Wladimir Wolfowitsch Schirinowski

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Wladimir Schirinowski

Wladimir Wolfowitsch Schirinowski (russisch Владимир Вольфович Жириновский, wiss. Transliteration: Vladimir Vol'fovič Žirinovskij; * 25. April 1946 in Alma-Ata, Kasachische Sozialistische Sowjetrepublik, als Wladimir Wolfowitsch Eidelstein) ist ein russischer Politiker und Jurist. Schirinowski ist Gründer und Chef der Liberal-Demokratischen Partei Russlands (LDPR), einer im rechtsextremen Spektrum angesiedelten russisch-nationalistischen Partei. Seine Politik ist extrem populistisch. Aufgrund seiner provokativen Haltung und seiner Aufsehen erregenden Sprüche genießt er geringe, jedoch konstante Popularität.

Leben[Bearbeiten]

Schirinowski mit Wladimir Putin (2000)
Schirinowski mit Dmitri Medwedew (2008)
Medwedew verleiht Schirinowski den Vaterlandsverdienstorden III. Stufe (2011)

Wladimir Schirinowski wurde in Alma-Ata geboren, zog 1964 nach Moskau und änderte dort den bis dahin getragenen Familiennamen seines Vaters, des polnischen Juden Wolf Eidelstein (Эйдельштейн)[1]. Von 1964 bis 1970 studierte er an der Moskauer Lomonossow-Universität Turkologie (daher spricht er fließend Türkisch), nebenher studierte er auch von 1965 bis 1967 Internationale Beziehungen an der Universität des Marxismus-Leninismus. Von 1972 bis 1977 absolvierte er schließlich ein Fernstudium für Jura und war später als Anwalt tätig.

Politische Karriere[Bearbeiten]

1990 gründete Schirinowski die LDPR (damals noch LDPSU), die er als erste Oppositionspartei in Russland bezeichnete. 1991 nahm Schirinowski an Präsidentschaftswahlen der RSFSR teil und erreichte knapp acht Prozent der abgegebenen Stimmen. Seitdem wurde seine Partei ständig in das russische Parlament gewählt. Nach den Wahlen vom 7. Dezember 2003 wurde Schirinowski zum stellvertretenden Vorsitzenden der Duma gewählt.

Unter anderem fordert Schirinowski die Wiederherstellung der alten russischen Reichsgrenzen von 1917 mit Finnland, Kongresspolen, Weißrussland und der östlichen Ukraine, die als Kernland der Kiewer Rus als Wiege der russischen Nation gilt und etliche heilige und nationale Stätten hat und von ihm deshalb als altes russisches Land angesehen wird.[2]

Im Dezember 1993 stellte Schirinowski die deutsch-polnische Grenzziehung in Frage, um mit der Bundesrepublik über den möglichen Verkauf des Gebietes um Kaliningrad (den Norden des ehemals deutschen Ostpreußen einschließlich Königsberg) an Deutschland verhandeln zu können.[3]

Bereits mehrfach wurde Schirinowski gegenüber politischen Kontrahenten ausfallend und handgreiflich.[4] So zettelte er 2003, während des Wahlkampfs zur Parlamentswahl, eine Massenschlägerei bei einer Fernsehsendung an. Im Februar 2008 griff er zudem einen Kritiker während einer Talkshow an und schubste ihn vor laufenden Kameras.[5]

Sprache und Ideologie Schirinowskis sind trotz seiner eigenen jüdischen Herkunft von einem populistischen Antisemitismus sowie demagogischen Theorien geprägt – auch leugnet er die Existenz Osama bin Ladens und Al-Qaidas und behauptet, dass die Terroranschläge am 11. September 2001 von der US-amerikanischen Regierung, vielleicht mit Hilfe des Mossad, inszeniert worden seien. Er behauptet auch, dass der US-Kongress ein von den Israelis besetztes Territorium sei. Bemerkenswert war auch sein Vorschlag, im Atlantik russische Atombomben zu zünden, um Großbritannien zu überfluten.[4]

Angesichts sich 2010 entwickelnder Pläne der russischen Regierung, eine strategische Partnerschaft mit der NATO zu suchen, erklärte Schirinowski seine Ablehnung eines NATO-Beitritts Russlands und forderte „die Gestaltung einer neuen Architektur der Sicherheit […], die nur unter Berücksichtigung der Meinung der Russischen Föderation geschaffen werden kann“ ein.[6]

Wladimir Schirinowski wurde von einer ukrainischen Journalistin während seines Besuchs vom Januar 2013 in der Ukraine mit Sauerkohl beworfen. Er fragte sie nach dem Anlaß, worauf sie geantwortet habe, er liebe die Ukraine nicht[7].

