Wolbachia

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Wolbachia
Wolbachia sp. innerhalb einer Insektenzelle

Wolbachia sp. innerhalb einer Insektenzelle

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Alpha Proteobacteria
Ordnung: Rickettsiales
Familie: Anaplasmataceae
Gattung: Wolbachia
Wissenschaftlicher Name
Wolbachia
Hertig, 1936
Arten
  • W. pipientis
  • W. melophagi
  • W. persica

Wolbachia ist eine Gattung gramnegativer, parasitisch lebender Bakterien. Als wichtigste Art dieser Gattung gilt Wolbachia pipientis. Manche Forscher behaupten, dass zwischen 17 und 75 % aller Insektenarten mit Wolbachia pipientis infiziert sind, auch manche Spinnen- und Nematodenarten sind betroffen. So sind auch Filarien, eine Superfamilie der Nematoden, obligate Träger der endosymbiotisch lebendenden Wolbachien. Phylogenetische Analysen zeigten, dass die Wolbachien, die den Rickettsien nahe stehen, seit Millionen von Jahren in den Filarien leben und ähnlich wie Mitochondrien über die Eizellen auf die nächste Generation übertragen werden (vertikale Transmission).[1]

Das Beeindruckende an allen Wolbachia-Arten ist ihre Überlebensstrategie. Sie leben meistens in den Geschlechtsorganen der Wirtsorganismen und manipulieren deren Fortpflanzung zu ihrem Vorteil. Man hat beobachtet, dass mit Wolbachia infizierte Weibchen (z. B. Hypolimnas bolina) ausschließlich Weibchen gebären. Das ist wohl dadurch zu erklären, dass sich das Bakterium nur von der Mutter über die Eizellen, nicht aber vom Vater durch die Spermienzellen auf die Nachkommen überträgt, und es somit für das Überleben der Bakterienart von Vorteil ist, einen möglichst großen Anteil infizierter Weibchen in der betroffenen Art zu erhalten. Dies erreichen sie durch verschiedene Strategien.

In manchen Arten können Wolbachia-Bakterien Parthenogenese auslösen, d. h. die Weibchen produzieren genetisch identische, ebenfalls infizierte Klone. Infizierte Männchen können sich bei einigen Arten nur mit infizierten Weibchen paaren, bei anderen Arten, z. B. einer Wespenart, zeugen sie nur männlichen Nachwuchs. (Beide Strategien verhindern die Entstehung von nicht-infizierten Weibchen). Bei der Rollassel Armadillidium vulgare wird der Hormonhaushalt der Nachkommen gestört, so dass sich auch aus genotypisch männlichen Individuen phänotypische Weibchen entwickeln.

Wolbachia als „Fehlerquelle“[Bearbeiten]

Die Infektion mit Wolbachia ist in entwicklungsbiologischen Laboren, die mit Insekten (beispielsweise mit Drosophila melanogaster) arbeiten, ein Problem, da manche Phänotypen unter Umständen nicht auf die zu untersuchende Mutation, sondern auf die Wolbachia-Infektion zurückzuführen sind.

Systematik[Bearbeiten]

Man beachte, dass die Systematik sich ständig im Fluss befindet. So findet man Wolbachia in der Familie Anaplasmataceae[2] oder aber auch in der Gruppe (Tribus) Wolbachieae der Familie Rickettsiaceae[3].

Quellen[Bearbeiten]

  1. Hörauf, Achim; Mand, Sabine; Büttner, Dietrich W.: Doxycyclin zur Chemotherapie der Filariosen: Elimination von Wolbachien, essenziellen bakteriellen Endosymbionten in den Würmern. Dtsch Arztebl 2003; 100(37): A-2383 / B-1988 / C-1875
  2. Hier nach LPSN: List of Prokaryotic Names with Standing in Nomenclature
  3. Nach: National Center for Biotechnology Information (NCBI) Stand: Februar 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolbachia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien