Wolfgang Lüth

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Grabmal auf dem Friedhof Adelby (2012)

Wolfgang Lüth (* 15. Oktober 1913 in Riga; † 14. Mai 1945[1] in Flensburg) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Kapitän zur See sowie U-Boot-Kommandant der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Er und Albrecht Brandi waren die einzigen U-Boot-Kommandanten, die mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten ausgezeichnet wurden.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Der im Baltikum geborene Lüth war der Sohn des Trikotagenfabrikanten August Lüth (1872–1947) und seiner Frau Elfriede, geborene Schindler (1876–1957). 1939 heiratete Lüth Ilse Lerch (* 1915), Tochter eines Handelsschiffskapitäns. Das Paar hatte vier Kinder.[2]

Beförderungen[3]

Feindfahrten U 9[3]

  • 16. Januar bis 22. Januar 1940
    (2 Schiffe mit 2.367 BRT versenkt)
  • 6. Februar bis 12. Februar 1940
    (2 Schiffe mit 7.208 BRT versenkt)
  • 3. März bis 6. März 1940
  • 14. März bis 19. März 1940
  • 4. April bis 24. April 1940
  • 5. Mai bis 15. Mai 1940
    (2 Schiffe mit 3.838 BRT versenkt)
  • 16. Mai bis 27. Mai 1940
    (1 Schiff mit 3.256 BRT versenkt)

Feindfahrten U 138[3]

  • 10. September bis 25. September 1940
    (4 Schiffe mit 34.644 BRT versenkt)
  • 8. Oktober bis 20. Oktober 1940
    (1 Schiff mit 5.327 BRT versenkt)

Feindfahrten U 43[3]

  • 9. November bis 10. November 1940
  • 17. November bis 18. Dezember 1940
    (2 Schiffe mit 19.360 BRT versenkt)
  • 13. Mai bis 1. Juli 1941
    (2 Schiffe mit 7.529 BRT versenkt)
  • 2. August bis 23. September 1941
  • 10. November bis 16. Dezember 1941
    (2 Schiffe mit 10.437 BRT versenkt)
  • 30. Dezember 1941 bis 22. Januar 1942
    (3 Schiffe mit 17.469 BRT versenkt)

Feindfahrten U 181[3]

  • 12. September 1942 bis 18. Januar 1943
    (12 Schiffe mit 58.381 BRT versenkt)
  • 23. März bis 14. Oktober 1943
    (10 Schiffe mit 45.331 BRT versenkt)

Anfänge und Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Lüth absolvierte das Naturwissenschaftliche Gymnasium, machte das Abitur und studierte am Herder-Institut in Riga drei Semester Rechtswissenschaften. Am 1. April 1933 trat er als Offiziersanwärter (Crew 1933) in die Reichsmarine ein. Am 23. September 1933 wurde er zum Seekadetten, am 1. Juli 1934 zum Fähnrich zur See, am 1. April 1936 zum Oberfähnrich zur See, am 1. Oktober 1936 zum Leutnant zur See und am 1. Juni 1938 zum Oberleutnant zur See befördert.

Lüth absolvierte zunächst mehrere Lehrgänge und Ausbildungen auf Schiffen und begann am 1. Februar 1937 seine Ausbildung mit Unterseebooten. In dieser Zeit wurde er am 31. März 1937 mit der Dienstauszeichnung IV. Klasse sowie dem Spanienkreuz in Bronze am 6. Juli 1939 ausgezeichnet.

Als U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Er fuhr auf verschiedenen Booten als Erster Wachoffizier und als stellvertretender Kommandant, bis er am 28. Dezember 1939 Kommandant von U 9 (Typ II B) wurde. Auf sechs Feindfahrten versenkte er acht Schiffe mit 17.221 BRT, bei seiner vorletzten Fahrt das französische U-Boot Doris.

In dieser Zeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse am 25. Januar bzw. 15. Mai 1940.

Am 27. Juni 1940 übernahm Lüth das Typ II D-Boot U 138, mit dem er bis zum 19. Oktober 1940 im Nordatlantik operierte. Auf zwei Feindfahrten, mit zusammen 27 Seetagen, versenkte er fünf Schiffe mit 39.971 BRT. Er wurde am 23. September 1940 im Wehrmachtbericht genannt und mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 24. Oktober 1940 ausgezeichnet.

