Wilhelm Reinhard (General)

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Wilhelm Reinhard
Während der Märzkämpfe vom 3.-12. März 1919 in Berlin unternimmt Oberst Wilhelm Reinhard, der Kommandeur des in Lichtenberg eingesetzten Freikorps-Regimentes, vom Friedrichshain aus eine Inspektionsfahrt.

Wilhelm Reinhard (* 18. März 1869 in Forsthaus Lutau, Kreis Flatow; † 18. Januar 1955 in Dortmund) war ein deutscher General der Infanterie, SS-Obergruppenführer, „Reichsführer des NS-Kriegerbundes“ sowie Mitglied des Reichstages.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Reinhard absolvierte nach dem Abschluss seiner Schullaufbahn das Kadettenkorps in Kulm und Lichterfelde sowie danach die Kriegsschule Metz. Er trat am 22. März 1888 als chargierter Fähnrich in das Infanterie-Regiment „Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig“ (Ostfriesisches) Nr. 78 ein. 1889 erfolgte seine Beförderung zum Sekondeleutnant und er wurde Bataillons- und Regimentsadjutant. Am 17. Januar 1901 wurde Reinhard in Hannover Adjutant der 38. Infanterie-Brigade. 1902 wurde Reinhard zum Hauptmann befördert und als solcher am 24. April 1904 zum Kompaniechef im Füsilier-Regiment „Graf Roon“ (Ostpreußisches) Nr. 33 in Gumbinnen ernannt. Ab 1907 war Reinhard Chef der 7. Kompanie des Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Regiments Nr. 163 in Neumünster. Zeitgleich mit der Beförderung zum Major wurde er dann am 21. April 1911 in das 5. Garde-Regiment zu Fuß nach Spandau versetzt und war dort zunächst beim Stab tätig. Nach knapp zweijähriger Tätigkeit dort erfolgte am 22. März 1913 seine Ernennung zum Kommandeur des II. Bataillons.

Diese Bataillon führte Reinhard bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Verbund mit der neugebildeten 3. Garde-Division in das neutrale Belgien und beteiligte sich dort an der Belagerung und Eroberung der Festung Namur. Anschließend wurde Reinhard mit seinem Regiment an die Ostfront verlegt. Hier kämpfte er in der Schlacht an den Masurischen Seen, nahm am südpolnischen Feldzug, der mit dem deutschen Rückzug von Warschau endete, sowie der Schlacht um Łódź teil.

Vom 18. Januar bis 2. Juni 1915 fungierte Reinhard dann als Führer Garde-Grenadier-Regiments Nr. 5 und wurde anschließend zum Kommandeur des 4. Garde-Regiments zu Fuß ernannt. Mit diesem kämpfte er in der Folgezeit am Brückenkopf von Jaroslau, in den Durchbruchsschlachten bei Lubaczow und Grodek-Lemberg, bis das Regiment schließlich nach den Verfolgungskämpfen über den Bug hinaus an der Iasiolda angehalten wurde. Von dort verlegt Reinhards Regiment an die Westfront und wurde unmittelbar in die Herbstschlacht bei La Bassée und Arras geworfen. Reinhard wurde 1916 zum Oberstleutnant und 1918 zum Oberst befördert.[1]

Am 27. August 1917 wurde Reinhard mit dem Pour le Mérite ausgezeichnet und am 1. Oktober 1918 wurde ihm das Eichenlaub zum Pour le Mérite verliehen.[2]

Nach Kriegsende und Revolution nach Berlin zurückgekehrt, forderte Reinhard am 10. Dezember 1918 bei einer Besprechung im Kriegsministerium, an der auch Friedrich Ebert und Curt Baake teilnahmen, alle Schusswaffen besitzenden Zivilisten mit dem Tode zu bestrafen.[3] Reinhard stellte Ende Dezember 1918 das nach ihm benannte Freiwilligen-Regiment auf. Seine von Gustav Noske und Walther Reinhardt betriebene Ernennung zum Stadtkommandanten von Berlin wurde durch den Widerstand der Soldatenräte verhindert. Unter seiner Leitung wurde der Spartakusaufstand im Januar 1919 durch die ihm unterstellten Truppen niedergeschlagen; während der Berliner Märzkämpfe zwei Monate später kam es kurzzeitig zu erneuten bewaffneten Auseinandersetzungen. Etwa 1.200 Menschen, die meisten davon Aufständische, starben bei den „mit entsetzlicher Grausamkeit“ geführten Kämpfen.

Im Juni 1919 ging das „Freikorps Reinhard“ in die Vorläufige Reichswehr auf und Reinhard erhielt die Stellung als Infanterie-Führer der Berliner Reichswehr-Brigade 15[4]. Auf eigenen Wunsch schied Reinhard am 31. Dezember 1919 aus dem aktiven Militärdienst aus.[5]

Später trat er der SA[6] und 1927 der NSDAP (Mitgliedsnr. 63.074) bei. Von der SA wechselte Reinhard in die SS (Mitgliedsnr. 274.104). In der SS erreichte Reinhard den Rang eines SS-Obergruppenführers.[7] Als SS-Ehrenführer gehörte Reinhard ab 1938 dem „Stab RFSS“ an.

Am 27. Januar 1934 wurde Reinhard Bundesführer des Kyffhäuserbundes, der im März 1934 in „Reichskriegerbund Kyffhäuser“ umbenannt wurde. Am 18. März 1938 wurde Reinhard Reichsführer des NS-Reichskriegerbundes „Kyffhäuser“[8] und blieb es bis zur Auflösung dieser Organisation im März 1943.[5] Reinhard war Träger des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP.[1] Reinhard bemühte sich sehr, das Wahrzeichen des Kyffhäuserbundes, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser, NS-kompatibel zu machen. So ließ der SS-Mann die unscheinbare Halle im Monument zu einer „Ehrenhalle” ausbauen, für die gefallenen Kameraden, „die Toten der Freikorps und der Bewegung”.

Von 1936 bis zum Frühjahr 1945 war Reinhard als Reichswahlvorschlag Mitglied des nationalsozialistischen Reichstags.[8]

Im September 1952 gründete Reinhard den 1945 durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 verbotenen Kyffhäuserbund wieder.[9]

Schrift [Bearbeiten]

  • 1918/1919 Die Wehen der Republik, Brunnen-Verlag, Berlin 1932 DNB

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Reinhards Militär- und SS-Dienstgrade
Datum Rang
22. März 1888 char. Fähnrich
15. Oktober 1888 Fähnrich
21. September 1889 Sekondeleutnant
18. August 1897 Oberleutnant
18. April 1903 Hauptmann
21. April 1911 Major
18. April 1916 Oberstleutnant
21. September 1918 Oberst
11. Dezember 1919 char. Generalmajor
15. September 1935 SS-Standartenführer
20. April 1937 SS-Gruppenführer
22. März 1939 char. Generalleutnant
14. März 1941 char. General der Infanterie
9. November 1941 SS-Obergruppenführer
1. März 1943 General der Infanterie z.V.

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b Wilhelm Reinhard (General) in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
  2. Wilhelm Reinhard im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Siehe Berthold, Lothar, Neef, Helmut, Militarismus und Opportunismus gegen die Novemberrevolution, 2., erweiterte und überarbeitete Auflage, Frankfurt am Main 1978, S. 91.
  4. Fall des Oberst Reinhard
  5. a b Albert Grzesinski: Im Kampf um die deutsche Republik. Erinnerungen eines Sozialdemokraten. Herausgegeben von Eberhard Kolb, Oldenbourg-Verlag, München 2001 (Schriftenreihe der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte 9), S. 102.
  6. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 488.
  7. Wilhelm Reinhard auf www.dws-xip.pl
  8. a b 5000 Köpfe – Wer war was im Dritten Reich, Kiel 2000, S. 340
  9. Die Geschichte – Der Kyffhäuserbund (pdf)
  10. a b c Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914, Hrsg.: Kriegsministerium, Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1914, S. 157