Wolf-Dieter Storl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wolf-Dieter Storl

Wolf-Dieter Storl (* 1. Oktober 1942 in Sachsen bei Ansbach) ist ein deutsch-US-amerikanischer Kulturanthropologe, Ethnobotaniker und Buchautor.

Leben[Bearbeiten]

Storl wuchs in Deutschland auf. Als Elfjähriger musste er sich von seinen Großeltern und von seiner Tante, die am Abstellgleis im Crimmitschauer Güterbahnhof (DDR) lebten, verabschieden. Mit seiner Mutter fuhr er nach Oldenburg, wo sie mit dem aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Vater zusammentrafen. Gemeinsam reisten sie nach Bremerhaven und bestiegen einen sogenannten „Auswandererdampfer“ zur Ausreise nach „Amerika“: „Für mich als Elfjährigen war es ein Ausflug, der nie enden sollte“ (Wolf-Dieter Storl). Von New York aus fuhren sie mit der Bahn nach Ohio und wurden von dort lebenden Verwandten erwartet. Der Vater fand bald eine Anstellung als Stationsvorsteher eines Güterbahnhofs und Wolf-Dieter wurde im neuen Land in die fünfte Klasse aufgenommen. Am liebsten hielt er sich in der Natur auf und streifte durch die Wälder. Hier entdeckte er sein Interesse an den Pflanzen und Kräutern sowie an den uralten und mächtigen Bäumen:

„Ich begriff, dass die Menschen die Welt in zwei Seiten teilten: Da gab es auf der einen Seite die Natur, die Wildnis, das Böse - und auf der anderen Seite die Zivilisation, die geordnete Welt, das Gute. Indem ich den Baseballschläger weggeworfen hatte, hatte ich mich - ohne dass es mir bewusst war - für das Wilde, für die ungezähmte Natur entschieden. Von nun an verbrachte ich jede freie Minute im Wald, in der freien Natur. Es gab ein Universum zu entdecken.“

Wolf-Dieter Storl: Ö1-Menschenbilder, 2012[1]

Er studierte Botanik an der Ohio State University. Der Laborbetrieb befriedigte ihn nicht, und so wechselte er zur Völkerkunde. Mit 24 Jahren, nach Abschluss seines Studiums, war er hauptberuflicher Dozent für Soziologie und Anthropologie an der Kent State University. Anschließend verfasste er an der Universität Bern seine Dissertation. Nach eigener Aussage schrieb er diese auf Vorschlag seines Doktorvaters auf Englisch, da sein Deutsch damals sehr schlecht war.[2] 1974 erlangte er seinen Doktortitel Dr. phil. der Ethnologie. Es folgten Lehraufanthalte in Wien, Oregon, Genf und Wyoming. Mit seiner Frau zog es ihn jedoch in die Fremde. Sie lebten – nach Aufenthalten in Bangladesch, Burma, Thailand, China und Japan – für fast zwei Jahre in Indien. 1988 kehrten sie nicht in seine zweite Heimat in den USA zurück, sondern ließen sich vorerst im ostfriesischen Moor nieder. Später fanden sie ein abgelegenes Haus im Allgäu, in das sie übersiedelten.[1]

Der Ethnobotaniker und Kulturanthropologe Storl ist als Buchautor in Erscheinung getreten und wurde zu Fernsehdiskussionen eingeladen. Er hielt als Leiter Seminare, Workshops und Kräuterwanderungen ab. Deshalb bekommt er auch Einladungen zu internationalen Tagungen und Symposien. Seine Thesen zur Naturheilkunde sind jedoch umstritten. Insbesondere sein Buch Borreliose natürlich heilen, eine Krankheit unter der Storl selber litt.

