Winterdepression

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Klassifikation nach ICD-10
F38.11 andere rezidivierende affektive Störungen
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Winterdepression oder saisonal-affektive Störung (auch SAD von Seasonal Affective Disorder; saisonal abhängige Depression) ist eine depressive Störung, die in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Als Sonderform der affektiven Störungen ist sie im ICD-10 den rezidivierenden depressiven Störungen zugeordnet.

Neben den depressiven Symptomen bedrückte Stimmung, Reduzierung des Energieniveaus und Ängstlichkeit kommen atypische Symptome hinzu wie Verlängerung der Schlafdauer, verstärkter Appetit auf Süßigkeiten (Kohlehydratheißhunger) und Gewichtszunahme. Bei der saisonal unabhängigen Depression treten eher Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Schlafverkürzung auf.[1]

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Ursachen[Bearbeiten]

Als eine Ursache werden Störungen des biologischen Tagesrhythmus angenommen. Es bestehen bzgl. der Ätiologie unterschiedliche Hypothesen. Eine besagt, dass die Symptomatik der SAD-Patienten in Zusammenhang mit dem Melatoninstoffwechsel steht und somit eine Beeinflussung des Melatoninspiegels einen antidepressiven Effekt haben kann. Das Auftreten der depressiven Symptome im Winter lässt sich dieser Theorie zufolge mit der erhöhten Melatoninproduktion in den dunklen Wintermonaten und den daraus resultierenden niedrigeren Serotoninspiegeln erklären (Melatonin ist ein Abbauprodukt des Serotonin). Niedrige Serotoninspiegel wiederum werden insbesondere bei der SAD für die depressive Symptomatik und die ansonsten atypischen Symptome verantwortlich gemacht.

Behandlung[Bearbeiten]

Wie bei allen Erkrankungen gilt primär, die Ursache zu korrigieren.

Ursächliche Behandlung[Bearbeiten]

Die Lichttherapie, eine der möglichen Behandlungsmethoden bei Winterdepressionen

Im Gehirn des Menschen befinden sich viele Serotonin produzierende Zellen, die Serotonin über die innere Uhr gesteuert tageszeitabhängig (in den Wachphasen verstärkt) ins Blut abgeben. Diese innere Uhr wird über das über die Augen einfallende Licht und vermutlich auch die Lichtfarbe (blau/rot) synchronisiert.

Ist der Serotonin-Abgabe-Rhythmus dieser Zellen gestört, zum Beispiel durch fehlende oder falsche äußere Zeitgeber, kann es zur Depression (und Schlafstörungen) kommen. Durch Ersatz für diese Zeitgeber oder deren Wiederherstellung kann der Winterdepression gut entgegengewirkt werden. Sinnvoll ist vor allem viel Licht am frühen Morgen; am Abend oder in der Nacht hingegen ist zu viel Licht zu meiden. Erfolgreich eingesetzt werden neben Lichttherapie und Frühsport auch Präparate mit Vitamin D, welches nur unter Lichteinstrahlung in der Haut gebildet werden kann.

Symptomüberdeckung[Bearbeiten]

Sollte die ursächliche Behandlung nicht möglich sein, können auch vorübergehend die Symptome überdeckt werden. Diese bieten jedoch viele Nebenwirkungen, die – außer in schweren Fällen ohne ursächliche Behandlungsmöglichkeit – in keinem Verhältnis zu den Vorteilen stehen (etwa ein Risiko der Arzneimittelabhängigkeit).

Therapeutisch könnten moderne Antidepressiva eingesetzt werden, wie z. B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder atypische Antidepressiva wie der selektive Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer Bupropion, welcher in den USA als einziges Antidepressivum eine Zulassung für die Behandlung von Seasonal Affective Disorder (saisonal-affektive Störung) hat. Bupropion hat neben der Stimmungsaufhellung eine leicht antriebssteigernde Wirkung.

Ebenso wird Rosenwurz zur Linderung der Symptome angewandt. Vorläufigen Daten zufolge könnte es aufgrund seiner schwach MAO-hemmenden Eigenschaften angstlösend, antriebssteigernd und antidepressiv wirken, wobei Rosenwurz im Gegensatz zu synthetischen Antidepressiva nebenwirkungsfrei sein soll.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Winterdepressionen wurden bereits in der Antike von Hippokrates und Aretaios beschrieben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lurie SJ, Gawinski B, Pierce D, Rousseau SJ. Seasonal affective disorder. Am Fam Physician. 2006 Nov 1;74(9):1521-4. Review. PMID 17111890
  • Pjrek E, Winkler D, Kasper S. Pharmacotherapy of seasonal affective disorder. CNS Spectr. 2005 Aug;10(8):664-9; Review. PMID 16041297
  • Sohn CH, Lam RW. Update on the biology of seasonal affective disorder. CNS Spectr. 2005 Aug;10(8):635-46. Review. PMID 16041295
  • Lam RW, Levitan RD. Pathophysiology of seasonal affective disorder: a review. J Psychiatry Neurosci. 2000 Nov;25(5):469-80. Review. PMID 11109298

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. C. Simhandl & K. Mitterwachauer: Depression und Manie. Wien 2007, S. 35.
  2. J. Sarris, A. Panossian, I. Schweitzer, C. Stough, A. Scholey: Herbal medicine for depression, anxiety and insomnia: a review of psychopharmacology and clinical evidence. In: European Neuropsychopharmacology. Band 21, Nummer 12, Dezember 2011, S. 841–860, ISSN 1873-7862. doi:10.1016/j.euroneuro.2011.04.002. PMID 21601431.
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