William Cargill

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William Walter Cargill mit Tochter Christina

William Walter Cargill (* 27. August 1784 in Edinburgh, Schottland; † 6. August 1860 in Dunedin, Neuseeland), war Weinhändler, Bankmanager, Captain in der britischen Armee, Kolonialist in Otago und Mitbegründer von Dunedin.

Leben[Bearbeiten]

William Cargill wurde als ältester Sohn von William Cargill und Marion Jameson in eine strenge Calvinisten-Familie hinein geboren. Er hatte vier weitere Geschwister, drei Brüder und eine Schwester. Sein Vater war Rechtsanwalt und Notar zum Beglaubigen von Unterschriften, sprach aber später dem Alkohol zu und starb an Alkoholismus, als William 15 Jahre alt war. Seine Mutter war Tochter eines Steinmetzes aus Edinburgh.

Schon vor dem Tod seines Vaters lebte die Familie in finanziell schwierigen Verhältnissen. Trotzdem schaffte seine Mutter es, allen eine gute Ausbildung zu geben. So war es für William möglich, von 1794 an bis 1797 die renommierte Royal High School in Edinburgh zu besuchen. Danach wurde er privat unterrichtet. Sein Tutor war Thomas Chalmers, Mathematiker und Gründer der Free Church of Scotland. Chalmers, der nur vier Jahre älter war als William, war Freund der Familie und wurde für William zum Vorbild und zum Protegé.

Militärdienst[Bearbeiten]

Mit 18 Jahren, am 21. Mai 1802, trat William mit Unterstützung seines Großonkels Sir William Nicholson als Fähnrich in das 84. Regiment der britischen Armee ein, kam in die Obhut von Captain Grant, der ihm den Übergang vom Zivilleben zum harten militärischen Alltag etwas erleichterte.

Nach Einsätzen in Bengalen und im Zweiten Marathenkrieg wurde er in der Schlacht von Busaco, 200 km nördlich von Lissabon in Portugal, schwer verwundet und benötigte eine zweijährige Genesung, um im Dezember 1812 zu seinem Regiment zurückkehren zu können. Es war wohl seiner guten Konstitution zu verdanken, dass er überlebte, denn medizinische Kenntnisse und Versorgung in dieser Zeit waren mehr als mangelhaft.

Nach seiner Rückkehr zu seinem Regiment in Sarzedas, Kreis Castelo Branco, wurde er sehr schnell, in Ermangelung an Offizieren, zum Captain befördert. Während seiner Stationierungszeit auf der Iberischen Halbinsel heiratete er am 18. April 1813 in Porto seine Frau Mary Ann Yates (1790-1871), Tochter eines Marineoffiziers und Londoner Schauspielers. Nach weiteren Kriegseinsätzen stand im Juni 1815 seine Abkommandierung zur Schlacht bei Waterloo kurz bevor. Doch die Niederlage Napoléon Bonapartes und der Friedensvertrag des zweiten Pariser Friedens ließ ihn von weiteren Kriegseinsätzen verschont.

Als Soldat, nun bereits 37-jährig, mit fünf Kindern und nicht gerade üppigem Sold, konnte er seiner Familie kein geregeltes Familienleben ermöglichen. So ließ er sich am 1. Juni 1820 mit einer Abfindung von £1.500 auszahlen und verließ die britische Armee, führte aber seinen erworbenen Titel Captain weiter.

In Großbritannien[Bearbeiten]

Nach seinem Austritt aus der Armee betätigte sich Cargill in Edinburgh als Weinhändler, gab das Geschäft 1834 nach schwierigen Jahren wieder auf und wechselte ins Bankwesen. Dieses war noch recht chaotisch organisiert und Bankier zu werden vergleichsweise leicht. So wurde er 1836 zum Generaldirektor der East of England Bank (1836-1864) in Norwich ernannt.

1841 ging er dann nach London, um einen Sitz im Board of Directors der Oriental Bank Corporation (1845-1892), in der sein ältester Sohn Generaldirektor geworden war, einzunehmen. Etwas frustriert über diese Position, suchte er nach einer etwas mehr herausfordernden Tätigkeit. Über einen Artikel zum Thema Kolonisierung von Neuseeland in der Colonial Gazette wurde er 1842 auf George Rennie (1802–1860), Bildhauer und Politiker, aufmerksam. Er hatte in den 1830ern schon mal mit dem Gedanken der Emigration in ein anderes Land gespielt. Damals stand Kanada auf seiner Wunschliste.

Neuseeland[Bearbeiten]

Nun, fast 60-jährig, ergab sich auf einmal die Möglichkeit, nach Neuseeland zu gehen. 1843, auf Grund von Glaubensfragen spaltete sich gerade die Free Church of Scotland von der Church of Scotland ab, kam er mit George Rennie in Kontakt. Dieser versprach ihm, eine führende Rolle im schottischen Siedlungsprojekt in Neuseeland zu erhalten.

Unter der Führung von Thomas Chalmers, Führer der Free Church of Scotland, und inspiriert von Edward Gibbon Wakefields Ideen der systematischen Kolonisierung, wurde William Cargill neben dem Pfarrer Thomas Burns Leiter des Siedlungsvorhabens der Free Church of Scotland in Otago, das die Aufgabe hatte, die Gründung von New Edinburgh, dem späteren Dunedin, vorzunehmen.

Mit dem Versprechen von £500 Jahresgehalt für seinen Dienste für die New Zealand Company stach Cargill am 24. November 1847 mit 96 Siedlern an Bord der John Wickliffe in See. Thomas Burns folgte mit der Philip Laing. Am 23. März 1848 erreichte Cargill Otago Harbour, gründete nach den planerischen Vorbereitungen von Frederick Tuckett und Charles Henry Kettle den Hafenort Port Chalmers und anschließend Dunedin, die spätere Hauptstadt von Otago. Von 1853 bis 1860 war Cargill Superintendent von Otago und von 1855 bis 1860 Mitglied des Dunedin Country District.

William Cargill war wohl der prominenteste, dominanteste und machtbesessenste Politiker seiner Zeit in Neuseeland. Sein störrischer schottischer Charakter und Stil amüsierte meist die englischstämmigen Beobachter, verärgerte Regierungsbeamte, fand aber Zustimmung bei den schottischen Siedlern. Mit demokratischen Strukturen hatte er so seine Probleme. Kritik der örtlichen Presse begegnete er mit der Gründung einem ihm mehr wohlgesinnten Printmediums. Ihm wurde nachgesagt, autokratisch, unflexibel und nepotistisch zu sein.

William Walter Cargill starb ein Jahr vor Beginn des Otago-Goldrausch am 6. August 1860 in Dunedin an einem Schlaganfall. Die dem Goldrausch folgenden chaotischen Zeiten hätte er als Politiker wohl nicht überlebt. Ihm zu Ehren wurde die mit 676 Meter höchste Erhebung Dunedins, 8 km nordöstlich des Stadtzentrums, Mount Cargill genannt. Gouverneur Thomas Gore Browne ehrte ihn mit der Namensnennung Invercargill für die Stadtgründung am südlichsten Ende der Südinsel Neuseelands.

Literatur[Bearbeiten]

  • New Zealand Encyclopedia, 5th Edition, David Bateman Ltd., Auckland, 2000.
  • Tom Brooking, And Captain Of Their Souls, Cargill & The Otago Colonists, Otago Heritage Books, Dunedin, New Zealand, 1984.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: William Cargill – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien