Windmessmast Rödeser Berg

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Rödeser Berg mit dem Windmessmast

Der Windmessmast Rödeser Berg ist 200 Meter hoher, abgespannter Windmessmast in Stahlfachwerkbauweise auf dem Rödeser Berg zwischen den Wolfhagener Ortsteilen Niederelsungen und Nothfelden mit quadratischem Querschnitt, der vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) für Windmessungen benutzt wird. Der Windmessmast steht in einem Nutzwaldgebiet, welches durch Windbruch (besonders durch den Orkan Kyrill) prädestiniert und des Weiteren aufgrund der zu erwartenden hohen Winderträge gewählt wurde. Der Turm ist das zweithöchste Bauwerk Nordhessens.

Bauphase[Bearbeiten]

Windmessmast im Aufbau

Entgegen den ersten Annahmen zu der Fertigstellung bis Ende Juni 2010[1] dauerte es bis Ende November 2011, um den Windmessmast fertigzustellen.[2]

Der Bau des Turmes gliederte sich in zwei Bauabschnitte. Im ersten Abschnitt entstand der Turm unter Zuhilfenahme eines Spezialkrans, der die Turmsegmente an ihre Position brachte, durch ein Team von Spezialisten. Ende August war eine Höhe von 40 m erreicht.[3] In der zweiten Novemberwoche wurden schließlich 100 m Höhe erreicht. Im zweiten Bauabschnitt wurden die restlichen 100 m unter Zuhilfenahme eines Hubschraubers bis Ende November 2011 fertiggestellt.[2]

Da die Baustelle für den Windmessmasten innerhalb eines Waldgebietes liegt, konnten die entsprechenden Turmsegmente nicht mit Spezialtransportern angeliefert werden, sondern mussten vor Ort zusammengebaut werden.

Nutzung[Bearbeiten]

Der Windmessmast Rödeser Berg soll helfen, geeignete Standorte für Windkraftanlagen zu identifizieren. Das Fraunhofer IWES erforscht innerhalb des Forschungsprojekts Windernergienutzung im Binnenland des BMU[4] das Windenergiepotenzial in Deutschland.[5]

Mit seinen 200 m Höhe wird der Windmessmast nicht nur belastbare Daten für den Windstandort Rödeser Berg sammeln, sondern auch helfen, Korrekturalgorithmen für bodengestützte Windgeschwindigkeitsmessungen mit Hilfe moderner Lasertechnik zu entwickeln, die in Zukunft das kostenintensive und unter Umständen invasive Errichten eines Messmastes überflüssig machen können. Für diese Messungen wird auch die Lidar-Technik zum Einsatz kommen.[4]

Die vom Windmessmast gesammelten Daten werden den Stadtwerken Wolfhagen vom Fraunhofer IWES kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese Daten dienen auch der Überprüfung der Wirtschaftlichkeit des von den Stadtwerken geplanten Bürgerwindparks auf dem Rödeser Berg.[1] Dieser Bürgerwindpark soll bis zu 70 % des Energiebedarfs der Kommune decken und ist ein wichtiger Baustein zu dem von den Stadtwerken und der Politik verfolgten Ziel, 100 % der von den Privathaushalten verbrauchten Stromes auf eigenem Stadtgebiet zu produzieren. Weitere Maßnahmen sind Solaranlagen, Biogas- und Holzvergasungsanlagen sowie die Modernisierung der teilweise sehr alten Fachwerkhäuser mit fortschrittlicher Wärmedämmung.

Kritik[Bearbeiten]

Die Kritik an dem Standort des Windmessmastes konzentriert sich dabei besonders auf Artenschutz- und Naturschutzbedenken. So sollen in diesem Waldgebiet Wildkatzen sowie andere geschützte Arten leben, deren Lebensraum nach Artikel 12 in Verbindung mit Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG in der konsolidierten Fassung vom 21. August 1992 (PDF) (FFH-Richtlinie) nicht gestört, beschädigt oder vernichtet werden darf. Der Beweis der Existenz der zum Teil aufgeführten Tierarten konnte bisweilen noch nicht erbracht werden. So berichten Einzelpersonen, sie hätten den Luchs gesichtet. Diese Sichtungen sind allerdings erst nach Bekanntwerden des Bauvorhabens und durch Einzelpersonen ohne anwesende Zeugen geschehen. Als Beleg für die Existenz wird eine Untersuchung der Senckenberger Forschungsstation für Limnologie und Naturschutz an einer Haarprobe angeführt.[6]

An den Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments (PETI) wurde im Oktober 2010 eine Eingabe gerichtet, die geprüft und angenommen wurde.[7] Der Stadtverordneten der Wolfhager Grünen, Peter Kranz, durfte am 4. Oktober 2011 in Brüssel persönlich Stellung zur Petition nehmen.[8] Ziel der Petition ist im Wesentlichen die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Die EU-Kommission allerdings sieht in ihrer Stellungnahme für den Petitionsausschuss bislang keinerlei Hinweise auf Verstöße gegen das EU-Naturschutzrecht, da das Gebiet kein Schutzgebiet gemäß der wichtigen Habitatrichtlinie 92/43/EWG ist und auch von geringer Bedeutung für durchziehende oder rastende Vögel ist.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Windmessmast Rödeser Berg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Axel Welch, HNA (Hrsg.): 200-Meter-Mast steht bald auf Rödeser Berg. 21. Januar 2010 (HTML, abgerufen am 8. April 2012).
  2. a b  hna.de (Hrsg.): Messmast auf Rödeser Berg fertiggestellt. 29. November 2011 (HTML, abgerufen am 29. Dezember 2011).
  3.  Windkraft-Journal (Hrsg.): 200 m hohe Windmessmast am Rödeser Berg wird aufgebaut. 30. August 2011 (HTML, abgerufen am 8. April 2012).
  4. a b  Fraunhofer IWES (Hrsg.): Fraunhofer IWES errichtet 200 m hohen Forschungsmessmast für Windenergie. 12. August 2011 (HTML, abgerufen am 8. April 2012).
  5.  Studie zum Potenzial der Windenergienutzung an Land. (HTML, abgerufen am 27. Dezember 2011).
  6.  Ergebnis der genetischen Untersuchung. 30. September 2011 (PDF 65kB, abgerufen am 8. April 2012).
  7.  PETI (Hrsg.): Entwurf der Tagesordnung. (PDF 194kB, abgerufen am 15. Oktober 2011).
  8.  HNA (Hrsg.): Windkraftpläne am Rödeser Berg – Petitionsausschuss tagte in Brüssel. Grüne: EU wacht über Rödeser Berg. 10. Oktober 2011 (HTML, abgerufen am 15. Oktober 2011).

51.3595354697229.1946125030556Koordinaten: 51° 21′ 34,3″ N, 9° 11′ 40,6″ O