Wilhelm Ludwig (Nassau-Dillenburg)

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Wilhelm Ludwig

Wilhelm Ludwig (* 13. März 1560 in Dillenburg; † 31. Mai 1620 in Leeuwarden), genannt Us Heit (frs. Unser Vater), war Graf von Nassau-Dillenburg und Statthalter von Friesland, Stadt und Lande (Groningen) und Drenthe.

Leben[Bearbeiten]

Wilhelm Ludwig wurde 1560 geboren als ältester Sohn des Grafen Johann VI. von Nassau-Dillenburg, des Bruders Wilhelms des Schweigers. Als sein Vater Statthalter von Gelderland geworden war, 1578, erhielt er, wenn auch noch sehr jung, ein Regiment deutscher Infanterie, an dessen Spitze er mit Auszeichnung an den Kämpfen im Norden und Osten der Niederlande gegen die Spanier teilnahm.

Als überzeugter Reformierter gewann er bald das Vertrauen seines Onkels und der Patrioten, während sein ruhiges und energisches Wesen, seine Anspruchslosigkeit und Festigkeit jedermann imponierte und scharf gegen die Unbändigkeit eines Hohenlohe, eines Sonoy, eines Entens abstach, den er durch sein ausgesprochenes militärisches Talent weit überragte. Kein Wunder dass Wilhelm von Oranien ihn zu seinem Stellvertreter in Friesland ernannte und dass er dort nach dessen Tode die Nachfolge erhielt. Mit zäher Energie hielt er in den schwierigsten Umständen im Kampfe an den friesischen Grenzen gegen Francisco Verdugo aus bis bessere Tage kamen. Treu hielt er in den schwierigen Jahren von Leicesters Regierung zu den Holländern und bekämpfte die Ausschreitungen der Ultracalvinisten, die Friesland der englischen Königin zu überliefern versuchten. Die friesischen Regenten fanden an ihm eine treue Stütze und ließen ihn nicht im Stich, als Karl Roorda versuchte die Provinz vollkommen republikanisch einzurichten, wenn er sich auch manche Schmälerung seiner statthalterischen Gewalt gefallen lassen musste.

Mit nicht geringerem Eifer wie sein Vetter Moritz von Oranien studierte er die Kriegswissenschaft und versuchte die Einführung einer neuen Taktik, wie er denn auch seine Soldaten in der Leeuwarder Garnison, wo er, wenn er nicht im Felde war, seinen Sitz hatte, eifrig nach römischem Vorbild einexerzierte. Die Feldzüge der neunziger Jahre, an denen er einen wenn nicht glänzenden doch sehr wichtigen Anteil hatte, zeigten die Früchte seines Wirkens. Ohne seine Hilfe hätte Moritz sein Aufgabe, in wenigen Feldzügen das Gebiet der sieben Provinzen zu befreien, gewiss nicht so glänzend lösen können. Ihm selbst trugen sie die Statthalterschaft der - nach Groningens Übergabe oder, wie man schonend sagte, Zurückführung in die Union - neu organisierten Provinz Stadt und Lande ein, und ihres Anhangs, der Landschaft Drenthe. Es misslang jedoch der Plan, durch Vereinigung der letzteren mit der Stadt Groningen und dem „Ommelanden“ zu einer einzigen Provinz eine weniger unbequeme politische Einrichtung des Nordostens herbeizuführen, wie es Johan van Oldenbarnevelt und auch Wilhelm Ludwig gewünscht hatten.

