Wladikawkas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadt
Wladikawkas
Владикавказ / Дзæуджыхъæу
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordkaukasus
Republik Nordossetien-Alanien
Stadtkreis Wladikawkas
Bürgermeister Sergei Dsantijew
Gegründet 1784
Frühere Namen Ordschonikidse (1931–1944)
Dsaudschikau (1944–1954)
Ordschonikidse (1954–1990)
Stadt seit 1860
Fläche 220 km²
Bevölkerung 311.693 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1417 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 680 m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7)8672
Postleitzahl 362000–362049
Kfz-Kennzeichen 15
OKATO 90 401
Website vladikavkaz-osetia.ru/
Geographische Lage
Koordinaten 43° 1′ N, 44° 41′ O43.01666666666744.683333333333680Koordinaten: 43° 1′ 0″ N, 44° 41′ 0″ O
Wladikawkas (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Wladikawkas (Republik Nordossetien-Alanien)
Red pog.svg
Lage in Nordossetien-Alanien
Liste der Städte in Russland

Wladikawkas (russisch Владикавказ, [vladʲikafˈkas], übersetzt: „Beherrsche den Kaukasus“, ossetisch Дзæуджыхъæу / Dzæudžyqæu, [d͡zəud͡ʒɨqəu]) ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien. Die Stadt liegt nahe an der Grenze zu Georgien am Fluss Terek. Sie hat 311.693 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010)[1] und ist ein Industrie- und Kulturzentrum des Nordkaukasus.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Prospekt des Friedens mit Blick auf den Berg Madychoch

Der Generalgouverneur der südlichen russischen Provinzen, Grigori Alexandrowitsch Potjomkin, ließ die Stadt 1784 als Festung unmittelbar neben der ossetischen Siedlung Dsaudschikau erbauen. Sie sollte eine zentrale Rolle beim Kampf gegen die kriegerischen Bergstämme des Kaukasus spielen und die Verkehrsverbindungen bei der Südexpansion des Russischen Reiches absichern. 1799 wurde die bei Wladikawkas beginnende, über den Großen Kaukasus nach Tiflis führende Georgische Heerstraße eröffnet. Doch die Pläne scheiterten zunächst: Wladikawkas wurde von kaukasischen Rebellen erobert und völlig niedergebrannt.

Erst nach der Annexion Georgiens 1801 durch das Russische Reich gedieh Wladikawkas zu neuer Blüte. Die Stadt wurde wieder aufgebaut, neue Stadtviertel angelegt und Kosaken in ihr angesiedelt. Bald war sie eine Drehscheibe für den Handel mit Persien. Die Bevölkerung in Wladikawkas wuchs an und setzte sich aus zahlreichen Nationalitäten zusammen, neben Osseten und Russen lebten auch zahlreiche Armenier, Georgier und andere Minderheiten in der Stadt. 1875 wurde eine Eisenbahnverbindung nach Rostow am Don, später auch nach Baku im heutigen Aserbaidschan eingerichtet. Wladikawkas wurde zu einem regionalen Industriezentrum mit Hüttenindustrie, Raffinerien, chemischer und verarbeitender Industrie. 1906 erschien mit der Iron gaset die erste Zeitung in ossetischer Sprache in der Stadt, seit 1923 wird dort auch die Ræstdsinad, die bis heute wichtigste ossetische Tageszeitung herausgegeben. 1920 wurde das Vorläuferinstitut der heutigen Nordossetischen Staatlichen Universität gegründet.

Der Name Wladikawkas bedeutet zu deutsch Beherrsche den Kaukasus. Von 1931 bis 1944 und von 1954 bis 1990 hieß die Stadt Ordschonikidse (russisch Орджоники́дзе). Namenspatron war Grigori Konstantinowitsch Ordschonikidse, ein georgischer Kommunist, unter dessen Führung die 11. Armee der Roten Arbeiter- und Bauernarmee im Februar 1921 Georgien erobert hatte. Von 1944 bis 1954 wurde die Stadt Dsaudschikau (russisch Дзауджика́у) genannt - in Anlehnung an den ossetischen Namen. Kurz vor dem Fall der Sowjetunion erhielt sie ihren alten Namen zurück.

Im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg begannen am 25. Oktober 1942 über 700 deutsche Panzer der 1. Panzerarmee (Heeresgruppe A) aus dem Raum Elchotowo ihren Angriff in Richtung der fünfzig Kilometer entfernten Gebietshauptstadt Wladikawkas (damals: Ordschonikidse), dem nördlichen Ausgangspunkt der Georgischen Heerstraße. Sie stießen jedoch auf starken Widerstand. Am 2. November 1942 erreichten im Rahmen der Operation Edelweiß die 13. und die 23. Panzer-Division schließlich den westlichen Stadtrand von Ordschonikidse und wurden dort in heftige Kämpfe verwickelt. Bei einem Flankenangriff der sowjetischen Streitkräfte am 7. November 1942 nördlich und südlich der Stadt wurden über 300 deutsche Panzer abgeschossen. Danach kam es bei widrigen Wetterbedingungen (Schneestürme) zu einem verlustreichen Stellungskrieg. Weitere Gebietsgewinne im Kaukasus konnten nicht mehr erzielt werden. Angesichts der bedrohlichen Lage in Stalingrad erfolgte daher am 28. Dezember 1942 der Operationsbefehl Nr. 2 des OKW an die Heeresgruppe A, sich geordnet Richtung Rostow zurückzuziehen, um zusätzliche Kräfte zur Stabilisierung der Donfront freizumachen. Damit war der Vormarsch der Wehrmacht an der Ostfront - von kleineren Ausnahmen abgesehen - beendet. Ordschonikidse/Wladikawkas und das nordwärts in der Kalmückensteppe gelegene Terekli Mekteb (80 Kilometer vom Kaspischen Meer entfernt) können daher als der südöstlichste bzw. östlichste Punkt angesehen werden, bis zu dem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg auf sowjetischem Gebiet vorstieß. Bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 ging es von nun an nur noch zurück.[2] Am 1. Januar 1943 begann die Nordkaukasische Operation genannte Offensive der Roten Armee, deren Ergebnis die endgültige Verdrängung der deutschen Truppen aus dem Kaukasus im ersten Halbjahr 1943 war.

