Winzendorf-Muthmannsdorf

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Winzendorf-Muthmannsdorf
Wappen von Winzendorf-Muthmannsdorf
Winzendorf-Muthmannsdorf (Österreich)
Winzendorf-Muthmannsdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Wiener Neustadt-Land
Kfz-Kennzeichen: WB
Hauptort: Winzendorf
Fläche: 16,2 km²
Koordinaten: 47° 48′ N, 16° 7′ O47.816.116666666667327Koordinaten: 47° 48′ 0″ N, 16° 7′ 0″ O
Höhe: 327 m ü. A.
Einwohner: 1.847 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 114 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2722, 2723
Vorwahl: 02638
Gemeindekennziffer: 3 23 36
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 50
2722 Winzendorf-Muthmannsdorf
Website: www.winzendorf.at
Politik
Bürgermeister: Ernestine Sochurek (UBL)
Gemeinderat: (2010)
(19 Mitglieder)
9
6
3
1
Von 19 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf im Bezirk Wiener Neustadt-Land
Bad Erlach Bad Fischau-Brunn Bad Schönau Bromberg Ebenfurth Eggendorf Felixdorf Gutenstein Hochneukirchen-Gschaidt Hochwolkersdorf Hohe Wand Hollenthon Katzelsdorf Kirchschlag in der Buckligen Welt Krumbach Lanzenkirchen Lichtenegg Lichtenwörth Markt Piesting Matzendorf-Hölles Miesenbach (Niederösterreich) Muggendorf Pernitz Rohr im Gebirge Schwarzenbach Sollenau Theresienfeld Waidmannsfeld Waldegg Walpersbach Weikersdorf am Steinfelde Wiesmath Winzendorf-Muthmannsdorf Wöllersdorf-Steinabrückl Zillingdorf Wiener Neustadt NiederösterreichLage der Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf im Bezirk Wiener Neustadt-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Winzendorf, Emmerberg und Muthmannsdorf um 1873 (links, Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Winzendorf-Muthmannsdorf ist eine Marktgemeinde mit 1847 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Wiener Neustadt-Land in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Winzendorf-Muthmannsdorf liegt im Industrieviertel in Niederösterreich am Rande des Steinfeldes. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 16,16 Quadratkilometer. 53,93 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Emmerberg (77)
  • Muthmannsdorf (561)
  • Winzendorf (1221)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Emmerberg, Muthmannsdorf und Winzendorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lagen die heutigen Orten Winzendorf und Muthmannsdorf dann in der Provinz Pannonia.

Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilte der Ort die wechselvolle Geschichte Österreichs.

Es ist anzunehmen, dass das Gebiet der Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf bereits in urgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Dank verschiedenster Funde aus der Römerzeit konnte im Raum Wiener Neustadt ein Netz von Straßen und lokalen Verkehrswegen rekonstruiert werden, das auch die Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf einschloss. Auch heute erinnert daran noch der so genannte „Römerweg“, der von Brunn nach Willendorf führte.

Obwohl bis zum 12. Jahrhundert keine schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen, zeugen Orts-, Gewässer- und Siedlungsnamen, dass sich im Gebiet der Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf Slawen und vorbayerisch-germanische Stämme niedergelassen hatten.

Muthmannsdorf wurde zwischen 1107 und 1122 erstmals urkundlich erwähnt. In der Gründungsurkunde für die Pfarre Waldegg scheint 1136 ein gewisser „Hiltegrunn de Mutinesdorf“ als Zeuge auf, dessen Amtssitz der so genannte „Burgstall“ oberhalb der Ansiedlung gewesen sein dürfte. Die erstmalige urkundliche Erwähnung von Winzendorf fällt in den Zeitraum von 1157 bis 1163. Sie findet sich in einer Urkunde, mit der der Bischof Konrad von Passau anlässlich eines Rechtsstreits den Besitz der Weingärten geregelt hatte.

Bereits im 13. Jahrhundert waren die Bewohner von Muthmannsdorf Untertanen der Herrschaft Starhemberg. Im ältesten „Urabar“ wird 1438 das „amt ze Mutmanntarff“ mit 19 behausten Untertanen verzeichnet. 1422 wird in einem Lehensbrief für Heinrich Wolfsohler eine Anzahl von Bewohnern des Dorfes Winzendorf als Untertanen des „Stubenbergischen Lehens” namentlich angeführt. Für das 15. Jahrhundert ist für Winzendorf ein Bestand von 13 Häusern nachzuweisen. In diesem Jahrhundert ging der Besitz der Stubenberger an das ritterliche Geschlecht der Teufel über, die bereits 1377 die Stiftung einer Wochenmesse für die „capella beatae virginis Mariae in Winssendarff“ tätigten. Das Bereitungsbuch des Jahres 1580-1891 führt für Muthmannsdorf 30 Häuser der Herrschaft Starhemberg neben 18 Häusern anderer Herrschaften an.

