Willi Pohl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Willi Pohl (* 1944) (Pseudonym E. W. Pless und seit 1979 auch offizieller Name Willi Voss) ist ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Pohl ist im Ruhrgebiet aufgewachsen. Vor der Schriftstellerei war er als Arbeiter, Bibliothekar und Journalist beruflich tätig.[1] In den siebziger Jahren war er Mitglied der deutschen Neonazi-Szene mit Beziehungen zum kriminellen Milieu und zu palästinensischen Befreiungs- und Terror-Organisationen. Den Kontakt hatte der Neonazi Udo Albrecht hergestellt, mit dem Pohl einige Jahre befreundet war.[2] Er organisierte als Mitglied der PLO Waffen für palästinensische Terrorkommandos in der Bundesrepublik Deutschland.[3]

Willi Pohl half dem Terroristen der palästinensischen Organisation Schwarzer September Abu Daud bei der Planung und Ausführung des Olympiaattentats, nach eigenen Angaben unwissend.[4] Nach dem Attentat wurde er Ende Oktober 1972 mit Waffen und einem Drohbrief des Schwarzen Septembers aufgegriffen. „Trotz der erdrückenden Beweislage wurde Pohl 1974 nur wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Vier Tage nach dem Richterspruch war der Terroristen-Komplize bereits wieder frei und setzte sich nach Beirut ab.“ [5] Willi Voss hat sich vor Jahrzehnten vom Terrorismus losgesagt.

Im Dezember 2012 berichtete Der Spiegel, dass Voss nach eigenen Angaben seit 1975 als Agent für den CIA die Zentrale des PLO-Geheimdienstes ausspioniert haben soll. Er soll unter dem Decknamen Ganymed Informationen zu Anschlägen im Nahen Osten und in Europa und zur Zusammenarbeit zwischen dem Neonazi Udo Albrecht und dessen Komplizen mit den Palästinensern geliefert haben. [6]

Nach einem Aufenthalt im Nahen Osten verfasste er als freier Schriftsteller, meistens unter seinem heutigen Namen Willi Voss, teilweise aber auch unter dem Pseudonym E.W. Pless, Western-Geschichten und Jerry Cotton-Romane, daneben auch eine Anzahl von Kriminalromanen und Politthrillern, die u. a. bei Bastei-Lübbe und im Ullstein Verlag erschienen sind.

Auch Drehbuchvorlagen für Filme der Serien „Großstadtrevier“ und „Tatort“ (u. a. „Stoevers Fall“ und „Singvogel“) stammen aus seiner Feder.

Für seinen Roman „Gegner“ wurde er im Konsalik-Romanpreis-Wettbewerb ausgezeichnet. Mit dem Buch „Das Gesetz des Dschungels“ erhielt er im Jahre 1989 in der nationalen Wertung den dritten Platz im Deutschen Krimipreis.

Werke (in Auswahl)[Bearbeiten]

als E. W. Pless[Bearbeiten]

als Willi Voss[Bearbeiten]

Fernsehdrehbücher (in Auswahl)[Bearbeiten]

  • Stoevers Fall, Tatort, 1992
  • Der Flußpirat, Großstadtrevier, 1992
  • Auf Gift gebaut, Großstadtrevier, 1992
  • Singvogel, Tatort, 1994
  • Crashkids, Großstadtrevier, 1995

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willi Voss. Der Autor.
  2. Der Spiegel vom 7.September 1981: Dr. Schreck und die Neonazis.
  3. http://www.zeit.de/1980/26/die-logik-der-gewalt
  4. Attentat auf Olympia 1972 „Ich wollte gewinnen, möglichst effektiv“, FAZ vom 21. Juli 2012, abgerufen am 26. Juli 2012
  5. Deutsche Neonazis halfen Olympia-Attentätern.
  6. Der Spiegel vom 30. Dezember 2012: Terrorhelfer der Olympia-Attentäter '72 wurde CIA-Agent