Wirtschaftspädagogik

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Die Wirtschaftspädagogik ist eine Sozialwissenschaft, die sich mit der Wirtschaftserziehung, insbesondere auch mit der Didaktik und Methodik der Wirtschaftslehre und der Wirtschaftswissenschaften, befasst. Wenngleich sie viele Fachvertreter/innen als Teilgebiet der Erziehungswissenschaft sehen, ist sie in der Regel zusammen mit der Volkswirtschaftslehre und der Betriebswirtschaftslehre in einer Fakultät angesiedelt, vornehmlich, weil die inhaltliche Nähe zur BWL die pädagogischen Anteile während des Studiums deutlich dominiert. In der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft ist sie als "Berufs- und Wirtschaftspädagogik" in Form einer eigenen Sektion repräsentiert. Während die Wirtschaftspädagogik sich historisch aus der Handelslehrer/innen/bildung heraus entwickelt hat, ist die Berufspädagogik aus der Gewerbelehrer/innen/bildung heraus entstanden. Die Betriebspädagogik ist ein wichtiges Teilgebiet der Disziplin, das sich mit den Lernvorgängen im Betrieb befasst.

Der Gegenstandsbereich wirtschaftspädagogischer Forschung umfasst, bedingt durch den Wandel zu einer dynamischen Informationsgesellschaft und Bildungsreformen, neben der klassischen beruflichen Bildung auch die akademische Bildung.[1][2]

Deutschland[Bearbeiten]

Wirtschaftspädagogik (abgekürzt WiPäd) kann in Deutschland an Universitäten und wissenschaftlichen Hochschulen studiert werden und im früheren Diplomstudiengang mit dem berufsqualifizierenden Diplom-Handelslehrer oder im Masterstudiengang mit einem Master-Abschluss (z. B. dem Master of Science in Business and Human Resource Education bzw. einem Master of Education) abschließen. Daneben gab es in einigen (Bundes-)Ländern auch den Abschluss des Diplom-Wirtschaftspädagogen, der dem des Handelslehrers entspricht.

Das berufliche Betätigungsfeld ist vielschichtig und stark von den gewählten Studienschwerpunkten und eigenen Interessen abhängig.

Ein traditionelles Tätigkeitsfeld ist die Lehrtätigkeit der Wirtschaftswissenschaften u. a. an Berufsschulen, Berufsfachschulen, Fachoberschulen (FOS)/ Wirtschaftsgymnasien, Berufsoberschulen (BOS) und Wirtschaftsschulen oder Tätigkeitsfelder. Die Anrechnung als erstes Staatsexamen ist über den Abschluss des Master of Education gegeben. In einigen Bundesländern erfolgt auch eine Anerkennung des Master of Science als erstes Staatsexamen.

Ebenso kann der Studiengang (insb. Master of Science und Diplom-Handelslehrer) für weitere Aufgabenfelder in der beruflichen Bildung in Weiterbildungseinrichtungen (z. B. Akademien), Unternehmen und Verwaltungseinrichtungen (z. B. Ministerien, EU-Forschungszentren usw.) qualifizieren. Handlungsfelder sind dabei z. B. die Planung und Optimierung von E-Learning-Konzepten, dualen Berufsausbildungen, Fort- und Weiterbildungen, Berufsbildungssystemen, Berufsbildungsnetzwerken, Personalentwicklungskonzepten, Organisationsentwicklungsstrategien usw. Diplom und Master of Science stellen somit einen berufsqualifizierenden Abschluss dar, der weitgehend einem BWL-Abschluss mit dem Schwerpunkt Personalwesen (und optional weiteren Schwerpunkten wie Wirtschaftsinformatik, Unternehmenssteuerung usw.) entspricht. Abhängig von der Konjunktur und vom Bundesland wählen bis zu 50 % der Absolventen eines Jahrganges anstelle des Staatsdienstes (oder ergänzend zu diesem) den Gang in die Wirtschaft bzw. öffentliche Verwaltungseinrichtungen.

  1. http://www.bwpat.de/ausgabe14/editorial_bwpat14.shtml Vermessung der Bildungslandschaft
  2. http://www.youtube.com/watch?v=lWQKqQAhcQk Wirtschaftspädagogik und Hochschulentwicklung

Österreich[Bearbeiten]

Wirtschaftspädagogik kann auch in Österreich nur an Universitäten (Universität Linz, Wirtschaftsuniversität Wien, Innsbruck, Karl-Franzens-Universität Graz) studiert werden und wird in Linz mit dem akademischen Grad Magistra bzw. Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Mag. rer. soc. oec.) abgeschlossen. Die Studierenden an der Wirtschaftsuniversität Wien, Universität Innsbruck und Universität Graz schließen das herkömmliche Diplomstudium ersetzende Masterstudium Wirtschaftspädagogik mit dem akademischen Grad Master of Science ab. Bereits im vorangehenden betriebswirtschaftlichen Bachelorstudium gibt es die Möglichkeit, durch die SBWL "Wirtschaftstraining & Bildungsmanagement" (WU Wien) oder "Lehren und Lernen in Organisationen" (Uni Innsbruck) erste Einblicke in die Wirtschaftspädagogik zu erlangen.

