Wissenschaftlicher Witz

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Als wissenschaftlichen Witz oder Scherz bezeichnet man einen Witz oder einen Scherz, der direkten Bezug zur Wissenschaft hat und ihre Formen parodiert. Der Begriff ist nicht klar umgrenzt, die Pointe ist oft nur Angehörigen der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin unmittelbar zugänglich. Von einem Insiderwitz solcher Gruppen allgemein unterscheidet er sich jedoch dadurch, dass er sich auf allgemeine Klischees und Formen der wissenschaftlichen Gemeinschaft bezieht und oft auch die Form einer oder mehrerer wissenschaftlichen Publikationen annimmt, oder es handelt sich um Anekdoten um und über herausragende Persönlichkeiten des Faches und ihre Arbeit.

Gegenstand ist oft die Kluft zwischen wissenschaftlicher Praxis und Alltagsverständnis, die es erlaubt, durch die Wahl der wissenschaftlichen Form die Unsinnigkeit oder mangelnde Plausibilität des Inhalts zu verdecken. Sie verweisen damit auch auf die Möglichkeit von Betrug und Fälschung in der Wissenschaft. Wissenschaftliche Witze und scherzhafte Veröffentlichungen sind spätestens seit dem 17. Jahrhundert belegt.

Phänomenologie[Bearbeiten]

Fiktive Personen[Bearbeiten]

Viele wissenschaftliche Disziplinen kennen fiktive Persönlichkeiten. Häufig handelt es sich dabei um erfundene Mitglieder des Wissenschaftsbetriebs, denen einzelne Erfindungen oder Entdeckungen zugeschrieben werden.

Beispielsweise soll in der Mathematik ein Alessandro Binomi der Entdecker der binomischen Formeln sein. Auf den fiktiven Mathematiker Julius Eigen (alternativ auf Manfred Eigen, einen existierenden Chemiker) soll die Erfindung des Eigenwerts zurückgehen; F. D. C. Willard, der international 1975 und 1980 als Verfasser in renommierten Fachzeitschriften zur Physik veröffentlichte, war ein Siamkater.[1] Auch die Wahl des kollektiven Pseudonyms Nicolas Bourbaki, unter dem ein Zirkel führender Mathematiker der 1930er Jahre eine Lehrbuchreihe veröffentlichte, geht auf einen Scherz zurück. Weitere Beispiele solcher Kollektivpseudonyme in der Mathematik sind Boto von Querenburg, Blanche Descartes und Arthur Besse. Ein Professor mit Namen Ernst August Dölle soll einen Lehrstuhl für Psychologie und Pädagogik innegehabt haben (an einer Hochschule, für deren Existenz es keine Belege gibt), ein Verfassungsrechtler namens Friedrich Gottlob Nagelmann an der Universität Potsdam beheimatet gewesen sein. P. D. Q. Bach soll der letzte Sohn Johann Sebastian Bachs und wie sein Vater Komponist gewesen sein, unter diesem Namen hat sein Schöpfer zahlreiche Werke geschrieben.

Fingierte Lexikonartikel[Bearbeiten]

Die Steinlaus (hier ein Weibchen, frei nach Loriot) steht im Pschyrembel
Hauptartikel: Fingierter Lexikonartikel

Wissenschaftliche Lexika verschiedener Fachbereiche beinhalten Einträge, die frei erfunden sind oder die ein alltägliches Thema aus wissenschaftlicher Sicht behandeln. Zu den bekanntesten zählt der Eintrag zur Steinlaus, die einem Sketch von Loriot entstammt, im Pschyrembel, einem medizinischen Nachschlagewerk.[2] Im Pschyrembel Wörterbuch Naturheilkunde und alternative Heilverfahren desselben Verlags wird der Kurschatten als medizinisches Phänomen erklärt. Der Neue Pauly, eine Enzyklopädie zur Antike, enthält im ersten Band einen Eintrag über Apopudobalia, eine erdachte antike Vorform des Fußballs. Die neunte Auflage des Römpp-Chemielexikons gibt eine Scherzversion der KKK-Regel wieder.

