Wolesi Dschirga

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Das Wappen Afghanistans

Als Wolesi Dschirga (auch Wolesi Jirga, Paschtu: ‏ولسي جرګه ‎) bezeichnet man das Unterhaus des afghanischen Zwei-Kammern-Parlaments. Wolesi Dschirga bedeutet übersetzt so viel wie „Haus des Volkes“.

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Die Wolesi Dschirga besteht aus 249 Sitzen, von denen 68 von Frauen und 10 von der Nomadenminderheit der Kuchis besetzt werden müssen. Die Abgeordneten werden direkt gewählt, wobei jeder Provinz eine bestimmte Zahl von Abgeordneten zusteht. Eine Besonderheit bei den Wahlen zur Wolesi Dschirga ist, dass keine Parteien zugelassen sind, es gibt also nur unabhängige Abgeordnete.[1][2][3]

Geschichte[Bearbeiten]

Vom 14. Dezember 2003 bis zum 4. Januar 2004 tagte in Kabul die verfassungsgebende Große Ratsversammlung (Loya Dschirga). Die von ihr verabschiedete Verfassung sieht einen direkt vom Volk gewählten Präsidenten vor, der sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef ist. Das afghanische Parlament (Shuraye Melli) wurde in zwei Kammern unterteilt: in die Wolesi Dschirga und die Meshrano Dschirga (das Oberhaus). Am 18. September 2005 fanden die ersten Wahlen zur Wolesi Dschirga statt. Die Wahlen wurden von Anschlägen auf die Kandidaten überschattet, denen mindestens sieben Politiker zum Opfer fielen.[4] Obwohl die Wahlbeteiligung zu wünschen übrig ließ, wurden die Wahlen international als Erfolg gewertet. Die zweiten Wahlen zur Wolesi Dschirga fanden am 20. August 2009 statt und führten aufgrund von massiver Wahlfälschung zu einer Legitimationskrise der Regierung.[5]

Belege[Bearbeiten]

  • Marion Preyer: Chancen und Hemmnisse von Demokratisierung - Der Fall Afghanistan. Grin, München 2009, ISBN 978-3640294862

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auswärtiges Amt.de: Afghanistan Innenenpolitik: Verfassungsmäßiger Staatsaufbau.
  2. Berlin-online.de: Lexikon: Wolesi Dschirga. 17. September 2005
  3. Morgenpost.de: Das afghanische Parlament. 4. Januar 2010
  4. EuroNews.net: Wahlen zur Wolesi Dschirga in Afghanistan. 17. September 2005
  5. Friedrich-Ebert-Stiftung: Citha de Maaß: Wahlen in Afghanistan 2009 und 2010: Legitimationsdefizit und Eigendynamik wahltaktischer Maßnahmen. 23. November 2008

Weblinks[Bearbeiten]