Wohnstadt Carl Legien

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Wohnstadt Carl Legien

Die Wohnstadt Carl Legien ist eine Großsiedlung im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg (Bezirk Pankow), die in den Jahren 1928 bis 1930 nach Plänen von Bruno Taut und Franz Hillinger gewerkschaftlich-genossenschaftlich errichtet wurde. Benannt wurde sie nach dem deutschen Gewerkschaftsführer Carl Legien. Sie liegt an der Erich-Weinert-Straße zwischen Gubitz- und Sültstraße. Die Wohnsiedlung steht seit 1977 unter Denkmalschutz. 1994 wurde mit der denkmalgerechten Sanierung begonnen, die originalen Putz- und Farbfassungen wurden wiederhergestellt. Im Juli 2008 wurde die Wohnstadt als eine von sechs Siedlungen der Berliner Moderne in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die Wohnstadt wurde im Zuge der Bebauung des nördlichen Prenzlauer Bergs in den 1920er und 1930er Jahren errichtet. Nachdem die Bauwirtschaft durch den Ersten Weltkrieg zum Erliegen gekommen war, führte das Wohnungsbauprogramm der Weimarer Republik zu einem Aufschwung, sodass in ganz Berlin neue Siedlungen entstanden. Im Prenzlauer Berg wurde neben der Wohnstadt Carl Legien beispielsweise die GEHAG-Siedlung errichtet.

Die ersten Pläne für eine Siedlung auf diesem Gelände wurden seit 1925 vom damaligen Leiter des GEHAG-Entwurfsbüros Franz Hillinger entworfen. In Zusammenarbeit mit Bruno Taut entstand schließlich der Endplan, nach dem 1145 Eineinhalb- bis Dreieinhalb-Zimmerwohnungen auf 8,4 Hektar entstanden. Taut und Hillinger entwarfen eine Siedlung, die aus sechs langgestreckten, U-förmigen Wohnblöcken besteht, die sich jeweils um begrünte Innenhöfe gruppieren. So konnte erreicht werden, dass trotz der nötigen hohen Wohndichte die Siedlung sehr viel grüner wirkt als die Blockbauten der Gründerzeit. Sie orientierten sich dabei vornehmlich an amerikanischen, skandinavischen und auch niederländischen Vorbildern: Die Anlage von geschlossenen, vor die eigentlichen Bauten gestellten Loggien erinnert etwa an die 1920/1921 in Rotterdam entstandene Siedlung Tusschendijken des Niederländers J. J. P. Oud, mit dem Bruno Taut in engem persönlichen Kontakt stand. Die Architektur entspricht anderen Projekten des Berliner Neuen Bauens: Systematische Grundrisse, die jeder Wohnung eine Küche, ein Bad und einen Balkon oder eine Loggia zuordnen, die Formen der Häuser sind klar, vergleichsweise schlicht, das prägende Element sind die kraftvollen Farben, in denen die Fassaden und auch die Innenräume gestrichen wurden. Jeder der Gartenhöfe erhielt dabei eine Leitfarbe, der die Details zugeordnet wurden.

Im Jahr 1930 erhielten die meisten Straßen Namen von sozialdemokratischen Gewerkschaftern. Im Juni 1933 wurden sie nach Orten umbenannt, die an Schlachten des Ersten Weltkriegs an der Westfront erinnern, besonders solche der Flandernschlacht von 1914. Nur die bereits 1904 nach dem Pseudonym der rumänischen Königin Carmen Sylva benannte Hauptachse behielt ihren Namen. Seither hieß die Gegend Flandernviertel. 1952 benannte der Ost-Berliner Magistrat diese Straßen nach hingerichteten oder ermordeten kommunistischen Widerstandskämpfern und 1954 die damalige Carmen-Sylva-Straße nach Erich Weinert.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wohnstadt Carl Legien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.54638888888913.432777777778Koordinaten: 52° 32′ 47″ N, 13° 25′ 58″ O