Wilhelm Karpenstein

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Wilhelm Karpenstein

Wilhelm Karpenstein (* 24. Mai 1903 in Frankfurt am Main; † 2. Mai 1968 in Lauterbach (Hessen)) war Gauleiter von Pommern in der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten]

Nach einer kurzen Tätigkeit als Bergarbeiter trat Karpenstein in die NSDAP ein und begann im selben Jahr ein Studium der Rechtswissenschaften, zunächst in Frankfurt am Main, danach in Pommern. In Greifswald gründet er 1923 die Ortsgruppe der NSDAP.

Am 31. August 1925 trat er in die jetzt wieder zugelassene NSDAP (Mitgliedsnr. 17.333) ein und kehrte für vier Jahre nach Hessen (Darmstadt) zurück. In dieser Zeit arbeitet er als Referendar an verschiedenen Frankfurter Gerichten. 1929 absolvierte er sein Assessor-Examen und kehrte nach Greifswald zurück. Bei der Reichstagswahl 1930 wurde er zum NSDAP-Reichstagsabgeordneten für den Wahlkreis 6 (Pommern) gewählt; er gehörte dem Reichstag von September 1930 bis August 1934 an, ab 1933 auch dem Preußischen Staatsrat. Im April 1930 oder Januar 1932 wurde er als Nachfolger von Walther von Corswant zum Gauleiter von Pommern ernannt.

Karpenstein erregte Aufmerksamkeit durch Eigenmächtigkeiten und Patronagewirtschaft. Er stützte sich in seiner Politik auf die SS Pommerns. Die Reichsinspektionsleitung wies am 14. September 1932 die Landesinspektion Nord in Person Hinrich Lohses an, die Verhältnisse in Pommern einer besonderen Prüfung zu unterziehen;[1] im Ergebnis kam es aber nur zu einer Aussprache mit der Gauleitung.[2] Lohse schrieb am 24. Januar 1933 nach einer erneuten Anweisung der Reichsleitung vom 20. Januar 1933, energisch gegen Missstände in Pommern vorzugehen, dass „in Pommern (…) die Dinge (…) heillos verfahren (…)“ sind; er schlug vor, „den jetzigen Gauleiter abzulösen.“[3] Am 8. Mai 1933 ließ Karpenstein die Stettiner Kreisleitung der NSDAP durch die SS besetzen.[4] Der Gutsbesitzer Freiherr von Müffling aus Friedland beschwerte sich in einem Brief an Rudolf Heß über Karpenstein; der habe „jahrelang vom Diebstahl gelebt“, und warf ihm homosexuelle Neigungen vor.[5] SA-Chef Ernst Röhm nannte ihn 1933 „eine Gefahr und ein Skandal für die Bewegung“.[6]

Karpensteins Personal- und Finanzpolitik innerhalb der NSDAP nannten die im Sommer 1934 von der Partei mit der Prüfung der Finanzen beauftragten Revisoren „unverantwortlich“.[7] Er war als Gauleiter auch Herausgeber der „Pommerschen Zeitung“. Als solcher zweigte er von dieser Zeitung Gelder ab, mit denen er 25 Autos kaufte, die er der SA zur Verfügung stellte.[7]

1934 endete seine Karriere abrupt. Hintergrund waren Streitigkeiten um das vom seinerzeitigen Polizeipräsidenten Engel und der lokalen SS-Formation auf dem Gelände der ehemaligen Vulcan-Werft eingerichtete Konzentrationslager Bredow bei Stettin. Am 21. Juli 1934 wurde Karpenstein als Gauleiter von Pommern abgesetzt und aus der Partei ausgeschlossen, sein Nachfolger als Gauleiter wurde Franz Schwede. Karpenstein befand sich von Oktober 1934 bis zum Jahre 1936 in Gestapo-Haft in Berlin. Im Juli 1936 wurde er aufgrund eines Gnadenerlasses aus der Haft entlassen, mit der Auflage, sich in Deutschland, aber nicht innerhalb des Gaues Pommern aufzuhalten.

Er war seit 1938 Rechtsanwalt in Berlin und während des Zweiten Weltkrieges überwiegend Soldat.

Die Verantwortung Karpensteins für das Konzentrationslager Bredow war nach dem Zweiten Weltkrieg Gegenstand mehrerer Rechtsstreitigkeiten (u.a. Verwaltungsgericht Darmstadt, Urteil vom 12. Dezember 1957, Az. I/906/56 und Bundesgerichtshof, Urteil vom 12. Oktober 1965, Az. VI ZR 95/64, In: Neue Juristische Wochenschrift 1965, Seite 2395). In diesen Gerichtsverfahren konnte eine Mitverantwortlichkeit von Karpenstein an den Vorgängen in dem Konzentrationslager Stettin nicht festgestellt werden.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BA/NS 22/269, Brief Reichsleitung an Hinrich Lohse, 14. September 1932.
  2. BA/NS 22/269, Brief Landesinspekteur an Reichsorganisationsleitung, 26. September 1932.
  3. BA/NS 22/269 Brief Gauleitung Schleswig-Holstein an Reichsleitung der NSDAP, 24. Januar 1933
  4. BA/NS 22/269, Telegramm Standortführer Friedrich an Reichsleitung, 8. Mai 1933.
  5. BA/BDC 1050061691, Brief von Wilhelm Müffling an Rudolf Heß, 16. Mai 1933
  6. BA/NS 22/269, Hausmitteilung Reichsschatzmeister an Reichsorganisationsleitung, 18. Mai 1933.
  7. a b BA/NS 22/269, Zwischenbericht der Reichsrevisoren Braun und Wilhelm, 24. Juli 1934.