Wilhermsdorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen von Wilhermsdorf
Wilhermsdorf
Deutschlandkarte, Position von Wilhermsdorf hervorgehoben
49.48638888888910.718055555556322Koordinaten: 49° 29′ N, 10° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Fürth
Höhe: 322 m ü. NN
Fläche: 26,64 km²
Einwohner:

5053 (31. Dez. 2011)[1]

Bevölkerungsdichte: 190 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91452
Vorwahl: 09102
Kfz-Kennzeichen: Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Kfz enthält Leerzeichen
Gemeindeschlüssel: 09 5 73 133
Marktgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Hauptstraße 46
91452 Wilhermsdorf
Webpräsenz: www.markt-wilhermsdorf.de
Bürgermeister: Harry Scheuenstuhl (SPD)
Lage von Wilhermsdorf im Landkreis Fürth
Landkreis Fürth Bayern Landkreis Ansbach Landkreis Roth Schwabach Erlangen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Erlangen-Höchstadt Fürth Nürnberg Obermichelbach Tuchenbach Puschendorf Veitsbronn Seukendorf Wilhermsdorf Langenzenn Cadolzburg Großhabersdorf Ammerndorf Roßtal Zirndorf Oberasbach Stein (Mittelfranken)Karte
Über dieses Bild
Lage

Wilhermsdorf ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Fürth und gehörte bis zur Gemeindegebietsreform 1972 zum Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.

Inhaltsverzeichnis

Geografie [Bearbeiten]

Geografische Lage [Bearbeiten]

Der Markt liegt zwischen der Stadt Fürth und Bad Windsheim am Rande des Naturparks Frankenhöhe.
Durch Wilhermsdorf fließt die Zenn, die bei Atzenhof in die Regnitz mündet.
Der Ort sollte nicht mit der 15 km entfernten Gemeinde Wilhelmsdorf verwechselt werden.

Nachbargemeinden [Bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind:

(Aufzählung: im Norden beginnend im Uhrzeigersinn)

Gemeindegliederung [Bearbeiten]

Die Gemeindeteile der Marktgemeinde sind:

  • Wilhermsdorf
  • Altkatterbach
  • Dippoldsberg
  • Dürrnfarrnbach
  • Fallmeisterei

Geschichte [Bearbeiten]

Vermutlich geht die Gründung Wilhermsdorf auf die Karolinger im 9. Jahrhundert zurück. Erstmals erwähnt wird Regil de Willehalmesdorff in einer Urkunde aus dem Jahr 1096. Im Laufe der Zeit wurde aus Willhalmsdorf Wilhelmsdorf und später Wilhermsdorf. Der älteste Grabstein im Judenfriedhof stammt aus dem Jahr 1452.

Wappen der Wilhelmsdorf

Im Jahr 1566 verkaufte Wolff von Wilhelmsdorf die Rittergüter Wilhelmsdorf und Neidhardswinden an die Brüder Schutzbar genannt Milchling. Der 1536 geborene Heinrich Hermann von Burgmilchling war der bedeutendste und spätere Alleineigentümer von Wilhelmsdorf. Im Jahre 1569 wurde Heinrich Hermann vom Kaiser in den Reichs-Freiherren-Stand erhoben. Mit dem Tod Wolff von Wilhelmsdorf starb 1569 sein Geschlecht aus.

Die abgebrannte Veste Wilhelmsdorf baute Heinrich Hermann als stattliche Wasserburg mit dem Namen Veste Burgmilchling neu auf. Im Jahr 1592 starb Heinrich Hermann von Burgmilchling der Ältere. 1593 übernahm sein Sohn Heinrich Herrmann von Burgmilching der Jüngere die Herrschaft. Nach der Überlieferung sei er ein gütiger Burgherr und ein Freund der Wissenschaften gewesen. 1597 verlieh ihm Kaiser Rudolf II. das Privileg, eigene Taler zu prägen.