Im Mai 2013 erklärte das Parlament von Kirgisistan Schirinowski zur Persona non grata. Schirinowski hatte zuvor vorgeschlagen, dass Kirgisistan den Yssykköl-See an Russland abtreten soll. Im Gegenzug soll Russland Kirgisistan Schulden in Höhe von 500 Millionen US-Dollar erlassen.[8]

Im April 2014 geriet Schirinowski erneut in die Schlagzeilen, als er seine Bodyguards bei einer Pressekonferenz dazu aufrief, die schwangere Journalistin Stella Dubowizkaja zu vergewaltigen. Sie stellte eine Frage zum aktuellen Konflikt in der Ukraine, als Schirinowski in Form eines Wutanfalls plötzlich rief: „Wenn ich rufe ‚Christus ist auferstanden‘, fangt ihr an, sie zu vergewaltigen.“[9] Die Ethikkommission der Duma wies daraufhin Schirinowski an, sich öffentlich gegenüber den beschimpften Journalisten zu entschuldigen, verzichtete aber darauf, ein einmonatiges Redeverbot in der Duma zu verhängen.[10]

Schirinowski und die Europäische Union[Bearbeiten]

Am 12. September 2014 wurde gegen Schirinowski von der Europäischen Union ein Einreiseverbot und eine Kontensperre verhängt.[11] Daraufhin erklärte Wladimir Schirinowski in einem Interview, dass er die Anwesenheit seines Namens auf der EU-Sanktionsliste als Anerkennung seiner Verdienste vor dem russischen Volke deutet, dass er demzufolge auf den Vaterlandsverdienstorden II. Stufe (die III. Stufe wurde ihm schon verliehen) Anspruch erheben könne und dass dies in ihm Stolz und Freude hervorrufe. Er ist der Meinung, Europa werde zur Zeit von den USA niedergedrückt, aber es werde sich bald erheben, auf die Straßen strömen in einem europäischen Maidan und sowohl die Amerikaner als auch die Nazisten verjagen[12].

Persönliches[Bearbeiten]

Die Religionszugehörigkeit von Schirinowski ist ungeklärt. Er selbst macht dazu keine Angaben. Als er noch in Alma-Ata lebte, besuchte er zusammen mit seiner Großmutter ein baptistisches Bethaus.[13] In einem Fernsehbericht aus dem Jahr 2010 war jedoch zu sehen, wie Schirinowski ein orthodoxes Kreuzzeichen schlägt.[14]

Schirinowski ist seit den 1970er Jahren mit Galina Alexandrowna Lebedewa verheiratet, die von Beruf Biologin ist. Es gibt Gerüchte darüber, dass Schirinowski sich im Jahr 2012 von seiner Ehefrau hat scheiden lassen, da er ihre Einkünfte nicht mehr in der Pflichtdeklaration für Duma-Abgeordnete angegeben hat.[15]

Aus der Ehe mit Galina Alexandrowna ging der Sohn Igor Wladimirowitsch Lebedew hervor, welcher seit 1999 Duma-Abgeordneter ist und wie sein Vater der LDPR-Fraktion angehört.

Schirinowski spricht neben seiner Muttersprache auch Englisch, Französisch, Türkisch und Deutsch.

Trivia[Bearbeiten]

  • In Pensa wird Eiskrem produziert, die "Schirinowski in Schokolade" heißt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Russische[Bearbeiten]

Ausländische[Bearbeiten]

  • Orden Ehre und Ruhm (2005, Abchasien)
  • Samarer Kreuz (2013, Bulgarien)

Literatur[Bearbeiten]

  • In der bibliographischen Internet-Datenbank RussGUS (frei zugänglich) werden zu „Schirinowski“ weit über hundert Literaturnachweise angeboten (unter Formularsuche → Sachnotationen: 16.2.2/Zirinovskij*).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schirinowski fand Vater auf Friedhof in Israel
  2.  Alaska inbegriffen. In: Der Spiegel. Nr. 26, 1992, S. 170–172 (online).
  3. Geschichte Königsbergs auf der Seite des Films Königsberg is dead
  4. a b Russland vor der Wahl: Rambo-Kandidat Schirinowksi. In: Spiegel Online. 28. Februar 2008 (Video)
  5. Wladimir Schirinowski: Prügel nach TV-Debatte. In: Spiegel Online. 22. Februar 2008 (Video)
  6. LDPR-Chef Schirinowski gegen Nato-Beitritt Russlands. In: Ria Novosti. 10. September 2010
  7. Interview Sergej Briljows mit Wladimir Schirinowski in den Samstagsnachrichten (russisch Вести в субботу), Rossija 1, 13. September 2014 um 20:00 MSK (18:00 MESZ), 4:10-4:40 in der Aufnahme
  8. Жириновского депутаты Киргизии объявили персоной нон грата. In: Runews24. 15. Mai 2013
  9. Ellen Ivits: Ausraster von russischem Politiker: „Notgeile Frauen sind schuld am Maidan“. In: stern.de. 21. April 2014
  10. Christopher Brennan & Anna Dolgov: Ethics Committee Advises Zhirinovsky to Apologize Publicly for „Rape“ Tirade. In: The Moscow Times. 23. April 2014
  11. FAZ.net: Gegen Putin, Wen die EU mit den neuen Sanktionen trifft
  12. Interview Sergej Briljows mit Wladimir Schirinowski in den Samstagsnachrichten (russisch Вести в субботу), Rossija 1, 13. September 2014 um 20:00 MSK (18:00 MESZ), 5:00-5:20; 8:50-9:10 in der Aufnahme
  13. http://news.invictory.org/issue6755.html
  14. http://www.youtube.com/watch?gl=RU&hl=ru&v=KNd-_YdNDMc bei 1:17
  15. Жириновский развелся: такой вывод можно сделать из его декларации о доходах. In: Moskowski Komsomolez. 16. April 2013, abgerufen am 16. April 2013 (russisch).