William Wallace

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter William Wallace (Begriffsklärung) aufgeführt.
William Wallace (historisierende Darstellung des 17./18. Jahrhunderts)
William Wallace (Kupferstich des 18. Jahrhunderts)

Sir William Wallace von Elderslie, in mittelalterlichen Gälisch: „Uilliam Uallas“; modernen Gälisch: „Uilleam Uallas“; Lateinisch: „Guillelmus Walois de Scotia miles“; Französisch: „William Walleys“, (* um 1270 in Elderslie bei Paisley in Schottland; † 23. August 1305 in London) war ein schottischer Freiheitskämpfer.

Person[Bearbeiten]

Das Geburtsdatum von Wallace und sein Geburtsort sind nicht eindeutig geklärt. Wallace soll zwischen 1270 und 1280 geboren sein. In einem Geschichtswerk des 16. Jahrhunderts, „History of William Wallace and Scottish Affairs“, wird das Geburtsdatum mit 1276 angegeben. Auch über den Geburtsort gibt es verschiedene Aussagen, traditionell überliefert ist Elderslie in der Nähe von Johnstone in Renfrewshire, alternativ wird seine Herkunft aus Ellerslie in Ayrshire behauptet. Gegen Ellerslie wird dabei ins Feld geführt, dass es erst im 19. Jahrhundert erwähnt wird (als Bergbausiedlung), während Elderslie deutlich früher erwähnt wurde. Fest steht lediglich, dass sein erster Kampf im Umkreis von je dreißig Meilen um beide Siedlungen stattfand.

William Wallace-Standbild an der Scottish National Portrait Gallery, Edinburgh

Davies hält es für möglich, dass er aus einer cumbrischen Familie des ehemaligen Königreichs Strathclyde entstammt, da sein Nachname Wallace (Uallas) Waliser bedeutet.[1] Die Feststellung des Namens seines Vaters ist ebenso nicht eindeutig, tradiert wird er als Malcolm Wallace, jedoch steht auch der kürzlich durch einen Siegelfund bestätigte Ritter David Wallace aus dem Gefolge von James Steward zur Disposition, der aus Riccarton bei Galston in Ayrshire stammte. Mit der Abstammung von Letzterem wird auch die Version der Herkunft aus Ellerslie gestützt.

Eine gewisse Zeit seiner Jugend verbrachte er bei seinem Onkel, einem Kleriker, in Cambuskenneth Abbey bei Stirling. Dort lernte er vermutlich auch lesen und schreiben. Statt der wohl für ihn vorgesehenen Karriere als Geistlicher schlug Wallace einen anderen Weg ein, von dem kaum Informationen überliefert sind. Es wird vermutet, er habe als Soldat in englischen Diensten gestanden, was jedoch durch seine ausgeprägte Ablehnung Englands unwahrscheinlich erscheint. Diese Abneigung könnte darauf zurückgehen, dass sein mutmaßlicher Vater Malcolm Wallace von englischen Truppen ermordet wurde.

Über Wallace’ Körpergröße wird spekuliert. Der Überlieferung nach soll er ein 2,02-Meter-Hüne gewesen sein – was zu jener Zeit eine wirklich enorme Größe war, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittsmann im Süden gerade einmal 1,58 Meter groß war.

Historische Bedeutung[Bearbeiten]

Blick von Stirling Castle auf die Stadt und das Wallace Monument

William Wallace rief das Volk gegen Edward I. von England („Edward Longshanks“) auf, der die Oberherrschaft über Schottland beanspruchte und den schottischen König John de Balliol 1296 zur Abdankung gezwungen hatte. Wallace fügte am 11. September 1297 in der Schlacht von Stirling Bridge den englischen Truppen eine vernichtende Niederlage zu, verjagte sie aus Schottland und verfolgte sie bis nach Nordengland. Aus dieser Zeit, nämlich vom 11. Oktober 1297, stammt die einzige erhaltene Urkunde, die auf William Wallace als Aussteller zurückgeht und mit der er den Hansestädten Hamburg und Lübeck freien Verkehr mit allen schottischen Häfen zusagte. Sie wird im Archiv der Hansestadt Lübeck verwahrt.[2] Nach dem Sieg über England als Ritter zum Guardian of Scotland ernannt, wurde er aber am 22. Juli 1298 von Eduard in der Schlacht von Falkirk besiegt. Hiernach hielt er sich wahrscheinlich zeitweise in Frankreich auf.

Hinrichtung[Bearbeiten]

Diese Tafel wurde am Ort seiner Hinrichtung aufgestellt

Sir William Wallace wurde gegen eine hohe Belohnung von Sir John de Menteith verraten, dem Burgherrn von Dumbarton Castle. Gefangen genommen wurde Wallace am 5. August 1305 in Robroyston bei Glasgow. Kurz darauf wurde er an ein Pferd gebunden und auf einer zweiwöchigen Reise nach London verschleppt. Dort wurde er des Hochverrats angeklagt und zum Tode durch Hängen, Ausweiden, Vierteilen verurteilt, weil er sich weigerte, Eduard seine Treue zu schwören. Dies war bis ins frühe 19. Jahrhundert in Großbritannien die festgeschriebene Strafe für Verrat am König. Die Hinrichtung fand am 23. August 1305 statt. An ein Pferd angebunden musste er mehrere Stunden lang nackt durch die Straßen Londons laufen, während die Bewohner ihn mit Steinen bewarfen.

