Wirtschaft Polens

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Polen
PolenPolen
Weltwirtschaftsrang 20. (nominal) (2010)[1]
Währung Złoty (PLN)
Umrechnungskurs 1 PLN = 0,25324 EUR[2]
Handelsorganisationen EU, WTO, OECD
Kennzahlen
Bruttoinlandsprodukt (BIP) $ 468,5 Mrd. (nominal) (2010)
$ 721,3 Mrd. (PPP) (2010)[1]
BIP pro Kopf $ 12.300 (nominal) (2010)
$ 18.936 (PPP) (2010)[1]
BIP nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 3,5 % (2010)[3]
Industrie: 31,7 % (2010)[4]
Dienstleistung: 64,7 % (2010)[5]
Wirtschaftswachstum 2,0 % (2012)[6]
Inflationsrate 2,58 % (2010)[1]
Erwerbstätige 13,782 Mio. (2009)[7]
Erwerbstätige nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 15,4 % (2010)
Industrie: 27,4 % (2010)
Dienstleistung: 57,2 % (2010)[7]
Erwerbsquote 36,1 % (real)
Arbeitslose 2,15 Mio. (Februar 2011)[8]
Arbeitslosenquote 13,2 % (Februar 2011)[8]
Außenhandel
Export $ 136,6 Mrd. (2009)[9]
Exportgüter Maschinen, Kraftwagenteile, Chemische Erzeugnisse[9]
Exportpartner Deutschland: 26,2 % (2009)
Frankreich: 6,9 % (2009)
Italien: 6,9 % (2009)[9]
Import $ 149,6 Mrd. (2009)[9]
Importgüter Maschinen, Technik, Chemische Erzeugnisse [9]
Importpartner Deutschland: 22,4 % (2009)
China: 9,3 % (2009)
Russland: 8,5 % (2009)[9]
Außenhandelsbilanz $ -13,0 Mrd. (2010)[9]
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden 50,9 % des BIP (2009)[10]
Staatseinnahmen 37,8 % des BIP (2010)[11]
Staatsausgaben 45,7 % des BIP (2010)[12]
Haushaltssaldo 7,9 % des BIP (2010)[13]

Die Wirtschaft Polens ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2010 in Höhe von $ 468,5 Mrd.[14], die zwanziggrößte Volkswirtschaft der Welt und hat damit im vergangenen Jahr die Volkswirtschaft Belgiens von diesem Platz verdrängt. Zugleich ist sie damit die sechstgrößte Volkswirtschaft in der EU.

Wirtschaftsdaten[Bearbeiten]

Aktuelle Konjunkturentwicklung[Bearbeiten]

Die Inflation betrug 2009 3,5 % und Arbeitslosenquote lag bei 11,9 % (Dezember 2009), was 1,893 Mio. Menschen im erwerbsfähigen Alter ausmacht.[15]

Das monatliche Durchschnittseinkommen betrug 2009 3.324,91 Złoty, was einer Einkommenssteigerung um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.[15]

Bruttoinlandsprodukt[Bearbeiten]

Das Wirtschaftswachstum war in letzter Zeit im ersten Quartal 2007 mit 7,4 % am höchsten. Vor dem EU-Beitritt lag der Höchstwert im ersten Quartal 2004 bei 6,9 %.

Das Bruttoinlandsprodukt ist regional sehr unterschiedlich verteilt. Die reichsten Regionen sind Masowien (133 % des Landesdurchschnitts) und Niederschlesien (114 %). Die ärmsten Regionen sind Lublin (68 % des Landesdurchschnitts), Karpatenvorland (71 %) und Heiligkreuz (74 %).[16]

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
in % gegenüber dem Vorjahr
Jahr 1990 1993 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Veränderung in % gg. Vj. -16[17] 3,1[17] 4,8 4,1 4,3 1,2 1,4 3,9 5,3 3,6 6,2 6,8 5,0 1,7 3,8 4,3 1,9[6] 1,3[6] 2,5[6] 2,9[6]
Quelle: GUS[15]

Inflation[Bearbeiten]

