Wojtek (Bär)

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Wojtek mit einem polnischen Soldaten

Wojtek (1942–1963; [vɔjtɛk]) war ein syrischer Braunbär, der in Iran gefangen und von Artilleriesoldaten des Zweiten Polnischen Korps adoptiert wurde. Bei der Schlacht um Monte Cassino half er bei der Versorgung der Soldaten mit neuer Munition.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten]

Wojtek auf den Fahrzeugen der polnischen Armee

Im Jahr 1942 fand ein einheimischer Knabe den ein Jahr alten und von seiner Mutter verlassenen Bären in der Nähe der westiranischen Stadt Hamadan.[1] Er verkaufte ihn an die Soldaten der in Iran stationierten polnischen Armee für ein paar Konserven.[1] Später wechselte der durch die frühe Prägung auf den Menschen sehr nähebedürftige Bär zur 22. Transportdivision des zweiten polnischen Armeekorps.[1][3][4] Dort erhielt er den slawischen Vornamen Wojtek, welcher sich aus den Namensbestandteilen für Krieg sowie Freude zusammensetzt und sinngemäß „der den Krieg genießt“ oder „lächelnder Krieger“ bedeutet.[1] Seine Haltung erfolgte nicht artgerecht, da er ohne Kontakt zu Artgenossen aufwuchs und sowohl Bier als auch Zigaretten von den Soldaten erhielt.[4] Peter Prendys war als Wärter für den Bären zuständig.[1] Der als Wojtek benannte Bär erfreute sich bei den Soldaten großer Beliebtheit, wurde zu ihrem Maskottchen und später sogar offiziell als Soldat in das Zweite Polnische Korps aufgenommen, mit dem er in Italien zum Einsatz kam.[3] Da die Hafenbehörden von Alexandria den Bären bei der Verschiffung der Truppen nach Neapel am 14. April 1944 zunächst nicht für die Überfahrt zulassen wollten, da Tiere an Bord nicht geduldet wurden, wurde ihm mit Genehmigung des Oberkommandos aus Kairo ein militärischer Rang verliehen sowie eine Dienstnummer und ein Soldbuch vergeben, welche ihn rechtskräftig als offizielles Mitglied der polnischen Armee zur Überfahrt legitimierten. Ihm wurde daraufhin dauerhaft Zugang zu dem britischen Transportschiff gewährt.[2][4] Seitdem wurde der Bär als Unteroffizier Wojtek geführt.[4] Bei der Schlacht um Monte Cassino trug er Kisten mit schweren Mörsergranaten über das Schlachtfeld auf unwegsamem Gelände am Berg des Monte Cassino.[2][4] Zudem gelang es Wojtek im Laufe seiner militärischen Karriere einen arabischen Spion zu stellen.[3] Neben diesen militärischen Einsätzen sorgte er insbesondere für eine gute Moral innerhalb der polnischen Truppen.[3] Nach der Schlacht um Monte Cassino wurde mit Zustimmung des polnischen Oberkommandos das Emblem der 22. Kompanie in einen Bären geändert, der ein großes Artilleriegeschoss trägt.[4]

Ein anderes polnisches Bataillon, das einen Bären namens Michael in seine Reihen aufgenommen hatte, brachte diesen zu Wojtek, in der Annahme, die beiden Bären würden Spielkameraden werden.[1][4] Da jedoch aufgrund von Eifersucht heftige Kämpfe zwischen den beiden Bären ausbrachen, wurde Michael 1943 dem Zoo von Tel Aviv übergeben, der den Polen im Gegenzug den Affen Kaska gab.[1]

Nach dem Krieg[Bearbeiten]

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Wojtek zunächst zusammen mit 3.000 Soldaten in das Armeelager Winfield Camp im schottischen Hutton in Berwickshire gebracht.[4][1] Nach der Demobilisation der polnischen Streitkräfte am 15. November 1947 wurde Wojtek im Zoo von Edinburgh abgegeben und erfreute sich auch dort anschließend großer Beliebtheit.[1] Er verbrachte in dem Zoo den Rest seines Lebens, bis er im Alter von 22 Jahren im Dezember 1963 starb.[4] Zum Zeitpunkt seines Todes war er 180 cm groß und wog 220 kg.[1]

Gedenken[Bearbeiten]

In Andenken an Wojtek wurde 1944 von David Harding eine Statue angefertigt, die sich im Sikorski Museum in London befindet, wo 2010 eine Fotoausstellung zu Ehren Wojteks stattfand.[1] Pläne zur Errichtung einer weiteren Statue durch dem Bildhauer Alan Herriot in der schottischen Hauptstadt Edinburgh wurden 2010 bekannt gegeben, deren Umsetzung für 2011 geplant waren.[1] Diese Statue soll rund 200.000 Pfund Sterling kosten.[3] Für ihren Aufstellungsort sind unter anderem Hillside Crescent und Calton Hill im Gespräch.[3] Laut Herriot sollen ähnliche Statuen in Warschau und Monte Cassino entstehen.[1] Ebenso soll auf Bemühen des Wojtek Memorial Trust eine Bronzestatue in der Innenstadt Edinburghs aufgestellt werden.[4] Im Hafen von Grimsby in England erinnert bereits eine hölzerne Skulptur an Wojtek.[4]

Im schottischen Parlament fand im März 2009 ein Empfang zu Ehren des Bären Wojteks statt.[4] Im November 2011 wurde in Edinburgh eine Prozession von Soldaten abgehalten, die von Dudelsackspielern begleitet wurde, um Wojtek schließlich mit einer polnischen Grabrede zu ehren.[4]

Die Brauerei Beartown aus dem englischen Cheshire brachte 2012 eine limitierte Ausgabe von 10.000 Flaschen des Bieres Wojtek heraus, welche den munitionstragenden Bären auf den Flaschenetiketten führten.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wladyslaw Anders: An Army in Exile, the Story of the Second Polish Corps. Macmillan, London 1949
  • Stefan Kleczkowski: Poland's first 100,000: Story of the Rebirth of the Polish Army, Navy and Air Aorce After the September Campaign. Hutchinson, London und New York 1945
  • Geoffrey Morgan und Wiesław A Lasocki: Soldier Bear. Collins, London 1970, ISBN 0750509619

Filme[Bearbeiten]

  • 2011: Wojtek – The Bear That Went To War (Dokumentation, Regie: Will Hood)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n ORF: Der Bär, der gegen die Nazis kämpfte., 15. Oktober 2010
  2. a b c BBC News: Honour sought for 'Soldier Bear', 25. Januar 2008
  3. a b c d e f Daily Mail: Private Wojtek, the 35-stone 'soldier bear' which drank, smoked and battled the Nazis, remembered with £200,000 statue, 14. Oktober 2010
  4. a b c d e f g h i j k l m n Der Spiegel: Soldatenbär Wojtek: Krieger mit Puschelohren, Danny Kringiel, 29. Juni 2012