In Wladikawkas bestand das Kriegsgefangenenlager 228, Ordschonikidse für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[3]

Nach Ende der Sowjetunion[Bearbeiten]

Seit Auflösung der UdSSR wurde die überwiegend von russisch-orthodoxen Bürgern bewohnte Stadt wiederholt Schauplatz von islamistischen Attentaten mit zahlreichen Opfern, so 1999 bei einem Sprengstoffattentat auf den Zentralmarkt mit 52 Toten und über 200 Verletzten, 2008 beim Anschlag durch eine Selbstmordattentäterin mit zwölf Toten und am 9. September 2010, dem letzten Tag des Ramadan, bei einem Selbstmordattentat auf einen belebten Markt mit 16 Toten. Die Täter stehen mit den islamisch geprägten und konfliktreichen russischen Kaukasus-Teilrepubliken Inguschetien, Tschetschenien und Dagestan in Verbindung.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Wladikawkas ist heute eine multikulturelle Stadt, in der Angehörige zahlreicher Nationalitäten und Religionen leben. Im Jahr 2010 bildeten die Osseten mit einem Anteil von 66,5 % an der Gesamtbevölkerung die größte Bevölkerungsgruppe in der Stadt[4]. Darauf folgten Russen mit 23,5 %, sowie Armenier (3,5 %), Georgier (2,2 %), Inguschen (1,1 %), Aserbaidschaner (0,67 %) sowie Ukrainer (0,56 %) und Griechen (0,52 %).

Jahr Einwohner
1897 43.740
1939 130.755
1959 164.420
1970 236.200
1979 278.930
1989 300.198
2002 315.608
2010 311.693

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Ossetische Kirche in Wladikawkas
Panorama von Wladikawkas
Straßenzüge in der Stadt

Wladikawkas verfügt über eine Universität, Museen, Theater, Philharmonie, Planetarium und ein Fernsehzentrum. Sehenswert ist die 1908 erbaute Sunnitische Moschee. 35 Kilometer südwestlich der Stadt befindet sich auf 1500 Meter über dem Meeresspiegel der Kurort Karmadon. Er liegt im Tal des Genaldon-Flusses, inmitten von Almen.

Aus Karmadon führt der Weg zum Dorf Dargaws, wo es sehr alte Gräberstätten gibt, die sogenannte Totenstadt mit über 90 unter der Erde befindlichen Grüften verschiedener Typen und Formen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sowie einem mittelalterlichen Wachturm und Verteidigungsanlagen.

In Wladikawkas befindet sich ein Fernsehsendemast ungewöhnlicher Bauweise. Er ist eine abgespannte Stahlrohrkonstruktion, die mit sechs in zwei Ebenen angeordneten, mit Laufstegen versehenen Querträgern ausgestattet ist, die von der Mastkonstruktion zu den Abspannseilen führen.[5]

Sport[Bearbeiten]

Der 1937 unter dem Namen Spartak gegründete Fußballclub Alanija Wladikawkas gewann 1995 die russische Meisterschaft (Oberste Liga), musste jedoch 2014 Insolvenz anmelden und wurde aufgelöst.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Armenische Kirche in Wladikawkas

Klimatabelle[Bearbeiten]

Wladikawkas
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
26
 
2
-8
 
 
29
 
2
-7
 
 
48
 
7
-2
 
 
86
 
15
5
 
 
148
 
20
9
 
 
157
 
23
13
 
 
120
 
25
15
 
 
93
 
25
14
 
 
73
 
21
11
 
 
51
 
14
4
 
 
40
 
9
0
 
 
33
 
4
-5
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Wladikawkas
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1,8 2,1 7,2 15,3 19,9 23,3 25,4 24,6 20,6 14,4 9,0 4,4 Ø 14,1
Min. Temperatur (°C) −8,1 −6,9 −2,0 4,6 9,4 12,7 15,3 14,4 10,5 4,3 0,1 −4,7 Ø 4,2
Niederschlag (mm) 26 29 48 86 148 157 120 93 73 51 40 33 Σ 904
Regentage (d) 6 6 8 10 14 14 11 9 8 7 7 6 Σ 106
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,8
−8,1
2,1
−6,9
7,2
−2,0
15,3
4,6
19,9
9,4
23,3
12,7
25,4
15,3
24,6
14,4
20,6
10,5
14,4
4,3
9,0
0,1
4,4
−4,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
26
29
48
86
148
157
120
93
73
51
40
33
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Roshydromet

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wladikawkas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Kriegstagebuch des OKW, Hg. Percy Ernst Schramm, Bd. 4.2, Bonn 2005, S. 864ff.
  3. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  4. Том4. Таблица 4. Национальный состав РСОА по муниципальным образованиям по переписи 2010 года (ZIP; 6,3 MB)
  5. Foto des Sendemasts