Mit diesem Abschluss und einer anschließenden mindestens zweijährigen Berufstätigkeit in der Privatwirtschaft ist die Lehrbefähigung für den Unterricht in wirtschaftlichen Fächern (v. a. Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Wirtschaftsinformatik, Volkswirtschaftslehre, betriebswirtschaftliche Ausbildungsschwerpunkte) an berufsbildenden höheren Schulen (Handelsakademien, Handelsschulen, Höhere Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe etc.) verbunden. Aufgrund der großen inhaltlichen Verwandtschaft mit den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen verteilen sich die Absolvent/inn/en etwa zu gleichen Teilen auf die Berufsfelder Schule einerseits und kaufmännisch-verwaltende Berufe in der Privatwirtschaft andererseits. Vor allem im Bereich der betrieblichen und außerbetrieblichen Fort- und Weiterbildung werden sich zukünftig attraktive Berufschancen für Wirtschaftspädagogen ergeben.

In der Schweiz[Bearbeiten]

Wirtschaftspädagogik kann in der Schweiz ebenfalls nur an Universitäten studiert werden und gilt als Ergänzungsstudium zur Betriebswirtschaftslehre. Der Doyen der Schweizer Wirtschaftspädagogik ist Rolf Dubs, emeritierter Professor und Alt-Rektor der Universität St. Gallen (HSG). Dieser Abschluss beinhaltet ein höheres Lehramt und befähigt zur Lehrtätigkeit an Gymnasien oder Berufsschulen und ist zudem Voraussetzung für die Lehre an Schweizerischen Fachhochschulen. Entsprechend zahlreich sind Schweizer Wirtschaftspädagogen an Hochschulen in Lehre und Forschung tätig.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter F. E. Sloane, Martin Twardy, Detlef Buschfeld: Einführung in die Wirtschaftspädagogik. Eusl-Verl.-Ges., Paderborn 2004 (2. Aufl.), ISBN 3-933436-46-X.
  • Johannes Baumgardt: Wirtschaftspädagogik. In: Handwörterbuch der Betriebswirtschaftslehre. Hrsg. v. Waldemar Wittmann u. a. Bd 3. R-Z. Stuttgart 1993 (5.Aufl.), Spalten 4734–4749. ISBN 3-7910-8033-4 (Überblick über Aufgaben, Teilbereiche und Ansätze des Faches)
  • Alfons Dörschel: Geschichte der Erziehung im Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1972, 1976., ISBN 3-503-01510-8 (Überblick über die Entwicklung der Wirtschafts- und Berufserziehung und deren Wissenschaft)
  • Karl Abraham: Wirtschaftspädagogik. Grundlagen der wirtschaftlichen Erziehung. Quelle & Meyer, Heidelberg 1959, 1966 (Standardwerk)
  • Josef Aff, Dieter Mandl, Georg Hans Neuweg, Annette Ostendorf & Bruno Schurer: Die Wirtschaftspädagogik an den Universitäten Österreichs In: bwp@Spezial 3, Online verfügbar auf (PDF)
  • Erich Dauenhauer: Wirtschaftspädagogik (1) bis (4) WALTHARI Verlag, Münchweiler/Rod. 2014 (http://www.walthari.com)
  • Hermann Röhrs (Hrsg.): Die Wirtschaftspädagogik - eine erziehungswissenschaftliche Disziplin? Akademische Verlagsgesellschaft, Frankfurt a. M. 1967. (Sammlung grundlegender Aufsätze, Beschreibungen verschiedener Ansätze, Abgrenzungsversuche und Methoden der Wirtschaftspädagogik von Aloys Fischer (1926) bis Karlwilhelm Stratmann und Joachim Peege (1966)).
  • Sigurd H. Brandt: Wirtschaftskundliche Gesellschaftsspiele im Unterricht. In: Allgemeiner Schulanzeiger. Freiburg 1981, H.1. ISSN 0342-6920
  • Sigurd H. Brandt: Wirtschaftskundliche Simulationsspiele im sozio-ökonomischen Unterricht. In: Spielmittel. Memmelsdorf 1984, H.2. ISSN 0174-1772
  • Eberhard Wälde: Die Anschauung im Unterricht der kaufmännischen Schulen. Winklers Verlag Gebr. Grimm, Darmstadt 1979 (4. Aufl.)
  • Franz Schürholz: Grundlagen einer Wirtschaftspädagogik. Zum Kampf um Wirtschaftsführung und Sozialordnung. Erfurt, Stenger, 1928. 133 S. (historisch)

Weblinks[Bearbeiten]