Wir machen Musik

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Filmdaten
Originaltitel Wir machen Musik
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Produktionsland Deutsches Reich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1942
Länge 85, ursprünglich 95 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Helmut Käutner
Drehbuch Helmut Käutner
Produktion Terra Film (Hans Tost)
Musik Peter Igelhoff
Adolf Steimel
Kamera Jan Roth
Schnitt Helmuth Schönnenbeck
Besetzung

Wir machen Musik ist ein deutscher Revuefilm von Helmut Käutner aus dem Jahr 1942. Als Drehbuchvorlage dienten das Lustspiel Karl III. und Anna von Österreich von Manfried Rößner und Motive von Erich Ebermayer.

Handlung[Bearbeiten]

Seit vier Jahren ist der bekannte Schlagerkomponist Karl Zimmermann mit der Schlagersängerin Anni Pichler glücklich verheiratet. Dabei wollte Zimmermann eigentlich Opernkomponist werden und spielte nur notgedrungen um etwas Geld zu verdienen als Pianist „Charly Zimm“ im Café Rigoletto.

Nach seiner dortigen Kündigung arbeitet er zunächst als Klavierlehrer und übernimmt dann als Vertreter eines Professors dessen Unterricht in Harmonielehre für Anfänger. Dabei lernt er Anni Pichler kennen, die im Café Rigoletto erfolgreich als Sängerin und Pianistin mit der Damenkapelle Die Spatzen auftritt.

Karl Zimmermann sorgt sich um das vermeintlich fehlgeleitete Talent und gibt deshalb Anni privaten Nachhilfeunterricht zuhause in seiner Junggesellenwohnung. Dabei bringt sie durch ihr munteres Wesen solchen Schwung in Karls Leben, dass er sich in sie verliebt und auf die schmutzige Fensterscheibe einen Heiratsantrag schreibt.

In musikalischer Hinsicht freilich gehen beide weiterhin getrennte Wege. Karl sieht sich weiterhin als künftiger großer Opernkomponist und behandelt Anni von oben herab, die ihrerseits Schlagermusik komponiert. Endlich ist es so weit, dass seine Oper Lukrezia Borgia zur Aufführung kommt, doch die Premiere gerät zu einem totalen Reinfall.

Widerwillig lässt er sich von Musikverleger Peter Schäfer überreden, Annis neue Show zu orchestrieren. Die Revue wird ein grandioser Erfolg, und erst jetzt erfährt Anni, dass Karl die Arrangements geschrieben hat. Natürlich steht jetzt auch dem gemeinsamen Glück nichts mehr im Wege.

Der Film endet, indem sich Karl an das Publikum wendet und auf die damalige Verdunkelungspflicht hinweist, denn „wir bekommen sonst eine Anzeige“.

Lieder[Bearbeiten]

  • Edith Oss und Georg Thomalla: Ich hab' Dich und Du hast mich
  • Ilse Werner: Mein Herz hat heut' PremiereWann wirst Du wieder bei mir sein?Wir machen MusikPfeif-Duett

Die Texte schrieben Helmut Käutner und Aldo von Pinelli.

Weiteres[Bearbeiten]

Gedreht wurde ab 2. Juni 1942 im Ufa-Atelier in Berlin-Tempelhof. Die Außenaufnahmen entstanden von Anfang Juli 1942 bis Ende Juli 1942 in Prag. Uraufführung war am 8. Oktober 1942 im Berliner Marmorhaus. Im Jahr 1955 erschien ein Remake von Regisseur Ernst Matray mit dem Titel Musik, Musik und nur Musik, im Jahr 1966 inszenierte Karl Vibach eine Fernseh-Neuauflage namens Wir machen Musik.

Kritiken[Bearbeiten]

Die zeitgenössische Filmkritik fällte über die Produktion ein durchaus wohlwollendes Urteil.

  • Man guckt schmunzelnd und gerührt zu, wie er sich mit dem Violin- und Baßschlüssel das Herz der kleinen resoluten Musikschülerin erschließt, die tüchtig in seiner völlig verlotterten Junggesellenwohnung aufräumt.“ Werner Fiedler, Deutsche Allgemeine Zeitung, 1942[1]
  • Als Ganzes ist dieser Film in der von vielen reizenden Einfällen durchsetzten Regie Käutners und dem blitzenden Duo der Hauptdarsteller gut gelungen.“ (Steglitzer Anzeiger, 1942)[2]

Wie andere Musikfilme der NS-Zeit, die um den Konflikt E-Musik contra U-Musik kreisen (z. B. auch Willi Forsts Operette), wurde Wir machen Musik später zum Gegenstand kontroverser Diskussionen. Dabei wurde erörtert, ob derartige Unterhaltungsfilme als systemkonform oder als systemkritisch einzustufen sind.

Die Abendzeitung schrieb 1983: „Die Menschen im dritten Kriegsjahr ließen sich nur zu gerne von der Misere der Gegenwart ablenken – mit der pfiffigen Geschichte vom ernsthaften Komponisten, dessen junge Frau ebenfalls komponiert. Zum Leidwesen des Gatten aber ist sie für Schlagermusik.[3]

Obwohl der Film seinerzeit von der NS-Filmprüfstelle mehrere Auszeichnungen erhielt, wurde er aber auch zum heimlichen Protest gegen das Naziregime erklärt. Karlheinz Wendtland schrieb: „Diese Käutnerproduktion mit den vielen Evergreens war damals so etwas wie ein Kultfilm. Von der jungen, oppositionell eingestellten Generation wurde er als gegen das Regime gerichtet begriffen, von den Jazzfreunden als vorbildlich empfunden, da hier endlich einmal in aller Öffentlichkeit die Gleichstellung der U-Musik mit der E-Musik versucht wurde. Umso mehr wenden sich die damals jungen, heute gereiften Menschen gegen die Auffassungen eines Witte…, der solche Wagnisse des Aufbegehrens entwerten und entstellen will.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ein tatsächliches Aufbegehren im Zusammenhang mit dem Film ist allerdings nicht nachweisbar. Zudem kontrollierte das nationalsozialistische Regime über die Reichsfilmkammer die zeitgenössische Filmproduktion. Wir machen Musik erhielt von der Filmprüfstelle die Prädikate künstlerisch wertvoll, volkstümlich wertvoll und anerkennenswert.

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Hobsch: Liebe, Tanz und 1000 Schlagerfilme, Berlin, 1998, S. 108
  2. http://www.kinotv.com/page/film.php?filmcode=18031
  3. Manfred Hobsch: Liebe, Tanz und 1000 Schlagerfilme, Berlin, 1998, S. 109
  4. Karlheinz Wendtland: Geliebter Kintopp, Jahrgang 1941 und 1942, Berlin, 2. Auflage 1989–1996, S. 117–118

Weblinks[Bearbeiten]