William Huskisson

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William Huskisson, von Richard Rothwell (National Portrait Gallery, London)

William Huskisson (* 11. März 1770 in Birtsmorton Court, Worcestershire; † 15. September 1830 in Eccles) war britischer Politiker, Finanzier und Abgeordneter für Liverpool im Unterhaus. Huskisson unterstützte den Bau der Liverpool and Manchester Railway. Bekannt geworden ist er als erstes prominentes Todesopfer bei einem Eisenbahnunfall, als er von der Lokomotive The Rocket erfasst wurde und wenige Stunden später seinen Verletzungen erlag.

Biografie[Bearbeiten]

Seite 1 von Huskissons Testament

1783 wurde Huskisson nach Paris zu seinem Großonkel mütterlicherseits Dr. Richard Gem geschickt, der bei der britischen Botschaft Arzt war. Bis 1792 blieb er in Paris und die Ereignisse der Französischen Revolution weckten sein Interesse an der Politik. Huskisson war Mitglied des „Club of 1789“, deren Mitglieder eine Umwandlung Frankreichs in eine konstitutionelle Monarchie befürworteten. Am 29. August 1790 hielt er eine vielbeachtete Rede über die Ausgabe von Assignaten durch die französische Regierung, die ihm den Ruf einbrachte, ein Finanzexperte zu sein. Von 1790 bis 1792 arbeitete er für den Marquess of Stafford, dem damaligen britischen Botschafter, und kehrte mit ihm nach London zurück.

In Großbritannien erhielt Huskisson bald die Unterstützung von zwei weiteren einflussreichen Politikern, Innenminister Henry Dundas und Premierminister William Pitt der Jüngere. Da Huskisson fließend Französisch sprach, beauftragte ihn Dundas im Januar 1793 mit der Durchsetzung des Alien Act, das hauptsächlich französische Flüchtlinge betraf. Huskisson bewährte sich bei dieser Aufgabe so gut, dass Pitt ihn 1795 zum Stellvertreter des Kriegsministers ernannte. 1796 wurde er zum Parlamentsabgeordneten des Wahlkreises Morpeth gewählt, vier Jahre später erbte er das Vermögen seines Großonkels Dr. Gem. Nach Pitts Rücktritt im Jahr 1801 gab er seinen Parlamentssitz auf und zog sich ins Privatleben zurück. Ab 1804, als Pitt wieder im Amt war, vertrat Huskisson den Wahlkreis Liskeard und war bis zu Pitts Tod im Januar 1806 als Sekretär des Schatzamtes tätig.

Nachdem Huskisson 1807 als Abgeordneter von Harwich gewählt worden war, nahm er unter dem Herzog von Portland dasselbe Amt an, trat dann jedoch 1809 zurück. Im Jahr 1810 veröffentlichte er ein Pamphlet über das Währungssystem, das seinen Ruf als fähigsten Finanzier seiner Zeit bestätigte, doch seine Freihandelsprinzipien widersprachen jenen seiner Partei.

1812 kehrte Huskisson als Abgeordneter von Chichester ins Parlament zurück. Ab 1814 hatte er den Posten als „Erster Kommissär für Wälder und Forste“ (First Commissioner of Woods and Forests) inne. Bei den Debatten um die Corn Laws nahm er 1814/15 eine führende Position ein und präsentierte 1819 Lord Liverpool ein Memorandum, in dem er die Reduktion der Schulden forderte. 1823 wurde er zum Präsidenten des Board of Trade ernannt und war damit faktisch Handelsminister. Ebenfalls ab 1823 vertrat er den Wahlkreis Liverpool. Er war hauptsächlich mit der Reform der Navigationsakte beschäftigt. Ab September 1827 war Huskisson Kriegs- und Kolonialminister im Kabinett von Lord Goderich. Im Mai 1828 trat er von diesem Amt zurück.

Tod[Bearbeiten]

Denkmal für den Unfall an der Liverpool and Manchester Railway
Gedenktafel für William Huskisson, heute im National Railway Museum, York

William Huskisson war der erste Prominente, der bei einem Eisenbahnunglück getötet wurde. In der Literatur wird er oft als der erste genannte, der bei einem Eisenbahnunfall überhaupt zu Tode kam. Das trifft aber wohl nicht zu. Ingenieure und Handwerker kamen zuvor bei Kesselexplosionen ums Leben und den ersten tödlich verunglückten Nicht-Eisenbahner traf sein Schicksal wohl schon 1821.[1]

William Huskisson nahm am 15. September 1830 als Fahrgast an der Eröffnungsfahrt der Liverpool and Manchester Railway teil und saß im selben Zug wie der Herzog von Wellington. Bei Parkside, in der Nähe von Newton-le-Willows in Lancashire, hielt der Zug an, damit die Lokomotive Wasser fassen konnte. Mehrere Personen aus der Begleitung des Herzogs traten auf das Gleis der Gegenrichtung. Huskisson ging nach vorne, um den Herzog zu begrüßen. Als er wieder zu seinem Wagen zurückkehrte, näherte sich die Lokomotive Rocket auf dem parallel verlaufenden Gleis. Huskisson konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen und sein linkes Bein wurde zertrümmert. Nach dem Unfall fuhr George Stephenson den schwer verletzten Huskisson mit der Lokomotive Northumbrian, die den Zug des Herzogs von Wellington gezogen hatte, nach Eccles, wo er nur einige Stunden später verstarb. Die Northumbrian erreichte bei dieser Fahrt die für damalige Verhältnisse sensationelle Geschwindigkeit von 36 mph (58 km/h).

Kontroverse Figur[Bearbeiten]

Marmorstatue des William Huskisson, geschaffen von John Gibson in den Pimlico Gardens in London

In einem Brief vom November 1823 kritisierte Huskisson William Wilberforce und seine abolitionistische Gesellschaft, deren Agitation er für die Sklavenaufstände in Demerara verantwortlich machte. Der Brief wurde im April 1824 in The Times veröffentlicht. [2]

Die Witwe von Huskisson ließ eine von John Gibson gefertigte Bronzestatue vor dem Zollhaus in Liverpool am Canning Place aufstellen. Das Zollhaus wurde im 2. Weltkrieg durch deutsche Bomben zerstört und die Bronzeplastik wurde in die Nähe der Princes Road Synagogue gestellt. Bei Auseinandersetzungen 1981 wurde der Kopf der Statue abgetrennt und 1984 in einem Park wiedergefunden. [3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: William Huskisson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Balkwill und John Marshall: The Guinness Book of Railway Facts and Feats. 6. Aufl. (1993). ISBN 0-85112-707-X: Am 5. Dezember 1821 lief der Zimmermann David Brook in schwerem Graupelwetter entlang der Middleton Railway. Dabei übersah er einen Zug und wurde tödlich verletzt.
  2. Alexander Brady, William Huskisson and liberal reform
  3. checkmatebooks.com William Huskisson