Entwicklung der Inflationsrate
in % gegenüber dem Vorjahr
Entwicklung des Haushaltssaldos
in % des BIP
(„Minus“ bedeutet Defizit im Staatshaushalt)
Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Jahr 2003 2004 2005
Inflationsrate 0,8 3,5 2,1 1,0 2,5 4,2 3,5 2,6 Haushaltssaldo -4,7 -3,9 -2,5
Quelle: GUS[15]

Arbeitsmarkt[Bearbeiten]

Karte der Arbeitslosigkeit in Polen (August 2009)

1990 betrug die offizielle Arbeitslosigkeit 6,1 Prozent was 1,13 Millionen Menschen entsprach. Im Jahr darauf hatte sich die Zahl auf 11,4 Prozent fast verdoppelt.[18] Die höchste Arbeitslosigkeit der Dritten Polnischen Republik wurde in den Jahren 2002/2003 mit 20,0 Prozent, etwa 3,2 Millionen Menschen, erreicht.[18] Im Juni 2008 lag die Quote bei 9,6 Prozent,[19] was ungefähr 1,5 Mio. Menschen im erwerbsfähigen Alter ausmachte. Die Arbeitslosigkeit in Polen ist regional sehr unterschiedlich verteilt. In den Städten Posen und Warschau liegt die Arbeitslosigkeit unter 3 %, in den ländlichen Regionen Masurens liegt sie hingegen bei über 20 %. 1990 erhielten 80 % der registrierten Arbeitslosen Arbeitslosengeld, im November 2006 waren es noch 13,2 %.[18]

Im 2. Quartal 2007 waren 15 % der Beschäftigten in der Landwirtschaft, 30,6 % in der Industrie und 54,2 % im Dienstleistungssektor tätig.[18] 2004 waren 30 % im öffentlichen Dienst und 70 % in der privaten Wirtschaft tätig.[18]

Außenwirtschaft[Bearbeiten]

Polnischer Export (2006)

Der Export umfasste im Jahre 2009 136,6 Mrd. USD und der Import 149,6 Mrd. USD.[9] Mit 24,4 und 28 % stellte Deutschland den größten Handelspartner dar. Weitere wichtige Handelspartner sind die EU-Staaten Italien, Frankreich, Großbritannien und die Tschechische Republik, sowie die USA und die Volksrepublik China.

Entwicklung des Außenhandels
(Außenhandel in Mrd. US$ und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. €
(Jan.–Nov.)
Einfuhr 60.353,8 71.354,3 81.169,7 100.784,1 120.389,5 142.447,9 96.204,9
Ausfuhr 47.526,4 59.698,0 71.423,5 87.925,9 101.838,7 116.243,8 88.702,8
Saldo -12.827,4 -11.656,3 -9.746,2 -12.858,2 -18.550,8 -26.204,1 -7.502,1
Quelle: GUS[15]

Ausländische Direktinvestitionen[Bearbeiten]

Bei den ausländischen Direktinvestitionen sind Frankreich und Großbritannien führend. Der Anteil der Bundesrepublik ist erstaunlicherweise kleiner. Ausländische Investoren investieren vor allem in den Finanzsektor, der in den letzten Jahren jeweils ein zweistelliges Wachstum verzeichnen konnte. Ende 2004 wurde die größte polnische Bank PKO BP privatisiert. Durch den Zusammenschluss von Bank Pekao SA und Bank BPH im Rahmen der Übernahme der HVB durch Unicredit entstand eine der größten Banken in Polen. Andererseits versuchen immer mehr ausländische Unternehmer sich polnisches Kapital auf der Warschauer Wertpapierbörse (GPW) zu verschaffen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im März 1963 richteten Polen und die Bundesrepublik Deutschland Handelsmissionen im jeweils anderen Land ein.[20] Nachdem im Dezember 1970 mit der Bundesrepublik durch den Warschauer Vertrag die Westgrenze Polens gesichert wurde, glaubte die Regierung, sie könne die Erleichterung der Bevölkerung für eine Preiserhöhung nutzen und erhöhte die Preise für Konsumgüter um 13 bis 38 Prozent. Es kam zu einem Aufstand der Bevölkerung.[20] Die Auslandsschulden betrugen 1970 1,2 Mrd. US-Dollar.[21] Nach dem Aufstand zögerte die Regierung weitere Preiserhöhungen zu erlassen und musste daher am 24. Juni 1976 die Preise drastisch erhöhen. So wollte sie die Preise für Butter und Käse um 50 %, für Fleisch um 68 % und für Zucker um 100 % erhöhen. Nachdem es wiederum zu Streiks und Demonstrationen kam, erklärte die Regierung es wären nur Pläne gewesen.[22] 1980 betrug die Auslandsverschuldung 24,1 Mrd. US-Dollar wobei ein großer Teil der aufgenommenen Kredite in Konsumausgaben geflossen waren.[21] Zum 1. Juli 1980 wurden die Fleischpreise erneut erhöht. Bei den nachfolgenden Ausschreitungen kam es zur Bildung der Gewerkschaft Solidarność.

Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft[Bearbeiten]

1988 begannen die ersten Reformen mit dem Ziel, die polnische Zentralplanwirtschaft in eine Marktwirtschaft umzuwandeln. Im Unterschied zu den anderen sozialistischen Ländern waren aber bereits 1988 etwa 20 Prozent der Unternehmen in privater Hand.[23] Zum 1. Januar 1989 wurde per Gesetz die Gründung von Privatunternehmen und die Anmeldung von Gewerbetätigkeit erleichtert. Im März 1989 wurde die Möglichkeit geschaffen, private Wechselstuben zu errichten. Am 1. August 1989 wurde die zentrale Preisgestaltung für Lebensmittelprodukte aufgegeben. Zu diesem Zeitpunkt wurden diese Produkte kaum noch in Geschäften angeboten, sondern vorwiegend auf Wochenmärkten und Basaren verkauft.[24]

Im Oktober 1989 wurde der sogenannte Balcerowicz-Plan von Leszek Balcerowicz vorgestellt. Der Plan sah eine rasche Transformation des sozialistischen Wirtschaftssystems in eine Marktwirtschaft vor. Ein Schuldenmoratorium, das von Balcerowicz erreicht werden konnte, gab Polen die benötigte Handlungsfreiheit für die Reformen. Am 27. Dezember 1989 verabschiedete der Sejm zehn Wirtschaftsgesetze, welche die Regierung zehn Tage zuvor vorgelegt hatte. Diese unter Leitung von Balcerowicz ausgearbeiteten Gesetze gelten als einer der wichtigsten Grundsteine für die Wirtschaftsreformen. Die Staatseinnahmen brachen 1990 und 1991 wegen der allgemeinen Rezession stark ein. Die Inflation betrug 1990 585 Prozent, sank aber 1991 schon auf 160,4 Prozent.[25] Die Industrieproduktion sank um 27 Prozent, die Reallöhne um 30 Prozent.[17] Am 16. April 1991 wurde die Warschauer Wertpapierbörse (GPW) eröffnet. Am 1. Januar 1995 wurde im Rahmen einer Währungsreform der Złoty mit 10.000 alten zu einem neuen Złoty (PLN) neu bewertet.[26]

Mit dem Übergang zur Marktwirtschaft sank auch die Bedeutung des Bergbaus. Die bisherige Bedeutung als Devisenbringer schwand und die Branche musste sich dem Wettbewerb stellen. 1989 waren 404.000 Menschen im Bergbau tätig, drei Jahre später waren es nur noch 350.000.[27]

1989 waren 5,1 Millionen Beschäftigte in der Landwirtschaft tätig, die 1990 fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes produzierten. Die Zahl der in dieser Branche tätigen sank bis 2002 auf 2,9 Millionen Beschäftigte, die 2004 nur mehr rund drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachten. Dabei sind aber ein großer Teil der als Landwirte Tätigen nur als solche registriert, um in den Genuss von Förderungen zu kommen; etwa ein Viertel gehe zusätzlich anderen Tätigkeiten nach.[28] Durch die Wirtschaftsreformen nahm der Anteil der Bauern, die nur zur Selbstversorgung produzierten, stark ab.

