Wilhelm Walcher

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Wilhelm Walcher (* 7. Juli 1910 in Kaufbeuren, Allgäu; † 9. November 2005 in Marburg an der Lahn) war Universitätsprofessor der Physik und Autor des bekannten Lehrbuches Praktikum der Physik, das seit 1971 in vielen Auflagen erschienen ist.

Leben[Bearbeiten]

Er studierte in München (Technische Universität) und Berlin und schloss 1933 als Diplom-Ingenieur. Bis 1937 war er wissenschaftlicher Assistent an der TH Berlin unter anderem bei Gustav Hertz, Wilhelm Westphal und Hans Geiger, und wo er 1937 über einen Massenspektrographen zur Isotopentrennung bei Hans Kopfermann promovierte (Dr. Ing.)[1] Von 1937 bis 1942 war er Assistent an der Universität Kiel (wohin er Kopfermann folgte), wo er 1942 habilitierte. Zunächst vertrat er in Kiel den durch den Weggang von Kopfermann nach Göttingen (er wurde dort Direktor des zweiten physikalischen Instituts) frei gewordenen Lehrstuhl[2] Die Habilitationsschrift war ursprünglich wegen politischer Unzuverlässigkeit abgelehnt worden, durch die Einflussnahme von Kopfermann wurde sie dann aber doch noch anerkannt. Walcher folgte Kopfermann nach Göttingen, wo er 1942 bis 1947 dessen Oberassistent und Dozent war. Einen Ruf an die Universität Leipzig schlug er 1946 aus[2] und ging stattdessen als Nachfolger von Wilhelm Grüneisen nach Marburg.

Walcher befasste sich mit Atom- und Kernphysik (Kernmomente, Hyperfeinstruktur, Kernreaktionen niedriger Energie), optischem Pumpen, dem Mößbauereffekt, mit Elektronen- und Ionenoptik zum Bau von Massenspektrometern, für Beschleuniger und Geräten zur Isotopentrennung. Er führte seine Arbeiten zur Isotopentrennung im Rahmen des Uranvereins im Zweiten Weltkrieg fort. 1947 wurde er zum ordentlichen Professor für Experimentalphysik der Philipps-Universität Marburg (Hessen) ernannt, wo er 1949 zum Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät ernannt wurde und deren Rektor er von 1952 bis 1954 war. Er war zudem langjähriger Direktor des Physikalischen Instituts. 1978 wurde er emeritiert.

Um 1980 „recycelte“ Walcher den für die Arbeiten im Uranverein gebauten Elektromagneten für den Bau des HELIOS-Separators für Kernspaltfragmente am TRIGA Forschungsreaktor Mainz.[3]

Von 1959 bis 1961 prägte er als Vorsitzender die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG, damals Verband Deutscher Physikalischer Gesellschaften) wesentlich mit. Er war wesentlich daran beteiligt, dass 1963 die Neugründung der DPG gelang, da die alte Physikalische Gesellschaft durch die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst worden war. Walcher war an der Gründung von DESY und der GSI entscheidend beteiligt. Von 1961 bis 1967 war er zudem Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1975 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 1962 bis 1991 war er Mitherausgeber der Annalen der Physik. 1976 wurde er Ehrendoktor der Ruhr-Universität Bochum. Er wurde 1989 Ehrenmitglied der DPG.

Walcher war darüber hinaus auch gesellschaftlich sehr engagiert, insbesondere gehörte er zu den Göttinger 18, die sich 1957 deutlich gegen eine atomare Aufrüstung Westdeutschlands aussprachen.

Zu seinen Doktoranden zählt Peter Brix.

Schriften[Bearbeiten]

  • Praktikum der Physik. 9. Auflage. Vieweg/Teubner, 9. Auflage 2006. ISBN 3-51-923038-0 (zuerst 1966)
  • mit Detlef Kamke: Physik für Mediziner. Teubner 1994.
  • mit Max Wutz, Hermann Adam: Handbuch der Vakuumtechnik. 6. Auflage. Vieweg 1997
  • mit Wolfgang Riezler (Hrsg.) Kerntechnik. Mehrere Bände. Teubner 1958,

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walcher: Über einen Massenspektrographen hoher Intensität und die Trennung der Rubidiumisotope. In: Zeitschrift für Physik. Band 108, H. 5/6, 1938, S. 376.
  2. a b Klaus Schlüpmann: Biographie von Kopfermann
  3. A. K. Mazumdar, H. Wagner, G. Kromer, W. Walcher, M. Brügger, E. Stender, N. Trautmann, T. Lund in: Nucl. Instr. and Meth. 174, 1980, S. 183.

Weblinks[Bearbeiten]