1612 wurde Wilhermsdorf zur Herrschaft mit eigener Blutgerichtsbarkeit erhoben und erhielt damit den Status eines reichsunmittelbaren Staates. Das ehemalige Kanzleigebäude befindet sich westlich der Hauptkirche und wird heute von einer Brauerei und als Landgasthof genutzt.

Gustav Adolf von Schweden übernachtete 1632 auf der Veste Burgmilchling. 1656 verstarb Heinrich Hermann von Burgmilchling der Jüngere ohne Nachkommen, nach seinem Tod wechselte Wilhermsdorf mehrmals seine Besitzer.

Im Jahre 1667 erwarb Graf Wolfgang Julius von Hohenlohe-Neuenstein die Herrschaft von Wilhermsdorf und Neidhardswinden. Unter seiner Herrschaft wurden die Spuren des Dreißigjährigen Kriegs beseitigt und Wilhermsdorf erhielt 1671 von Kaiser Leopold I. das Marktrecht verliehen. Zwischen 1672 und 1693 ließ er die Veste Burgmilchling abbrechen und anschließend ein Residenzschloss mit Nebengebäuden und Schlossanlage errichten. Den in Wilhermsdorf ansässigen Juden erteilte er die Erlaubnis, Druckereien zu betreiben. In Wilhermsdorf gedruckte jüdischen Schriften wurden in alle Welt verschickt, beispielsweise eine 1673/77 erschienene Ausgabe des Ma'assebuch. 1689 heiratete Wolfgang Julius nach dem Tod seiner Frau, der Herzogin von Holstein, die junge Gräfin Franziska Barbara von Welz. 1698 verstarb Wolfgang Julius nach neun Jahren Ehe im Alter von 76 Jahren. Die Ehe blieb kinderlos. 1701 heiratete die 35-jährige Franziska Barbara den Grafen Philipp Ernst zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Franziska Barbara blieb in Wilhermsdorf und unter ihrer Herrschaft erlebte Wilhermsdorf eine Blütezeit in der sie die von Julius Wolfgang geplanten Bauvorhaben verwirklichte.

Die Wilhermsdorfer Hauptkirche im Schnee (Januar 2007)

Nach ihrem Tod 1718 wurde Franziska Barbara in einem Prunksarg in der Gruft der evangelischen Hauptkirche feierlich beigesetzt. Nach dem Tode von Philipp Ernst fiel das Lehen Wilhermsdorf und Neidhardswinden an die beiden minderjährigen Kinder. 1733 übernahm der Sohn von Philipp Ernst die Herrschaft Wilhermsdorf, auch er blieb ohne Nachkommen. Sein Neffe Graf Philipp Ferdinand zu Limburg, Bronchorst-Styrum übernahm die Herrschaft. Er verkaufte 1769 den Besitz an den Fuldaischen Geheimrat Freiherr Wurster von Kreuzberg, der mit der Nürnberger Patriziertochter Dorothea Marie Kreß von Kressenstein verheiratet war. Ihr Sohn, Freiherr Johannes Friedrich Wurster von Kreuzberg, bezog aus dem Lehen noch eine jährliche Rente und starb 1839 als der letzte seines Geschlechts in Nürnberg.

Der Ritterkanton Altmühl verlegte 1703 seine Kanzlei nach Wilhermsdorf und errichtete um 1720 seine neue Kanzlei östlich der Kirche am Marktplatz. Dieses Verwaltungsgebäude wird heute noch Ritterhaus genannt.[2]

Im Jahre 1796 kam der Ort unter preußische Landeshoheit und wurde 1806 mit dem Fürstentum Ansbach dem Königreich Bayern einverleibt. Gleichzeitig wurden die unmittelbaren Rechte der Reichsritterschaften eingezogen.

Der Herrschaftsrichter Gottlieb Christian Eberhard Wunder übernahm 1817 im Auftrag von König Ludwig die Gerichtsbarkeit von Wilhermsdorf und Buchklingen.

