William Tweed

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William Tweed

William Magear Tweed (* 3. April 1823 in New York City; † 12. April 1878 ebenda) war ein amerikanischer Politiker. Der Anführer des Männerbunds St. Tammany Society (besser bekannt unter der Bezeichnung „Tammany Hall“) und der von dieser Gesellschaft beherrschten Demokratischen Partei in New York war die zentrale Figur in einem weitreichenden Korruptionsskandal.

Leben[Bearbeiten]

Tweed, dessen Vorfahren schottische Protestanten waren, verließ mit elf Jahren die Schule, um seinem Vater in dessen Stuhlmacherwerkstatt zur Hand zu gehen. In den Jahren darauf geriet er auf die schiefe Bahn und wurde in seinem Stadtteil unter dem Namen „Big Bill“ – eine Anspielung auf sein Gewicht von etwa 150 Kilogramm – als Anführer einer Gang berüchtigt. Später gelangte Tweed zur New Yorker Feuerwehr und wurde bereits mit 27 Jahren Kommandant der American Engine Company Number Six.

1852 wurde Tweed zum Stadtrat für die Demokratische Partei gewählt, 1853 wurde er für diese Partei Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus.

Vorherrschende politische Kraft innerhalb der Demokratischen Partei, die wiederum vorherrschende politische Kraft in New York war, war die St. Tammany Society, welche sich der Einwanderer aus Europa in dem Bestreben annahm, sie als unkritische Wähler zu gewinnen. 1857 wurde Tweed "sachem" (Sektionschef) der St. Tammany Society, 1863 "grand sachem" (Anführer) und damit zugleich Vorsitzender der Demokraten in New York. In dieser Position war Tweed die bestimmende Persönlichkeit der New Yorker Politik und erhielt so seinen Spitznamen „Boss Tweed“. 1868 wurde Tweed zusätzlich Staatssenator.

Karikatur von Thomas Nast zu Tweeds Wahlfälschungen

Tweed, der sich offen dazu bekannte, korrupt zu sein, nutzte seine Stellung zur persönlichen Bereicherung sowie zum Vorteil der Society aus. In den Jahren seiner politischen Karriere häufte Tweed ein Vermögen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags an. Unter seiner Führerschaft flossen zusätzlich der St. Tammany Society 200 Millionen Dollar aus öffentlichen Kassen zu. Dies geschah unter anderem, indem er Kontrollkommissionen einsetzte, welche Bauvorhaben zu genehmigen hatten. So kostete 1858 der Bau des New Yorker County Court House, welcher zuerst auf 250.000 Dollar veranschlagt worden war, die Stadt zuletzt mehr als 12 Millionen Dollar. Die Summe kam großteils der Society zugute, deren Mitglieder zudem die am Bau beteiligten Firmen kontrollierten.

William Tweed in einer Karikatur von Thomas Nast: „The brains that achieved the Tammany victory at the Rochester Democratic Convention“

Zusätzlich bediente sich Tweed eines reichen Spektrums unlauterer Mittel, um die Macht behalten und sich weiter bereichern zu können. Gegen Bestechungsgelder erhielten Immigranten illegal Bleiberechte. Ferner wurde Beamte und Mandatare eingeschüchtert oder ihrerseits bestochen. Zudem kam es in New York zu Wahlfälschungen, welche auf Tweed selbst zurückgingen. Indirekt kontrollierte Tweed auch die Presse, indem er die Zeitungen durch die Vergabe von gut dotierten Inseratenaufträgen der Kommune oder von Mitgliedern der Society gefügig machte.

Tweed wurde wesentlich durch den bekannten Karikaturisten Thomas Nast gestürzt, welcher in der Zeitschrift Harper’s Weekly publizierte und in seinen Zeichnungen das System der Korruption und politischen Willkür um Tweed anprangerte. Tweed lernte bald, Nast zu fürchten; so soll Tweed gesagt haben: „Es ist mir gleichgültig, was die Zeitungen über mich veröffentlichen, da meine Schäfchen ohnehin nicht lesen können. Aber sie verstehen diese Zeichnungen.“ Nast fuhr mit seiner Arbeit gegen Tweed trotz Morddrohungen und Bestechungsversuchen fort.

Schließlich verlor die Demokratische Partei trotz aller Manipulationen die Mehrheit. Nach der Wahl von Ulysses S. Grant zum US-Präsidenten folgte durch diesen die Ernennung von Edwards Pierrepont zum Bundesanwalt für den südlichen Bezirk von New York. Dieses Amt übte er bis 1870 aus, um danach als Mitglied des so genannten „Committee of Seventy“ gegen die Korruption in New York um den Parteivorsitzenden Tweed in der Tammany Hall vorzugehen. 1874 wurde Tweed aufgrund der massiven Korruption und mehrerer Kapitalverbrechen angeklagt und zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Als er 1875 gegen Kaution freigelassen werden sollte, konnte er nicht zahlen und floh nach Kuba, wo Tweed von einem spanischen Gendarmen gefasst wurde, welcher Tweed aufgrund der Karikaturen Nasts erkannte, die als Steckbriefe verwendet wurden. Tweed wurde 1876 an die USA ausgeliefert, wo er zwei Jahre später im Gefängnis Ludlow Street Jail von New York City starb. William Tweed wurde auf dem Friedhof Green-Wood Cemetery in Brooklyn beigesetzt.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

2002: im US-amerikanischen Film Gangs of New York von Martin Scorsese wird Tweed durch Jim Broadbent dargestellt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: William Tweed – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • William Tweed im Biographical Directory of the United States Congress (englisch)