Wolfgang Niedecken

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Wolfgang Niedecken (2012)
Wolfgang Niedecken (2012)
Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben[1]
Zosamme alt
  DE 4 27.09.2013 (… Wo.)
  AT 57 27.09.2013 (… Wo.)
  CH 36 29.09.2013 (… Wo.)
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Wolfgang Niedecken (* 30. März 1951 in Köln) ist ein deutscher Musiker, Maler und Autor. 1976 gründete er die Kölschrock-Band BAP. Bis heute ist er Sänger, Texter, Komponist und Frontmann der Gruppe und das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Darüber hinaus arbeitet er auch als Solist und nahm bislang drei Soloalben auf. Niedecken gehört zu den wesentlichen Protagonisten, die den Kölner Dialekt über die regionalen Grenzen hinaus auch in der deutschen Rockmusik etabliert haben.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit ist seit den frühen 1970er Jahren die Malerei. Er studierte Freie Malerei und Kunstgeschichte und hatte bislang zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Niedecken ist bekannt für sein soziales und politisches Engagement, für das er 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Wolfgang Niedecken (2009)

Wolfgang Niedecken ist der Sohn des Ende der 1930er Jahre aus Unkel nach Köln zugezogenen Winzersohns und Kaufmanns Josef Niedecken, der in zweiter Ehe mit seiner 16 Jahre jüngeren Kölner Ehefrau Hubertine (Tinny) Platz[2] im Severinsviertel unmittelbar an der Severinstorburg in der Severinstraße 1 einen Lebensmittelhandel betrieb. Die 1631 wegen Verdachts der Hexerei hingerichtete Anna Katharina Spee von Langenfeld geb. Nürberg ist seine Oberurgroßmutter.[3] Niedecken hat einen 20 Jahre älteren Halbbruder aus erster Ehe seines Vaters.[4] Er ist seit 1994 zum zweiten Mal verheiratet und hat aus der ersten Ehe (1983–1992) mit seiner früheren Frau Carmen zwei Söhne; aus zweiter Ehe mit seiner Frau Tina zwei Töchter.

Von April 1962 bis 1970 besuchte Niedecken das Konvikt St. Albert, ein Internat der Pallottiner in Rheinbach, wo er wohnte. Er besuchte das Städtische Gymnasium Rheinbach[5], spielte ab 1966 in der Schülerband „The Convikts“ und sang danach bei „The Troop“, die er 1969 verließ. Danach war er Sänger bei Goin' Sad bis 1971, seiner Gruppe, die von Klaus dem Geiger in die Teestube Tabernakel zu einer Session eingeladen wurde. Klaus der Geiger war es auch, der Niedecken veranlasste, sich bei den Demonstrationen für Stollwerck zu engagieren.[6] Seine erste Plattenaufnahme entstand 1969 mit dieser Band auf der nur vier Titel enthaltenden EP „Hans Daniels präsentiert Bonner Beat Bands“. Der erste Titel „Satin Rose“ wurde von Niedecken geschrieben und 1969 in den Heinz Gietz gehörenden Kölner Cornet-Tonstudios aufgenommen. Die EP mit einer Auflage von 500 Stück enthielt progressiven Rock mit Elementen des Funk, war jedoch ausschließlich für Promotionszwecke gedacht und gelangte deshalb nie in den Handel. Ohne Abitur studierte er ab 1970 freie Malerei an den Kölner Werkschulen der FH Köln und schloss das Studium 1974 mit dem Examen und einem Studienaufenthalt in New York City bei Howard Kanovitz und Larry Rivers ab. Niedecken ist bis heute aktiver bildender Künstler, der die meisten BAP-Plattencover gestaltet und darüber hinaus auch eigene Ausstellungen präsentiert.

Im Sommer 1974 schrieb er seinen ersten kölschen Songtext mit dem Titel „Helfe kann dir keiner“. Ab 1976 begannen Proben mit einer namenlosen Freizeitcombo, die im Juli 1977 unter ihrem heutigen Namen BAP erstmals im Mariensaal in Köln-Nippes auftrat. Es folgten 1978 erste Auftritte mit der Band, doch tourte er daneben auch als Solist mit Gitarre und Mundharmonika. Das brachte ihm den Beinamen des „kölschen Dylan“ ein, nicht zuletzt wegen der großen Affinität, die Niedecken zu Bob Dylan hegte, der ihn ganz entscheidend in seiner Entwicklung als Songwriter geprägt hat. Wichtige Resonanz brachte der Auftritt Niedeckens am 21. April 1979 in der Stadthalle von Köln-Mülheim, wo er das Vorprogramm der Schmetterlinge bestritt. Als dann im Oktober 1979 im Kölner Studio am Dom die LP „Wolfgang Niedecken's BAP rockt andere kölsche Leeder“ entstand, gelang noch im selben Jahr mit BAP endgültig der Durchbruch. Niedecken avancierte zum wichtigsten Songwriter der Band und verfasste kölsche Texte auch zu Titeln von Bob Dylan.

In der WDR-Sendung „Kölner Erinnerungen aus 40 Jahren“ traf er 1984 Heinrich Böll, woraus eine Freundschaft entstand. Zusammen mit Trude Herr und Tommy Engel sang er 1987 das Lied „Niemals geht man so ganz“. Im März 1987 brachte er sein erstes Soloalbum unter dem Titel Schlagzeiten heraus, auf dem ihn befreundete Musiker („Complizen“) begleiten. Zwischen März und April 1989 war Niedecken zu Gast bei einer Mundart-Live-Session der Gruppe Bläck Fööss im Kölner Millowitsch-Theater. Der Konzertmitschnitt wurde auf der Doppel-CD Bläck Fööss & Fründe veröffentlicht. 1990 erschien seine Autobiografie, in der er auch über eigene Erlebnisse und Misshandlungen im Internat berichtete.[7]

1992 wirkte er als Texter, Komponist, Gitarrist und Produzent an der Soloplatte von Jürgen Zeltinger (Solo-Plaat) mit. Im selben Jahr verfasste er den kölschen Text zur Anti-Rassismus-Hymne „Arsch huh, Zäng ussenander“, die nach Veröffentlichung im Februar 1992 in die deutsche Hitparade gelangte. Am 28. Februar 1995 erschien ein weiteres Soloalbum unter dem Titel Leopardefell, das auf Kölsch gesungene Dylan-Songs enthält. Seine dritte Soloproduktion, Niedecken Köln, die er zusammen mit der Bigband des WDR aufnahm, folgte im Jahr 2004.

Zu Niedeckens 60. Geburtstag, den er am 30. März 2011 mit etwa 500 Gästen auf einem Rheinschiff feierte, sendete der WDR die „Niedecken-Nacht“ [8] sowie ein Porträt aus der Reihe Die Besten im Westen.[9] Für November 2011 war der Start einer BAP-Tournee geplant. Ein Schlaganfall[10] Niedeckens am 2. November 2011 machte eine Verschiebung des Tournee-Starts auf Anfang Mai 2012 notwendig.[11][12] Sein schlechter Gesundheitszustand verhinderte auch die Verleihung des Bundesverdienstordens 1. Klasse für sein gesellschaftliches und politisches Engagement, die 2011 erfolgen sollte und erst im Februar 2013 in Berlin nachgeholt wurde.[13] Verarbeitet hat Niedecken seinen Schlaganfall in seinem 2013 erschienenen, sehr persönlichen Buch Zugabe. Die Geschichte einer Rückkehr.

Politisches und gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten]

Niedecken zeigt immer wieder großes politisches und gesellschaftliches Engagement. So war er 1992 einer der Initiatoren des Kölner Konzerts „Arsch huh, Zäng ussenander“ gegen Rassismus und Fremdenhass. Für seine führende Rolle bei dieser Anti-Rassismus-Kampagne erhielt er 1998 das Bundesverdienstkreuz.

Seit 2004 ist Niedecken „Sonderbotschafter“ der Hilfsaktion Gemeinsam für Afrika. Aus dieser Tätigkeit stammt auch das Lied Noh Gulu, das auf dem BAP-Album Radio Pandora zu hören ist. Er gründete gemeinsam mit der Kinderhilfsorganisation World Vision und seinem Freund, dem Unternehmer Manfred Hell, das Hilfsprogramm Rebound, das frühere Kindersoldaten in Uganda unterstützt. Deshalb übernahm Niedecken 2005 die Schirmherrschaft über die Ausstellung „Kinder des Krieges“ mit Fotografien des Kölner Fotojournalisten Michael Bause und wurde Botschafter von World Vision Deutschland. Für dieses ehrenamtliche Engagement wurde er im Februar 2013 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. [14]

Niedecken ist Mitglied des Kölner Bürgerkomitees alternative Ehrenbürgerschaft[15] sowie des Kuratoriums der Bundesliga-Stiftung.[16] Unter Anderem ist er als Off-Sprecher in einem TV-Spot der Stiftung für die Kampagne Integration gelingt spielend zu hören. Darüber hinaus ist er Kuratoriumsmitglied der Kölner Kunsthochschule für Medien, an der seine Söhne studieren.[17][18]

Mit einer Patenschaft unterstützt Niedecken seit 2012 das SchokoFair-Projekt der Montessori-Hauptschule Düsseldorf, welches sich seit Mitte 2010 gegen die Ausbeutung von Kindern in der Schokoladen-Produktion engagiert.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Niedecken mit der 1 Live Krone 2013

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1978: Kölnischer Kunstverein: Bilder auf Bestellung (mit Manfred "Schmal" Boecker) in der Gruppenschau "Feldforschung"
  • 1994: Kölnisches Stadtmuseum, Schloss Morsbroich in Leverkusen: Pissjääl & Kackbrung
  • 2004: Spuren Retrospektive seiner Arbeiten als bildender Künstler; Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn.

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten]

Wolfgang Niedecken auf der Frankfurter Buchmesse 2013
  • mit Matthias Immel und Partick Odijk: Auskunft. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1990, ISBN 3-462-02072-2
  • Pissjääl & Kackbrung. Vom Umgang mit Material und Farbe. Steidl Verlag, Göttingen 1994, ISBN 3-882-43267-5
  • mit Teddy Hoersch: Verdamp Lang Her – Die Stories hinter den BAP-Songs; Kiepenheuer und Witsch, Köln 1999, ISBN 3-462-02805-7
  • mit Oliver Kobold: Für 'ne Moment. Autobiographie. Hoffmann & Campe, Hamburg 2011, ISBN 978-3-455-30699-6
  • Autobiografie, mit Oliver Kobold: Zugabe. Die Geschichte einer Rückkehr. Hoffmann und Campe, Hamburg 2013, ISBN 978-3-455-50302-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Chartquellen: Deutschland - Österreich - Schweiz
  2. Wolfgang Niedecken mit Oliver Kobold: Für 'ne Moment, S.4; Hoffmann und Campe 2011, ISBN 978-3-455-50177-3
  3. Vorfahren gesucht (Folge 9), Erstausstrahlung: 20. Januar 2012, WDR
  4. Wolfgang Niedecken, Matthias Immel und Patrick van Odijk: Auskunft. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1990, ISBN 3462020722, S. 18–20
  5. Wolfgang Niedecken u.a., a.a.O., S. 34
  6. Wolfgang Niedecken, Vorwort zu Klaus der Geiger, Wir alle kennen das Paradies Geiskirch-Verlag, Saarbrücken, 3. Auflage 2009, ISBN 978-3-938889-75-6
  7. BAP-Frontmann Niedecken bestätigt Missbrauch. In: Die Welt online vom 14. April 2010
  8. Die Niedecken-Nacht auf der Seite des WDR
  9. Die Besten im Westen: Wolfgang Niedecken auf der Seite des WDR
  10. Ja, es war ein Schlaganfall In: BILD Online vom 27. November 2011
  11. BAP-Sänger schwer erkrankt In: Spiegel Online vom 3. November 2011
  12. Nach Niedeckens Erkrankung – BAP ab 3. Mai wieder auf der Bühne; Express.de, 24. November 2011
  13. a b Verleihung des Verdienstordens an Wolfgang Niedecken; bundespraesident.de vom 21. Februar 2013. Mit Rede des Bundespräsidenten.
  14. Wenn wir nicht helfen, wird dieses Elend niemals enden. Abgerufen am 9. Juli 2010.
  15. Hedwig Neven DuMont wird alternative Ehrenbürgerin; express.de, 19.Juli 2011
  16. Broschüre der Bundesliga-Stiftung (pdf; 6,8 MB) Bundesliga Stiftung. S. 48. Abgerufen am 11. Dezember 2011.
  17. Kuratorium der KHM
  18. Wolfgang Niedecken – „Meine Frau sagt nur: Mann, Mann, Mann!“; monstersandcritics.de vom 25. März 2011
  19. Siehe Slideshow auf Startseite mit Videoeinbindung
  20. Echo für Lebenswerk – Wolfgang Niedecken dankt seinem Schutzengel, Artikel in der Online-Ausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 23. März 2012 (abgerufen am 11. November 2012).