Winterdieb

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Winterdieb
Originaltitel L’enfant d’en haut
Produktionsland Schweiz, Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Ursula Meier
Drehbuch Antoine Jaccoud
Ursula Meier
Gilles Taurand
Produktion Ruth Waldburger
Denis Freyd
Musik John Parish
Kamera Agnès Godard
Schnitt Nelly Quettier
Besetzung

Winterdieb (Originaltitel: L’enfant d’en haut, dt.: „Das Kind von oben“, englischsprachiger Festivaltitel: Sister) ist ein Schweizer Film aus dem Jahr 2012. Regie führte Ursula Meier, die auch am Drehbuch beteiligt war. Der Film erzählt die Geschichte des Jungen Simon, der in einem Skigebiet Touristen bestiehlt, um für sich und seine Schwester etwas Geld zu verdienen. Winterdieb lief im Wettbewerb der 62. Berlinale und hatte in diesem Rahmen am 13. Februar 2012 Weltpremiere. Am 8. November 2012 kam er in die deutschen Kinos.

Im September 2012 wurde Winterdieb auf dem Festival Delémont-Hollywood in Delsberg von einer Jury als offizieller Kandidat der Schweiz auf eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt.[1]

Handlung[Bearbeiten]

Der zwölfjährige Simon lebt allein mit der älteren Louise, die sich als seine Schwester ausgibt, in einem heruntergekommenen Hochhaus in einem Schweizer Tal. Die beiden leben in prekären Verhältnissen. Louise hat vor kurzem ihre Arbeit verloren, ist mit diversen Freunden oft nächtelang unterwegs und kümmert sich wenig um Simon. Oft ist es so, dass er sich um Louise kümmern muss. Einmal gibt Simon ihr sogar Geld, damit er mit ihr kuscheln darf. Die offenbare Abwesenheit der Eltern erklärt er abwechselnd mit Reisen oder einem tödlichen Unfall.

Simon fährt mit einer kleinen Seilbahn immer wieder hinauf in das Skigebiet, in dem reiche Touristen ihren Urlaub verbringen. Dort stiehlt er teure Skier, Ausrüstungsgegenstände und auch Verpflegung. Seine Beute bringt er mit einem kleinen Schneetransporter ins Tal und verkauft sie dort an die Kinder in seinem Wohnblock. So sichert er ein geringes Einkommen, von dem auch Louise profitiert. Er schenkt ihr auch eine warme Jacke und sorgt fürs Essen. Zweimal wird Simon beim Klauen erwischt. Einmal bestellt der Zeuge bei ihm Diebesgut, beim zweiten Mal schlägt ihn der Bestohlene nieder. Schließlich fliegt Simon auf und wird des Berges verwiesen, womit sein Lebensunterhalt wegbricht. Am Ende deutet sich an, dass er seiner Mutter doch nicht ganz so egal ist, wie es den Anschein hatte.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bei Winterdieb handelt es sich um den zweiten Spielfilm der Schweizer Regisseurin Ursula Meier. Im Unterschied zu ihrem Debüt verpflichtet sie sich diesmal stärker dem Realismus und drehte einen sozialkritischen Film. Agnès Godard, die bei diesem Film zum ersten Mal digital drehte, nutzte oftmals eine Handkamera, um dicht bei Kacey Mottet Klein zu bleiben. Der Film wurde von Vega Film, Archipel 35 und Radio Télévision Suisse produziert. Der Verleiher für den französischen Markt ist Diaphana Distribution, für die Schweiz ist es Filmcoopi Zürich. Winterdieb lief im Wettbewerb der 62. Berlinale und hatte in diesem Rahmen am 13. Februar 2012 Weltpremiere. Meier war damit die einzige Regisseurin, die im Wettbewerb vertreten war.

Kritiken[Bearbeiten]

Winterdieb erhielt überwiegend positive Kritiken. Daniel Kothenschulte schrieb für die Berliner Zeitung: „Ursula Meier geht es um die emotionalen Fehlstellen, die sie wie eine bildende Künstlerin visuell erfahrbar macht. Indem sie eine nicht mehr hinterfragte ästhetische Ordnung umkehrt – hier ist es die wohlorganisierte Welt des alpinen Freizeitsports – macht sie etwas Unsichtbares sichtbar: die menschliche Mitte, den emotionalen Kern jeder Zivilisation.“[2] Andreas Kilb von der FAZ empfand den Film als erschütternd und die Geschichte als überzeugend. Er kam zu dem Schluss, Winterdieb sei „auf der Berlinale am richtigen Ort, auch wenn man ihn nicht unbedingt gleich als Favoriten für den Goldenen Bären betrachten muss.“[3] Für Christiane Peitz vom Tagesspiegel gehörte Winterdieb bis dahin zu den stärksten Wettbewerbsbeiträgen. Sie lobte vor allem die Kameraführung.[4] Für die Neue Osnabrücker Zeitung erhob Daniel Benedict den Film sogar in den Favoritenkreis für den Goldenen Bären.[5] Jordan Mintzer schrieb für The Hollywood Reporter: „With a moving lead turn from youngster Kacey Mottet Klein and strong craft contributions from Claire Denis regulars Agnes Godard and Nelly Quettier, Sister could slalom around Euro territories all the way to select offshore theatres.“[6] Vor allem die Leistung des jungen Kacey Mottet Klein wurde von vielen Rezensenten positiv herausgehoben; so schrieb z. B. Andreas Borcholte auf Spiegel Online: „Simon ist ... ein großartiger Filmcharakter, der von dem dürren, segelohrigen Talent Kacey Mottet Klein, der bereits in Meiers Debüt mitspielte, herzergreifend verkörpert wird.“[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Internationale Filmfestspiele Belin (Hrsg.): 62. Internationale Filmfestspiele Berlin. Berlin 2012, ISSN 0724-7117

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „L’enfant d’en haut“ représentera la Suisse aux Oscars en 2013 bei swissinfo.ch, 20. September 2012 (abgerufen am 30. September 2012)
  2. Daniel Kothenschulte: Die Wahrheit im verbeulten Blech: „L’Enfant d’en haut“ und Jayne Mansfield's Car auf berliner-zeitung.de vom 13. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  3. Andreas Kilb: Berg- und Talfilme auf der Berlinale – Vom Kloster durch die Welt zur Hölle auf faz.net vom 13. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  4. Christiane Peltz: Wenn die Gondeln Trauma tragen Der Junge auf der Piste: „L’enfant d’en haut“ im Wettbewerb auf tagesspiegel.de vom 14. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  5. Daniel Benedict: Ein Kind zahlt fürs Kuscheln – Meiers „L’enfant d’en haut“ hebt den Unterschied der Generationen auf'' auf noz.de vom 14. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  6. Jordan Mintzer: Sister (L’Enfant d’en haut): Berlin Film Review auf hollywoodreporter.com vom 13. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  7. Andreas Borcholte: Armutsdrama "Winterdieb" – Das eiskalte Kind auf Spiegel Online vom 9. November 2012, abgerufen am 10. November 2012