Teilweise beziehen sich diese Nihilartikel auch auf fiktive Persönlichkeiten der Wissenschaft, beispielsweise wird P. D. Q. Bach auch im Personenteil der Enzyklopädie Die Musik in Geschichte und Gegenwart gelistet.[3]

Andere wissenschaftliche Scherzarbeiten[Bearbeiten]

Auch außerhalb der Fachlexika tauchen in der wissenschaftlichen Literatur bisweilen nur dem Anschein nach ernst gemeinte wissenschaftliche Arbeiten auf, beispielsweise in wissenschaftlichen Zeitschriften oder als eigenständige Publikationen. So gelang es dem noch jungen Physiker und späteren Nobelpreisträger Hans Bethe 1931 mit seinen Kollegen Beck und Riezler, eine Nonsens-Arbeit[4] im angesehenen Journal Die Naturwissenschaften unterzubringen, mit der sie die Zahlenspielereien des damals berühmten britischen Astrophysikers Arthur Stanley Eddington parodierten.[5][6] 1948 spielte George Gamow seinem Freund Bethe umgekehrt einen Streich, als er für eine (ernst gemeinte) Arbeit, die er und sein Student Ralph Alpher ausführten, Bethe ohne dessen Wissen als weiteren Autor nannte, um die Anklänge an den Anfang des griechischen Alphabets zu vervollständigen. Sie wurde als „Alpha-Beta-Gamma“-Arbeit bekannt. Bethe gehörte zum Gutachter-Gremium der Zeitschrift, erhob aber keine Einwände gegen den Scherz.[7]

Inspiriert von Christian Morgensterns Gedicht Das Nasobēm erfand der Zoologe Gerolf Steiner die Säugetierordnung Rhinogradentia und veröffentlichte 1957 unter Wahrung aller formalen Aspekte das Lehrbuch Bau und Leben der Rhinogradentia. Die auf deutsch „Nasenschreitlinge“ genannten Tiere werden in Publikationen immer wieder aufgegriffen und haben sich so zu einem Running Gag entwickelt.[8]

Eine Reihe von wissenschaftlichen Scherzarbeiten stellt Banales oder Alltägliches in einen wissenschaftlichen Kontext oder wendet wissenschaftliche Methoden auf ein Thema an, das nicht Untersuchungsgegenstand der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin ist. Beispiele hierfür sind der mathematische Aufsatz A Contribution to the Mathematical Theory of Big Game Hunting, 1938 im American Mathematical Monthly veröffentlicht von Ralph Boas und Kollegen unter dem Pseudonym H. Pétard, der Anwendungen der Mathematik in der Großwildjagd behandelt,[9] oder die Monographie Pasta Theobromae in Max Wichtls Teedrogen und Phytopharmaka, in der Schokolade wie eine Droge beschrieben wird, die in der Kinderheilung bei Tränenfluss nach kleinen Verletzungen lindernde Wirkung haben soll.

Die Nacirema (rückwärts gelesen: ‚American‘, englisch für ‚Amerikaner‘) wurden 1956 vom Ethnologen Horace Miner untersucht. In einem Aufsatz in der Zeitschrift American Anthropologist beschrieb er deren Körperrituale, beispielsweise wie Männer täglich ihre Gesichtshaut mit scharfen Klingen malträtieren (Rasur) oder Frauen regelmäßig ihren Kopf backen (Friseur).[10]

Der Informatiker Donald Ervin Knuth schrieb im Jahre 1977 einen satirischen Artikel Über die Komplexität von Liedern, in dem er die Methoden der Komplexitätstheorie auf bekannte Pop- und Kinderlieder anwendete.

Die Wirtschaftswissenschaften sind gelegentlich dem Vorwurf ausgesetzt, sämtliche Lebenslagen nur wirtschaftlich zu bewerten. Gary Becker hat die Grundlagen der Preistheorie auf Kriminalität und Familienverhältnisse angewandt (siehe auch Rotten-Kid-Theorem). Daraufhin schrieb Alan Blinder, VWL-Professor an der Princeton University, als Satire einen Artikel über das Zähneputzen aus ökonomischer Sicht, der 1974 im angesehenen Journal of Political Economy veröffentlicht wurde.[11] Blinder stellt ein (künstlich aufgeblähtes) mathematisches Modell vor, das sich mit der Optimierung der täglich auf das Zähneputzen verwendeten Zeit beschäftigt, ausgehend von der Annahme, dass das Einkommen einer Person eine von Arbeitszeit und Zahnhygiene abhängige Funktion ist. Aus dem Modell lassen sich nach Ansicht des Autors „viele empirisch überprüfbare Hypothesen ableiten.“

