Wladikawkas
| Stadt
Wladikawkas
Владикавказ / Дзæуджыхъæу
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Wladikawkas (russisch Владикавказ, [vladʲikafˈkas], übersetzt: „Beherrsche den Kaukasus“, ossetisch Дзæуджыхъæу / Dzæudžyqæu, [d͡zəud͡ʒɨqəu]) ist eine Stadt in Russland. Die Hauptstadt der Republik Nordossetien-Alanien liegt nahe der Grenze zu Georgien am Fluss Terek. Sie hat 311.693 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010)[1] und ist ein Industrie- und Kulturzentrum des Nordkaukasus.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Der Generalgouverneur der südlichen russischen Provinzen, Grigori Alexandrowitsch Potjomkin, ließ die Stadt 1784 als Festung unmittelbar neben der ossetischen Siedlung Dsaudschikau erbauen. Sie sollte eine zentrale Rolle beim Kampf gegen die kriegerischen Bergstämme des Kaukasus spielen und die Verkehrsverbindungen bei der Südexpansion des Russischen Reiches absichern. 1799 wurde die bei Wladikawkas einsetzende Georgische Heerstraße der Öffentlichkeit übergeben, die über den Großen Kaukasus nach Tiflis führte. Doch die Pläne scheiterten: Wladikawkas wurde von kaukasischen Rebellen erobert und völlig niedergebrannt.
Erst nach der Annexion Georgiens 1801 gedieh Wladikawkas zu neuer Blüte. Die Stadt wurde wieder aufgebaut, Kosaken in ihr angesiedelt. Bald war sie eine Drehscheibe für den Handel mit Persien. 1875 wurde eine Eisenbahnverbindung nach Rostow am Don und nach Baku in Aserbaidschan eingerichtet. Wladikawkas wurde zu einem regionalen Industriezentrum mit Hüttenindustrie, Raffinerien, chemischer und verarbeitender Industrie. 1906 erschien mit der Iron gaset die erste Zeitung in ossetischer Sprache in der Stadt, seit 1923 wird dort auch die Ræstdsinad, die bis heute wichtigste ossetische Tageszeitung herausgegeben.
Der Name Wladikawkas bedeutet zu deutsch Beherrsche den Kaukasus. Von 1931 bis 1944 und von 1954 bis 1990 hieß die Stadt Ordschonikidse (russisch Орджоники́дзе). Namenspatron war Grigori Konstantinowitsch Ordschonikidse, ein georgischer Kommunist, unter dessen Führung die 11. Armee der Roten Arbeiter- und Bauernarmee im Februar 1921 Georgien erobert hatte. Von 1944 bis 1954 wurde die Stadt Dsaudschikau (russisch Дзауджика́у) genannt. Kurz vor dem Fall der Sowjetunion erhielt sie ihren alten Namen zurück.
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Im Zweiten Weltkrieg [Bearbeiten]
Im Zweiten Weltkrieg begannen am 25. Oktober 1942 über 700 deutsche Panzer der 1. Panzerarmee (Heeresgruppe A) aus dem Raum Elchotowo ihren Angriff in Richtung der fünfzig Kilometer entfernten Gebietshauptstadt Wladikawkas (damals: Ordschonikidse), dem nördlichen Ausgangspunkt der Georgischen Heerstraße. Sie stießen jedoch auf starken Widerstand. Am 2. November 1942 erreichten im Rahmen der Operation Edelweiß die 13. und die 23. Panzer-Division schließlich den westlichen Stadtrand von Ordschonikidse und wurden dort in heftige Kämpfe verwickelt. Bei einem Flankenangriff der sowjetischen Streitkräfte am 7. November 1942 nördlich und südlich der Stadt wurden über 300 deutsche Panzer abgeschossen. Danach kam es bei widrigen Wetterbedingungen (Schneestürme) zu einem verlustreichen Stellungskrieg. Weitere Gebietsgewinne im Kaukasus konnten nicht mehr erzielt werden. Angesichts der bedrohlichen Lage in Stalingrad erfolgte daher am 28. Dezember 1942 der Operationsbefehl Nr. 2 des OKW an die Heeresgruppe A, sich geordnet Richtung Rostow zurückzuziehen, um zusätzliche Kräfte zur Stabilisierung der Donfront freizumachen. Damit war der Vormarsch der Wehrmacht an der Ostfront - von kleineren Ausnahmen abgesehen - beendet. Ordschonikidse/Wladikawkas und das nordwärts in der Kalmückensteppe gelegene Terekli Mekteb (80 Kilometer vom Kaspischen Meer entfernt) können daher als der südöstlichste bzw. östlichste Punkt angesehen werden, bis zu dem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg auf sowjetischem Gebiet vorstieß. Bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 ging es von nun an nur noch zurück.[2] Am 1. Januar 1943 begann die Nordkaukasische Operation genannte Offensive der Roten Armee, deren Ergebnis die endgültige Verdrängung der deutschen Truppen aus dem Kaukasus im ersten Halbjahr 1943 war.
