William Ætheling

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William Ætheling (* vor August 1103; † 25. November 1120 vor Barfleur) war der einzige eheliche Sohn des englischen Königs Heinrich I.; seine Mutter war Edith von Schottland, seine Großeltern mütterlicherseits waren der schottische König Malcolm III. und die heilige Margareta.

Sein Beiname Ætheling (andere englischen Schreibweisen Aetheling, Atheling, Etheling), Anglo-Normannisch Adelin, Lateinisch Adelin(g)us, ist ein Begriff aus der altenglischen Sprache (dort æþeling), der im angelsächsischen England der Person einer königlichen Dynastie als Titel verliehen wurde, die Anrecht auf den Thron hatte.[1][2][3]

Leben[Bearbeiten]

William Ætheling

Als Versuch, Anjou als langjährigem Rivalen der Normandie in sein Bündnissystem einzubinden, hatte Heinrich I. William 1113 mit Isabelle von Anjou verlobt, der ältesten Tochter des Grafen Fulko V. Die Eheschließung fand im Juni 1119 in Lisieux statt.[4]

William hatte keinerlei Rechte in der Normandie, deshalb verlangte sein Vater 1115 von den Normannen, dass sie William huldigen und ihm den Lehnseid leisten sollten. Damit verletzte Heinrich I. die Rechte von Wilhelm Clito. 1116 ließ er englische Adelige William huldigen und ihm den Lehnseid leisten. Heinrichs I. Sieg in der Schlacht von Brémule am 20. August 1119 in der Nähe von Les Andelys überzeugte Ludwig VI. von Frankreich William Ætheling als Herzog der Normandie anzuerkennen.[5] Laut Ordericus Vitalis zeigte sich William Ætheling nach der Schlacht gnädig und schickte Wilhelm Clito sein Pferd zurück und einige Geschenke.[4] Mitte 1120 huldigte William dem französischen König Ludwig VI. und wird deshalb oft als Herzog der Normandie geführt.

Tod[Bearbeiten]

Sein früher Tod beim Untergang des White Ship richtete die englische und französische Politik völlig neu aus. Es gibt unterschiedliche Berichte über den Schiffsuntergang. In einem Bericht heißt es, dass William den eigentlichen Untergang überlebte, und sich in ein Boot retten konnte, dann aber bei dem Versuch ertrank, seine Halbschwester Maud zu retten. Ordericus Vitalis berichtet, dass das Schiff auf einen Stein auflief, der zwei Planken aufriss. Durch das Leck strömte Wasser ein und nur zwei Personen schafften es, sich an die Rahe zu klammern. Keiner von beiden war William.[4]

der Untergang des White Ship

Isabelle befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks auf einem anderen Schiff; als Witwe ging sie als Mathilde ins Kloster und wurde Äbtissin von Fontevrault. Sie starb 1154.

Der Tod Williams ließ Heinrich ohne männliche und eheliche Erben zurück. Seine ältere Schwester Matilda (1114 bis 1125 deutsche Kaiserin als Ehefrau Heinrichs V.), wurde 1127 zur Erbin erklärt, aber nach dem Tod Heinrichs I. (1135) von den Baronen zur Seite geschoben, obwohl sie geschworen hatten, ihre Thronbesteigung zu unterstützen: Matilda hatte im gleichen Jahr 1127 eine zweite Ehe mit dem Grafen Gottfried Plantagenet geschlossen, und 1133 auch den Thronerben geboren, den späteren König Heinrich II.

Statt ihrer (bzw. Heinrichs) wurde dann aber Stephan von Blois König von England, ein Vetter Williams und Matildas als Sohn von Heinrichs Schwester Adela. Seine Regierung wird in England als The Anarchy bezeichnet, außerhalb Englands als Englischer Bürgerkrieg von 1135 bis 1154. Geordnete Zustände traten erst wieder mit Stephans Tod und der Nachfolge von Heinrich II. ein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ietheling, Band 1, Seite 290 der Encyclopedia Britannica von 1911 (englisch)
  2. Atheling, Online Etymology Dictionary von Douglas Harper, 2001 (englisch)
  3. æþeling im englischen Wiktionary
  4. a b c  Ordericus Vitalis: Histoire de Normandie. 4, J.-L.-J. Brière, Paris 1825-1827 (übersetzt von Louis-François Du Bois (1773-1855)), S. 298+311+355 (auf Gallica). (französisch)
  5.  Donald Matthew: King Stephen. Continuum International Publishing Group, 2002, ISBN 9781852852726, S. 51 (in Google Books). (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • C. Warren Hollister: Henry I. (Yale Monarchs Series)