William Petty

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Dieser Artikel behandelt den britischen Wissenschaftler. Den gleichnamigen Urgroßenkel und britischen Premierminister finden Sie unter William Petty, 2. Earl of Shelburne.
William Petty

Sir William Petty (* 27. Mai 1623 in Romsey in der Grafschaft Hampshire; † 16. Dezember 1687 in London) war ein Ökonom, Wissenschaftler und Philosoph. Er gilt als der Vater der englischen Nationalökonomie.[1] William Petty gehört zu den Gründungsmitgliedern der Royal Society.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Hendrick Cornelisz Abfahrt der Segelschiffe der Ostindischen Gesellschaft , 1630–1640 Rijksmuseum (Amsterdam)

William Petty wird in bescheidenen Verhältnissen geboren. Er wird als frühreif und hochintelligent beschrieben. Mit zwölf Jahren war er bereits ein geschickter Schmied, Uhrmacher und Tischler. Als Jugendlicher ging er als Schiffsjunge zur See. Mit 14 Jahren nahm er am Jesuitencollege in Caen seine Studien wieder auf, Latein, Altgriechisch und Französisch sowie Mathematik und Astronomie. Danach kehrte er nach England zurück. 1643, während des Englischen Bürgerkrieges, floh er nach Holland, wo er sich mit Anatomie beschäftigte. In Amsterdam wurde er der persönliche Sekretär von Hobbes; dadurch begegnete er auch René Descartes, Pierre Gassendi und Marin Mersenne.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges ging er 1646 nach Oxford, um Medizin zu studieren. Er trat der Philosophiegesellschaft von London bei. 1651 wurde er Professor der Anatomie in Oxford und der Musik in London. 1652 schloss er sich der Armee von Oliver Cromwell in Irland als Generalarzt an. Seine Opposition gegen den herkömmlichen Unterricht und vielleicht die Bekanntschaft mit der neuen Wissenschaftsauffassung von Francis Bacon hatten ihn aus Oxford vertrieben. 1654 erhielt er die Aufgabe, ganz Irland in ein Kataster einzutragen: Es war das Down Survey, das er 1656 vollendete. Die Bedeutung dieser Aufgabe lag darin, dass Cromwell seine Gläubiger mit Landbesitz abfand. William Petty wurde ebenfalls mit Grundbesitz entlohnt; er erhielt 30.000 acres im Südwesten Irlands sowie 9.000 livres. Die Höhe des Betrages führte zu Argwohn. Bis zu seinem Tod wurde er der Bestechung und des Betruges verdächtigt, ohne dass jedoch formelle Beweise erbracht wurden.

Nach seiner Rückkehr nach England als Parteigänger von Cromwell scheiterte 1659 seine Wahl ins Parlament. Trotz seiner politischen Überzeugung wurde er während der Restauration gut behandelt, wenn er auch einen Teil seines Eigentums verlor.

1662 wurde er wieder zu den Treffen der Royal Society eingeladen und schrieb er sein erstes wirtschaftswissenschaftliches Werk, das Traktat über die Besteuerung .

Er versuchte sich ohne großen Erfolg in Schiffsarchitektur, wurde von Charles II. (England) zum Ritter ernannt und ging 1666 zurück nach Irland. Die Ereignisse, die ihn von Oxford nach Irland führten, markieren seine Entwicklung von der Medizin und den Naturwissenschaften in Richtung der Sozialwissenschaften. Folglich widmete er ihnen dort sein Leben. Sein Hauptinteresse wurde der Wohlstand Irlands, und er schlug zahlreiche Mittel vor, um es aus seiner Rückständigkeit herauszubekommen. Er zog eine widersprüchliche Bilanz seines Lebens. Bescheidenen Ursprungs hatte er den Weg in die intellektuelle Elite gefunden, und mit 35 Jahren war er ein reicher Mann. Seine Zeitgenossen betrachteten ihn als einen glänzenden Geist, anständig und vernünftig. Trotzdem blieb er der Dauerhaftigkeit seines Eigentums unsicher und durch seine politischen Misserfolge frustriert. 1685 kehrte er zurück nach London und starb dort zwei Jahre später.

