Winifred Wagner

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Winifred und Siegfried Wagner im Jahre 1916

Winifred Wagner (* 23. Juni 1897 in Hastings, England als Winifred Marjorie Williams; † 5. März 1980 in Überlingen) war die Schwiegertochter Richard Wagners (geboren erst nach seinem Tod). Nach dem Tode ihres Ehemannes Siegfried Wagner im Jahr 1930 war sie bis 1944 die Leiterin der Bayreuther Festspiele.

Leben[Bearbeiten]

Winifred Wagner war die einzige Tochter des englischen Journalisten John Williams und dessen Frau Emily Florence Karop. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wurde sie von dem Ehepaar Klindworth adoptiert. Ihr Adoptivvater Karl Klindworth, bei dem sie in der Reformsiedlung Eden lebte, brachte sie mit der Familie Wagner in Kontakt. Klindworth selbst war ein begeisterter Anhänger Richard Wagners und schrieb Klavierauszüge zu etlichen seiner Werke.

Im Alter von 18 Jahren heiratete sie am 22. September 1915 den 1869 geborenen Siegfried Wagner. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:

Frühes Engagement in der NSDAP[Bearbeiten]

Winifred Wagner war eine enge persönliche Freundin von Adolf Hitler, den sie 1923 kurz nach dem Deutschen Tag in Bayreuth kennengelernt hatte und in die Familie einführte.[1] Nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch und Hitlers Inhaftierung in Landsberg korrespondierte sie mit Hitler und schickte ihm Päckchen. Von ihr bezog Hitler alles, „was ein vermeintliches Genie benötigen könnte“, darunter „große Mengen Schreibmaschinenpapier“ und Zubehör, was es ihm ermöglichte, mit dem Verfassen seines antisemitischen Buchs Mein Kampf zu beginnen.[2] Seit 1925 duzte sie sich mit Hitler,[1] ihre Kinder nannten ihn „Onkel Wolf“. Im Januar 1926 trat sie der NSDAP (Mitgliedsnr. 29.349) bei[1] und nahm im Juli am Reichsparteitag in Weimar teil. Goebbels urteilte am 8. Mai 1926 in seinem Tagebuch über Winifred Wagner: „Ein rassiges Weib. So sollten sie alle sein. Und fanatisch auf unserer Seite.[3]

Am 19. Dezember 1928 gehörte sie zu den Unterzeichnern des Gründungsmanifests zum Kampfbund für deutsche Kultur.[1]

Leitung der Bayreuther Festspiele[Bearbeiten]

Nach Siegfried Wagners Tod am 4. August 1930 übernahm Winifred als seine Witwe die Leitung der Bayreuther Festspiele, die sie während der folgenden Jahre zu einer zentralen NS-Kultstätte machte. Als künstlerischer Leiter fungierte der Intendant der Berliner Staatsoper, Heinz Tietjen.

Seit 1933 war Hitler Dauergast der Festspiele.[1] Von 1936 bis zu seinem letzten Bayreuth-Besuch 1940 bewohnte er zur Festspielzeit das Siegfried-Wagner-Haus, einen als Gästehaus genutzten Anbau an Haus Wahnfried. Bis zur Schließung aller deutschen Theater und den letzten Festspielen 1944 wurden auf Weisung Hitlers Kriegsfestspiele zu propagandistischen Zwecken veranstaltet; das Publikum bestand überwiegend aus verwundeten Soldaten, für deren Anreise die Organisation Kraft durch Freude sorgte.

Noch am 16. Oktober 1944, als bereits die Niederlage absehbar war, leistete Winifred Wagner ein öffentliches Treuebekenntnis zu Hitler, in dem sie schrieb: „... er ist ins Heldische emporgewachsen, ist unser Führer durch Nacht zum Licht.[4]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Entnazifizierungsverfahren wurde sie am 8. Dezember 1948 in einer Berufungsverhandlung als Minderbelastete in die Gruppe III eingestuft und musste u.a. 6000 DM in den Wiedergutmachungsfonds zahlen. Mit diesem Urteil war sie weiter alleinige Erbin des Wagnerschen Familienbesitzes, der auch das Festspielhaus umfasste. Am 21. Januar 1949 erklärte sie per Vertrag den Verzicht auf die Leitung der Festspiele. Sie übergab die Festspielleitung an ihre Söhne Wieland und Wolfgang und zog sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück. Als Vorerbin ihres Mannes blieb sie trotzdem bis zur Gründung der Richard-Wagner-Stiftung 1973 formalrechtlich Eigentümerin des Festspielhauses. Am 1. September 1950 wurde sie nur noch in die Gruppe der Mitläufer eingestuft (Vollzug des Gesetz zum Abschluss der politischen Befreiung vom 27. Juli 1950).

Auch später gehörten zu Winifred Wagners Freundeskreis Altnazis wie Gerdy Troost, Karl Kaufmann, Will Vesper, Hans Severus Ziegler, Ilse Heß und der englische Faschist Oswald Mosley.[1]

Grabstätte von Winifred Wagner auf dem Bayreuther Stadtfriedhof

1975 gab sie dem Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg ein Filminterview, das unter dem Titel Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried 1914–1975 als fünfstündiger Dokumentarfilm erschien. Darin zeigte sie sich als ungebrochene Freundin Hitlers und bekannte sich offen zu ihm: „Also, wenn heute Hitler hier zum Beispiel zur Tür hereinkäme, ich wäre genauso so so so fröhlich und so so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer …“[5]

Jede kritische Sichtweise auf den Diktator lehnte sie ab und überließ dies den Historikern. Vielmehr sah sie in Adolf Hitler den Freund der Familie Wagner und vor allem den Bewunderer des „Meisters“ (Richard Wagner). Nachdem diese und weitere Äußerungen bekannt geworden waren, verbot ihr ihr Sohn, der Festspielleiter Wolfgang Wagner erneut, die Festspiele und das Festspielhaus zu besuchen.[1]

Winifred Wagner starb am 5. März 1980 im Krankenhaus von Überlingen. Sie wurde neben ihrem Mann im Familiengrab auf dem Städtischen Friedhof in Bayreuth bestattet.

Schriften[Bearbeiten]

  • Über einen Freund. Zum 77. Geburtstag von Arno Breker am 19. Juli 1977. Hrsg. von Joe F. Bodenstein. Edition Marco, Paris 1977, ISBN 3-921754-06-3 (formal falsche ISBN).

Literatur[Bearbeiten]

Film-/Video-Dokumentation[Bearbeiten]

  • Hans Jürgen Syberberg: Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried 1914–1975. 2 VHS-Videokassetten, zus. 300 Minuten Spieldauer, schwarz-weiß. Berlin: Alexander Verlag, ISBN 3-923854-85-4. Auch als DVD erschienen, bei: Syberberg Filmproduktion, München, 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 638.
  2. Bernd Mayer: Bayreuth - Die letzten 50 Jahre. 1988, S. 30.
  3. Zitat bei Ernst Klee: Kulturlexikon. 2007, S. 638.
  4. Zitat bei Ernst Klee: Kulturlexikon. 2007, S. 638.
  5. zitiert nach http://www.syberberg.de/Syberberg3/Alltag_2001/Mai/ZDF/zdf.html