Wiltz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Wiltz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wiltz
Wappen Karte
Wappen von Wiltz Lage von Wiltz im Großherzogtum Luxemburg
Basisdaten
Staat: Luxemburg
Koordinaten: 49° 58′ N, 5° 56′ O49.9641666666675.9358333333333Koordinaten: 49° 57′ 51″ N, 5° 56′ 9″ O
Distrikt: Diekirch
Kanton: Wiltz
Einwohner: 5367 (1. Januar 2014)[1]
Fläche: 19,4 km²
Bevölkerungsdichte: 277,1 Einw./km²
Gemeindenummer: 00005009
Website: www.wiltz.lu
Politik
Bürgermeister: Frank Arndt (LSAP)
Wahlsystem: Proporzwahl

Wiltz (luxemburgisch Wolz) ist eine Stadt und eine Gemeinde im Großherzogtum Luxemburg und gehört zum Kanton Wiltz, dessen Hauptort sie ist. Sie liegt am gleichnamigen Nebenfluss der Sauer im Nordwesten.

Zusammensetzung der Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wiltz besteht aus den Ortschaften:

  • Niederwiltz
  • Roullingen
  • Weidingen
  • Wiltz

Geschichte[Bearbeiten]

Briefmarke der DDR, 1971

Der Name Wiltz kommt aus dem Keltischen und bedeutet „am Bach“.[2] Wiltz wurde schon von den Kelten bewohnt, urkundlich erstmals 764 erwähnt. 1240 erhielt Wiltz seinen Freiheitsbrief. Die Grafen von Wiltz zählen zu den ältesten Familien des Luxemburger Landes.[3]

Der Generalstreik von 1942[Bearbeiten]

21 Luxemburger wurden wegen ihrer Beteiligung am Generalstreik vom 31. August 1942 von der Gestapo erschossen. Die Anordnung über die Staatsangehörigkeit der Luxemburger und die Verordnung über die Wehrpflicht für die Jahrgänge 1920–1924, die für die betreffenden Jahrgänge eine Zwangsrekrutierung zur deutschen Wehrmacht bedeuteten, hatten den Streik ausgelöst. Er ging von der „Ideal“-Lederfabrik[4] in Wiltz aus, die vor der so genannten Arisierung zum Adler & Oppenheimer-Konzern gehört hatte. Die Arbeitsniederlegung in Wiltz breitete sich zu einer nationalen Streikbewegung aus. Die Besatzungsmacht reagierte darauf mit Standgerichten, Erschießungen und Deportationen. Im Konzentrationslager Hinzert kamen sechs Wiltzer Bürger zu Tode. Dies waren Nicolas Muller, Michel Worré, Alfred Brück, Joseph Ewen, Célestin Lommel und Charles Meiers. Die Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Generalstreikes fand 2002 vor dem nationalen Streikdenkmal in Wiltz statt.[5]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges litt kaum eine luxemburgische Ortschaft so schwer unter den Folgen des Krieges wie Wiltz. Als am 16. Dezember 1944 die Ardennenoffensive startete und die Wehrmacht den Norden Luxemburgs überrannte, wurden amerikanische Truppen in Wiltz eingeschlossen. Ähnlich wie in Bastogne wurde die Stadt belagert und heftig umkämpft. Sie wurde stark zerstört, doch konnten die US-Soldaten die Stadt bis zur erneuten Befreiung halten.

Wappen[Bearbeiten]

Das aktuelle Wappen wurde 1951 nach einem Vorschlag des Vorsitzenden der luxemburgischen heraldischen Vereinigung, M. Louis Wirion, eingeführt. Es zeigt vorne oben einen Löwen auf blau-silber gestreiften Grund, hinten oben einen silbernen Hermesstab auf rotem Grund, vorne unten einen silbernen Anker auf rotem Grund und hinten unten einen goldenen Bienenkorb und sechs goldene fliegende Bienen auf blauem Grund.