Wirtschaftsstruktur[Bearbeiten]

Landwirtschaft und Bergbau[Bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Der primäre Sektor war bis ins 19. Jh. der Hauptwirtschaftszweig in der Adelsrepublik, die bis zu den polnischen Teilungen als Kornkammer Europas galt. Die Agrarerzeugnisse aus den riesigen Magnatengütern Kleinpolens und der Ukraine mit ihren Schwarzerde- und Lößböden wurden über die Weichsel und Danzig nach Westeuropa verschifft. In der Volksrepublik Polen gehörten zehn Prozent der anbaufähigen Fläche dem Staat. Dies war im Vergleich zu den anderen sozialistischen Staaten ein sehr geringer Anteil. Dem Wettbewerb nach der politischen Wende 1989 und der Einführung der Marktwirtschaft waren die Staatsbetriebe nicht gewachsen und wurden schnell geschlossen. Auch die privat betriebenen Landwirtsbetriebe mussten um ihr Überleben kämpfen und die Landwirte gelten als Verlierer des Transformationsprozesses.[29] Der Agrarsektor bestand 2004 aus 2,2 Millionen Landwirtschaftsbetrieben[29] welche 4 % des Bruttoinlandsproduktes ausmachten. Gleichwohl waren 2007 noch 14,7 % der Erwerbstätigen in diesem Sektor beschäftigt.[29] Die EU-Subventionen betrugen 2004 pro Hektar nur 25 % dessen, was ihre Kollegen in der alten „EU der 15“ bekommen. Dieser Anteil soll bis 2013 schrittweise auf 100 Prozent steigen.[29] Der Export der Agrarprodukte in die Europäische Union stieg von 2,6 Mrd. Euro im Jahr 2003 auf über 8,5 Mrd. im Jahr 2008. Auch die Exporte in andere Länder stiegen.[29]

Polen war 2008 der größte Apfelproduzent der Europäischen Union und zweitgrößter Roggenproduzent.[29] Die Getreideproduktion stieg 2004 um 26,7 % auf 29,6 Mio. Tonnen (2000 betrug sie 22,3 Mio. t) was vor allem an guten Witterungsbedingungen lag. Die gesamte pflanzliche Produktion stieg um 17 % und die landwirtschaftlichen und Lebensmittelexporte stiegen 2004 im Vergleich zu 2003 um 30 % auf 4,9 Mrd. Euro. 3,5 Mrd. gingen davon in die EU. Der Konkurrenz der großen industrialisierten Agrarbetriebe aus Westeuropa (vor allem Frankreich) begegnen viele polnische Kleinlandwirte weiterhin mit der Spezialisierung auf Bioprodukte, bei deren Erzeugung Polen in der EU führend ist. Laut einer Studie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn wurde die "Öko-Anbaufläche" innerhalb von sechs Jahren von 82.730 ha (2004) auf 521.970 ha (2010) ausgeweitet. Das entspricht einer Steigerung um +531%. [30] Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Produktion ist für den Eigenbedarf und wird nicht verkauft, 80 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe sind Klein- und Kleinstbetriebe.[29] Führende auf der Börse notierte polnische Agrarverarbeitungsunternehmen sind Wawel, Jutrzenka, Żywiec und Indykpol.

Bergbau[Bearbeiten]

Orlen-Tankstelle in Deutschland

Polen ist durch die Gebiete Schlesiens schon seit alters her ein Bergbauland mit Tradition. So ist nicht verwunderlich, dass die größten börsennotierten Aktiengesellschaften Bergbaufirmen sind.

Die führenden börsennotierten Bergbauunternehmen/Weiterveredelung sind PKN Orlen (mit über 500 Tankstellen (Orlen- und Star-Tankstellen) in Deutschland) und LOTOS (beide Erdölverarbeitung und Tankstellenbetreiber) sowie KGHM (Kupfer-/Silberabbau und -verarbeitung), Kęty (Aluminiumabbau und -verarbeitung).

