Willibald Pirckheimer

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Willibald Pirckheimer, porträtiert von Albrecht Dürer (1503)
Georg Schweigger: Bildnismedaillon Willibald Pirckheimer, Nürnberg 1638 (Bode-Museum, Berlin)
Willibald Pirckheimers Grab auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg

Willibald Pirckheimer (auch: Pirkheimer, Bilibald, * 4. Dezember 1470 in Eichstätt; † 22. Dezember 1530 in Nürnberg) war ein Humanist sowie Freund Albrecht Dürers und Berater Kaiser Maximilians I.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn des Anwalts Johannes Pirckheimer in der fürstbischöflichen Residenzstadt Eichstätt geboren, durchlief Willibald Pirckheimer ein siebenjähriges Studium in Italien, an den Universitäten in Padua und Pavia. Er folgte damit einer Familientradition, die sein Großonkel Thomas Pirckheimer etabliert hatte, der sich als erster juristischen und humanistischen Studien in Italien zugewandt hatte. Seine ältere Schwester Caritas Pirckheimer war Äbtissin des Nürnberger Klaraklosters. Vermutlich 1495 begegnete er erstmals Albrecht Dürer.

Er war Mitglied eines Kreises von Nürnberger Humanisten, dem auch Conrad Celtis, Sebald Schreyer (1446–1520) und Hartmann Schedel, der Verfasser der Schedelschen Weltchronik, angehörten. Er übersetzte zahlreiche klassische Werke ins Deutsche sowie griechische Werke ins Lateinische. In diesem Zusammenhang ist seine Herausgabe der Geographia von Ptolemäus im Jahre 1525 zu erwähnen. Kaiser Maximilian I. beriet sich mit ihm über literarische Fragen.

1499 wurde Pirckheimer vom Nürnberger Magistrat zum Kommandanten des reichsstädtischen Truppenkontingents im Schwabenkrieg gegen die Eidgenossen ernannt und erhielt bei seiner Rückkehr einen goldenen Pokal überreicht. Eine Anspielung darauf findet sich möglicherweise in Dürers Stich Nemesis um 1502.

Da Dürer keine klassische Ausbildung genossen hatte, wird üblicherweise angenommen, dass die zahlreichen klassischen und humanistischen Anspielungen in seinen Werken auf Gespräche mit Pirckheimer zurückgehen; als Ausnahme hierzu gilt hauptsächlich Melencolia I. Pirckheimer lieh Dürer das Geld für dessen zweite Italienreise um 1506-07, und zehn Briefe von Dürer an Pirckheimer aus Italien bezeugen ihre enge Freundschaft.

Wie Dürer liegt Pirckheimer auf dem Nürnberger St. Johannisfriedhof begraben (Grab St. Johannis I / 1414).

Publizist[Bearbeiten]

Pirckheimer engagierte sich in den gelehrten Auseinandersetzungen seiner Zeit. Insbesondere setzte er sich für Johannes Reuchlin und Martin Luther ein. Wahrscheinlich war er der Autor der 1520 unter dem Pseudonym „Joannefranciscus Cottalambergius“ veröffentlichten Satire Eccius Dedolatus (etwa: Der gehobelte Eck), mit der der Luthergegner Johannes Eck verspottet wurde. Jedenfalls ließ ihn Eck deshalb in die päpstlichen Bannbullen von 1520 und 1521 gegen Luther und seine Anhänger aufnehmen. Dem Protestantismus gegenüber war Pirckheimer aber eher kritisch eingestellt.

Künstler[Bearbeiten]

Gemeinsam mit Johannes Stabius entwarf er das allegorische Grundgerüst zu „Triumphzug“ und „Ehrenpforte“ (die Albrecht Dürer illustrierte), in denen das politische Konzept Maximilians I. propagiert wurde. Pirckheimer war auch maßgeblich am Entwurf des ikonografischen Programms des Nürnberger Rathaussaales beteiligt. Dürer, der wohl frühzeitig in die Planungen eingebunden war, war von 1521–1522 ab für die Umsetzung verantwortlich; die Ausmalung des Saales war nicht vor 1528–1530 fertig.

Jurist und Gutachter[Bearbeiten]

Eine herausragende Rolle spielte Willibald Pirckheimer für die Rezeption des römischen Rechts in Deutschland. Gregor Haloander, ein junger Gelehrter, hatte in Italien Materialien für die von ihm geplante kritische Ausgabe der Pandekten von Justinian gesammelt und sich für die Durchführung dieses Plans um Unterstützung an den Nürnberger Rat gewandt. Eine Ratskommission bat im Jahr 1528 Willibald Pirckheimer um eine gutachterliche Stellungnahme, die äußerst günstig ausfiel. Dies und die Befürwortung durch den Reformator Philipp Melanchthon hat dazu geführt, dass im Jahr 1529 mit Unterstützung der Stadt Nürnberg das römische Recht in dem von Gregor Haloander bearbeiteten Text unter dem Titel DIGESTORVUM SEV PANDECTARVM LIBRI QVINQUAGINTA erscheinen konnte.

Pirckheimer im Gedächtnis[Bearbeiten]

  • In Nürnberg gibt es zu seinen Ehren ein Pirckheimer-Gymnasium und die Pirckheimerstraße.
  • 1821 wurde in Nürnberg der klassizistische Dürer-Pirckheimer-Brunnen zum Gedenken an beide aufgestellt.
  • Auch eine 1956 in Ost-Berlin gegründete Bibliophilen-Vereinigung Pirckheimer-Gesellschaft wurde nach ihm benannt.
  • In den 1960er wurde die Willibald-Pirckheimer-Medaille für literarische Leistungen verliehen.
  • Eine Büste von ihm ist in der Ruhmeshalle in München ausgestellt.
  • Von dem Portrait auf der 50-DM-Banknote der zweiten Serie der Deutschen Mark (vom 18. September 1951) wurde zeitweilig angenommen, es handelte sich um ein Werk Dürers, das Pirckheimer zeige.

Werke[Bearbeiten]

  • Willibald Pirckheimers Briefwechsel. Gesammelt, herausgegeben und erläutert von Emil Reicke (Band 1-5) und Helga Scheible (Band 6-7). Beck, München 1940-2009.
  • Eckius dedolatus. Lateinisch-deutsch, übersetzt von Niklas Holzberg. Reclam, Stuttgart 1983. (Universal-Bibliothek 7993) ISBN 3-15-007993-4.
  • Wolfgang Schiel (Hrsg.): Der Schweizerkrieg, übersetzt aus dem Lateinischen von Ernst Münch, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1988 ISBN 978-3-85648-094-3
  • Verteidigungsrede oder Selbstlob der Gicht (Apologia seu podagrae laus.) Aus dem Lateinischen übersetzt und mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Wolfgang Kirsch. Mit Kupferstichen von Baldwin Zettl. Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1988. ISBN 3-351-00628-4. Neue Ausgabe im Dingsda Verlag Querfurt, Leipzig 2013, ISBN 978-3-928498-47-0.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Willibald Pirckheimer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Willibald Pirckheimer – Quellen und Volltexte