Am 21. Oktober 1940 erhielt Lüth das IX (A) Boot U 43. Von November 1940 bis Februar 1942 versenkte er im Nordatlantik, auf sechs Feindfahrten in 192 Seetagen, neun Schiffe mit 54.795 BRT. Am 1. Januar 1941 wurde Lüth Kapitänleutnant. Neben der Verleihung des Italienischen Kriegskreuzes mit Schwertern am 1. November 1941 wurde er am 14. Januar 1942 im Wehrmachtbericht genannt.

Im Mai 1942 stellte Lüth mit U 181 eines der sogenannten Monsun-Boote vom Typ IX D 2 in Dienst. Mit diesem Boot unternahm er zwei Feindfahrten mit insgesamt 333 Seetagen. Bei seiner ersten Fahrt, vom 12. September 1942 bis zum 18. Januar 1943, versenkte Lüth im Südatlantik zwölf Schiffe mit insgesamt 58.380 BRT. Hierfür erhielt er am 13. November 1942 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Seine zweite Feindfahrt mit diesem Boot sollte mit 205 Seetagen die zweitlängste des Krieges werden. Am 23. März 1943 verließ U 181 den Stützpunkt Bordeaux. In den folgenden Monaten versenkte es im Indischen Ozean zehn Schiffe mit 45.528 BRT. Er wurde am 1. April 1943 zum Korvettenkapitän befördert und zwei Wochen später am 15. April 1943 mit den Schwertern zum Eichenlaub des Ritterkreuzes ausgezeichnet (29. Träger). Nach der letzten Versenkung am 11. August 1943 wurde Lüth als erstem Marineoffizier die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern (7. Träger) verliehen. Am 14. Oktober 1943 lief U 181 wieder in Bordeaux ein. Es hatte unter Lüths Führung insgesamt 22 Schiffe mit 103.908 BRT versenkt.

Flottillenchef[Bearbeiten]

Am 15. Januar 1944 wurde Lüth – um einen Tod des Hochdekorierten zu verhindern – aus dem Frontdienst herausgelöst und als Chef der 22. U-Boot-Flottille in Gotenhafen eingesetzt. Im Juli wurde er Leiter der I. Abteilung an der Marinekriegsschule in Flensburg-Mürwik. Am 1. August 1944 folgte die Beförderung zum Fregattenkapitän. Am 1. September 1944 wurde der erst 31-jährige Lüth zum Kapitän zur See befördert und zum Kommandeur der Marinekriegsschule ernannt. Laut Admiral Dönitz sollte durch ihn „frischer Wind in die verstaubte Bude“[4] wehen. Sein Führungsstil war aber umstritten.[2]

Kriegsende und Tod[Bearbeiten]

Kurz vor Kriegsende wurden in Mürwik SS-Angehörige der Inspektion der Konzentrationslager mit Marineuniformen und falschen Soldbüchern ausgestattet. Für diese Aktion erhielt der dafür verantwortliche Lüth die ausdrückliche Rückendeckung von Dönitz.[5] Am 5. Mai 1945 wurde Flensburg von britischen Streitkräften besetzt. Der überzeugte Nazi Lüth, Kampfkommandant der Stadt, hatte noch unmittelbar vor dem Eintreffen der Alliierten verfügt: „Alle Soldaten und die Zivilbevölkerung sind sofort darauf hinzuweisen, daß es mit der aufrechten Haltung eines deutschen Menschen und dem Stolz eines Nationalsozialisten nicht zu vereinbaren ist, wenn der vordringende Feind durch Tücherwinken oder ähnliche Handlungen begrüßt wird“.[6] Und als durch die Briten den deutschen Einheiten der Hitlergruß verboten wurde, widersetzte sich Lüth am 8. Mai 1945 durch einen Befehl an die Truppe: „Der Deutsche Gruß ist und bleibt der Gruß der Wehrmacht.“[7] Das 400 Mann starke, von Korvettenkapitän Peter-Erich Cremer (U 333 und U 2519) befehligte Wachbataillon wurde von den Briten aus Selbstschutzgründen nicht entwaffnet. Lüth hatte befohlen, dass die Männer des Wachbataillons auf jeden, der auf Anruf die Parole nicht nannte, sofort zu schießen hätten. Am 14. Mai 1945 kurz nach Mitternacht wurde Lüth, als er nicht auf den Anruf einer Streife reagierte, von einem Posten erschossen, dem Historiker Gerhard Paul zufolge im „Alkoholrausch“.[1]