Von den Staaten Europas (ausgenommen Russische Föderation) nimmt Polen den ersten Rang bei den jährlichen Fördermengen von Kupfer und Silber ein.

Industrie[Bearbeiten]

Der industrielle Sektor spielte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die führende Rolle. Nach 1989 musste er jedoch diese an den Dienstleistungssektor abgeben. Die Industrieproduktion ist aufgrund der Schließung von vielen großen Industriebetrieben in den 1990er Jahren beachtlich geschrumpft. Die bestehenden Betriebe wurden modernisiert und konkurrieren mittlerweile erfolgreich mit den Produzenten aus aller Welt. Die Investitionen im sekundären Sektor waren besonders in den 1990er Jahren sehr hoch, vor allem in der Automobil- und Elektroindustrie. Der Landmaschinenbau hat sich auf preiswerte kleinere Maschinen spezialisiert. Viele ausländische Unternehmen haben in Polen, wegen der relativ niedrigen Kosten (Löhne, Lohnnebenkosten und Steuern) sowie des hohen Angebots an hochqualifizierten Arbeitskräften (in Polen studieren ca. 2 Mio. Menschen) und nicht zuletzt wegen des großen Absatzmarktes mit fast 40 Mio. Einwohnern immer mehr konsumfähigen Verbrauchern, Produktionsstätten eröffnet.

Als führende börsennotierte Industrieunternehmen sind der Keramikhersteller Cersanit S.A. und das Pharmaunternehmen Bioton zu nennen. Daneben gibt es eine Reihe von großen ehemaligen Staatsunternehmen, die durch den Börsengang privatisiert wurden, wie z. B. das Mineralöl- und Erdgasunternehmen PGNiG. Zweitgrößter polnischer Exporteur ist das Werk der Volkswagen AG in Posen, in dem Komponenten und Nutzfahrzeuge hergestellt werden.

Dienstleistungen[Bearbeiten]

Messegelände in Posen

Der Dienstleistungssektor dominiert seit 1989 die Wirtschaft in Polen und macht weit über die Hälfte des BIP aus. Er ist der sich am schnellsten entwickelnde Bereich der polnischen Wirtschaft. Das größte Dienstleistungszentrum ist die Finanzmetropole und Hauptstadt Warschau, wo die meisten Unternehmen aus dem tertiären Sektor ihren Sitz haben. Aber auch die Messestadt Posen und die südpolnischen Metropolen Krakau und Breslau sind wichtige Dienstleistungsstandorte. Im letzten Jahr konnte die ehemalige Textilindustriestadt Łódź aufgrund zahlreicher Investitionen in Dienstleistungen an diese Städte aufschließen. Dies hat sie vor allem der zentralen Lage und dem Anschluss an das neue Autobahnnetz (A1 von Danzig nach Cieszyn und A2 von Świecko nach Terespol) zu verdanken.

Banken und Finanzdienstleistungen[Bearbeiten]

Zu den Top-20-Börsenunternehmen gehören folgende Banken: PKO BP, Bank Pekao SA, Bank BPH, BRE Bank und BZ WBK sowie das Versicherungsunternehmen PZU und die noch zu privatisierende Trägergesellschaft der Warschauer Börse GPW SA.

Infrastruktur und Telekommunikation[Bearbeiten]

1989 hatten etwa 25 Prozent der Polen einen Telefonanschluss, 2005 waren es 78 Prozent. 45 Prozent der Einwohner Polens hatten 2004 ein Mobiltelefon, in der Europäischen Union lag die Verbreitung bei 80 Prozent.[31] Die einzige U-Bahn Polens ist die Warschauer Metro, die 1995 in Betrieb genommen wurde. Zu den Top-20 Börsenwerten gehören auch die Telekommunikationsunternehmen Telekomunikacja Polska und Netia, die IT-Gesellschaft Asseco sowie die Medienkonzerne Agora und TVN. Zu den großen noch zu privatisierenden Dienstleistungsunternehmen gehören die Eisenbahngesellschaft PKP, die Fluglinie LOT sowie die staatliche Post Poczta Polska.

