Wolfgang Bergmann (Pädagoge)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wolfgang Bergmann bei der Verleihung des Matejcek-Preises (Familiennetzwerk) an Anna Zaborska und Petr Necas 2009

Wolfgang Bergmann (* 21. Oktober 1944 in Lemgo; † 18. Mai 2011 in Hannover)[1] war ein deutscher Pädagoge, Familientherapeut sowie ehemaliger Journalist und Medienmanager.

Leben[Bearbeiten]

Bergmann musste ein Jahr vor dem Abitur das Gymnasium verlassen, machte eine Lehre im Verlagswesen und danach das Abitur. Ein Studium der Erziehungswissenschaften in Berlin schloss er an. Als Mitbegründer einer freien Kindertagesstätte und Vater setzte er das Gelernte in Praxis um. Beruflich machte er zunächst Karriere im Medien- und Verlagssektor, war Chefredakteur der Deutschen Lehrer Zeitung und Mitherausgeber der Buchreihe „Tumult“ sowie Manager im Bertelsmann-Konzern und im Pädagogik-Fachverlag Beltz & Gelberg.[2]

Wolfgang Bergmann war Diplom-Pädagoge und Leiter einer Praxis für Kinder- und Jugendtherapie, des Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie in Hannover, welche er 1995 nach einer familientherapeutischen Zusatzausbildung eröffnete. Im Jahr 2008 wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie eröffnet.[3]

Er gehörte zum Kreis der Kinder- und Familien-Wissenschaftler und Praktiker in Deutschland. Bergmann war Mitglied des internationalen Expertenbeirats des Wissenschaftszentrums Wien, ein Verein, der sich im Rahmen der Prüfung durch das Kontrollamt der Stadt Wien im Jahr 2007 freiwillig aufgelöst hat, für das Projekt Art & Sciences[4]. Das Leben in einer von Medien geprägten Welt und der Wandel der Familienstrukturen sowie ein reformpädagogischer Begriff von Disziplin und Autorität gehörten zu seinen Hauptthemen. Er besetzte in der öffentlichen Debatte eine Gegenposition zu Michael Winterhoff[5] und Bernhard Bueb, die mit ihren Büchern seinem Verständnis nach die Forderung nach mehr Disziplinierung und Gehorsam erheben.[6] Im Umgang mit den „neuen Kindern“ setzte der Autor auf Gelassenheit, Ordnung und das, was er „gute Autorität“ nannte.[7]

Bergmann war Vater dreier Kinder und lebte von seiner Ehefrau getrennt. 2010 wurde bei ihm ein unheilbarer Knochenkrebs diagnostiziert.[8] Im September 2010 gründete Wolfgang Bergmann die Stiftungsinitiative „Für Kinder“. Sein Wunsch war, dass nach seinem Ableben seine Arbeiten weitergetragen und umgesetzt werden. Wolfgang Bergmann erlag in der Nacht vom 18. auf den 19. Mai 2011 seinem Krebsleiden.[9]

Schriften[Bearbeiten]

  • Lasst eure Kinder in Ruhe!: Gegen den Förderwahn in der Erziehung. Kösel-Verlag, München 2011.
  • Geheimnisvoll wie der Himmel sind die Kinder – Was Eltern von Jesus lernen können. Kösel-Verlag, München 2010.
  • Warum unsere Kinder ein Glück sind: So gelingt Erziehung heute. Beltz, Weinheim 2009.
  • Computersüchtig: Kinder im Sog der modernen Medien. Beltz, Weinheim 2008. (mit Gerald Hüther)
  • Kleine Jungs – große Not: Wie wir ihnen Halt geben. Beltz, Weinheim 2008.
  • Gute Autorität: Grundsätze einer zeitgemäßen Erziehung. Beltz, Weinheim 2008.
  • Disziplin ohne Angst: Wie wir den Respekt unserer Kinder gewinnen und ihr Vertrauen nicht verlieren. Beltz, Weinheim 2007.
  • Die Kunst der Elternliebe. Beltz, Weinheim 2006.
  • Das Drama des modernen Kindes: Hyperaktivität, Magersucht, Selbstverletzung. Beltz, Weinheim 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Traueranzeige in Neue Presse vom 21. Mai 2011. Abgerufen am 21. Mai 2011.
  2. Interview. Bayerischer Rundfunk, 29. Februar 2008 (PDF-Datei; 51 kB).
  3. Tabellarische Kurzbiographie, Bayerischer Rundfunk, vom 29. Februar 2008.
  4. Prüfungsbericht Kontrollamt der Stadt Wien, 2007 (PDF-Datei; 91 kB).
  5. Gehorsam macht dumm. Bergmann gegen Michael Winterhoff in: Frankfurter Rundschau, 7. Juli 2008, abgerufen am 20. April 2011
  6. Zur Hölle mit der Disziplin. Interviev mit Wolfgang Bergmann, Süddeutsche Zeitung, 20. Februar 2009, abgerufen am 20. April 2011.
  7. „Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik geht Jungs gewaltig auf die Nerven.“ Interview mit Wolfgang Bergmann, Der Spiegel, 5. April 2008, abgerufen am 20. April 2011.
  8. Ich sterbe, also bin ich. Essay von Wolfgang Bergmann, Die Welt, 23. Juli 2010, abgerufen am 20. April 2011.
  9. Nachrufartikel in: Hannoversche Allgemeine online, 20. Mai 2011. Abgerufen am 21. Mai 2011.