Wilhelm Kleinenbroich

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Wilhelm Kleinenbroich: Selbstporträt. In der Hand hält der Maler eine Ausgabe der Kölnischen Zeitung, 1845. Stiftung Sammlung Vollmer

Wilhelm Kleinenbroich (* 12. April 1812 in Köln; † 21. Juni 1895 in Köln-Lindenthal) war ein deutscher Maler.

Leben[Bearbeiten]

Kleinenbroich erlernte die Malerei bei Simon Meister in Köln sowie in Düsseldorf. Er kann daher auch zur Düsseldorfer Malerschule gezählt werden.

Kleinenbroichs künstlerisches Schaffen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts muss in enger Verbindung mit seinem sozialkritischen Engagement gesehen werden: Er war 1848 Gründungsmitglied des Kölner Arbeitervereins und aktiver Teilnehmer der Revolution von 1848.

Nach der gescheiterten Revolution zog Wilhelm Kleinenbroich sich von der Politik zurück und lebte von Dekorations- und Porträtmalerei. Nach dem militärischen und politischen Aufstieg Preußens in den 1860er Jahren und der Reichsgründung von 1871 söhnte Kleinenbroich sich offenbar sogar mit der preußischen Monarchie aus und entwarf pro-preußische Dekorationen und Entwürfe für den Karneval.[1]

Bedeutende Werke[Bearbeiten]

Wilhelm Kleinenbroich: Porträt des Kölner Armenarztes und Revolutionärs Andreas Gottschalk, 1849

Unter Kleinenbroichs Werken ragt das 1847 entstandene sozialkritische Gemälde Mahl- und Schlachtsteuer heraus. Der Sozialhistoriker Hans-Heinrich Bass sieht in diesem Werk – ähnlich wie in Hübners Bild Schlesische Weber von 1844 – eine neue Qualität in der Darstellung sozialer Probleme mit malerischen Mitteln. Kleinenbroich stelle den verbreiteten Nahrungsmangel in den „hungrigen 1840er Jahren“ als Konflikt zwischen zwei sozialen Gruppen dar[2]:

„Kleinenbroichs Bild ist pars pro toto betitelt, da es nämlich als Zentralgruppe Holzsammler in der Auseinandersetzung mit einem Zöllner vor einem Stadttor zeigt und eigentlich nur im Mittelgrund rechts oben die Eintreibung der Mahl- und Schlachtsteuer für eingeführtes Korn dargestellt wird. Das Gemälde weist einen Hiatus auf zwischen Hintergrund und Vordergrund, ersterer wird durch Farbgebung (der von den Reitern aufgewirbelte Staub) und flächige Darstellung (durch die Staubwolke bedingt ist kaum Luftperspektive vorhanden) zur Folie, gegen die die Vordergrundszenen zu betrachten sind. Die beiden Teile sind miteinander verbunden lediglich durch die Blickrichtung des etwas abseits stehenden Knaben vorne links und den Fingerzeig des Mannes (in der Tracht eines Malers?) vorne rechts. Dennoch erscheint gerade diese weitgehende Unverbundenheit analytisch bedeutsam: Während die erwachsene Generation der armen Leute mit dem unmittelbaren Staatsvertreter handelt und diese Szene auch das ängstliche, an die Mutter sich klammernde Mädchen vorne rechts ganz in seinen Bann zieht, so ist der räumlich (buchstäblich) und sozial (als einer der schon selbst Holz sammelt) selb–ständige Knabe der Angelpunkt für die sonst auseinanderfallenden Teile des Bildes. Nur ihm wird der Januskopf des Staatsapparates sichtbar, der, als Offizier personifiziert, von der Mittelgrundtribüne die Mütze zieht vor der hohen Gesellschaft im Hintergrund [deren mitgeführtes Wildbret nicht der Steuer unterlag], aber unten (also im Bildvordergrund), in der Person eines Zollbeamten, die Armen drangsaliert: zwei zusammengehörende Aspekte des Staates, dessen Einheit räumlich hergestellt wird durch die Einfügung dieser beiden Staatsvertreter zwischen die abstrakten Staatssymbole des Hintergrundes, die sich zueinanderneigenden Adler. Indem es nun aber gerade ein Knabe ist, der diesen Angelpunkt herstellt, hat die Gesellschafts- und Staatsanalyse des Bildes ein utopisches Moment: Die Bevölkerung ist zu ihr noch nicht fähig, ihre Träger wachsen erst heran. Nach den Generalproben der 1840er Jahre betreten diese neuen Kräfte in der Revolution von 1848 erstmals die politische Bühne, eine neue Epoche bricht an.“

Ein weiteres wichtiges Werk dieser Schaffensperiode Kleinbroichs ist das aus dem Jahr 1849 stammende Porträt des Kölner Armenarztes und Revolutionärs Andreas Gottschalk.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Köln 2012[Bearbeiten]

Unter dem Titel „Revolution! Dem Maler Wilhelm Kleinenbroich zum 200. Geburtstag" zeigt das Kölnische Stadtmuseum vom 23. Juni bis zum 23. September 2012 in einer Retrospektive erstmals in einem Museum das gesamte Spektrum von Kleinenbroichs künstlerischem Schaffen.

Präsentiert werden Karnevalsdekorationen von 1835, Porträts aus Museums- und Privatbesitz, sozialkritische Bilder und Entwürfe für den Rosenmontagszug 1872. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine der seltenen erhaltenen schwarz-rot-goldenen Fahnen von 1848 aus den Beständen des Kölnischen Stadtmuseums. Gezeigt werden auch Kleinenbroichs Grafiken und Aquarelle zur Revolution in Köln.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Heinrich Bass: Hungerkrisen in Preussen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Scripta Mercaturae Verlag, St. Katharinen 1991, ISBN 3-922661-90-4 (sozialgeschichtliche Analyse des Kleinenbroich-Gemäldes Mahl- und Schlachtsteuer: S. 278–279).
  • Joachim Großmann: Künstler, Hof und Bürgertum. Leben und Arbeit von Malern in Preußen 1786–1850. Oldenbourg Akademie Verlag 1995, ISBN 3-05-002412-7 (zu Kleinenbroich: S. 194–196).
  • Horst Heidermann: 1848/49: die Revolution des Malers Kleinenbroich. Ein biographischer Beitrag zur stadtkölnischen Geschichte. Band 2 von Publikationen des Kölnischen Stadtmuseums. Verlag des Kölnischen Stadtmuseums, 1999, ISBN 3-927396-77-X.
  • Rita Wagner, Sascha Pries, Mario Kramp (Hrsg.): Revolution! Dem Maler Wilhelm Kleinenbroich zum 200. Geburtstag. Begleitband 1 zur Ausstellung "Revolution! – Dekoration – Köln im 19. Jahrhundert" im Kölnischen Stadtmuseum, 2012, ISBN 978-3-95451-048-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilhelm Kleinenbroich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Revolution! Dem Maler Wilhelm Kleinenbroich zum 200. Geburtstag, Kölnisches Stadtmuseum: 23. Juni bis 23. September 2012
  2. Hans-Heinrich Bass: Hungerkrisen in Preussen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Scripta Mercaturae Verlag, St. Katharinen 1991, S. 278–279.