Sehenswertes[Bearbeiten]

Verschiedenes[Bearbeiten]

  • Wiltzer Festival

Die Stadt ist landesweit durch die Festspiele (Weelzer Festival) bekannt, einem Musik- und Kunstfestival, das jeden Sommer auf dem Gelände des Schlosses Wiltz stattfindet.

  • Simon Pils

In Wiltz befindet sich der Sitz der Brauerei Simon. Sie wurde 1824 von Georges Pauly gegründet und ist eine der letzten unabhängigen Brauereien Luxemburgs. Die Brauerei ist offizieller Hoflieferant.

  • Pfadfinder

Wiltz ist ein internationales Zentrum der Pfadfinderbewegung. In der Umgebung der Stadt befinden sich mehrere Pfadfinderzeltplätze und -gebäude. Zudem befindet sich in Wiltz das „International Scouting One Penny Monument“ zu ehren von Robert Baden-Powell, dem Begründer der Pfadfinderbewegung.

  • Ginsterfest

Das Ginsterfest (Geenzefest)[6] wird seit 1948 jedes Jahr während des Pfingst-Wochenendes veranstaltet. Hauptattraktion des Ginsterfestes ist am Pfingstmontag der Ginster-Umzug. Der Ginster-Umzug setzt sich zusammen aus den Festwagen, den aufspielenden Musikvereinen sowie Majoretten- und Folkloregruppen aus dem In- und Ausland. Des Weiteren nehmen auch internationale Fanfarenzüge und Showbands am Umzug teil. Den glanzvollen Abschluss des Umzuges bildet der mit Ginsterzweigen geschmückte Ginsterwagen der Ginsterkönigin. Die Ginsterkönigin wird von sechs Ehrendamen umrahmt.

  • Jungfrau von Fátima

Auf einem Hügel über Wiltz befindet sich eine Statue der Jungfrau von Fátima zu deren Ehren jährlich an Christi Himmelfahrt eine Prozession mit über 20.000 Teilnehmern stattfindet, die vor allem bei der portugiesischen Bevölkerung Luxemburgs großen Anklang findet. Aus der Pilgerfahrt ist in den letzten Jahren ein richtiges portugiesisches Volksfest geworden, an dem ein Großteil der portugiesischen Bevölkerung teilnimmt. Viele Familien reisen bereits am Vortag an und zelten und grillen an den Zufahrtsstraßen nach Wiltz. Die Idee zur Prozession der heiligen Jungfrau von Fátima entstand während des Belagerung der Stadt während der Ardennenoffensive, als mehrere Personen im Keller ihres Hauses vor den schweren Bombardements Schutz suchten. Da sie in dieser Nacht Todesängste ausstehen mussten, schworen sie, dass sie, falls sie die Nacht überleben sollten, eine Prozession zu Ehren der Jungfrau ins Leben rufen werden.[7]

Schulen[Bearbeiten]

Die Stadt beherbergt eine Primär-Schule und eine Sekundar-Schule, das Lycée du Nord.

Regionales Radio[Bearbeiten]

Wiltz besitzt eine lokale Radiostation, das Radio LNW, das auf der Frequenz 102,2 MHz sendet.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit 2005 ist Wiltz durch eine Städtepartnerschaft mit der portugiesischen Kleinstadt Celorico de Basto verbunden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. STATEC Luxembourg – Population par canton et commune 1821–2014 (franz.)
  2. Wiltz im Spiegel der Zeit (pdf; 1,2 MB)
  3. Luxemburger Burgen und Schlösser(pdf; 14,0 MB)
  4. IDEAL Lederfabrik A.G., Wiltz (Bilder)
  5. (ast), Die Opfer der Luxemburger Streikbewegung von 1942 sind nicht umsonst gestorben. Tageblatt. Zeitung fir Lëtzebuerg, 2. September 2002.
  6. 62. Wiltzer „Geenzefest“ lockte tausende Besucher an. Tageblatt. Zeitung fir Lëtzebuerg, 24. Mai 2010.
  7. Eine kurze Geschichte der Fatima-Stätte von Wiltz (PDF; 124 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiltz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien