Wirtschaft

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Ökonomie (Begriffsklärung) und Wirtschaft (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ursprünglich diente jegliches Wirtschaften dazu, den Lebensunterhalt des Menschen aus den unmittelbar verfügbaren Ressourcen sicherzustellen
Kapitalistisches Wirtschaften hingegen dient darüber hinaus vor allem dem Wunsch nach ständig wachsendem Profit, Status und Konsum

Wirtschaft im ursprünglichen Sinne ist die Betrachtung aller personeller und materieller Aufwendungen und Erträge, die dazu dienen, den Unterhalt des Menschen zu sichern – zum Beispiel Jagd und Fischfang, Ackerbau und Viehzucht, Handel und Gewerbe.

Im modernen Sinne ist Wirtschaft oder Ökonomie die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung der Nachfrage dienen. Zu den wirtschaftlichen Einrichtungen gehören Unternehmen, private und öffentliche Haushalte, zu den Handlungen des Wirtschaftens Herstellung, Werbung, Konsum, Umlauf und Verteilung und "Recycling"/"Entsorgung" von Gütern. Solche Zusammenhänge bestehen zum Beispiel auf welt-, volks-, stadt- und betriebswirtschaftlicher Ebene.

Wirtschaften wird in der herrschenden Gegenwartskultur jedwede menschliche Aktivität genannt, die (mit dem Ziel einer bestmöglichen Bedürfnisbefriedigung) planmäßig und effizient über knappe Ressourcen entscheidet (siehe Knappheit, Ressourcenallokation).

Begriff[Bearbeiten]

Das Wort Wirtschaft wird von Wirt im Sinne von Gastgeber und bewirten im Sinne von (ein-)schenken abgeleitet und ist die deutsche Übersetzung des altgriechischen Wortes οἰκονόμος oíkonomos (von altgriech. οἶκος oíkos ‚Haus‘ und νόμος nomos ‚Gesetz‘ oder ‚Regel‘, ursprünglich: νέμω nemein: ‚zuteilen‘/‚entscheiden‘) das Haushälter oder eben Wirt bedeutet. Davon leitet sich auch das deutsche Wort Ökonomie ab. In genau diesem Sinne beschäftigt sich die ökonomische Theorie mit den Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftshaushalts.

Organisation[Bearbeiten]

Wirtschaftsformen[Bearbeiten]

Der Begriff „Wirtschaftsform“ (auch „-weise“ oder „-typ“) bezeichnet die Subsistenzstrategie (Art und Weise des Lebensunterhaltes), die daraus resultierende Produktion und die sozialen Bedingungen, unter denen produziert wird.[1]

Dient das Wirtschaften weitestgehend der Selbstversorgung mit Gütern, spricht man von Subsistenz- oder Bedarfswirtschaft. Ausgehend von dieser elementaren Strategie haben sich vielfältige Formen landwirtschaftlicher Betriebssysteme entwickelt, die als Traditionelle Wirtschaftsformen bezeichnet werden (Beispiele: ursprüngliche Jäger und Sammler, Hirtennomaden oder Feldbauern).

Demgegenüber stehen die Wirtschaftsformen, die vorwiegend vom Warenaustausch geprägt werden. Sie werden auch Erwerbswirtschaften genannt. Ihre Entwicklung hat zu den modernen Wirtschaftssystemen geführt.

Der entscheidende Unterschied zwischen den Formen der Subsistenz- und der Erwerbswirtschaften ist die zugrundeliegende Ethik. Während die traditionellen Formen in erster Linie auf gegenseitiger Hilfe, Wohlergehen der Gemeinschaft und Versorgungssicherheit beruhen, wird das moderne Wirtschaften durch das Streben nach Wettbewerb, persönlicher Karriere und permanentem Wachstum (der Produktion, des Konsums und der Wirtschaftsleistung) angetrieben.[2] Der Sozialphilosoph Erich Fromm hat diese beiden Grundhaltungen und ihre Auswirkungen in seinem Buch Haben oder Sein eingehend analysiert.

Wirtschaftssysteme[Bearbeiten]

Es bestehen eine Reihe von Wirtschaftssystemen; als ihre wesentlichen Formen gelten Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft.

Die politische und rechtliche Form, die den Rahmen für die wirtschaftlichen Tätigkeiten innerhalb einer Wirtschaft vorgibt, wird als Wirtschaftsordnung bezeichnet.

Die folgenden Ausprägungen von Wirtschaftordnungen haben von oben nach unten eine zunehmende Staatsquote:

Des Weiteren gibt es einige Wirtschaftsformen die sich nicht in dieses System eingliedern lassen wie etwa der Feudalismus, Protektionismus, Mutualismus, Wirtschaftsdemokratie und Autarkie.

Wirtschaft nach Geographie[Bearbeiten]

Traditionellerweise wird zwischen der (nationalen) Volkswirtschaft und der Weltwirtschaft (der Gesamtheit der internationalen Wirtschaftsbeziehungen) unterschieden. Zunehmende Bedeutung erhalten transnationale Wirtschaftsräume. Einer ihrer wichtigsten Vertreter ist der Europäische Binnenmarkt; daneben ist infolge der Globalisierung die ganze Welt ein Wirtschaftsraum.

Die nationalen Wirtschaften unterscheiden sich deutlich und sind daher in jeweiligen Artikeln dargestellt:

Weitere Artikel über die Volkswirtschaften einzelner Nationen finden sich in der

Wirtschaftsbereiche[Bearbeiten]

Die Wirtschaftswissenschaft teilt die Wirtschaft in Wirtschaftssektoren ein. Dies findet seine Grundlage in der Drei-Sektoren-Hypothese der Volkswirtschaftslehre.

Weiterhin wird die Wirtschaft in Wirtschaftszweige (Synonym: Branche) eingeteilt. Dies sind Gruppen von Unternehmen, die ähnliche Produkte herstellen oder ähnliche Dienstleistungen erbringen. Die amtliche Statistik der Wirtschaftszweige basiert auf der Europäischen Norm Nomenclature générale des activités économiques (kurz NACE).

Wirtschaftspolitik[Bearbeiten]

Wirtschaftspolitik ist die Gesamtheit aller politischen, vor allem staatlichen Bestrebungen, Handlungen und Maßnahmen, die darauf abzielen, den Ablauf des Wirtschaftsgeschehens in einem Gebiet oder Bereich zu ordnen, zu beeinflussen, zu gestalten oder unmittelbar festzulegen. Die Wissenschaft der Wirtschaftspolitik ist die Finanzwissenschaft.

Die Wirtschaftspolitik wird meist in Ordnungspolitik, Strukturpolitik und Prozesspolitik unterteilt.

Wirtschaftsbezogene Disziplinen[Bearbeiten]

Wirtschaftswissenschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaftswissenschaften (auch Ökonomik) beschäftigen sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Wirtschaft. Traditionell werden hier Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre unterschieden.

Die Wirtschaftsgeschichte ist eine Brückendisziplin zwischen den Wirtschaftswissenschaften und der Geschichtswissenschaft. Sie untersucht die historische Wirtschaftsentwicklung in Zusammenhang mit anderen Kulturveränderungen.

Die Wirtschaftswissenschaften haben eine Reihe von Wirtschaftstheorien hervorgebracht. Wichtige Wirtschaftstheorien sind (chronologisch nach Entstehungszeitraum):

Wirtschaftsrecht[Bearbeiten]

Das Wirtschaftsrecht ist die Gesamtheit aller privatrechtlichen, strafrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Rechtsnormen und Maßnahmen, mit denen der Staat auf die Rechtsbeziehungen der am Wirtschaftsleben Beteiligten untereinander und im Verhältnis zum Staat einwirkt und ist der Oberbegriff für das Recht des Wirtschaftsverkehrs sowie die rechtliche Grundlage der Wirtschaftspolitik.

Das Wirtschaftsrecht besteht aus drei Elementen: Wirtschaftsverfassungsrecht, Wirtschaftsverwaltungsrecht und Wirtschaftsprivatrecht.

Teilweise hinzugezählt wird auch das Wirtschaftsstrafrecht, also die Rechtsvorschriften gegen Wirtschaftskriminalität.

Wirtschaftssoziologie[Bearbeiten]

Die Wirtschaftssoziologie befasst sich mit der soziologischen Analyse der Wirtschaft und der Wirtschaftswissenschaften. Themen sind z. B. die Netzwerkbildung, die Dynamik von Märkten abseits von auf vollkommenen Märkten basierenden Modellen und die Folgen von begrenzter Rationalität beim Verbraucher.

Sonstiges[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Wirtschaft – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Wirtschaft

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Wirtschaft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Wirtschaft – Zitate
 Wikinews: Wirtschaft – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Hirschberg (Hrsg.): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage, Reimer, Berlin 2005. S. 360-361 u. 415
  2. Maria Mies: Brauchen wir eine neue „Moral Economy“? In: Christiane von Busch-Lüty, Maren Jochimsen, Ulrike Knobloch, Irmi Seidl (Hrsg.) Politische Ökologie, Sonderheft „Vorsorgendes Wirtschaften“, oekom, München 1994: S. 18-21.
  3. Freie Marktwirtschaft. In: Das Lexikon der Wirtschaft. Grundlegendes Wissen von A bis Z. 2. Aufl. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus, Mannheim 2004, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2004 (Lizenzausg.).
  4. Uwe Andersen: Soziale Marktwirtschaft/Wirtschaftspolitik. In: Uwe Andersen, Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5. Aufl. Leske+Budrich, Opladen 2003. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2003 (Lizenzausg.)