Schriften[Bearbeiten]

Petty hat die Arbeitsteilung als Quelle von Produktivität am Beispiel einer Taschenuhr dargestellt, und darüber hinaus die Wirkungen der Arbeitsteilung auch im Hinblick auf eine Stadt oder die Industrie eines ganzen Landes.[2]

Mit seiner Politischen Arithmetik hatte Petty eine neue Wissenschaft zu gründen unternommen, die ihre Argumente nur auf natürlich beobachtbare Ursachen stützen sollte. Kühn und genial wurde sein Vorschlag genannt, alle Einwohner und Mobilien Irlands und Hochschottlands nach dem übrigen Großbritannien umzusiedeln, um Zeit zu sparen und damit die Produktivität zu erhöhen.[3]

Zu Pettys Zeit war Holland das wirtschaftspolitische Modell für englische Ökonomen, wie später England zum Vorbild für alle übrige Welt werden sollte. Petty suchte daher nachzuweisen, dass Hollands Vormachtstellung nicht besonderen Geistesgaben geschuldet sei, sondern dass England dieselbe Möglichkeit offenstehe. Gewissensfreiheit sei Vorbedingung für den Handel, „weil die Armen fleißig seien und Arbeit und Industrie als Pflicht gegen Gott betrachten, solange man ihnen nur erlaube zu denken, daß sie, die weniger Reichtum haben, mehr Witz und Verstand in göttlichen Dingen hätten, welches sie als spezielles Eigentum der Armen betrachten“. Der Handel sei daher „nicht fixiert an irgendeine Art Religion, aber eher stets an den heterodoxen Teil des Ganzen“. Er befürwortet öffentliche Abgaben an Spitzbuben, denn es sei besser, sich selbst für die Spitzbuben zu besteuern, als sich von diesen selber besteuern zu lassen. Dagegen ist er gegen Steuern, die Reichtum übertragen auf solche, die „nichts tun als essen, trinken, singen, spielen, tanzen und Metaphysik betreiben“.

Er sprach sich auch dafür aus, die Löhne auf ein Minimum zu beschränken: „Das Gesetz ... sollte dem Arbeiter gerade das noch zum Leben Notwendige zugestehen; denn wenn man ihm das Doppelte zugesteht, dann arbeitet er nur halb soviel, wie er hätte tun können und andernfalls getan hätte; das bedeutet für die Gesellschaft einen Verlust des Ergebnisses von soviel Arbeit.“[4]

Karl Marx ließ die klassische politische Ökonomie in England mit Petty und in Frankreich mit Boisguillebert beginnen, sowie die englische mit Ricardo und die französische mit Sismondi enden. Während aber Petty „ein frivoler, plünderungssüchtiger und charakterloser Abenteurer“ gewesen sei, so sei Boisguillebert obwohl Intendant Ludwig des XIV. mit so viel Geist wie Kühnheit auch für die unterdrückten Klassen eingetreten.[5]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie. Franz Duncker, 1859; MEW Bd. 13, S. 38f. Anm. *.
  2. An Essay concerning the multiplication of mankind etc., 3. Aufl. 1686, S. 35f.; vgl. Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie. Franz Duncker, 1859; MEW Bd. 13, S. 38f. Anm. *. Der Spectator vom 26. November 1711 hat dies hervorgehoben, doch John Ramsay McCulloch hat dies falsch zugeordnet.
  3. Political Arithmetic, Chapter 4, S. 225; vgl. Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie. Franz Duncker, 1859; MEW Bd. 13, S. 38f. Anm. *.
  4. William Petty: A Treatise of Taxes, and Contributions. London 1667; zit. nach Karl Marx, MEW 26.1, S. 332.
  5. Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie. Franz Duncker, 1859; MEW Bd. 13, S. 40. Anm. ***.

Werke[Bearbeiten]

  • A Treatise of Taxes and Contributions (1662)
  • Political Arithmetic posthum. (approx. 1676, pub. 1690)
  • Verbum Sapienti posthum. (1664, pub. 1691)
  • Political Anatomy of Ireland posthum. (1672, pub. 1691)
  • Quantulumcunque Concerning Money posthum. (1682, pub. 1695)

Literatur[Bearbeiten]

  • Heino Klingen: Politische Ökonomie der Präklassik. Die Beiträge Pettys, Cantillons und Quesnays zur Entstehung der klassischen politischen Ökonomie. Metropolis Marburg 1992. ISBN 3-926570-59-8. S. 23-66.

Weblinks[Bearbeiten]