Wolf Dietrich von Raitenau

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Wolf Dietrich von Raitenau von Kaspar Memberger
Wappen Wolf Dietrichs als Erzbischof von Salzburg (von 1594)

Wolf Dietrich von Raitenau (* 26. März 1559 in Schloss Hofen (Lochau am Bodensee); † 16. Jänner 1617 auf der Festung Hohensalzburg) war Fürsterzbischof von Salzburg in den Jahren 1587 bis 1612 und übte einen großen Einfluss auf das dortige Stadtbild aus. Auf ihn gehen zahlreiche öffentliche Bauten zurück, etwa die Neue Residenz in Salzburg. Er war Abt des Klosters Murbach im Jahr 1587.

Leben[Bearbeiten]

Wolf Dietrich stammte aus dem süddeutschen Kleinadelsgeschlecht Raitenau, das im Bodenseeraum begütert war. Er war der Sohn des Hans Werner von Raitenau und besaß über seine Mutter Helene von Hohenems eine entfernte Verwandtschaft zu den Medici, namentlich mit Giovanni Angelo Medici, dem späteren Papst Pius IV., dessen Nichte sie war. Darüber hinaus war er mit Kardinal Karl Borromäus verwandt, der noch zu Wolf Dietrichs Lebzeiten heiliggesprochen wurde.

Im Mai 1587 als Kompromisskandidat zum Erzbischof gewählt, wurde er im Oktober desselben Jahres vom Passauer Bischof Urban von Trennbach zum Priester und Bischof geweiht. Schon nach kurzer Zeit führte er Reformen in der Liturgie und Verwaltung durch. Anfänglich verfolgte er eine strikte gegenreformatorische Linie und verwies im Jahr 1589 alle Protestanten der Stadt Salzburg. Er rief die Kapuziner und die Augustiner-Eremiten ins Land, um die Gegenreformation weiterzuführen. Wolf Dietrich fand aber bald zu einer Politik der Toleranz, die ihn aber der Kurie entfremdete. Er stand mit Tycho Brahe in Kontakt und rezipierte Machiavellis Ideal vom souveränen Renaissancefürsten, das er in frühabsolutistischem Sinn umdeutete. Der hochgebildete Erzbischof besaß einen scharfen Verstand, war dabei aber oft unberechenbar und oft jähzornig.

Er gilt als großer Kunstsammler. Bedeutend ist er aber vor allem als Bauherr; manche Bauten wurden dabei von ihm wieder niedergerissen oder kamen unter seiner Regierungszeit nicht mehr zur Ausführung. Nach dem Brand des Salzburger Doms 1598 wurde die Ruine gemeinsam mit 55 Bürgerhäusern niedergerissen, um Platz für einen neuen Dombau zu machen, der allerdings erst unter seinem Nachfolger (mit veränderter Planung) in Angriff genommen wurde.

Die Planungen wurden von Vincenzo Scamozzi durchgeführt, der zugleich einen neuen Raster für die Innenstadt entwarf: Residenz- und Mozartplatz gehen auf diese Planungen zurück. Auch die Residenz und die Neue Residenz wurden von ihm gebaut; die Residenz wurde 1592 wieder abgerissen, da sie nicht mehr gefällig erschien, und der Nachfolgebau erst 1609 fertiggestellt.

Schloss Mirabell in Salzburg

Für seine Lebensgefährtin Salome Alt, mit der er 15 Kinder hatte, ließ er das Schloss Altenau bauen, das von seinem Nachfolger in Mirabell umbenannt wurde.

Zu Fall brachten ihn die Konflikte mit Bayern: Sein Fernbleiben von der Katholischen Liga lief der Politik Maximilians von Bayern zuwider. Weitere Streitpunkte waren der Salzpreis sowie die salzreiche und reichsunabhängige Fürstpropstei Berchtesgaden, über die Salzburg schon immer seinen Einfluss ausbreiten wollte, die damals aber stark unter bayerischem Einfluss stand. Ein Einmarsch der Salzburger Truppen in Berchtesgaden im Oktober 1611 wurde von den Baiern mit einem Einmarsch in Salzburg beantwortet; Wolf Dietrich wurde auf der Flucht gefasst und bis an sein Lebensende von seinem Nachfolger und Neffen Markus Sittikus Graf von Hohenems zuerst in der Festung Hohenwerfen und später in der Fürstenstube der Festung Hohensalzburg in strenger Einzelhaft eingesperrt. Er ritzte in die Wand der Festung Hohenwerfen folgenden Spruch (zerstört beim Brand 1931): „Gibt in der Welt vil Trug – Tue recht und fürcht die Lug. – Damit ward ich betrogen – Ich tat recht und ward …“ Am Ende seines Lebens hat sich Wolf Dietrich in das Unabänderliche seines Schicksals gefügt und seine Gefangenschaft als gottgewollt angenommen. Seine Barbiere Johannes Strauß und Adam Stainer sagten, Wolf Dietrich habe geäußert, er sei allein Schuld an seinem Schicksal, „nur seine geliebten Kinder hätte er gerne um sich gehabt“[1], ein Wunsch, der ihm bis zu seinem Lebensende nicht mehr erfüllt wurde.

Trotz des plötzlichen Endes seiner Regierung verdankt die Stadt Salzburg ihr barockes Aussehen in erster Linie ihm. Sie ist die älteste Barockstadt in Mitteleuropa und wurde von den späteren Zeitgenossen deswegen „deutsches Rom“ genannt. Diese Vorbildwirkung half dem Barockstil wesentlich bei seiner Verbreitung nördlich der Alpen.

Mausoleum von Erzbischof Raitenau in St. Sebastian

Obwohl Wolf Dietrich schon 1600 für sich ein einfaches Leichenbegängnis verfügt hatte (nur begleitet von Dienern und Franziskanern im Alltagsgewand zur Nachtzeit und ohne Glockengeläute) und seiner Ablehnung einer Leichenöffnung veranlasste sein Nachfolger Markus Sittikus das genaue Gegenteil. Nach einer öffentlichen Aufbahrung in der St. Veits-Kapelle im Stift St. Peter, bekrönt mit der Infel, wurde er unter Begleitung des Erzbischofs, der Domherren, der Korporationen und Zünfte in die Gabriels-Kapelle in der Mitte des von ihm im Stil eines italienischen Campo Santo angelegten Sebastiansfriedhofs in Salzburg überführt und dort beigesetzt.[2]

Nachwirken[Bearbeiten]

Erhard Buschbeck verfasste einen expressionistischen Roman auf Grundlage des Lebens:

  • Erhard Buschbeck: Wolf Dietrich. Roman. Leipzig, Wolgast: Der Kentaur 1919.
  • Ein weiterer Roman über sein Leben stammt von Arthur Achleitner
  • Arthur Achleitner: Celsissimus - Ein Salzburger Roman, Alfred Schall, Berlin, 1902

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Ammerer und Ingonda Hannesschläger (Hg.): Strategien der Macht. Hof und Residenz in Salzburg um 1600 – Architektur, Repräsentation und Verwaltung unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau 1587 bis 1611/12; Salzburg 2011.
  • Christoph Brandhuber und Oliver Ruggenthaler OFM: Das Weltbild eines Kirchenfürsten im Spiegel des Bildprogramms der „Dietrichsruh“ – Wolf Dietrichs verlorenes Paradies, in: Zentrum der Macht. Die Kunstsammlungen der Salzburger Fürsterzbischöfe: Gemälde / Graphik / Kunstgewerbe, hg. von Roswitha Juffinger; Salzburg 2011, S. 394–509.[1] (PDF; 16,5 MB)
  • Ernst von Frisch: Wolf Dietrich von Salzburg im Lichte seiner Kunstsammlung; Das Bergland-Buch, Salzburg 1949
  • Franz Martin: Erzbischof Wolf Dietrich von Salzburg und sein Mausoleum; E. Hölzel, Wien 1923
  • Franz Martin: Wolf Dietrich von Raitenau, Erzbischof von Salzburg; A. Hartleben, Wien 1925
  • Walter Schlegel: Baumaßnahmen des Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612), in: Vision und Realität. Die Salzburger Residenz 1587-1727, Horn/Wien 2009, S. 27-51. (=ÖZKD LXIII, 2009, Heft 1/2).
  • Georg W. Seunig: Die städtebauliche Entwicklung der Stadt Salzburg unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612); 1981
  • Hermann Spies: Die Tonkunst in Salzburg in der Regierungszeit des Fürsten und Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612); Spiess, Salzburg 1932
  • Eva Stahl: Wolf Dietrich von Salzburg, Weltmann auf dem Bischofsthron; Amalthea, Wien, München 1987; ISBN 3-85002-230-7
  • Karl Mayr-Deisinger: Wolf Dietrich von Raittenau, Erzbischof von Salzburg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 723–726.
  • Manfred Hörner: Wolf Dietrich von Raitenau. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 1291–1295.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard R. Heinisch: Wolf Dietrichs Sturz und Gefangenschaft. In Salzburger Landesregierung Kulturabteilung (Hrsg.), 4. Salzburger Landesausstellung - Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau - Gründer des barocken Salzburgs, S. 79-82. Salzburg: 1987.
  2. Heinisch, 1987, S.82.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolf Dietrich von Raitenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Georg von Kuenburg Erzbischof von Salzburg
1587–1612
Markus Sittikus von Hohenems