Siehe auch: Verkehr in Polen

Größte Unternehmen[Bearbeiten]

Aufgeführt sind der Hauptsitz, der Umsatz und die Branche der 20 größten polnischen Unternehmen (ohne Banken und Versicherungen). Die Zahlen sind in Millionen Euro angegeben und beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2006.[32]

Rang
Name
Hauptsitz
Umsatz
(Mio. €)
Branche
1. PKN Orlen Płock 13.574,0 Öl und Gas
2. Telekomunikacja Polska Warschau 4.782,1 Telekommunikation
3. Polskie Sieci Elektroenergetyczne Warschau 4.038,8 Versorger
4. Polskie Górnictwo Naftowe i Gazownictwo Warschau 3.902,1 Öl und Gas
5. Grupa Metro w Polsce Warschau 3.491,9 Einzelhandel
6. KGHM Polska Miedź Lubin 3.302,6 Bergbau
7. Grupa LOTOS Danzig 3.289,3 Öl und Gas
8. Mittal Steel Poland Kattowitz 2.614,9 Stahl
9. Fiat Auto Poland Bielsko-Biała 2.374,4 Automobile
10. Polskie Koleje Państwowe Warschau 2.270,7 Bahngesellschaften
11. Volkswagen Poznań Posen 2.227,5 Automobile
12. Kompania Węglowa Kattowitz 2.120,2 Bergbau
13. BOT Górnictwo i Energetyka Łódź 2.054,0 Versorger
14. PSE Operator Warschau 1.982,0 Versorger
15. PTK Centertel Warschau 1.933,8 Telekommunikation
16. BP Polska Krakau 1.931,8 Öl und Gas
17. Polkomtel Warschau 1.889,5 Telekommunikation
18. Polska Telefonia Cyfrowa Warschau 1.831,1 Telekommunikation
19. Makro Cash & Carry Polska Warschau 1.823,0 Einzelhandel
20. Jeronimo Martins Dystrybucja Posen 1.772,8 Einzelhandel

Kapitalmarkt[Bearbeiten]

Im Danziger Artushof befand sich eine der ersten polnischen Börsen

Die Entwicklung des polnischen Kapitalmarktes begann im Mittelalter aufgrund der Einwanderung von Kaufleuten aus Norditalien und den Niederlanden in den Gilden der großen Handelsstädte. So stammt das polnische Wort für Börse Giełda von Gilda, was im Mittelhochpolnisch dem Mittelhochdeutschen Gilde entsprach. Der börsenmäßige Handel mit Wechseln und anderen Schuldscheinen entstand um 1300. In der polnisch-litauischen Adelsrepublik erhielten die Kaufleute bestimmte Handelsprivilegien für den Börsenhandel, die man als erste Börsenordnungen ansehen kann. Börsenplätze bestanden in Danzig (Artushof), Krakau, Posen, Zamość und Warschau. Seit dem 18. Jh. haben z. B. die Warschauer Kaufleute ihre zwei mal pro Woche stattfindenden Börsentreffen protokolliert. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten polnischen Aktiengesellschaften, wobei die älteste erhaltene polnische Aktie die der Kompania Manufaktur Wełnianych w Warszawie aus dem Jahr 1768 ist. Die ersten modernen polnischen Wertpapierbörsen wurden 1817 und 1818 in Warschau und Krakau gegründet. Handelsgegenstand waren Schuldverschreibungen und Aktien. In der Zweiten Republik bestanden bereits sieben Wertpapierbörsen in Warschau, Krakau, Posen, Łódź, Kattowitz, Lemberg und Wilna. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden alle von den Deutschen und den Sowjets geschlossen. Erst nach 50 Jahren entstand der polnische Kapitalmarkt 1989 erneut. 1991 wurde die Warschauer Wertpapierbörse neu errichtet. 1996 kam die Handelsplattform CeTO (Centralna Tabela Ofert) als regulierter nichtbörslicher Markt hinzu, die ihren Sitz ebenfalls in Warschau hat.