Storl ist mit einer US-Amerikanerin aus Wyoming verheiratet. Gemeinsam haben sie einen Sohn und eine Tochter.[2] Die Familie wohnt auf dem Hof Herrenberg bei Rohrdorf, Stadt Isny im Allgäu. Der Hof ist ein im Jahr 1188 erbauter und versteckt im Wald liegender ehemaliger Rittersitz.[1]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Der Garten als Mikrokosmos. Biologische Naturgeheimnisse als Weg zur besseren Ernte. Verlag Hermann Bauer, Freiburg im Breisgau 1982, 2. Aufl. 1988.
  • gemeinsam mit M. Scheffer: Die Seelenpflanzen des Edward Bach. Hugendubel, 1995, 3. Aufl., ISBN 3880348219.
  • Von Heilkräutern und Pflanzengottheiten. Aurum, Braunschweig 1997, ISBN 3-591-08344-5.
  • Kräuterkunde. Aurum, Braunschweig 1996, ISBN 3-591-08372-0.
  • Götterpflanze Bilsenkraut. Nachtschatten Verlag, Solothurn 2000, ISBN 3-907080-63-7.
  • Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor. AT-Verlag, Aarau (Schweiz) 2000, ISBN 3-85502-556-8.
  • Pflanzendevas. AT-Verlag, Aarau 2002, ISBN 3-85502-763-3.
  • gemeinsam mit Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch: Hexenmedizin. AT-Verlag, Aarau 1998.
  • Pflanzen der Kelten. Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender. AT-Verlag, Aarau 2000, ISBN 3-85502-705-6.
  • SHIVA. Der wilde, gütige Gott. KOHA, Burgrain, ISBN 3-929512-90-4.
  • Bom Shiva. Der ekstatische Gott des Ganjas. Nachtschatten Verlag, Solothurn 2003, ISBN 3-03788-114-3.
  • Ich bin ein Teil des Waldes. „Der Schamane aus dem Allgäu“ erzählt seine Lebensgeschichte. Franckh-Kosmos, Stuttgart, ISBN 3-440-09548-7.
  • Naturrituale. Mit schamanischen Ritualen zu den eigenen Wurzeln finden. AT-Verlag, Aarau, ISBN 3-85502-964-4.
  • Der Bär. Krafttier der Schamanen und Heiler. AT-Verlag, Aarau.
  • gemeinsam mit Paul Silas Pfyl: Bekannte und vergessene Gemüse. AT-Verlag, Aarau 2002, ISBN 3-85502-808-7.
  • Streifzüge am Rande Midgards. KOHA, Burgrain 2006, ISBN 3-936862-86-9.
  • Borreliose natürlich heilen. AT-Verlag, Aarau 2007, ISBN 978-3038003601.
  • Wandernde Pflanzen. Neophyten die stillen Eroberer. AT-Verlag, Aarau 2012, ISBN 978-3-03800-680-0
  • Der Selbstversorger. Gräfe und Unzer Verlag, München 2013, ISBN 978-3833826573

Video[Bearbeiten]

  • Rückkehr an den Ganges DVD, Koha, 2013, EAN 9783867282154.
  • HEILKRÄUTER - Eine Wanderung auf den Spuren heimischer Pflanzen DVD, Neue Weltsicht, Potsdam 2012, EAN 4260155680977.
  • Die lebendigen Götter! Eine Reise durch die mythische Welt DVD, Neue Weltsicht, Potsdam 2012, EAN 4260155680878.
  • Das seelische Wesen der Pflanzen DVD, Neue Weltsicht, Potsdam 2011, EAN 4260155680311.
  • Vergessenes Pflanzenwissen alter Kulturen DVD, Neue Weltsicht, Potsdam 2011, EAN 4260155680229.
  • Heiler am Wegesrand. Kräuter- und Pflanzenwissen. DVD, Aurum, Braunschweig 2008, ISBN 978-3-89901-147-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c "Ich bin ein Teil des Waldes" - Wolf-Dieter Storl. In: Ö1.ORF.at in der Reihe Menschenbilder, 9. September 2012. Abgerufen am 9. September 2012.
  2. a b Aussage in Ö1-Menschenbilder (nur Audio, nicht auf der zugehörigen Ö1-Webseite).