Lüth wurde in der Aula der Marineschule Mürwik aufgebahrt. Dönitz hielt die Trauerrede. Zwei Tage später wurde Lüth auf dem Friedhof Adelby bei Flensburg beigesetzt. Es war das letzte Staatsbegräbnis des Dritten Reiches, an dem der damalige Reichspräsident Karl Dönitz die letzten Worte sprach.

Zwölf Jahre später, am Volkstrauertag 1957, ließ Korvettenkapitän Karl Peter zusammen mit den Fähnrichen der Crew V/56 im Beisein von Frau Lüth und ihren Kindern unweit der Stelle, wo Lüth den Tod fand, einen Gedenkstein setzen. Otto Schuhart, damals Ausbildungsleiter der Marineschule Mürwik, hielt dazu die Gedenkrede.

Bewertung[Bearbeiten]

Insgesamt war Lüth an 17 Operationen in 609 Seetagen mit U 9, U 138, U 43 und U 181 beteiligt und versenkte hierbei laut offiziellen Verlautbarungen 47 Schiffe mit insgesamt 225.755 BRT sowie das französische U-Boot Doris. Damit war er, nach Otto Kretschmer, der erfolgreichste, laut Bodo Herzog in der NDB der zweiterfolgreichste U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg.[2] Es entsprach aber der damaligen Marinepraxis, dass die Kommandanten ihre Versenkungszahlen durch Schätzungen hochrechneten. Das war in der Marineführung bekannt. So hielt die 3. (Nachrichtenauswertungs)-Abteilung der Seekriegsleitung (Fremde Marinen) ihren eigenen Unterlagen zufolge die „unsinnig hohen“ Meldungen über versenkte Tonnage für „grotesk übertrieben“.[8] Lüth erhielt für seine Versenkungen höchste NS-Auszeichnungen, hatte aber bei den Verleihungen des Ritterkreuzes und seiner weiteren Stufen in keinem Fall die offiziellen Verleihrichtlinien[9] erfüllt. Das entsprach der damaligen Verleihpraxis,[10] deren Ziel es war, der Öffentlichkeit möglichst viele erfolgreiche U-Boot-Kommandanten präsentieren zu können.[11]

Lüth war überzeugter Nationalsozialist[4][12] und wurde von der NS-Propaganda gezielt als Held und Vorbild aufgebaut.[13] Ziel dieser Heldenpräsentation war es, durch die Idealisierung von Ritterkreuzträgern wie Lüth die „geistige Mobilmachung“ der männlichen Jugend voranzutreiben.[14] Nach seinen „Feindfahrten“ wurde Lüth deshalb regelmäßig für Propagandavorträge herangezogen.[2] Und 1943 veröffentlichte er zusammen mit Kapitänleutnant Claus Korth und einem Ghostwriter aus dem Propagandaministerium[15] das allerdings nur mäßig erfolgreiche Buch „Boot greift wieder an“.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Eisernes Kreuz (1939) II. Klasse am 25. Januar 1940
  • Eisernes Kreuz (1939) I. Klasse am 15. Mai 1940
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten[16]
    • Ritterkreuz am 24. Oktober 1940 als Oberleutnant zur See und Kommandant von U-138
    • Eichenlaub am 17. November 1942 (142. Verleihung) als Kapitänleutnant und Kommandant von U-181
    • Schwerter am 15. April 1943 (29. Verleihung) als Korvettenkapitän und Kommandant von U-181
    • Brillanten am 11. August 1943 (7. Verleihung) als Korvettenkapitän und Kommandant von U-181

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe. Bd. II: K–Z. Biblio Verlag Osnabrück, 1988, ISBN 3-7648-1153-6.
  • Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 5: Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe von 1939 bis Mai 1945. Verlag E.S. Mittler & Sohn, 2003, ISBN 3-8132-0515-0, S. 86–92.
  • Bodo Herzog: Lüth, Wolfgang. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 479 f. (Digitalisat).
  • Jordan Vause: Der U-Boot-Kommandant Wolfgang Lüth. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01937-X. (Aus dem Amerikanischen: U-BOAT ACE - The story of WOLFGANG LÜTH. The United States Naval Institute, Annapolis, Maryland 1990)
  • Jordan Vauce: Die Wölfe. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-02002-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gerhard Paul: Der Untergang 1945 in Flensburg. (Hintergrund. Schriftenreihe der Landeszentrale für politische Bildung). Kiel o.J. [2012], S. 19.
  2. a b c d Bodo Herzog: Lüth, Wolfgang. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 479 f. (Digitalisat).
  3. a b c d e Bodo Herzog, Günter Schomaekers: Ritter der Tiefe. Graue Wölfe. Die erfolgreichsten U- Boot- Kommandanten der Welt. 2. Auflage. Verlag Welsermühl, München-Wels 1976, ISBN 3-85339-136-2, S. 278–281.
  4. a b Rolf Güth: Gruppenoffizier an der Marineschule Flensburg-Mürwik. In: Walther Günther (Hg.): So war das damals… Berichte aus dem Erleben von Crewkameraden 1944–45. Norderstedt 2000, S. 31–36, hier: S. 33.
  5. Gerhard Paul: Landunter. Schleswig-Holstein und das Hakenkreuz. Münster 2001, S. 351; Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Neumünster 2005, S. 151.
  6. Gerhard Paul: Der Untergang 1945 in Flensburg. (Hintergrund. Schriftenreihe der Landeszentrale für politische Bildung). Kiel o.J. [2012], S. 14.
  7. Renate Dopheide: Kiel, Mai 1945. Britische Truppen besetzen die Kriegsmarinestadt. Kiel 2. Aufl. 2007, S. 92.
  8. Erich Murawski: Der deutsche Wehrmachtbericht 1939–1945. Ein Beitrag zur Untersuchung der geistigen Kriegführung. Boppard am Rhein 1962, (Schriften des Bundesarchivs. Band 9), S. 43.
  9. Manfred Dörr (Bearb.): Die Ritterkreuzträger U-Boot-Waffe. (=Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht 1939 - 1945; IV), Osnabrück 1989, Bd. 1, S. XV.
  10. Bodo Herzog: Ritterkreuz und U-Boot-Waffe. Bemerkungen zur Verleihpraxis. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv 10 (1987), S. 245–260; Ders.: Provozierende Erkenntnisse zur deutschen U-Boot-Waffe. In: Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft 11 (1998), S. 101–124, insbes. S. 105f zu Ritterkreuz-Verleihungen: „Die Kriterien hierfür (100.000-BRT- Versenkungsergebnis) wurden ständig unterlaufen. Von 122 mit diesem Orden ausgezeichneten Kommandanten (es gab 9 Ausnahmen) erzielten nur 31 diese hohe Norm (Es gab sogar mit dem Ritterkreuz dekorierte Offiziere ohne Versenkungsergebnisse)“.
  11. René Schilling: „Kriegshelden“. Deutungsmuster heroischer Männlichkeit in Deutschland 1813–1945 (= Krieg in der Geschichte; Bd. 15), Paderborn 2002, S. 368 Anm. 199.
  12. Jordan Vause: U-Boat Ace. The Story of Wolfgang Lüth. Annapolis (MD) 2001, passim, insbes. S. 123–126.
  13. Jordan Vause: U-Boat Ace. The Story of Wolfgang Lüth. Annapolis (MD) 2001, S. 187–194.
  14. René Schilling: Die Helden der Wehrmacht – Konstruktion und Rezeption. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität. München 1999, S. 550–572, hier: S. 570.
  15. Jordan Vause: U-Boat Ace. The Story of Wolfgang Lüth. Annapolis (MD) 2001, S. 22.
  16. Günter Fraschka: Mit Schwertern und Brillanten: Die Träger der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung. 10. Auflage. Universitas Verlag, Wiesbaden/ München 2002, ISBN 3-8004-1435-X, S. 324.