Wilhelm von Gottberg

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Wilhelm von Gottberg (2010)

Wilhelm von Gottberg (* 30. März 1940 in Woopen, Landkreis Bartenstein, Ostpreußen) ist ein ehemaliger deutscher Polizeibeamter und Bürgermeister (CDU). Er war von 1992 bis 2010 Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Ostpreußen und ist seit 1992 Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen.

Leben[Bearbeiten]

Er wurde 1940 als Sohn des Gutsbesitzers Heinrich von Gottberg und seiner Frau Gertrud, geb. Freiin von der Goltz, auf dem Gut Groß Klitten im Regierungsbezirk Königsberg geboren.[1] Wilhelm von Gottberg wurde zusammen mit seiner Familie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem damaligen Ostpreußen vertrieben. Dabei flohen sie zunächst mit dem Schiff von Gdingen an der Danziger Bucht nach Swinemünde[2] und weiter in den Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen.

Er absolvierte eine landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung und war anschließend neun Jahre Polizeibeamter. In dieser Zeit erwarb er berufsbegleitend das Fachabitur und war anschließend sechs Jahre lang in leitender Position im Sicherheitsbereich eines Industriebetriebes tätig. Währenddessen absolvierte er ebenfalls berufsbegleitend ein Studium der Mathematik und Geschichtswissenschaft für den Lehrberuf. Nach einem psychologischen Zusatzstudium lehrte von Gottberg ab 1977 Staats- und Verfassungsrecht sowie Psychologie an einer Polizeifachschule des Bundesgrenzschutzes (BGS).

Von Gottberg ist seit 1972 verheiratet und Vater von sechs Kindern.[1]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Von Gottberg ist seit November 1991 Bürgermeister der Gemeinde Schnega und gehört dem Kreistag von Lüchow-Dannenberg an. Seit 1983 gehört er dem Vorstand der Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft Ostpreußen (LO) an, deren Landesvorsitz er 1987 übernahm. 1990 wurde er zum stellvertretenden Sprecher gewählt. Von November 1992 bis November 2010 war Gottberg Sprecher (Bundesvorsitzender) der LO und von 1994 bis 2013 Vorsitzender des Stiftungsrates der Ostpreußischen Kulturstiftung[3]. Von Gottberg ist zudem seit 1992 Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen (BdV). Seit 1995 ist er Mitglied des Kuratoriums der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen.[4] Er ist außerdem Präsident der Generalversammlung der am 1. Dezember 2007 in Triest gegründeten Europäischen Union der Flüchtlinge und Vertriebenen (EUFV). Im Sommer 2011 war er kommissarisch Chefredakteur der Preußischen Allgemeinen Zeitung. Von Gottberg trat 2011 nach langjähriger Mitgliedschaft aus der CDU aus. 2013 trat er der Alternative für Deutschland bei und war bis zu seiner Abwahl Beisitzer im Landesvorstand Niedersachsen.[5]

Positionen[Bearbeiten]

Wilhelm von Gottberg wünscht eine „Rückkehr in unsere Heimat Ostpreußen“, damit das Menschenrecht auf die Heimat für die Deutschen und ihre Nachkommen realisiert werden könne. Auf der Feier zum fünfzigjährigen Bestehen der Landsmannschaft Ostpreußen im Juli 1998 sagte er im Rathaus Schöneberg: „Wir warten schon lange auf eine offizielle Bitte um Vergebung durch Polen, Tschechien und Russland für die völkermordartigen Vertreibungsverbrechen.“[6]

Laut Ansicht der Bundesregierung setzte sich von Gottberg 1995 vehement für die Aktivitäten des rechtsextremen Verlegers Dietmar Munier in der russischen Exklave Kaliningrad (ehemals Königsberg) ein.[7][8]

2001 schrieb er kritisch zur Vertriebenenproblematik: „Die nach der Flucht und Vertreibung der Deutschen neu in Ostpreußen angesiedelten Bewohner wussten nichts über den kulturellen Wert der vorgefundenen Bauten.“[9]

Rechtsstreit[Bearbeiten]

Im Jahre 2005 ging von Gottberg gerichtlich gegen die Zeitung Neues Deutschland vor, da diese in einem Beitrag behauptet hatte, er habe die als antisemitisch geltende Rede des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann öffentlich verteidigt. Die Zeitung berief sich auf ihr Recht zur freien Meinungsäußerung. Die Unterlassungsklage wurde abgewiesen.[10][11]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 verlieh die Landsmannschaft Ostpreußen von Gottberg ihre höchste Auszeichnung, den Preußenschild.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stiftung Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des Adels. Starke, Limburg 2000, S. 113.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWilhelm von Gottberg, Jürgen Liminski: „Die Flucht“ ist in Teilen unrealistisch und klischeehaft. Deutschlandfunk, 7. März 2007, abgerufen am 8. Juli 2009.
  3. Preußische Allgemeine 41-10 vom 16. Oktober 2010 und Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTrägerschaft des Ostpreußischen Landesmuseums. Ostpreußische Kulturstiftung, abgerufen am 10. April 2014.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWilhelm von Gottberg: Das Königsberger Gebiet und seine Perspektiven. Bund Junges Ostpreußen, 23. Oktober 2002, abgerufen am 8. Juli 2009.
  5. Allgemeine Zeitung vom 8. Juni 2013
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSamule Salzborn: Sattel die Elche, Wilhelm! In: Jungle World. 22. Juli 1998, abgerufen am 9. Juli 2009.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAntwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS. Deutscher Bundestag, 16. Juli 1997, abgerufen am 8. Juli 2009.
  8. Deutsche Unterstützung wird gewünscht: Wilhelm v. Gottberg schrieb an den Außenminister Klaus Kinkel Ostpreußenblatt 13/1995. „Am 19. März wurde über Rundfunk und Fernsehen die Meldung verbreitet, daß das Auswärtige Amt über rechtsextreme deutsche Aktivitäten in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, besorgt sei. Beunruhigung rufe insbesondere die Arbeit eines Verlegers aus Kiel in Trakehnen hervor. ... Wer immer für diese Meldung in Ihrem Hause verantwortlich ist, sie ist unzutreffend und für die heimatvertriebenen Ostpreußen schädlich. ... Die russischen Behörden sind bezüglich der vielfältigen deutschen Unterstützungen nicht nur nicht beunruhigt, sondern bitten ausdrücklich um die Fortsetzung dieses Engagements. ... Damit bestätigt sich eine von uns seit zwei Jahren festgestellte Tatsache, daß nämlich die Stichwortgeber für einen russisch-deutschen Abgrenzungskurs in der Bundesrepublik sitzen. Bitter ist für uns die Erkenntnis, daß auch einige Beamte des Auswärtigen Amtes diesem Personenkreis zuzurechnen sind. Namens des Bundesvorstandes der Landsmannschaft Ostpreußen bedauere ich, daß Ihr Ressort die Arbeit der Landsmannschaft Ostpreußen in der Heimat und die vorhandene Sachkompetenz unserer Organisation völlig ignoriert.“
  9. Andreas Lawaty, Hubert Orlowski (Hrsg.): Deutsche und Polen. Geschichte, Kultur, Politik (= Beck'sche Reihe, 1517). C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49436-6, S. 135.
  10. „Neues Deutschland“ und Wilhelm von Gottberg vor dem Landgericht Landeszeitung vom 9. März 2005
  11. „Neues Deutschland“ gewinnt Rechtsstreit Landeszeitung vom 11. Mai 2005
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTräger des Preußenschildes. Landsmannschaft Ostpreußen, abgerufen am 21. Juni 2013.