Die Warschauer Wertpapierbörse ist die größte Börse in Mittelosteuropa und eine der schnellst wachsenden auf der Welt. Im Jahre 2005 hat sie die Wiener Börse in Bezug auf die Börsenkapitalisierung überholt. Die Kapitalisierung der Warschauer Börse beträgt fast 300 Mrd. USD. 2004 fanden an der Börse fast 40 Börsengänge (IPOs) statt, was ihr nach der London Stock Exchange den zweiten Platz in Europa brachte, wobei die IPO der PKO BP mit fast 2 Mrd. USD zu den fünf größten in Europa im Jahr 2004 zählte. Auch ausländische Emittenten und mehrere ausländische Maklerhäuser sind seit 2004 Mitglieder der Börse, wie z. B. die MOL, Credit Austria, Skyeurope, Raiffeisenbank, etc. Die Gesamtzahl der notierten Gesellschaften beträgt fast 300.

Das Anlegerpublikum teilt sich in drei ungefähr gleich große Teile: polnische Privatanleger, polnische institutionelle Anleger und ausländische institutionelle Anleger (von diesen kommen 76 % aus Großbritannien, 5 % aus den USA, 3 % aus Italien, 2 % aus Deutschland und 1 % aus Frankreich). Am schnellsten im Wachstum begriffen ist der Anteil der polnischen institutionellen Anleger, da ein Drittel der Rentenbeiträge der polnischen Arbeitnehmer über Rentenfonds auf den Kapitalmarkt treffen. Nach der weltweiten Baisse in den Jahren 2000–02 befand sich die GPW seit 2003 in einer Haussephase. In den letzten Monaten wurden stets neue Allzeithochs des WIG (Warszawski Indeks Giełdowy – Hauptindex) und des WIG20 (Index der 20 großen Golden Shares) erreicht. Weitere Indizes der Börse sind der MIDWIG (mittelgroße AGs), WIRR (kleine AGs), TechWIG (technische AGs), WIG-PL (große und mittlere AGs mit Sitz in Polen), NIF (Investmentfonds) sowie die Branchenindizes WIG-Banken, WIG-Bau, WIG-IT, WIG-Medien, WIG-Lebensmittel und WIG-Telekommunikation.

Tourismus[Bearbeiten]

Schwarzer See in der Hohen Tatra bei Zakopane
Hauptartikel: Tourismus in Polen

Der Tourismus in Polen befindet sich im Aufschwung, was zum einen Teil an der Öffnung des polnischen Luftraums für Low-Cost-Airlines und dem allmählichen Ausbau des Autobahnnetzes sowie zum anderen an einer Wiederentdeckung Polens durch Touristen aus aller Welt liegt. Auch die im europäischen Vergleich niedrigen Preise in Polen dürften eine wichtige Rolle spielen. Für Touristen sind einerseits die Städte, andererseits die unberührte Natur sehr attraktiv. Die ehemalige Königsstadt Krakau wird oft als schönste Stadt Polens angesehen, sie wurde 2005 von etwa 12 Mio. Touristen besucht. Das Kulturangebot in den polnischen Metropolen ist abwechslungsreich und auch für den weniger betuchten Besucher erschwinglich. Die Kneipenkultur und das Nachtleben sind insbesondere in den großen Studentenstädten Krakau, Warschau, Breslau und Posen sehr attraktiv für junge Gäste. Insgesamt gibt es 13 Weltkulturstätten der UNESCO in Polen. Auch der Medizintourismus (Zahntechnik, Kosmetische Chirurgie) hat stark zugenommen.

Viele Städte, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, wurden von den polnischen Restauratoren mustergültig wieder aufgebaut. Hierzu zählen vor allem Warschau, Posen, Breslau und Danzig.

Erholungsgebiete und Kurorte finden sich im Süden und Norden Polens, in den Woiwodschaften Ermland-Masuren, Westpommern, Pommern, Kujawien-Pommern, Kleinpolen, Karpatenvorland und Niederschlesien. Wassersport kann man an der Ostsee, den Seenplatten und einigen Gebirgsflüssen, v.a. Dunajec, San, Poprad, Bobr und ihren Stauseen betreiben. Die Bergregionen Tatry, Beskiden, Krakau-Tschenstochauer Jura, Heiligkreuzgebirge, Sudeten mit dem Riesengebirge an erster Stelle laden zum Ski- und Wanderurlaub ein. Als Wintersporthauptstadt Polens gilt Zakopane. Viele attraktive Naturschätze werden in 23 Nationalparks geschützt.