Zwei Beispiele für Strukturformeln der anthropomorphen Moleküle

Stephanie H. Chanteau und James M. Tour (Rice University, Houston, Texas) veröffentlichten 2003 im angesehenen Journal of Organic Chemistry Wege zur Synthese anthropomorpher Moleküle.[12]

In der Hochphase postmoderner Theorie veröffentlichte Alan Sokal 1996 in der Zeitschrift Social Text einen Aufsatz mit dem Titel Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity. Sein Anliegen war es, zu zeigen, ob ein führendes Wissenschaftsmagazin einen frei erfundenen Zusammenhang publiziert, solange er eindrucksvoll klingt und konform zur ideologischen Grundlinie der Zeitschrift ist. Die folgend so genannte Sokal-Affäre führte zu hitzigen Diskussionen über die Richtigkeit der dekonstruktivistischen Infragestellung der positivistischen Naturwissenschaft.

die tageszeitung berichtete auf ihrer satirischen Seite Die Wahrheit, ein gewisser Prof. Dr. Hartmut Andryckzuck von der Humboldt-Universität habe herausgefunden, dass deutsche Kühe nicht schwimmen könnten, da sie einen durch die Züchtung missgebildeten Schließmuskel hätten und so voll Wasser laufen würden. Auf diesen Scherz fiel die Sat.1-Quizsendung Genial daneben herein.[13]

Beispiele[Bearbeiten]

Literaturwissenschaft[Bearbeiten]

Über die literarische Parodie und die Parodistische Literaturkritik hinaus befassen sich Witze auch mit der Literaturwissenschaft, ihrer Fachsprache, ihren Ritualen und ihrer Rezeption.

Die Monographie Die Wahrheit über Hänsel und Gretel von Hans Traxler[14] behandelt vorgeblich „Die Dokumentation des Märchens der Brüder Grimm“ und behandelt vorgeblich historische Vorbilder des Märchens. Das Buch wurde zunächst ernst genommen und erregte international großes Interesse. Auf dem Schutzumschlag wurde in der zweiten Auflage mit dem Zusatz „eine glaubwürdige Parodie“ auf den außerwissenschaftlichen Charakter des Werks hingewiesen.[15]

Mathematik[Bearbeiten]

„Sei \varepsilon < 0“ („epsilon kleiner null“) gilt als der kürzeste Mathematikerwitz. Epsilon wird in der Mathematik regelmäßig als Variable für eine beliebig kleine Zahl größer null verwendet[16] und viele mathematische Beweise enthalten beispielsweise die Voraussetzung „Sei Epsilon größer null.

Häufig werden Mathematiker humorvoll mit Wissenschaftlern anderer Gebiete verglichen. So erinnert sich Kurt Reidemeister nach seinem Besuch der Euler-Feier der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 21. März 1957:[17]

„Der zweite Festredner war der Leiter der Delegation der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Professor Alexandroff aus Moskau – der übrigens als junger Dozent mehrere Jahre in Göttingen verbracht hat und im persönlichen Gespräch jener unbeschwerten Tage mit Wärme gedachte. Um Euler zu charakterisieren, knüpfte Alexandroff an das Zusammenspiel von Können und Verstehen an und erläuterte dies an einem Wortwitz von Medizinern über Mediziner. Die Chirurgen, so heißt es da, verstehen wenig, aber können viel; die inneren Mediziner verstehen viel, aber können wenig und die Psychiater verstehen alles, aber können nichts. Im Sinn dieser Dreiteilung, fuhr er dann vor der nun durchaus erheiterten Festversammlung fort, war Euler ein Chirurg. Euler war ein Könner, genauer, ein genialer Rechner sowohl am Material der Zahlen wie auch am Material der Formeln.“

Manchmal wollen Mathematikerwitze helfen, einen für den Anfänger schwierigen mathematischen Sachverhalt oder ein logisches Prinzip durch eine Art Gleichnis[18] besser zu veranschaulichen:

„Ein Physiker und ein Mathematiker sollen Wasser kochen. Es ist eine Feuerstelle vorhanden, sowie ein Topf mit Wasser, der auf Platz A steht. Der Physiker und der Mathematiker lösen beide das Problem, indem sie den Topf von Platz A nehmen und auf das Feuer setzen. Nun soll wieder Wasser gekocht werden, doch steht diesmal der Topf mit kaltem Wasser auf Platz B. Der Physiker löst das Problem wieder so, dass er den Topf auf das Feuer setzt. Der Mathematiker dagegen nimmt den Topf von Platz B und stellt ihn auf Platz A und sagt: „Dieses Problem haben wir schon vorhin gelöst“.“

Manchmal werden scherzhafte Anspielungen in den Registern von Lehrbüchern versteckt. Ein Beispiel dafür findet sich in dem Buch Vorlesungen über Topologie von Bela Kerekjarto (1923): Im Register wird auf Erich Bessel-Hagen verwiesen,[19] auf der angegebenen Seite wird er aber nicht erwähnt, dafür findet sich das Bild einer Kugel mit zwei Henkeln, eine Anspielung auf die im Volksmund Segelohren genannten markanten Merkmale von dessen Physiognomie. Ein anderes Beispiel für einen solchen Index-Witz sind die Vorlesungen über Zahlentheorie von Helmut Hasse: Auf der im Register unter Gott indizierten Stelle findet sich Leopold Kroneckers bekanntes Zitat „Die ganzen Zahlen hat der liebe Gott gemacht, alles andere ist Menschenwerk“.

Der Gozintograph ist ein Funktionsgraph, der beschreibt, aus welchen Teilen sich verschiedene Produkte zusammensetzen. Der Name dieses Graphen ist eine scherzhafte Verballhornung: Der Mathematiker Andrew Vazsonyi gab als Urheber den fiktiven italienischen Mathematiker Zepartzat Gozinto (phonetisch für “the part that goes into”, deutsch etwa: „Der Teil, der hineingeht“) an. Diese Bezeichnung ist mittlerweile allgemein akzeptiert.

Physik[Bearbeiten]

Der Pauli-Effekt beschreibt den merkwürdigen negativen Einfluss des Physikers Wolfgang Pauli auf Laborergebnisse.

Die Bezeichnung des Pinguin-Diagramms entspringt einem wissenschaftlichen Witz. Es erhielt seinen, bei üblicher Darstellung nicht unbedingt passenden, Namen aufgrund einer verlorenen Wette von John Ellis, der das Wort Pinguin in seiner nächsten wissenschaftlichen Veröffentlichung unterbringen sollte.

Auch in der jüngeren Vergangenheit beweisen Physiker ihren Sinn für wissenschaftlichen Humor. So wurde bei der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 1998 ein Vortrag über den fiktiven Kristall Dilithium eingereicht, zugelassen und gehalten.[20]

Donald Knuth stellte 1957 das Potrzebie-Skalensystem („Potrzebie System of Weights and Measures“) vor. Darin ist z. B. die Dicke einer Mad-Zeitschrift die fundamentale Längeneinheit.[21]

Chemie[Bearbeiten]

Dihydrogenmonoxid wird aufgrund des fremdartigen Namens als hochgefährliche Substanz dargestellt. Es wurden sogar schon Verbote gefordert und wissenschaftlich begründet. Dabei handelt es sich um Wasser.

Biologie[Bearbeiten]

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Die Artikel über Quaderbaum[22][23] und Quaderbambus[24] aus der Naturwissenschaftlichen Rundschau von 1978 und 1979 wurden von vielen Lesern als wahre Meldungen empfunden, weil Derartiges im deutschen wissenschaftlichen Schrifttum einfach zu selten ist − und weil es so täuschend echt klang.

Das Fliegende Spaghettimonster als Stofftier

Auf den Physiker Bobby Henderson geht die Theorie von der Erschaffung der Welt und ihrer Lebensformen durch das Fliegende Spaghettimonster zurück − als vierte Alternative zu Charles Darwins Evolutionstheorie, zum Lamarckismus und zum Kreationismus. Henderson entwickelte seine Theorie als satirische Antwort auf die Diskussion um die Unterrichtung von Intelligent Design an US-amerikanischen Schulen.

Pädagogik[Bearbeiten]

Hilbert Meyer und Andreas Gruschka erfanden die sogenannten „Lolationsstrategien“, „permissiv-opake Handlungsmuster zur Instrumentierung schülerorientierter Alltagsinszenierungen des Unterrichts“[25] als nicht ernst gemeinten Beitrag zum Diskurs über Handeln im pädagogischen Praxisfeld Schule.

Technik[Bearbeiten]

In der Technik tauchen nichtexistenzfähige Geräte oder Geräteteile verschiedenster Art auf. Solch ein Beispiel ist die Kolbenrückziehfeder, eine angeblich in Zylindern verbaute Feder, die einen Kolben in seine Ursprungslage zurückstellen soll. Die Dunkelbirne als Gegenstück zur Glühbirne verbreitet beim Einschalten Dunkelheit und ermöglicht so das Abdunkeln von Räumen. Deren erstmalige Beschreibung erfolgte um 1910 durch den Dichter Christian Morgenstern in einem Gedicht, in dem eine Tagnachtlampe erfunden wird. Die Comicfigur Daniel Düsentrieb nutzte diese Lampe.

In Deutschland ist der Siemens-Lufthaken bekannt (teilweise als Siemens-Luftanker[26] bezeichnet), den man an Stellen anwendet, an denen herkömmliche Haken mangels fester Materie keinen Halt fänden. In Österreich ist die Bezeichnung Siemens-Lufthaken (ugs. „Siemens-Lufthagl“) gebräuchlich, in der Schweiz Hilti-Luftanker.

Auf den Chips von integrierten Schaltungen sind mitunter noch Ecken frei. Konstrukteure füllen diese mitunter mit technisch funktionslosen, aber graphisch witzigen Strukturen (engl. Silicon Art[27][28][29] analog zu ASCII-Art), die nur ein Mikroskop sichtbar machen kann. So bekam ein Chip mit einem Oberflächenwellenfilter, der wie ein Eisenbahnschienenstrang aussieht, eine kleine Lokomotive auf dieses „Gleis“ gesetzt.

Informatik[Bearbeiten]

Write-Only-Memory ist eine Analogiebildung zu Read-Only-Memory (ROM): Wie ein ROM nicht beschrieben werden kann, kann ein WOM nicht ausgelesen werden. Ein Entwicklungsingenieur der Firma Signetics hat für einen solchen sinnlosen Schaltkreis sogar ein Datenblatt erstellt, um die mangelhaften Qualitätssicherungsmaßnahmen des Unternehmens aufzudecken. Das Datenblatt wurde tatsächlich zur Veröffentlichung freigegeben, weil es vermutlich niemand gelesen oder überprüft hat − sozusagen das gelungene Papiermodell eines WOM. In der Folge wurde das Datenblatt von Signetics in einer April-Ausgabe des ELECTRONICS Magazine veröffentlicht.[30]

Write-Only-Programmieren bezeichnet Programmcode, der zwar problemlos geschrieben werden konnte, aber nur sehr schwer wieder gelesen oder verstanden werden kann. Eine beliebte und geeignete Programmiersprache für diesen Zweck ist Perl, im Obfuscated Perl Contest werden besonders schwierig nachzuvollziehende Perl-Programme ausgezeichnet.

Ebenfalls von fundamentaler Bedeutung ist das GIGO-Prinzip (garbage in, garbage out): Wer sein Programm mit Müll (garbage) füttert, erhält als Ergebnis auch ebensolchen.[31]

Die oft sehr kryptischen und im Wortsinn gar nicht so mnemonischen Befehlskürzel in Assemblerprogrammen haben Programmierer verführt, zahlreiche Fantasiebefehle zu erfinden wie HCF - Halt and Catch Fire.[32][33][34][35]

In der Kryptologie spricht man in Anlehnung an das ROT13-Verfahren auch vom „ROT26“-Algorithmus.[36][37] ROT26 steht für eine alphabetische Rotation um 26 Stellen, also über das vollständige Alphabet – dann ist jedoch das Kryptogramm mit dem Klartext wieder identisch, es liegt keinerlei Verschlüsselung vor.

Bei Netzwerkproblemen, die auf nicht oder nicht vollständig eingesteckten Kabeln beruhen, spricht man auch vom Packet-over-Air-Problem.

Eine beabsichtigte und eher dauerhaftere Unterbrechung des Netzwerkdatenverkehrs wird vorteilhafterweise durch SNIP (Sysadmin Network Interrupt Protocol) herbeigeführt. Eine Ähnlichkeit des Wortlautes mit dem Geräusch einer sich schließenden Schere kommt nicht von ungefähr.

Besonders im englischen Sprachraum sind bei Computerproblemen sogenannte „ID10T“-Fehler bekannt, welche Kundendienst-Mitarbeiter regelmäßig bei hilfebedürftigen Benutzern diagnostizieren. Fragen diese, was „ID10T“ heißt, sagt man ihnen, sie sollen diese Zahlen- und Buchstabenkombination auf ein Blatt Papier schreiben, um sie zu verstehen – im englischen Sprachraum wird, anders als im deutschen, die Eins üblicherweise als einfacher Strich geschrieben. So wird schnell klar, dass es sich nicht um einen (wie auch immer gearteten) „ID-ten-T“-Fehler, sondern um einen „IDIOT“-Fehler handelt, was bedeutet, dass das Problem in der Unfähigkeit des Benutzers begründet liegt. Ausdrücke wie „ID10T“ sind außerdem Teil der Leetspeak-Kultur.

Ein anderes Beispiel ist die Aussage „Es gibt genau 10 Sorten von Leuten – nämlich diejenigen, die das binäre System verstehen, und diejenigen, die es nicht tun“. Die Ziffernfolge "10" bezeichnet im Dualsystem die Zahl 2.

Eine andere Art, mitzuteilen, dass das Problem eher nicht am Rechner liegt, ist, das Problem als PEBKAC zu klassifizieren oder als OSI-Ebene-8-Problem (die Ebene 7 ist die höchste Schicht, die Anwendung, darüber kann nur noch der Anwender kommen). Üblicherweise wird im Fachjargon die englische Ausdrucksweise „Layer-8-Problem“ verwendet. Als „Layer-9“ wird scherzhaft die (nicht existierende) religiöse Schicht des OSI-Layers bezeichnet. Verkabelungsprobleme werden analog dazu scherzhaft als Layer-0-Problem bezeichnet.

Weil die Zahl 31 im Oktalsystem mit der Zahl 25 im Dezimalsystem übereinstimmt, kurz Oct 31 = Dec 25, wird daraus gefolgert, dass Halloween und Weihnachten verwechselt werden dürfen.[38]

Manchmal wird die Wahrheit durch die Formel 2B || ¬2B (2B or not 2B) definiert. Dabei handelt es sich um ein Shakespeare-Zitat (to be or not to be).

Theologie[Bearbeiten]

Ein klassisches Beispiel einer Parodie des Wissenschaftsbetriebs (im Bereich der Theologie im 16. Jahrhundert) sind die Dunkelmännerbriefe, da dieser aus Sicht der (humanistischen) Verfasser von geringem Niveau war. Eine ebenso klassische Satire für das 18. Jahrhundert, die diesmal auf das Niveau der Studenten der Theologie abzielt, ist die Jobsiade.

Psychologie[Bearbeiten]

Hippopotomonstrosesquipedaliophobie (griech. φόβος: Angst, ἱπποπόταμος: Nilpferd, lat.: monstrum: Monster, sesquipedalis: eineinhalb Fuß lang, ellenlang) bedeutet die Angst vor langen, vielsilbigen Wörtern, wobei der Ausdruck als homolog gelten kann. Der Ausdruck parodiert damit die Terminologiebildung. Analog soll die Eibohphobie (engl. Aibohphobia) für die Angst vor Palindromen stehen und ist dabei selbst eines.

Rezeption[Bearbeiten]

Bereits im 17. Jahrhundert wurden wissenschaftliche Witze in das didaktische Repertoire insbesondere von Jesuiten aufgenommen.[39] Sie kommen heute immer noch in Zeitschriften zum Einsatz.

Eine wichtige internationale Fachzeitschrift sind die Annals of Improbable Research, deren Ig Nobel Board of Governors alljährlich (bisweilen auch gegen die Absicht der „Gewinner“) den Ig-Nobelpreis für Veröffentlichungen verleiht, die zwar in ernsthafter Weise verfasst wurden, aber von Thema und Titel her als skurril bezeichnet werden können.

Die Computer-Zeitschrift c’t veröffentlicht regelmäßig in ihrer Ausgabe zu Anfang April (die aber schon Ende März erscheint) mehr oder weniger wissenschaftlich verbrämte Aprilscherze.[40] Beispiele waren 1985 ein radial aufzeichnendes Diskettenlaufwerk oder 1999 ein Internet Beschleuniger in einem Resource Reservation Protocol. Einige der April-Scherze wurden später teilweise Realität. So wurde 1987 ein Head Vision Projector vorgestellt, der später als Head-Mounted Display realisiert wurde. Irrtümlich der c’t zugeschrieben wird die Anleitung, bei einem 486SX-Prozessor mit vorhandenem, aber nicht funktionierenden oder aktivierten mathematischen Coprozessor durch Anbohren an einer bestimmten Gehäusestelle den Coprozessor doch zu aktivieren. Sie erschien in DOS International 4/93 auf Seite 134 ff. Eine Bohrschablone war im Artikel in aller Exaktheit angekündigt.[41]

Die Elektronik-Zeitschrift Elektor pflegt in ihren Halbleiterheften immer ein paar Scherzschaltungen unterzubringen, etwa eine Kurzschlussschaltung als Fuse-Destroyer oder das NEVER-Logikgatter.

In der Kryptographie werden Aufsätze aus dem Grenzbereich dieser Wissenschaft im „Journal of Craptology“ veröffentlicht (Herausgeber Nigel Smart).[42]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  George H. Scherr (Hrsg.): Journal der unwiederholbaren Experimente. Krüger, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-8105-1713-5 (Übersetzung aus dem Englischen).
  •  Heinrich Zankl: Irrwitziges aus der Wissenschaft – Von Leuchtkaninchen bis Dunkelbirnen. Wiley VCH, 2008, ISBN 3-527-32114-4.
  •  Friedrich Wille: Humor in der Mathematik. 4. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992.
  •  Hubert Cremer: Carmina mathematica und andere poetische Jugendsünden. 6. Auflage. J.A. Meyer, Aachen 1979.
  • John Allen Paulos Mathematics and Humor, University of Chicago Press 1980
  • John Allen Paulos: I think therefore I laugh - The Flip Side of Philosophy, Columbia University Press 2000
  • Henning Hopf, Ralf Andreas Jacobi: Humoristische Chemie, Wiley-VCH 2003

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich Zankl: Irrwitziges aus der Wissenschaft: Von Leuchtkaninchen und Dunkelbirnen. Wiley-VCH, Weinheim2008. ISBN 3-527-32114-4, S. 32–33; Merkwürdiges aus Astronomie, Physik, Mathematik und Chemie. Pdf S. 13–15
  2.  Stefanie Schramm: Handbuch für Hypochonder. In: Die Zeit. Nr. 39, 20. September 2007 (Artikel online auf den Internet-Seiten der Zeit).
  3.  Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. 2. Auflage. Kassel 1999, Personenteil 1, Sp. 1551ff.
  4.  G. Beck, H. Bethe, W. Riezler: Remarks on the quantum theory of the absolute zero of temperature. In: Die Naturwissenschaften. Nr. 19, 1931, S. 39 (zitiert nach Karl Svozil: Der Alltag eines “Peers”. Abgerufen am 26. April 2010 (PDF; 90 kB).).
  5. Karl Svozil: Der Alltag eines “Peers”. Abgerufen am 26. April 2010 (PDF; 90 kB).
  6. Ben Weiner: A parody paper in solid state physics, published in 1931. Abgerufen am 26. April 2010 (englisch).
  7. A Gamov Joke. American Institute of Physics, abgerufen am 26. April 2010 (englisch).
  8. Harald Stümpke: Bau und Leben der Rhinogradentia. 1. Auflage, 83 S., Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1961, ISBN 3-437-30083-0.
  9. H. W. O. Pétard (=Ralph Boas, Smithies) A Contribution to the Mathematical Theory of Big Game Hunting in The American Mathematical Monthly 45, Vol 7., S. 446-447, online auf JSTOR
  10.  Horace Miner: Body Ritual among the Nacirema. In: American Anthropologist, New Series. Vol. 58, Nr. 3, Blackwell Publishing, 1956, S. 503–507.
  11. Alan Blinder: The Economics of Brushing Teeth. In: The Journal of Political Economy. Jg. 82, Nr. 4 (Juli–August 1974), S. 887–891.
  12.  Stephanie H. Chanteau, James M. Tour: Synthesis of Anthropomorphic Molecules: The NanoPutians. In: Journal of Organic Chemistry. Vol. 68, 2003, S. 8750–8766, doi:10.1021/jo0349227.
  13.  Christoph Drösser (Stimmt’s?): Kuh mit Leck. In: Die Zeit. Nr. 37, 4. September 2003.
  14.  Hans Traxler: Die Wahrheit über Hänsel und Gretel. pardon-Bibliothek Bärmeier & Nikel, 1963.
  15.  Hänsel und Gretel. Mit falschem Bart. In: Der Spiegel. 28, 7. August 1964, Sp. Online=http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46174168.html.
  16. Harro Heuser: Lehrbuch der Analysis. Teil 2. B. G. Teubner, Stuttgart 1990, ISBN 3-519-42222-0. S. 696 f.
  17. Kurt Reidemeister. Über Leonhard Euler. Mathematisch-Physikalische Semesterberichte. Bd. 6, Nr. 1/2, S. 4, 1958, ZBL 0086.00401
  18. Schulwitzesammlung („Das bekannte Problem“)
  19. Das Namens- und Sachregister verweist auf diese Seite, siehe auch die Erläuterung und dem Vergleich mit dem Original
  20. Verhandlungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 1998
  21. Eine Illustration findet siche hier: Das Potrzebie-System illustriert von Wallace Wood
  22. W. Selhus: Der „Quaderbaum“, Quercus quadrata van Hoosten, ein sensationeller Fund. In: Naturwiss. Rundschau 31, 1978, S. 139−142.
  23. W. Selhus: Der „Quaderbaum“, Quercus quadrata van Hoosten, ein sensationeller Fund, Mitteilung II. In: Naturwiss. Rundschau 32, 1979, S. 135−137.
  24. W. Liese: Chimonobambusa quadrangularis, der Quaderbambus. In: Naturwiss. Rundschau 32, 1979, S. 137−138.
  25. Lolationsstrategien Hilbert Meyer, 30. August 2008
  26. Erwähnung von Siemens-Luftanker in Zusammenhang mit dem „Sockenmagneten“
  27. Silicon Art Gallery. Archiviert vom Original am 30. Oktober 2010, abgerufen am 1. November 2012.
  28. Silicon Zoo
  29. Chip Fun
  30. The origin of the WOM - the "Write Only Memory". Archiviert vom Original am 20. August 2010, abgerufen am 10. Oktober 2012 (englisch).
  31. Len Fisher: How to dunk a doughnut, Arcade Publishing, 2003, ISBN 978-1-55970-680-3, S. 218
  32. Assembler as it REALLY is. Archiviert vom Original am 9. Juni 2008, abgerufen am 1. November 2012 (englisch).
  33. Assembler Commands Fun
  34. RISC Op Codes
  35. Fun Op Codes
  36. Webseite verschlüsseln per ROT26 (engl.)
  37. ROT26 in wikiinfo
  38. David Gries und Fred B. Schneider: A logical approach to discrete math, New York, Springer 1993, ISBN 0-387-94115-0, S. 323
  39. Paula Findlen, 1990. „Jokes of Nature and Jokes of Knowledge: The Playfulness of Scientific Discourse in Early Modern Europe.“ Renaissance Quarterly 43(2): 292-331, S. 301
  40. Ein Rückblick darauf erschien in der Ausgabe Nr.24 von 2003, S.151. Neuere Aprilscherze sind im Heise Forum gelistet.
  41. Diese Anleitung wurde unter anderem von Hans-Peter Messmer: PC-Hardwarebuch. 3. Auflage, S. 313 zitiert.
  42. Journal of Craptology