Wolfgang Gans zu Putlitz (Diplomat)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wolfgang Gans Edler Herr zu Putlitz (* 16. Juli 1899 in Laaske, heute Ortsteil von Putlitz; † 3. September 1975 in Potsdam) war ein deutscher Diplomat. Er leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus und lieferte Informationen an den britischen Geheimdienst. Nach dem Krieg wurde er Kommunist und siedelte in die DDR über, deren Staatsangehörigkeit er 1952 annahm.

Leben[Bearbeiten]

Gans zu Putlitz stammte aus dem märkischen Adelsgeschlecht Gans zu Putlitz in der Prignitz. Er war der Erbe von Schloss Laaske, zu dem auch umfangreicher landwirtschaftlicher Besitz gehörte. Er studierte Landwirtschaft und Volkswirtschaft in Berlin, wo er 1924 auch promovierte. Danach trat er in den diplomatischen Dienst ein, zuerst war er am deutschen Generalkonsulat in Posen tätig. 1928 kam er an die Botschaft in Washington, D.C. Seine nächsten Stationen waren 1934 die Botschaften in Paris und in London, wo er die Konsularabteilung leitete. Dort ließ er sich vom britischen Spionagedienst anwerben, weil er die Kriegspläne der deutschen Nationalsozialisten nicht billigte. Am 1. November 1935 war er der NSDAP beigetreten, nach den Akten des Auswärtigen Amtes gehörte er auch der SS an. Bei Kriegsbeginn 1939 ist er der zweithöchste Diplomat an der deutschen Gesandtschaft im neutralen Holland. Von hier aus lieferte er den Briten Informationen über die Aufmarschpläne und Stärke der deutschen Truppen. Für den britischen Spion Jona Ustinov, genannt Klop (er war vorher ebenfalls deutscher Diplomat), war Gans zu Putlitz eine der wichtigsten Quellen.

Die Gestapo war ihm bald auf der Spur, deshalb musste sich Gans zu Putlitz aus den Niederlanden absetzen. Im Oktober 1939 floh er von Holland nach England, dann nach Jamaica, Haiti und in die USA. In Deutschland wurde Gans zu Putlitz in Abwesenheit als Hochverräter zum Tode verurteilt. Von Januar 1944 bis April 1945 war er Mitarbeiter am Soldatensender West in England, besser bekannt als Soldatensender Calais.

Mit Kriegsende 1945 kehrte Gans zu Putlitz im Auftrag des britischen Nachrichtendienstes MI6 nach Deutschland zurück. Über seinen nachrichtendienstlichen Auftrag ist nichts bekannt. Die britischen Besatzungsbehörden ebneten von Putlitz aber den Weg, er wurde Oberregierungsrat und persönlicher Referent des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein. Aber als bekannter Vertrauensmann der Besatzungsmacht war er in dieser Position auf Dauer nicht wohl gelitten. Über die Schweiz und Paris kehrte er nach Großbritannien zurück. 1948 wurde er britischer Staatsbürger. Als Zeuge der Anklage sagte er 1948 vor dem amerikanischen Militärgericht in Nürnberg gegen Kriegsverbrecher im Auswärtigen Amt aus.

Auch in England konnte Gans zu Putlitz nicht endgültig Fuß fassen, was auf politische Gründe zurückzuführen sein dürfte. Er trat für ein paktfreies entmilitarisiertes Deutschland ein und gegen die Teilung des Landes und die NATO-Mitgliedschaft der Bundesrepublik. Seine politischen Positionen Anfang der 1950er Jahre entsprachen in manchem der nach außen hin vertretenen Politik Stalins. Und vermutlich waren es die Russen, die seine Übersiedlung in die DDR im Januar 1952 organisierten. Dieser Schritt des ehemaligen britischen Spions ließ sich gut für die sowjetische und ostdeutsche Propaganda nutzen. Er arbeitete als freischaffender Schriftsteller und Lektor für den Verlag Volk und Wissen in Bad Saarow und Berlin. Er war beratend für das DDR-Außenministerium sowie für die Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere tätig. Außerdem war er Mitglied und politischer Mitarbeiter des Nationalrates der Nationalen Front.

Dass sich die deutsche Teilung festigte und die DDR sich zu einem totalitären Staat entwickelte, hat Gans zu Putlitz enttäuscht. Nach seinem Tod 1975 wurde er auf dem Friedhof von Groß Kreutz bei Potsdam beigesetzt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Unterwegs nach Deutschland. Erinnerungen eines ehemaligen Diplomaten. Verlag der Nation, Berlin 1974 (zuerst 1956). DDR-Lizenz-Nummer 400/77/67.
  • Laaske, London und Haiti. Zeitgeschichtliche Miniaturen. Verlag der Nation, Berlin 1965.
  • Groß- und Kleinbetriebe in der Landwirtschaft unter der Geldentwertung mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in der Prignitz. Univ., Diss., Berlin, 1924.
  • The Putlitz dossier. Wingate, London 1957.

Mitarbeit:

  • Braunbuch. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik. Staat, Wirtschaft, Armee, Verwaltung, Justiz, Wissenschaft. Hrsg. v. Nationalrat der Nationalen Front des Demokratischen Deutschland und Dokumentationszentrum der Staatlichen Archivverwaltung der DDR, Berlin 1965 (Putlitz lieferte Beiträge über ehemalige Nazis im Dienst des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik.)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]