Eine der schönsten Sehenswürdigkeiten in Polen: die Marienburg, mittelalterliche Festungsanlage des Deutschen Ordens

Siehe auch[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wirtschaft Polens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Kategorie:Wirtschaft in Polen – in den Nachrichten

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c d IWF - World Economic Outlook Database, April 2011 Abgerufen am 16. April 2011
  2. Wechselkurse des Polnischen Zloty Abgerufen am 16. April 2011
  3. Eurostat - Bruttowertschöpfung Landwirtschaft Abgerufen am 16. April 2011
  4. Eurostat - Bruttowertschöpfung Industrie Abgerufen am 16. April 2011
  5. Eurostat - Bruttowertschöpfung Dienstleistung Abgerufen am 16. April 2011
  6. a b c d e Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWachstumsrate des realen BIP - Volumen: Veränderung gegenüber dem Vorjahr (%). Eurostat, abgerufen am 20. März 2013.
  7. a b Central Statistical Office - Employment in national econonmy in 2009 Abgerufen am 16. April 2011
  8. a b Central Statistical Office - Unemployment Abgerufen am 16. April 2011
  9. a b c d e f g h Central Statistical Office - Yearbook of foreign trade statistics 2010 Abgerufen am 16. April 2011
  10. Eurostat - Öffentlicher Schuldenstand Abgerufen am 16. April 2011
  11. Eurostat - Staatseinnahmen Abgerufen am 16. April 2011
  12. Eurostat - Gesamtausgaben Abgerufen am 16. April 2011
  13. Eurostat - Staatsdefizit Abgerufen am 16. April 2011
  14. IWF - World Economic Outlook Database, April 2011 Abgerufen am 16. April 2011
  15. a b c d e Informacja o sytuacji społeczno-gospodarczej kraju 2009 Główny Urząd Statystyczny, Warszawa, 28 stycznia 2010 (polnisch)
  16. Regiony Polski – Regions of Poland. (PDF; 2,7 MB) Główny Urząd Statystyczny, Warszawa 2009
  17. a b c Brigitte Jäger-Dabek, Polen - Eine Nachbarschaftskunde. Bonn 2006, ISBN 3-89331-747-3, S. 147
  18. a b c d e Małgorzata Szylko-Skoczny, Ulrich Heiße (Übersetzer): Arbeitsmarktlage und Arbeitsmarktpolitik. In: Dieter Bingen, Krzysztof Ruchniewicz (Hrsg.): Länderbericht Polen. Bonn 2009, ISBN 3-8933-906-0 (formal falsche ISBN), S. 294–308.
  19. Aktualności – Sytuacja na rynku pracy w czerwcu 2008 r. Ministerstwo Pracy i Polityki Społecznej, vom 4. Juli 2008
  20. a b Manfred Alexander, Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, S. 343–344. ISBN 978-3-15-017060-1
  21. a b Manfred Alexander, Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, S. 350. ISBN 978-3-15-017060-1
  22. Manfred Alexander, Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, S. 348. ISBN 978-3-15-017060-1
  23. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Polnischen Republik. Wiesbaden 2010, S. 79
  24. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Polnischen Republik. Wiesbaden 2010, S. 72
  25. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Polnischen Republik. Wiesbaden 2010, S. 76
  26. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Polnischen Republik. Wiesbaden 2010, S. 73–74
  27. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Polnischen Republik. Wiesbaden 2010, S. 96
  28. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Polnischen Republik Wiesbaden 2010, S. 99
  29. a b c d e f g Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, Polen-Analysen 51/09, 5. Mai 2009 (WebCite)
  30. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bio-importe100.html
  31. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Polnischen Republik. Wiesbaden 2010, S. 104
  32. Deloitte Touche Tohmatsu: Top 500 companies in Central and Eastern Europe