Nachdem bis ins 18. Jahrhundert das Schulwesen vor allem als Aufgabe der Kirche gegolten hatte, maß man zur Zeit Maria Theresias und Kaiser Joseph II. dem Schulwesen im ländlichen Raum große Bedeutung bei. Die bestehenden Pfarrschulen wurden in Trivialschulen umgewandelt. Während in Muthmannsdorf eine Pfarrschule bestand, mussten die Kinder aus Winzendorf die Volksschule in St. Egyden besuchen, was jedoch auf Grund der schlechten Wegverhältnisse oft nur selten oder gar nicht möglich war.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Muthmannsdorf 52 Häuser, während in Winzendorf lediglich 19 Häuser verzeichnet waren. Für die weitere räumliche Entwicklung der beiden Ortschaften hatte sich jedoch die Verteilung des Gemeindegrundes als sehr wesentlich erwiesen. Während dieser in Winzendorf sehr günstig entlang der heutigen Hauptstraße und der Weikersdorfer Straße lag, gab es im geschlossenen Muthmannsdorfer Ortsgebiet keinen Gemeindegrund. Daraus resultierend kam es in den nächsten Jahrzehnten in Winzendorf zu einer beachtlichen Ortserweiterung. Das war sicher mit ein Grund, dass Winzendorf noch vor Erbauung der Schneebergbahn bis 1890, was die Häuserzahl anbelangte, mit Muthmannsdorf gleichziehen konnte und in der Einwohnerzahl Muthmannsdorf sogar übertraf.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das „Wahrzeichen” der Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf, der aufgelassene Kalksteinbruch, ist schon weithin zu sehen

Mitte des 19. Jahrhunderts hielt die Industrialisierung auch in Winzendorf ihren Einzug. Neben dem Frauenbach wurde das erste Fabriksgebäude errichtet, das 1842 von Carl Fruhmann als Furnierschneidemühle ausgebaut wurde.

Um 1850 wurde von der Firma Alexander Curti in Muthmannsdorf ein Portlandzementwerk errichtet. 1872 beteiligte sich Alexander Curti am Kalkwerk des Johann Nothaft in Winzendorf. 1874 ließ er schließlich die Muthmannsdorfer Zementfabrik stilllegen und konzentrierte sich ausschließlich auf das verkehrsmäßig wesentlich günstiger gelegene Kalkwerk in Winzendorf. Neben der Urschendorfer Spitzenfabrik wurde das Kalkwerk zur wichtigsten Erwerbsquelle der Winzendorfer Bevölkerung. Dieser Kalksteinbruch prägt auch heute noch weithin sichtbar das „Gesicht“ von Winzendorf.

Im Jahre 1854 wurden Winzendorf, Muthmannsdorf und Emmerberg als jeweils selbständige Ortsgemeinden eingerichtet. Emmerberg erwies sich als jedoch nicht lebensfähig und wurde bereits 1865 mit der Ortsgemeinde Muthmannsdorf wiedervereinigt. 1880 schied Emmerberg jedoch aus der Ortsgemeinde Muthmannsdorf wieder aus und schloss sich Winzendorf an. 1881 wurde von Schulleiter Josef Herzog die Freiwillige Feuerwehr Winzendorf gegründet. Nur zwei Jahre später wurde von Alfred Simic (Reichsritter von Hohenblum) und Bergverwalter Pawlowitsch die Feuerwehr Muthmannsdorf gegründet.

Bahnhof Winzendorf an der Schneebergbahn

Durch die Eröffnung der Schneebergbahn am 14. April 1897 entwickelte sich Winzendorf auch zur Fremdenverkehrsgemeinde.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahre 1914 wurden 300 Sommergäste gezählt. Die Verkehrsanbindung mit der Eisenbahn und die Nähe zu den Wöllersdorfer Werken und den Pulverfabriken am Steinfeld führten auch dazu, dass der Wiener Zündmaschinenfabrikant Schaffler 1917 in Winzendorf ein Zweigwerk für die Produktion elektrischer Minenzünder errichtete. Damit hatte Winzendorf einen weiteren wichtigen Arbeitgeber in der Gemeinde (2008 erwarb die Firma Hirtenberger das Werk).

Ebenfalls zu einem wichtigen Arbeitgeber der Region wurde das Genesungsheim Felbring, das in den Jahren ab 1910 als „Erholungsheim der registrierten Hilfskasse 'Einigkeit', Wien I, Johannesgasse 4“ entstand. Das später auch als Heilstätte für Kriegsinvalide geführte Sanatorium war eine kleinere der Lungenheilanstalten im östlichen Alpenvorland, zu denen auch weltbekannte Sanatorien, wie das Sanatorium Wienerwald oder das feudale Privatsanatorium am Hochegg zählten. Ursprünglich aus mehreren kleinen Pavillons bestehend, erlebte das von der Bevölkerung „die Felbring“ genannte Genesungsheim eine Blütezeit als „Genesungsheim Felbring der Allgemeinen Invaliden Versicherungsanstalt“ (später „Genesungsheim Felbring der Versicherungskasse für Industrie Angestellte“), in den späten Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, die 1926 im Bau eines architektonisch interessanten Haupthauses gipfelte, das auch die Pavillons in ein einheitliches Erscheinungsbild integrierte. In den späten Jahren des Zweiten Weltkrieges diente die Lungenheilanstalt als Fliegerlazarett und wurde 1971, nach der Eröffnung des Herz-Kreislauf-Zentrums 1968, bis auf ein heute noch erhaltenes Fragment abgebrochen und neu gebaut. Ebenfalls noch existent ist die Einfriedungsmauer mit dem imposanten Einfahrtstor, das bis dato eine kleine Ahnung von der architektonischen Qualität der ehemaligen Lungenheilanstalt vermittelt.

Dessen ungeachtet hatte auch Winzendorf in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg schwere Zeiten zu überstehen. Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs hatte auch Winzendorf-Muthmannsdorf zahlreiche Verluste in der Bevölkerung erlitten. Zu Ostern 1945 marschierten sowjetische Truppen zuerst in Winzendorf und einen Tag später in Muthmannsdorf ein. Durch die Kampfhandlungen wurden in Winzendorf 32 Häuser eingeäschert. In Muthmannsdorf wurden 17 Häuser total und 45 schwer beschädigt. Nach Kriegsende wurde in Muthmannsdorf auf Wunsch der Bevölkerung der Maurer Johann Zwickl als Bürgermeister eingesetzt, der jedoch am 17. Oktober 1945 von russischen Soldaten erschlagen wurde.

Erst 1947 konstituierten sich in beiden Gemeinden auf Grund der tatsächlichen Stimmenverhältnisse die Gemeindeführungen. Bereits 1948 war es in Winzendorf möglich, das durch Brand zerstörte Volksschulgebäude wieder aufzubauen und 1953-1954 eine vierklassige Hauptschule einzurichten. Muthmannsdorf hatte dagegen damit zu kämpfen, dass die sowjetische Besatzung nach Kriegsende alle Maschinen im Steinbruch auf dem Engelsberg beschlagnahmt und verschleppt hatte. Ein weiterer Tiefschlag war, dass 1951 der Steinkohlenbergbau „Gute Hoffnung“ stillgelegt werden musste.

Das einschneidendste Ereignis der kommunalen Entwicklung war der 1969 erfolgte freiwillige Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Winzendorf und Muthmannsdorf zur neuen Gemeinde „Winzendorf-Muthmannsdorf“. Der Winzendorfer Bürgermeister Johann Geiger wurde in seinem Amt bestätigt. Neuer Vizebürgermeister wurde der Muthmannsdorfer Gemeinderat Franz Mahrer. Nachdem in Winzendorf bereits seit 1959 eine Ortswasserleitung bestand, war es vordringlichste Aufgabe der neuen Gemeindeführung auch in Muthmannsdorf die Wasserversorgung sicherzustellen. Der Schulstandort wurde 1974 mit einer Erweiterung der Hauptschule und 1977 mit dem Neubau der Volksschule verbessert.

Mit Beschluss des Niederösterreichischen Landtages vom 8. Juli 1976 wurde Winzendorf-Muthmannsdorf über Ansuchen der Gemeinde der Titel Marktgemeinde verliehen. Die offiziellen Feierlichkeiten der Markterhebung fanden am 19. Mai 1977 statt.

Im Jahr 1982 wurde eine Mutterberatungsstelle ins Leben gerufen, 1983 eine Schulsportanlage ihrer Bestimmung übergeben und 1990 ein Kinderspielplatz angelegt. 2005 wurde ein neuer größerer Kinderspielplatz angelegt. Nachdem der stillgelegte Steinbruch einige Jahre brach lag, wurde dieser ab 1993 zur Bühne für die jährlich stattfindenden „Karl May Festspiele“.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Religion[Bearbeiten]

Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 77,6 % der Einwohner römisch-katholisch und 2,9 % evangelisch. 3,7 % sind Muslime, 0,7 % gehören orthodoxen Kirchen an. 12,7 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
 %
60
50
40
30
20
10
0
47,46 %
(-3,08 %p)
30,66 %
(+0,88 %p)
14,53 %
(-5,16 %p)
7,34 %
(n. k.)
2005

2010


Bürgermeisterin der Marktgemeinde ist Ernestine Sochurek (UBL), Vizebürgermeister Josef Wanzenböck, Amtsleiterin Brigitte Rosenbichler.

Im Gemeinderat gibt es nach der Gemeinderatswahl vom 14. März 2010 bei insgesamt 19 Sitzen folgende Mandatsverteilung:

  • UBL (Unabhängige Bürgerliste): 9
  • SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreich): 6
  • ÖVP (Österreichische Volkspartei): 3
  • FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs): 1
  • andere Parteien: keine Sitze.

Wappen[Bearbeiten]

AUT Winzendorf-Muthmannsdorf COA.jpg

Die Blasonierung des Wappens der Marktgemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf lautet wie folgt:

„Schrägrechts geteilt von Rot und Blau; in Rot ein silbernes Hifthorn mit grüner Schnur, in Blau ein silberner Eimer.“

Zur Gestaltung des Gemeindewappens wurden zwei Familienwappen als Grundlage herangezogen.

Die Wappenverleihung erfolgte 1977 anlässlich der Feierlichkeiten zur Markterhebung.


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Burgruine Emmerberg von Südwest gesehen
Burgruine Emmerberg von Nordost gesehen
Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Winzendorf
Pfarrkirche Sankt Peter im Moos in Muthmannsdorf
Saurier-Gedenktafel
Die Heilanstalt Felbring am Fuße der Hohen Wand gehört zur Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Winzendorf-Muthmannsdorf

Die einst mächtige Burg wurde 1170 mit Durinch de Emberberch erstmals urkundlich erwähnt. Sie wurde nahe der Prossetschlucht auf einem Bergrücken errichtet und hatte die Aufgabe, den Eingang in die „Neue Welt” (die Senke zwischen der Hohen Wand und den Fischauer Vorbergen) durch die Prosset zu bewachen und erforderlichenfalls zu sperren. Darüber hinaus sollte sie der Bevölkerung der umliegenden Siedlungen als Zufluchtsort Schutz bieten. Nicht zuletzt war die Burg Emmerberg Signalstation in der Kette der Wehrbauten im Bereich der „Neuen Welt“, die alle in Sichtverbindung errichtet wurden und die dazu beigetragen haben, das südöstliche Niederösterreich zu sichern. Im Jahr 1249 wird die Burg Emmerberg als „Burg, castrum“ bezeichnet. Als Burgherren sind die Emmerberger, Wolfenreut, Teufel, Brassican Spaur und Heußensteiner zu nennen. Der Sage nach wurde die Burg, auf Grund des steten Wassermangels, mit Wein gebaut, den die Zinsbauern in Eimern zutragen mussten. Die Burg Emmerberg war bis 1760 bewohnt. Seitdem ist sie dem Verfall preisgegeben, der vor allem in den letzten 20 Jahren bedenklich vorangeschritten ist. Heute darf das in privatem Besitz befindliche Gelände der Burgruine wegen offensichtlicher Baufälligkeit nicht mehr betreten werden.

Um ca. 1300 wird im Ortsteil Winzendorf die zur Mutterpfarre Sankt Egyden gehörende Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt errichtet. Die Bauherren sind nicht bekannt, doch dürfte die Kirche entweder vom steirischen Adelsgeschlecht der Stubenberger oder vom ritterlichen Geschlecht Teufel errichtet worden sein. Der Kirche, die damals zur Erzdiözese Salzburg gehörte, wurde später das Begräbnisrecht für die Pfarre eingeräumt, wozu sie mit einem Karner ausgestattet wurde. 1776 wurde auf der Verlängerung des Langhauses ein überdimensionierter Kirchturm aufgesetzt, der im Volksmund die Bezeichnung „Mugl-Trumm-Thurm“ erhielt. Bereits 1882 musste der Turm wegen Baufälligkeit abgetragen werden. 1885 wurde der heutige neue Kirchturm errichtet. Ebenfalls im 19. Jahrhundert wurde die Kirchhofmauer abgetragen. In der Kirche befindet sich die Familiengruft der Ritter von Teufel, an die außerdem eine Reihe von Epitaphien erinnert. Herz und Eingeweide der 1594 in Wiener Neustadt verstorbenen Herzogin Elisabeth von Sachsen sind ebenfalls hier beigesetzt. Nach Errichtung der neuen Pfarrkirche (siehe gleich unten) wurde die alte Kirche durch die Eigeninitiative der Bürger vor dem Verfall gerettet und ab 1985 restauriert; am 15. August 1990 (Maria Himmelfahrt) wurde sie wieder als Filialkirche geweiht.

  • Pfarrkirche St. Josef der Arbeiter in Winzendorf

Nachdem die „Alte Kirche“ den Anforderungen nicht mehr entsprochen hatte, wurde im heutigen Ortszentrum die „Neue Kirche“ mit dem Pfarrzentrum errichtet. Es handelt sich um eine moderne Anlage, die von den Wiener Architekten Karl und Eva Mang entworfen wurde. Die einzelnen Baukörper sind funktionsbezogen, wobei jener des Kirchensaales dominiert. Die Fassaden sind durch Stahlbeton und Klinkermauerwerk geprägt. Der annähernd quadratische Innenraum der Kirche mit Rundung im Altarbereich wird durch die Baustoffe Beton, Klinkerziegel und Holz bestimmt. [2]

Neuesten Forschungen zufolge wurde die Pfarrkirche St. Peter im Moos um 1136 vom Edlen Adalram von Waldeck, dem Stifter des Chorherrenklosters Seckau (Steiermark), errichtet und dem Salzburger Erzbischof Konrad I. übergeben. Die Kirche wurde 1220 erstmals urkundlich erwähnt. Sie wurde auf einem vermutlich alten heidnischen Heiligtum errichtet und war geistlicher Mittelpunkt des Pfarrgebietes, das die ganze Neue Welt umfasste. Im Jahr 1662 wechselte die Pfarre von den Augustiner-Chorherren in Seckau zu den Zisterziensern des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt. Im Jahr 1881 wurde das Stift Neukloster mit dem Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald vereinigt. Seitdem betreuen Priester dieses Stifts die Pfarrkirche St. Peter im Moos. Die Kirche wurde um 1250 mit sehenswerten Fresken ausgestattet. Weiters beinhaltet sie einen frühgotischen Karner.

Mithrasstein
Im Ortsgebiet südlich von Winzendorf wurden zwei Altäre und Bruchstücke eines aus der Römerzeit (2. und 3. Jahrhundert) stammenden Mithrasreliefs sowie Mauerzüge einer vermutlich römischen Villa und Kleingegenstände einer Ansiedlung und Skelettgräber gefunden. Der Reliefstein ist im Keller des neuadaptierten Stadtmuseums in Wiener Neustadt zu besichtigen.
Saurierfundstätte
Muthmannsdorf ist die einzige bedeutende Dinosaurier-Fundstätte Österreichs. Der Geologe Ferdinand Stolicka und der Paläontologe Eduard Suess untersuchten 1859 das Kohlenbergwerk „Gute Hoffnung“. Nach dem Fund eines Reptilienzahnes stießen sie auf den „Struthiosaurus Austriacus“. Seit 1994 werden Abgüsse der Funde in einem Schaukasten in Muthmannsdorf präsentiert. In beiden Ortsteilen sind heute Schautafeln und Schaukästen angebracht.
Die originalen Fundstücke der Flugsaurier von Muthmannsdorf sind im Saal 8 des Naturhistorischen Museums in Wien untergebracht.
Engelsberger Geotop
Am Südostabfall des Engelsberges befindet sich der Engelsberger Steinbruch, von dem von 1698 bis 1943 Marmor abgebaut wurde. Heute finden im Marmorsteinbruch nur mehr Bildhauersymposien statt. In den Jahren 1997 und 1998 wurde der Steinbruch vom Wildwuchs befreit, bis zum felsigen Untergrund abgegraben, geodätisch vermessen und mit Informationstafeln versehen. Am 7. Juni 1998 wurde er feierlich als „Geotop“ und technisches Denkmal der Öffentlichkeit präsentiert. Das Engelsberger Geotop, das sowohl von Winzendorf als auch von Muthmannsdorf leicht erreichbar ist, ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel.
Karl May Westernwelt
Der ehemalige, stillgelegte Kalksteinbruch wurde ab 1993 zu einer erfolgreichen Bühne für die jährlich stattfindenden Karl-May-Festspiele adaptiert. Als Differenzen zwischen dem Obmann des veranstaltenden „MTC–Kulturvereins Winzendorf“ und der Gemeinde auftraten, standen die Aufführungen im Jahr 2007 vorübergehend in Frage. Nunmehr konnte Dr. Anton Rohrmoser als neuer Veranstalter gewonnen werden, der mit seinem Team im Sommer 2007 den „Schatz im Silbersee“ zur Aufführung brachte.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Schirmföhre am Eingang zur Prossetschlucht.

