Wohnkabine

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VW Amarok mit bimobil Wohnkabine
Lance RV auf einem Dodge Ram Truck 2500
Eine Wohnkabine auf einem Pickup Mitsubishi L200
Toppola-Wohnkabine auf einem Saab 99
Morris Minor mit Wohnkabine

Als Wohnkabine (auch Absetzkabine [engl. demountable camper, amerik. truck-camper] genannt) werden Wohnaufbauten bezeichnet, die auf einem Pickup oder ähnliche Fahrzeuge gesetzt werden könnten. Im Normalfall sind diese nicht dauerhaft verbunden sondern die Wohnkabine wird nur bei Bedarf aufgesetzt und befestigt, z. B. am Wochenende oder zur Urlaubsreise. Daher kann man das Fahrzeug unter der Woche ganz normal nutzen und nur bei Bedarf wird ein Wohnmobil (engl. motor-home) daraus.

Versionen[Bearbeiten]

Die Wohnkabinen unterteilen sich in zwei Hauptgruppen:

Es gibt die Hardwall-Camper, mit festen Wänden und einer starren Konstruktion. Die rechts gezeigte Lance stellt eine der größten dieser Art dar. In Europa sind diese Kabinen natürlich den Pick-Ups entsprechend etwas kleiner, bieten aber auf Kundenwunsch fast alle erdenklichen Extras aus dem Campingbereich. Hard-Wall-Camper sind oft nur bedingt Offroadtauglich, der hohe Schwerpunkt und die Größe machen ein Manövrieren auf engstem Terrain oft unmöglich. Dafür bieten diese Kabinen am Urlaubsort den größten Komfort. Populäre Marken in Deutschland sind unter anderem Artica, Tischer, Nordstar, Travel-Lite, Northstar, Bimobil und Mabu.

Auf der anderen Seite gibt es die „Pop-Up-“ oder „Folding“-Camper. Diese Kategorie ist in der Regel eine leichte und kompakte Ausführung einer Wohnkabine. Das Dach ist bei dieser Kabinenart entweder zur Gänze hochzufahren oder schräg nach oben aufzuklappen. Dadurch bleibt im Fahrbetrieb der Schwerpunkt niedrig und die Abmessungen kompakt, beim Campen aber bieten auch diese Kabinen viel Platz und Komfort. Dieser Kabinentyp ist oft Offroadtauglich gebaut, und wird gern für Fernreisen oder Touren abseits der Straßen genutzt. Die Isolierung ist auf Grund der Verwendung von Planen- bzw. Zeltstoffteilen nicht so gut wie bei einem „Hard-wall“-Camper, kann aber oft mit entsprechendem Zubehör (zusätzliche Isoliervorhänge) aufgewertet werden. Populäre Marken in Deutschland sind unter anderem Tischer, Northstar, Explorer, Nordstar, Four-Wheel Camper und ExKab.

Einrichtung[Bearbeiten]

Bei den meisten Kabinen sind alle wichtigen Geräte wie Heizung, Kühlschrank, Kochgelegenheit, Spüle, Frischwassertank usw. vorhanden. Im Alkoven findet man ein großes Bett für zwei Personen. Ferner kann in den meisten Wohnkabinen die Sitzecke schnell zu einem weiteren Schlafplatz umgebaut werden, sofern notwendig. Eine Toilette mit Toilettenraum ist je nach Größe der Wohnkabine vorhanden, bei einigen Modellen sogar eine Dusche.

Auf- und Absetzen[Bearbeiten]

alte Absetz-Kabine

Um die Kabine abzusetzen, werden ausfahrbare Stützen an die Kabine geschraubt, mit denen man die Kabine dann anheben kann, um das Auto heraus zu fahren. Gebräuchlich sind verschiedene Stützen mit mechanischen, elektrischen oder hydraulisch betriebenen Mechanismen. Die Sicherung am Fahrzeug erfolgt über Drahtseile, Spanngurte oder Ketten. Um diese anzubringen, werden auf der Ladefläche des Basisfahrzeugs Lasthaken montiert. Alternativ können auch an den Rahmen des Pickups Ausleger angeschraubt werden, die es gestatten, die Kabine nach außen zu verspannen.