Der älteste Verein Wilhermsdorf ist der Schützenverein von 1846, er entstand in einer Welle der Vereinsgründungen im 19. Jahrhundert. In den Jahren 1878/1879 wurde das Residenzschloss abgerissen, nachdem der Staat das unbewohnte und vernachlässigte Bauwerk an eine Privatperson versteigert hatte. 1895 erreichte die Zenngrundbahn Wilhermsdorf. 1907 erhielt der Ort Anschluss an das Stromnetz. Der Johanneszweigverein wurde 1907 als Träger der Kinderschule gegründet. 1930 wurde die Postkutschenverbindung Wilhermsdorf–Unteraltenbernheim eingestellt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Juden vertrieben, der Markt erklärte sich im Dezember 1938 für judenfrei.[3][4] 1963 errichtete die katholische Pfarrgemeinde eine Kirche. 1964 wurde an der Steige ein neues Schulhaus eingeweiht. Am 1. Juli 1972 wurde Wilhermsdorf im Rahmen der Gebietsreform in Bayern aus dem Landkreis Neustadt an der Aisch in den Landkreis Fürth umgegliedert. Im Rahmen dieser Gebietsreform wurden einige Orte südlich Wilhermsdorfs eingemeindet. 1976 wurde ein Hallen-Freibad an der Straße nach Unterulsenbach errichtet.

Jüdischer Friedhof [Bearbeiten]

Gräber auf dem jüdischen Friedhof in Wilhermsdorf, 2011

Mindestens seit Mitte des 15. Jahrhunderts besteht an der Straße nach Siedelbach ein jüdischer Friedhof in Wilhermsdorf. Eine Darstellung aus dem Jahr 1842 zeigt einen Grabstein mit der Jahreszahl 5212 des Jüdischen Kalenders, das wäre das Jahr 1452. Der älteste lesbare Grabstein stammt aus dem Jahr 1690, seit diesem Jahr wurde auch ein Sterberegister geführt, welches bis zur letzten Beisetzung am 8. April 1936 fortgeschrieben wurde. 1865 wurde der Friedhof erweitert. Auf dem 39,5 Ar großen Friedhof liegen auch Bürger aus den Nachbargemeinden Markt Erlbach und Dietenhofen. Heute sind noch etwa 500 Grabsteine vorhanden.

Eingemeindungen [Bearbeiten]

Am 1. Januar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Dippoldsberg eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Teile der aufgelösten Gemeinde Katterbach hinzu.[5] Kirchfarrnbach folgte am 1. Januar 1978.[6]

Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1900 1398
1939 1709
1946 2415
1961 3029
1970 3111
1973 3560
Jahr Einwohner
1979 3742
1986 4004
1993 4400
2000 4797
2005 5065
2011 5053

Politik [Bearbeiten]

Das Wilhermsdorfer Rathaus, ehemaliges Consulentenhaus

Marktgemeinderat [Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat von Wilhermsdorf bestand zur Kommunalwahl 2002 aus 16 Mitgliedern, auf Grund der gestiegenen Einwohnerzahl wurde zur Wahl 2008 die Zahl der zu vergebenden Mandate auf 20 erhöht.[7]

CSU SPD FW Parteilos Gesamt
2002 8 6 2 0 16 Sitze
2008 9 7 3 1 20 Sitze

Bürgermeister [Bearbeiten]

Seit dem 1. Mai 1996 ist Harry Scheuenstuhl (SPD) 1. Bürgermeister. 2002 wurde er mit 54,6 % im Amt bestätigt. Am 16. März 2008 gewinnt dieser die Stichwahl gegen Werner Koch (CSU) mit 53,7 % zu 46,3 % der Stimmen.

