Wolfgang Uhlmann

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Dieser Artikel beschreibt den Schachspieler, der gleichnamige Historiker ist unter Wolfgang Uhlmann (Historiker) zu finden.
Wolfgang Uhlmann, 1970
Wolfgang Uhlmann, 2005

Wolfgang Uhlmann (* 29. März 1935 in Dresden) ist ein deutscher Schachgroßmeister und Schachtheoretiker. Uhlmann war der erfolgreichste Spieler in der DDR.

Leben und Erfolge[Bearbeiten]

Wolfgang Uhlmann, dessen großes schachliches Talent sich schon früh durch seinen Sieg bei der gesamtdeutschen Jugendmeisterschaft 1951 zeigte, erlernte zunächst von 1949 bis 1952 den Beruf eines Buchdruckers und machte danach eine Ausbildung zum Industriekaufmann.[1] Später wurde er staatlich gefördert und konnte sich ausschließlich dem Schachsport widmen.

Uhlmann, der 11 DDR-Meisterschaften gewann (1954, 1955, 1958, 1964, 1968, 1975, 1976, 1981, 1983, 1985 und 1986), bekam 1956 den Internationalen Meistertitel und 1959 den Großmeistertitel der FIDE verliehen.[2]

Seit 1954, dem Jahr seiner ersten Teilnahme an einem Zonenturnier (in Mariánské Lázně, 13. Platz), griff er in den Kampf um die Weltmeisterschaft ein. Beim Zonenturnier in Wageningen 1957 wurde er Fünfter. 1960 sollte er am Zonenturnier in Berg en Dal teilnehmen. Ihm wurde jedoch die Einreise in die Niederlande verweigert, woraufhin die Teilnehmer aus den anderen Staaten des Warschauer Paktes das Turnier boykottierten. Es wurde 1961 in Mariánské Lázně wiederholt. Dort schaffte Uhlmann mit dem 3. Platz den Einzug ins Interzonenturnier von Stockholm (1962), bei dem er den 9. und 10. Platz teilte. Durch einen Sieg beim Zonenturnier in Raach 1969 gelang ihm erneut der Sprung ins Interzonenturnier. Diesmal (Palma de Mallorca 1970) belegte er den geteilten 5.-6. Platz, der gleichbedeutend mit der Qualifikation zu den Kandidatenwettkämpfen war. Der 1971 gegen den Dänen Bent Larsen gespielte Viertelfinalwettkampf ging für Uhlmann mit 3,5:5,5 verloren. Trotz zweier weiterer Interzonenturnierteilnahmen (1973 in Leningrad und 1976 in Manila) blieb dies sein letzter und einziger Kandidatenwettkampf.

In den 1960er Jahren hatte Uhlmann seine sportlich erfolgreichste Phase. 1964 gewann er gemeinsam mit Lew Polugajewski in Sarajevo und mit Wassili Smyslow in Havanna. 1965 siegte er mit Borislav Ivkov vor dem Weltmeister Tigran Petrosjan in Zagreb. Er gewann mit Boris Spasski das traditionelle Turnier von Hastings zur Jahreswende 1965/1966. 1968 gewann er zusammen mit David Bronstein das Lasker-Memorial in Berlin.

Als Senior spielte er ebenfalls noch sehr gut Schach. Er nahm an mehreren Weltmeisterschaften der Senioren teil. Bei der Schachweltmeisterschaft der Senioren 1998 in Grieskirchen wurde Uhlmann Zweiter, punktgleich mit dem Sieger Wladimir Bagirow. 1996 in Bad Liebenzell belegte er den vierten Platz, als Alexei Suetin Weltmeister der Senioren wurde. Bei den deutschen Seniorenmeisterschaften belegte er 2001 und 2006 jeweils den ersten Platz.

Uhlmanns Elo-Zahl beträgt 2322 (Stand: Dezember 2014), seine beste Elo-Zahl von 2575 erreichte er im Januar 1978. Vor Einführung der Elo-Zahlen betrug Uhlmanns beste Historische Elo-Zahl 2696 im Dezember 1970.

Wolfgang Uhlmann ist Mitglied der Schachabteilung des USV TU Dresden.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Uhlmann nahm mit der Mannschaft der DDR an den Schacholympiaden 1956, 1958, 1960, 1962, 1964, 1966, 1968, 1970, 1972, 1988 und 1990 teil (von 1974 bis 1986 durfte die DDR-Mannschaft aufgrund einer Weisung des Deutschen Turn- und Sportbundes nicht an Schacholympiaden teilnehmen). 1964 erreichte er das beste, 1966 das drittbeste Einzelergebnis am Spitzenbrett.[3] Bei der Mannschaftseuropameisterschaft 1970 erreichte Uhlmann mit der DDR-Mannschaft den dritten Platz und erzielte das beste Ergebnis am ersten Brett.[4] Ebenfalls 1970 wurde er im Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt am siebten Brett der Weltauswahl aufgestellt und unterlag Mark Taimanow mit 1,5:2,5.

Vereine[Bearbeiten]

Zu DDR-Zeiten für Dresden spielend wechselte Uhlmann nach der Wiedervereinigung zur SG Porz, mit der er von 1990 bis 1992 in der 1. Bundesliga spielte und auch am European Club Cup 1992 teilnahm[5]. 1992 wechselte er zurück zum Post SV Dresden, mit dem er (ab 1994 unter dem Vereinsnamen Dresdner SC) bis 2000 in der 1. Bundesliga spielte. Danach spielte er mit den Dresdnern überwiegend in der 2. Bundesliga, allerdings (inzwischen unter dem Vereinsnamen USV TU Dresden) in den Saisons 2008/09, 2011/12 und 2014/15 auch in der 1. Bundesliga. Bei seinem bislang letzten Bundesligaeinsatz am 7. Dezember 2014 war Uhlmann 79 Jahre und 253 Tage alt und ist damit der älteste Spieler, der jemals in der 1. Bundesliga zum Einsatz kam. In der österreichischen Staatsliga A spielte Uhlmann von 1990 bis 1993, 1994 bis 1996 und 2000 bis 2002 für den SK VÖEST Linz.

Autor[Bearbeiten]

Wolfgang Uhlmann ist auch ein bedeutender Schachautor. Er ist einer der weltbesten Experten der Französischen Verteidigung und publiziert seit den 1980er Jahren. Daneben schreibt er für zahlreiche Schachzeitschriften.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Wolfgang Uhlmann; Gerhard Schmidt: Offene Linien. Sportverlag, Berlin 1981.
  • Wolfgang Uhlmann; Gerhard Schmidt: Bauernschwächen. Sportverlag, Berlin 1984.
  • Wolfgang Uhlmann; Lothar Vogt: Gute Läufer - schlechte Läufer. Sportverlag, Berlin 1988. ISBN 3-328-00237-5.
  • Wolfgang Uhlmann: Französische Verteidigung - richtig gespielt: ein Leben lang Französisch. Beyer, Hollfeld, 1991. ISBN 3-88805-271-8.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Uhlmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabriele Baumgartner (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. De Gruyter Saur 1996
  2. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 75
  3. Wolfgang Uhlmanns Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch)
  4. Wolfgang Uhlmanns Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  5. Wolfgang Uhlmanns Ergebnisse bei European Club Cups auf olimpbase.org (englisch)