In Wladikawkas bestand das Kriegsgefangenenlager 228, Ordschonikidse für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[3]
Nach Ende der Sowjetunion [Bearbeiten]
Seit Auflösung der UdSSR wurde die überwiegend von russisch-orthodoxen Bürgern bewohnte Stadt wiederholt Schauplatz von islamistischen Attentaten mit zahlreichen Opfern, so 1999 bei einem Sprengstoffattentat auf den Zentralmarkt mit 52 Toten und über 200 Verletzten, 2008 beim Anschlag durch eine Selbstmordattentäterin mit zwölf Toten und am 9. September 2010, dem letzten Tag des Ramadan, bei einem Selbstmordattentat auf einen belebten Markt mit 16 Toten. Die Täter stehen mit den islamisch geprägten und konfliktreichen russischen Kaukasus-Teilrepubliken Inguschetien, Tschetschenien und Dagestan in Verbindung.
Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1897 | 43.740 |
| 1939 | 130.755 |
| 1959 | 164.420 |
| 1970 | 236.200 |
| 1979 | 278.930 |
| 1989 | 300.198 |
| 2002 | 315.608 |
| 2010 | 311.693 |
Anmerkung: Volkszählungsdaten
Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Wladikawkas verfügt über eine Universität, Museen, Theater, Philharmonie, Planetarium und ein Fernsehzentrum. Sehenswert ist die 1908 erbaute Sunnitische Moschee. 35 Kilometer südwestlich der Stadt befindet sich auf 1500 Meter über dem Meeresspiegel der Kurort Karmadon. Er liegt im Tal des Genaldon-Flusses, inmitten von Almen.
Aus Karmadon führt der Weg zum Dorf Dargawe, wo es sehr alte Gräberstätten gibt, die sogenannte Totenstadt mit über 90 unter der Erde befindlichen Grüften verschiedener Typen und Formen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sowie einem mittelalterlichen Wachturm und Verteidigungsanlagen.
In Wladikawkas befindet sich ein Fernsehsendemast ungewöhnlicher Bauweise. Er ist eine abgespannte Stahlrohrkonstruktion, die mit sechs in zwei Ebenen angeordneten, mit Laufstegen versehenen Querträgern ausgestattet ist, die von der Mastkonstruktion zu den Abspannseilen führen.[4]
Sport [Bearbeiten]
Sehr erfolgreich ist der Fußballverein Alanija Wladikawkas, der im Jahre 1995 die russische Meisterschaft gewann.
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
- Maria Amelie (* 1985), Autorin
- Soslan Andijew (* 1952), Ringer, Olympiasieger
- Wladislaw Baizajew (* 1990), Ringer
- Alan Chugajew (* 1990), Ringer
- Soslan Dschanajew (* 1987), Fußballspieler
- Taimuras Dsgojew (* 1961), Ringer, Weltmeister
- Irbek Farnijew (* 1982), Ringer, Weltmeister
- Wladimir Gabulow (* 1983), Fußballspieler
- Waleri Gassajew (* 1954), ehemaliger Fußballspieler und heutiger Trainer
- Waleri Gergijew (* 1953), Dirigent
- Spartak Gognijew (* 1981), Fußballspieler
- Ilia II. (* 1933), georgischer Geistlicher
- Ruslan Karajew (* 1983), Kickboxer
- Alan Kassajew (* 1986), Fußballspieler
- Pawel Lisizian (1911–2004), Opernsänger
- Dawid Mussulbes (* 1972), Ringer, Olympiasieger
- Oleg Penkowski (1916–1963), Agent
- Iwan Prochanow (1869–1935), Ingenieur und Theologe
- Nikita Schabalkin (* 1986), Basketballspieler
- Tugan Sochijew (* 1977), Dirigent
- Paul Swiridoff (1914–2002), deutscher Fotograf, Essayist, Publizist und Verlagsgründer
- Pjotr Swjatopolk-Mirski (1857–1914), russischer Politiker, Gouverneur und Innenminister
- Wadym Tassoew (* 1975), ukrainischer Ringer
- Artur Taymazov (* 1979), Ringer, Olympiasieger
- Georgi Tibilow (* 1984), Ringer
- Taimuras Tigijew (* 1982), kasachischer Ringer
- Rustam Stanislawowitsch Totrow (* 1984), russischer Ringer
- Wladimir Tuganow (* 1961), Springreiter
- Jewgeni Wachtangow (1883–1922), Theaterregisseur und -schauspieler
- Wjatscheslaw Woronin (* 1974), Leichtathlet
- Rohō Yukio (* 1980), Sumōringer in Japan
- Hakurozan Yuta (* 1982), Sumōringer in Japan
- Alan Zagaew (* 1977), ehemaliger bulgarischer Gewichtheber
- Swetlana Zarukajewa (* 1987), Gewichtheberin
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Webpräsenz der Stadt (russisch)
- Wladikawkas auf mojgorod.ru (russisch)
Fußnoten [Bearbeiten]
- ↑ a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
- ↑ Kriegstagebuch des OKW, Hg. Percy Ernst Schramm, Bd. 4.2, Bonn 2005, S. 864ff.
- ↑ Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
- ↑ Foto des Sendemasts
Hauptstadt: Wladikawkas
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