Wappen [Bearbeiten]

Geteilt von Gold und Blau; oben nebeneinander drei stehende rote Rauten, unten der silberne Großbuchstabe W.[8]

1926 wurde das Wappen neu gestaltet, dabei griff man auf das Wappen der Herren von Wilhelmsdorf zurück und fügte das silberne W hinzu. Das W soll auf den Ortsnamen hinweisen, die Farben Blau und Silber sind die Bayerischen Landesfarben. Das Wappen wurde durch Ministerialentschließung vom 23. Juni 1926 durch das Bayerische Innenministerium beglaubigt.[8]

Städtepartnerschaften [Bearbeiten]

Seit 1988 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Feld am See in Österreich und seit 1998 mit Jahnsdorf/Erzgebirge in Sachsen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Rathaus [Bearbeiten]

Das Rathaus ist ein unter Franziska-Barbara zwischen 1717 und 1718 entstandenes herrschaftliches Wohn- und Verwaltungsgebäude. Dieses Consulentenhaus wurde zwischen 1719 und 1720 um einen Gebäudeflügel auf der Rückseite erweitert in dessen Obergeschoss sich ein barocker Ballsaal befindet. Es wurde 1811 vom Königreich Bayern privatisiert und als Handwerkerhaus genutzt. 1939 erwarb der Markt das Haus, um es als Rathaus zu nutzen. Zwischen 2000 und 2005 wurde das Haus saniert und erweitert.

Baudenkmäler [Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Wilhermsdorf

Sport [Bearbeiten]

Der TSV 1886 Wilhermsdorf e.V. besteht aus den Abteilungen Fußball, Judo, Tennis, Tischtennis, Turnen und Volleyball.

Regelmäßige Veranstaltungen [Bearbeiten]

Kirchweih ist jedes Jahr an Pfingsten und Mitte September. Mitte Juli findet das Marktplatzfest statt.

Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]

Verkehr [Bearbeiten]

Die Staatsstraße 2252 führt von Ost nach West durch das Gemeindegebiet und bindet den Ort bei Langenzenn an die Südwesttangente (Bundesstraße 8) an.

2002 entstand durch die Verbindung der Ansbacher Straße und der Nürnberger Straße südlich der Bahnlinie eine Umgehungsstraße, die den Ortskern von einem Großteil des Durchgangsverkehrs entlastet.

Seit dem 9. September 1895 verbindet die Zenngrundbahn den Ort mit der Station Siegelsdorf an der Bahnstrecke Nürnberg–Würzburg; die Züge verkehren teils von und nach Fürth Hbf, teils von und nach Nürnberg Hbf.

Energie [Bearbeiten]

In Wilhermsdorf befinden sich seit 2009 die höchsten Windkraftanlagen Bayerns in Form von zwei Windkraftanlagen des Typs Enercon E-82 mit 138 Metern Nabenhöhe und 179 Metern Gesamthöhe.[9] Seit dem Jahr 2010 befinden sich zwei weitere Windkraftanlagen desselben Typs auf dem Marktgebiet. Jede Anlage kann 2,3 MW leisten.

Persönlichkeiten [Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde [Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Johann Christian Wibel: Historische Beschreibung von Wilhermsdorf Nürnberg 1742
  • Armin Dürr: Vom Ministerialensitz zur Marktgemeinde. Wilhermsdorf von 1096 bis 1996. Wilhermsdorf 1995

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Wilhermsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
  2. Bild des Ritterhauses
  3. »Der Stürmer«, Heft-Nr. 51, Dezember 1938
  4. Armin Dürr: Vom Ministerialensitz zur Marktgemeinde. Wilhermsdorf von 1096 bis 1996. Wilhermsdorf 1995
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 714.
  7. Markt Wilhermsdorf: Zahlen und Fakten, abgerufen am 11. Dezember 2012
  8. a b Wilhermsdorf: Wappengeschichte vom HdBG
  9. Information von »www.landkreis-fuerth.de« (PDF; 31 kB), eingesehen am 14. Juli 2011