Pflege und Gebrauch[Bearbeiten]

Da eine Wohnkabine im Unterschied zu Wohnwagen und Wohnmobilen keinen stabilen Stahlrahmen als Plattform hat, ist sie stärkeren Verwindungskräften ausgesetzt. Dies wird noch verstärkt dadurch, dass die Kabine meist an vier Punkten mit der Karosserie des Pick-Up verspannt wird. Über einen längeren Zeitraum schwächt dies die Verbindungen der Karosserieteile und Wasser kann eindringen.

Besonders mit dem Dach verschraubte Dachboxen und Gepäckträger neigen zu Undichtigkeiten an den Verschraubungspunkten und lassen dort Wasser in den Deckenbereich eindringen. Dies gilt auch für nachträglich montierte Markisen und Fahrradträger.

Vorteile[Bearbeiten]

Ein Vorteil in dieser Art des Aufbaus liegt in der einfachen Möglichkeit die Kabine vom Fahrzeug zu trennen. So kann man mit aufgesetzter Kabine zum Urlaubsort reisen. Dort angekommen setzt man die Kabine ab und hat so ein Fahrzeug zur Verfügung. Es fallen keine Gebühren für die Haupt- und Abgasuntersuchung und keine Steuern an, die für ein extra Wohnmobil zu zahlen wären. Die Versicherung fällt geringer aus, da das Fahrzeug jetzt als Wohnmobil angesehen wird. Da die meisten 1-1/2-Kabiner-Pickups als Zulassungsart LKW offener Kasten haben, gilt für sie mit Anhänger jedoch ein Sonntagsfahrverbot (dieses gilt ab 1. April 2009 per Sondergenehmigung für Pickups als aufgehoben). Hier war es dann vorteilhaft die Wohnkabine eintragen zu lassen. Daraus ergibt sich dann LKW offener Kasten - ww. Sonder-KFZ Wohnmobil und man durfte auch Sonntags einen Anhänger ziehen. Ein weiterer Vorteil dieser Kombination aus Wohnkabine und Pickup liegt in der besseren Geländegängigkeit durch den Allradantrieb. Insbesondere Skandinavien-Reisende wissen eine Wohnkabine zu schätzen, da auf der Fähre keine Extrakosten für einen Wohnanhänger anfallen. Außerdem kann man z. B. sein Motorboot auf dem Trailer mitnehmen, und hat dann vor Ort seine Wohnkabine als Domizil, den Pick-Up als flexibles Erkundungsfahrzeug und sein Boot zum Fischen.

Nachteile[Bearbeiten]

Durch die Art des Aufbaus sind die Platzverhältnisse sehr viel kleiner als bei einem normalem Wohnmobil. Ebenso ist durch den hohen Schwerpunkt und der Kabinenbefestigung auf relativ kleiner Ebene (trifft besonders für japanische Doppelkabiner zu), die Fahrt auf sehr schlechten Straßen trotz Allrad nicht zu empfehlen. Auch ältere Wohnkabinen mit einer Holzrahmenkonstruktion neigen bei häufiger Verwendung abseits befestigter Straßen zu Rissbildung in den Abdichtungen und Lösung der Konstruktionsverbindungen. Hierfür gibt es spezielle Offroadkabinen, die ein absenkbares Dach haben, und somit den Schwerpunkt tief halten. Ideal sind hier die von einigen Herstellern verwendeten verschweißten Aluminiumrahmen, oder vergleichbare, nicht hölzerne Konstruktionen.

Basisfahrzeuge für Wohnkabinen[Bearbeiten]

Als Basisfahrzeuge werden Pickups wie der VW Amarok, Nissan Navara, Mitsubishi L 200, Isuzu D-Max, Mazda B-Serie, Toyota Hilux, Chevrolet Silverado, Dodge Ram, GMC Sierra, Land Rover, Ford Ranger, Ford F-150 bis F-350 genutzt, sowie Pritschenfahrzeuge. Wie zum Beispiel der VW Transporter, welcher eines der ersten Basisfahrzeuge war.

Eine recht kleine Variante ist die Toppola, welche in normalen Schrägheck-Limousinen zum Einsatz kommt. Durch den Ausbau der Heckklappe kann sie in den Ladebereich eingesetzt werden. Toppolas wurden für Saab 99, Saab 900, Saab 9-3, sowie Ford Sierra und Scorpio hergestellt.

Weblinks[Bearbeiten]