Wilmersdorfer Witwen

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Wilmersdorfer Witwen steht für das Stereotyp einer spezifischen sozialen Schicht und eines kulturellen Milieus der früheren West-Berliner Gesellschaft.

Das 1986 uraufgeführte Musical Linie 1 des Berliner Grips-Theaters prägte die Bezeichnung, die seither als Klischee verwendet wird. Die dort auftretenden selbstgerechten Rentnerinnen entdecken die schlafende Protagonistin des Stückes, die betäubt wurde und vermuten sofort, sie wäre ein „leichtes Mädchen“, weshalb sie sofort den Platz räumen soll. Daraufhin mischt sich eine andere Mitfahrerin ein, deren Vater Sozialist war und weist die Damen spöttisch in ihre Schranken. Es entsteht ein Dialog: Die Nachkriegsfrauen, die jegliche Verantwortung an Hitlers Untaten abstreiten, werden als rassistisch, arrogant, kleingeistig aber auch als lächerlich dargestellt. Die vier Wilmersdorfer Witwen Agathe, Kriemhild, Lotti und Martha singen dort unter anderem:

„Ja, wir Wilmersdorfer Witwen verteidigen Berlin,
sonst wär'n wir längst schon russisch, chaotisch und grün.
Was nach uns kommt ist Schiete,
denn wir sind die Elite.“

Nach diesem Klischee ist die Wilmersdorfer Witwe alleinstehend und vermögend. Sie lebt in einem der bürgerlichen Stadtteile im Westen und Südwestens Berlins und ist konservativ eingestellt. Entsprechend diesem Stereotyp wurde beispielsweise eine historische Gaslaterne, die im Berliner Gaslaternenmuseum zu sehen ist, und „mit zehn Millimeter dickem Kristallglas mit Facettenschliff und Blattgoldverzierung“ dekoriert ist, als Wilmersdorfer Witwe bezeichnet.[1]

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Blendfreies Funkeln bei Nacht. In: Berliner Zeitung vom 27. August 2008.
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