William Brewster (1566–1644)

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Porträt von William Brewster
William Bradfords Abschrift des Mayflower-Vertrags

William Brewster (* ca. 1566 vermutlich in Scrooby, England[1]; † 10. April 1644, beerdigt in Plymouth) war Kirchenältester der separatistischen Kongregationalisten an Bord der Mayflower (1620) und eine der führenden Persönlichkeiten in der Plymouth Colony.[2][3]

Leben in England und den Niederlanden[Bearbeiten]

William Brewster wurde sehr wahrscheinlich 1566 in Scrooby in der englischen Grafschaft Nottinghamshire geboren.[1] Nach einem kurzen Studium in Cambridge arbeitete er als Sekretär für einen wohlhabenden Bürger und anschließend wie sein Vater als höherer Postbeamter. Er wurde zum obersten Kirchenältesten der separatistischen Kongregationalistengemeinde in Scrooby gewählt und emigrierte mit dieser, um der Verfolgung durch die anglikanische Staatskirche zu entgehen, 1609 in die Niederlande, zuerst nach Amsterdam, später nach Leiden. Dort arbeitete Brewster als Englischlehrer für Studenten der Universität.[4] Nachdem er und Edward Winslow in einer Streitschrift König Jakob I. und die anglikanischen Bischöfe scharf angegriffen hatten, entgingen sie nur knapp der Verhaftung.[5] Als sich die Möglichkeit bot, in Nordamerika eine eigene Kolonie zu gründen, kehrte ein Teil der Separatisten 1619 für kurze Zeit nach England zurück und brach 1620 zur Überfahrt an Bord der Mayflower auf. Der Laie Brewster war als Kirchenältester das geistliche Oberhaupt dieser Gruppe, da Pastor John Robinson, der bisher die Gemeinde geleitet hatte, in den Niederlanden geblieben war.[6] Brewster war einer der Verfasser und Unterzeichner des Mayflower-Vertrags.[7]

Leben in der Plymouth Colony[Bearbeiten]

Als einziger der Pilgerväter mit einer Universitätsausbildung behielt Brewster die Aufgabe, die Kirchengemeinde zu leiten, bis sie 1629 der neu aus England immigrierte Pastor Ralph Smith übernahm.[8] Brewster und seine Familie verdienten ihren Lebensunterhalt als Farmer. Zudem war er Berater des langjährigen Gouverneurs William Bradford.[9] Brewster starb am 10. April 1644; er wurde in Plymouth im heutigen Bundesstaat Massachusetts beerdigt. Menschen, die mit ihm zu tun hatten, beschrieben ihn als fromm, gebildet, warmherzig und hilfsbereit. Die Gemeinde schätzte es, dass er in den meisten seiner Predigten langatmige theologische Abhandlungen vermied.[10][11]

Brewsters geschichtliche Bedeutung bestand darin, dass er in wesentlicher Weise an der Grundlegung der demokratischen Selbstverwaltung (self-government, self-rule) in Nordamerika mitarbeitete.[12][13][14][15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Lambert Merrick: William Brewster of the Mayflower and His Descendants for Four Generations. Barbara Lambert Merrick, compiler (Published by General Society of Mayflower Descendants, Revised 3rd Edition. 2000)
  • Clifton E. Olmstead: History of Religion in the United States. Prentice-Hall, Englewood Cliffs, N.J., 1960, Library of Congress Catalog Card No. 60-10355
  • Nathaniel Philbrick: Mayflower: A Story of Courage, Community, and War. Viking, New York, N.Y. 2000, ISBN 0-670-03760-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Barbara Lambert Merrick: William Brewster of the Mayflower and his Descendants for Four Generation, S. 1.
  2. Clifton E. Olmstead: History of Religion in the United States. Prentice-Hall, Englewood Cliffs, N.J. 1960, S. 66–67
  3. Nathaniel Philbrick: Mayflower: A Story of Courage, Community, and War. Viking, New York N.Y. 2000, S. 46
  4. Nathaniel Philbrick: Mayflower, S. 18.
  5. Nathaniel Philbrick: Mayflower, S. 16–18.
  6. Nathaniel Philbrick: Mayflower, S. 25
  7. Clifton E. Olmstead: History of Religion in the United States, S. 66.
  8. Clifton E. Olmstead: History of Religion in the United States, S. 67.
  9. Nathaniel Philbrick: Mayflower, S. 125
  10. Clifton E. Olmstead: History of Religion in the United States, S. 66–67.
  11. Nathaniel Philbrick: Mayflower, S. 18.
  12. Christopher Fennell: Plymouth Colony Legal Structure. (http://www.histarch.uiuc.edu/plymouth/ccflaw.html). 1998.
  13. M. Schmidt: Pilgerväter. In Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band V, Tübingen 1961, Spalte 384
  14. Clifton E. Olmstead: History of Religion in the United States, S. 9–10.
  15. Horst Dippel: Geschichte der USA. Beck, München 2007.