Niers uns flüstert. Geschichten und Anekdoten aus dem alten Mönchengladbach, Rheydt, Wickrath, Rheindahlen. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2008, ISBN 978-3-8313-1927-5.
  •  Wilhelm J. Gerhards: Schrei, wenn Du kannst!. Weiße Rose 2010 – Lieber wie Feuer und Eis sein/Zyklon-B-Atemstöße: Texte aus den Gaskammern des Zeitgeistes. Shaker Verlag, ISBN 978-3-86858-559-9. (Buch mit CD)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Literaturpreis der Autorengalerie Weinstadt (1991)
  • Literaturpreis für Lyrik (Bottroper Autorentage, 1991)[1]
  • Literaturpreis des Text-Wettbewerbs: Neue Hymne nach Wiedervereinigung? (1991)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wilhelm J. Gerhards. Stadt Mönchengladbach. Abgerufen am 12. März 2012.

Weblinks[Bearbeiten]