Sport[Bearbeiten]

  • Bogenschützen: Bogenclub Emmerberg
  • Fußball: Sportverein Winzendorf-Muthmannsdorf
  • Stocksport: Stockschützenverein Winzendorf-Muthmannsdorf
  • Tennis: Tennisverein Winzendorf-Muthmannsdorf
  • Turnen: Damenturnverein Winzendorf-Muthmannsdorf

Gastronomie[Bearbeiten]

Die Marktgemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf weist eine bemerkenswerte Gastronomie auf. Mit dem „Gasthaus auf dem Lande“ Schmutzer (zwei Hauben nach Gault Millau Österreich) und dem „Puchegger Wirt“ (eine Haube nach Gault Millau Österreich) weist der Ort gleich zwei Restaurants der Spitzenklasse auf. Das Gasthaus Schmutzer wurde im Februar 2007 darüber hinaus mit dem Prädikat „Top Wirt des Jahres“ vom Land Niederösterreich ausgezeichnet. Darüber hinaus stehen den Gästen drei weitere Restaurants, eine Pizzeria und ein Café zur Verfügung.

Erwähnenswert ist auch die „Erste Öko-Bierbrauerei“ Österreichs, die in einem mittelalterlich anmutenden Sudhaus das beliebte naturtrübe „Emmerberg-Bräu“ herstellt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 73, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 46. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 777. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 46,81 Prozent.

Größter Wirtschaftsfaktor der Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf ist die am Fuße der Hohen Wand gelegene Sonderkrankenanstalt Felbring. Das Rehabilitationszentrum wird von der Pensionsversicherungsanstalt betrieben und weist 106 Einzelzimmer auf, die nach modernsten Gesichtspunkten mit Dusche, WC, Telefon, Sat-TV, Tresor und auch Internetanschluss ausgestattet sind. In Felbring werden vorwiegend Herz-/Kreislauferkrankungen behandelt und therapiert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Eduard Herzog (1859–1949):
Obwohl der Sohn des Schulleiters von Winzendorf Josef Herzog, Oberlehrer Eduard Herzog, nie Bürgermeister der Gemeinde Winzendorf war und 1900 nicht einmal mehr in den Gemeindeausschuss gewählt wurde, hieß es von ihm, der „Verstand“ des Bürgermeisters gewesen zu sein. Als Protokollführer und später Gemeindesekretär war er die geistige Triebfeder der Gemeinde. Er legte ein Gemeindearchiv und eine Schulchronik an, die jedoch beide verschollen sind. 1937 wurde Herzog die Ehrenbürgerschaft verliehen.
  • Georg Nicolini (1891–1972):
Erstmals trat Georg Nicolini 1920 als Ortsbildungsrat in Erscheinung. Nachdem er zwischenzeitlich nach Wöllersdorf übersiedelt war, war Nicolini von 1950 bis 1968 Bürgermeister der Gemeinde Winzendorf.

Literaturhinweis[Bearbeiten]

  • Max Weltin: Festschrift zur Markterhebung der Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf. Selbstverlag der Gemeinde 1977
  • Wilhelm J. Wagner: Hohe Wand-Steinfeld, Kultur und Geschichte. Eigenverlag des Vereins „Schneebergbahn, Hohe Wand, Steinfeld, Bad Fischau-Brunn“, 1999

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Winzendorf-Muthmannsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Webseite der Pfarre Winzendorf, abgerufen am 31. Jänner 2010