Mit dem Advokaten Oldenbarnevelt scheint Wilhelm Ludwig lange Zeit gut gestanden zu haben. Seine ruhige, durchaus praktische Natur fand sich besser mit demselben zurecht als die heftige, doch zugleich anhaltend grollende Art des Vetters, der überhaupt weit weniger den Geist des Vaters geerbt hatte, wie der Neffe, der, so streng reformiert er war, doch immer den politischen Erwägungen Raum gab. Freilich scheint auch Wilhelm Ludwig die Ansicht des Advokaten, es sei notwendig für längere oder kürzere Zeit Frieden mit Spanien zu machen, nicht geteilt zu haben, wenn er sich auch als erster Deputierter der Generalstaaten an den 1607 angefangenen Unterhandlungen beteiligte, und auch die Urkunde des zwölfjährigen Stillstands unterschrieb. Schon waren damals die religiösen Wirren ausgebrochen, welche die Zeit des Stillstands zu einer der traurigsten Perioden der niederländischen Geschichte gemacht haben.

Wilhelm Ludwig nahm entschieden Partei für die Calvinisten, die Kontraremonstranten, welche auch unter den friesischen und groninger Regenten bei weitem die Mehrheit besaßen. Das hatte schon bei der Gründung der friesischen Universität in Franeker 1585 mitgewirkt, wenn auch der Wunsch der Friesen, in keinerlei Hinsicht von Holland abhängig, sondern ganz auf sich angewiesen zu sein, der Hauptgrund war. Bei der eben in den ersten Jahren des Stillstands unternommenen 1614 vollzogenen Gründung der Groninger Universität war jedoch die Ansicht maßgebend, es sei notwendig, dem libertinischen Leiden gegenüber eine rechtgläubige Universität zu stiften, damit die jungen Prediger wenigstens in den nördlichen Provinzen bei ihrer Erziehung dem Einfluss der Arminianer entrückt seien, wenngleich der Groninger Partikularismus, der es den verhassten friesischen Nachbarn wie den reichen Holländern gleichtun wollte, dabei auch zur Geltung kam.

Anna Gräfin von Nassau

Wilhelm Ludwig beteiligte sich mit Herz und Seele an dem Werke und sorgte für die Berufung rechtgläubiger Professoren. Entschieden wie er war, konnte er das lang anhaltende Zögern seines Vetters nicht vertragen. Seine Briefe aus jenen Jahren zeugen davon, er ließ nicht ab, Moritz anzutreiben, ihn zu entschiedenem Auftreten gegen den Advokaten und dessen libertinische und remonstantische Anhänger aufzumuntern. Doch so bestimmt er auf den Sturz der Macht des Advokaten und seiner Gesinnungsgenossen lossteuerte, so gewiss war er dem systematischen Rachekrieg, welcher nach Oldenbarnevelts Gefangennahme von dessen Widersachern geführt wurde, abgeneigt. Er war ein Mann der Mäßigung und des Verstandes, dem es um die Reinheit der Religion zu tun war, und nicht um die politische Macht und die Stellen der gefallenen Gegner, wie so vielen der Feinde Oldenbarnevelts. Lang hat er den Triumph der von ihm verfochtenen Sache nicht überlebt. Am 31. Mai des Jahres 1620 starb er.

Seiner Ehe mit Anna von Oranien-Nassau waren keine Kinder entsprungen. Seine Erbschaft wie seine Würden fielen seinem Bruder Ernst Casimir zu, dem Stammvater des friesischen Zweigs des nassauischen Hauses.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Hahlweg: Wilhelm Ludwig von Nassau und das Cannae-Problem. In: Nassauische Annalen 71 (1960), S. 237–242.
  • Pieter Lodewijk MullerWilhelm Ludwig (Graf von Nassau-Dillenburg). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 134–136.
  • Uwe Schögl (Red.): Oranien. 500 Jahre Bildnisse einer Dynastie aus der Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien und der Niederländischen Königlichen Sammlung Den Haag. (Ausstellung vom 1. Februar bis 19. März 2002, Camineum der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien). Österreichische Nationalbibliothek u. a., Wien 2002, ISBN 3-01-000028-6, S. 121.
Vorgänger Amt Nachfolger
Johann VI. Graf von Nassau-Dillenburg
1606–1620
Georg