Anschließend wurde Wallace zuerst fast bis zum Tode gehängt, dann noch lebend kastriert und ausgeweidet – die entfernten Körperteile und Innereien wurden vor den Augen des Verurteilten und der Zuschauer verbrannt. Der Legende nach soll er noch unter der Folter seinen Peinigern zugerufen haben, dass er Schotte sei und Longshanks nicht als seinen König anerkenne, bevor er schließlich seinen Qualen erlag. Schriftlich überliefert sind die Worte: „Ihr englischen Hunde ihr, verweichlichte Huren seid ihr, küsst meinen schottischen Hintern und seid stolz darauf, dies tun zu können, etwas besseres kann einem jämmerlichen Engländer nicht passieren!“ Wallace' Körper wurde zerstückelt: Seine Arme und Beine wurden als Abschreckung nach Newcastle, Berwick-upon-Tweed, Stirling und Perth geschickt. Sein Kopf wurde auf der London Bridge aufgespießt.

Eine Gedenktafel am St Bartholomew’s Hospital in Smithfield (London) erinnert an den Ort seiner Hinrichtung.

Würdigungen[Bearbeiten]

Das Wallace-Monument

Das Wallace-Monument ist ein 67 Meter hoher Turm, der 1869 bei Stirling zum Gedenken an den schottischen Nationalhelden errichtet wurde. Das Monument ist heute eine wichtige Touristenattraktion. Dort ist auch das Schwert zu sehen, das William Wallace geführt haben soll. Der Legende nach soll er mit diesem Schwert 50 berittene Soldaten nacheinander getötet haben.

Patriotische Schotten verehren den Volkshelden und Märtyrer[3] dagegen an beschaulicheren Orten, etwa dem Caledonian Temple of Fame[4] oberhalb von Dryburgh/Scottish Borders.

Rezeption[Bearbeiten]

Das Leben William Wallace’ war Vorlage für den US-amerikanischen Spielfilm „Braveheart“ von 1995 mit Mel Gibson in der Titelrolle. Dieser Film enthält jedoch aus dramaturgischen Gründen eine Reihe historischer Ungenauigkeiten.

Ebenso wird William Wallace in dem Spiel Age of Empires II Tribut gezollt. Dort bekommt der Spieler in einer Lernkampagne um den Freiheitskämpfer die Spielmechanismen erklärt.

Ebenfalls im Spiel Medieval II tritt William Wallace in der sogenannten „Britannia-Kampagne“ in Erscheinung, wo er als schottischer Freiheitskämpfer und General gut gerüsteter Bauerntruppen auftritt.

Der Song The Clansman aus dem Album Virtual XI (1998) der britischen Heavy Metal-Band Iron Maiden ist „aus der Sicht“ von William Wallace geschrieben .

Die deutsche Heavy Metal-Band Grave Digger widmete Wallace auf Ihrem Konzept-Album über die schottische Geschichte, Tunes of War, den Song William Wallace (Braveheart).

Literatur[Bearbeiten]

  • Blind Harry: The Wallace (auch als Blind Harry’s Wallace bezeichnet). Dieses Buch gilt bis heute als schottisches Nationalepos und ist eines der meistgelesenen literarischen Werke Schottlands. Es ist die einzige literarische Quelle über William Wallace und wurde knapp 150 Jahre nach dessen Tod geschrieben.
  • Pete Armstrong: Stirling Bridge & Falkirk 1297–98. William Wallace's rebellion (= Osprey Military Campaign Series 117). Osprey Publishing, Oxford 2003, ISBN 1-84176-510-4.
  • G. W. S. Barrow: Wallace, William. In: Lexikon des Mittelalters. Band 8: Stadt (Byzantinisches Reich) bis Werl. Studienausgabe. Metzler, Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01742-7, Sp. 1979–1980.
  • D. J. Gray: William Wallace. The King's Enemy. 1. edition, reprinted. Robert Hale, London 1996, ISBN 0-7090-4329-5.
  • James Mackay: William Wallace. Brave Heart. Reprinted edition. Mainstream Publishing, Edinburgh u. a. 1996, ISBN 1-85158-823-X.
  • John Watney: William Wallace. Braveheart. Jarrold Publishing, Norwich, 1997, ISBN 0-85372-848-8.
  • E.G. Spitzer: WALLACE - Der Freiheit allein. Ellerslie, Stuttgart, 2012, ISBN 9-781477-549896.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: William Wallace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Norman Davies, Verschwundene Reiche, Darmstadt 2013, S. 95 f.
  2. Anglicana 12a, Edition: Lübeckisches Urkundenbuch, Band 1, Lübeck 1843 (Digitalisat), Nr. DCLXVIII, S. 599f., Abbildung, siehe auch Lübecker Nachrichten vom 21. September 2010
  3. http://www.thebiographychannel.de/themen/biografien/biohautnah/william-wallace.html
  4. http://www.schottlandportal.de/content/gesBeruehmtheitenJamesErskine.asp
Vorgänger Amt Nachfolger
keine direkten Vorgänger Guardian of Scotland
1297–1298
Mitregent:
Andrew de Moray (1297)
Robert the Bruce,
John III. Comyn