William Osler

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William Osler im Alter von 32 Jahren
Sir William Osler

Sir William Osler (* 12. Juli 1849 in Bond Head, Canada West (heute Ontario); † 29. Dezember 1919 in Oxford) war ein kanadischer Mediziner. Um die Jahrhundertwende war er der bekannteste Mediziner im englischsprachigen Raum, auch heute wird er häufig als Vater der modernen Medizin bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

William Osler wuchs als jüngstes von neun Kindern von Reverend Featherstone Lake Osler und seiner Frau Ellen Free Picton in Dundas auf. Nach seiner Schulzeit besuchte er ab 1868 die Toronto Medical School und anschließend die McGill-Universität in Montreal. Dort schloss er im Jahr 1872 sein medizinisches Studium ab.

Es folgten Aufenthalte in verschiedenen medizinischen Einrichtungen, unter anderem in Berlin, Leipzig und Wien, die meiste Zeit verbrachte er am University College London. Nach seiner Rückkehr nach Kanada wurde er Dozent am medizinischen Institut der McGill-Universität, im Jahr 1875 wurde er dort Professor und unterrichtete Physiologie, Pathologie und Medizin. 1882 war er Mitbegründer der Royal Society of Canada. 1884 übernahm er den Lehrstuhl für klinische Medizin an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia, doch bereits 1888 wechselte er an die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore und wurde dort der erste Professor für Medizin. Während der ersten vier Jahre in Baltimore schrieb er sein Buch The Principles and Practice of Medicine, das kurz nach seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1892 zum angesehensten medizinischen Lehrbuch seiner Zeit wurde. Im gleichen Jahr heiratete Osler Grace Cross, eine Urenkelin des amerikanischen Freiheitskämpfers Paul Revere. Während eines Besuches in England im Jahr 1904 wurde ihm der Königliche Lehrstuhl für Medizin an der Universität Oxford angeboten, der bis dahin allein englischen Bürgern vorbehalten war. Obwohl er seine kanadische Staatsbürgerschaft beibehielt, übernahm er den Lehrstuhl 1905 und hatte ihn bis zu seinem Tode inne. Während seiner Zeit in Oxford widmete er sich immer mehr seiner Leidenschaft für Bücher, seine Bibliothek wuchs zu einer der Besten heran. Nach seinem Tode wurde sie der McGill-Universität übergeben, die sie bis heute pflegt. Für seine großen Errungenschaften auf dem Gebiet der Medizin wurde Osler 1911 der britische Ehrentitel Baronet verliehen, 1994 wurde er in die Canadian Medical Hall of Fame aufgenommen.

Sir William Osler starb 1919 an Bronchopneumonie und Empyemen. Zunächst wurde er in der Kapelle der Christ Church in Oxford beigesetzt, doch seit dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1928 ruht die Asche von Sir William und Lady Osler in der Osler Library of History an der McGill-Universität.

Einfluss[Bearbeiten]

Sir William Osler war nicht nur ein Experte was die Diagnose von Herz-, Lungen- und Blutkrankheiten betraf, sondern er leitete auch die Entwicklung der damaligen Medizin hin zur heutigen modernen Medizin ein. So kombinierte er zum ersten Mal die physiologische Behandlung eines Patienten mit der psychologischen und verdeutlichte die Bedeutung des seelischen Zustandes eines Patienten in Bezug auf dessen Heilung:

"Don't tell me what type of disease the patient has, tell me what type of patient has the disease!" (Sage mir nicht, welche Art Krankheit der Patient hat, sondern erkläre mir, welche Art von Patient diese Krankheit hat!)

Daher wird er häufig als Vater der psychosomatischen Medizin angesehen. Darüber hinaus hatte er großen Einfluss auf die Entwicklung der medizinischen Ausbildung, er war maßgeblich an der Entwicklung des Weiterbildungssystems für Ärzte beteiligt, das heute noch Anwendung findet. Auch sorgte er dafür, dass dem Umgang mit den Patienten im Verlauf des Medizinstudiums mehr Zeit eingeräumt wurde.

Durch seine zahlreichen Veröffentlichungen wurde er zu einem international angesehenen Humanmediziner und erweiterte das zu seiner Zeit bestehende Wissen in vielen verschiedenen Bereichen der klinischen Medizin.

Nach ihm benannt sind die Osler-Knötchen und der davon verschiedene Morbus Osler.

Werke[Bearbeiten]

Eine kleine Auswahl aus den Werken von Sir William Osler:

  • Normal histology for laboratory and class use (1882)
  • The License to Practice (1889)
  • Doctor and Nurse: Remarks to the First Class of Graduates from the Training School for Nurses of The Johns Hopkins Hospital (1891)
  • The Principles and Practice of Medicine (1892)
  • The growth of truth as illustrated in the discovery of the circulation of the blood (1906)
  • On multiple hereditary telangiectases with recurrent haemorrhages (1907)
  • A Concise History of Medicine (1919)

Weblinks[Bearbeiten]