Wolfgang Uhlmann

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Dieser Artikel beschreibt den Schachspieler, der gleichnamige Historiker ist unter Wolfgang Uhlmann (Historiker) zu finden.
Großmeister Wolfgang Uhlmann beim 5. Rubinstein-Gedenkturnier in Polanica-Zdrój (Polen), 9. - 31. August 1967
Wolfgang Uhlmann, 2005

Wolfgang Uhlmann (* 29. März 1935 in Dresden) ist ein deutscher Schachgroßmeister und Schachtheoretiker. Uhlmann war der erfolgreichste Spieler in der DDR.

Schachspieler[Bearbeiten]

Wolfgang Uhlmann, dessen großes schachliches Talent sich schon früh durch seinen Sieg bei der gesamtdeutschen Jugendmeisterschaft 1951 zeigte, erlernte zunächst von 1949 bis 1952 den Beruf eines Buchdruckers und machte danach eine Ausbildung zum Industriekaufmann.[1] Später wurde er staatlich gefördert und konnte sich ausschließlich dem Schachsport widmen.

Uhlmann, der 11 DDR-Meisterschaften gewann (1954, 1955, 1958, 1964, 1968, 1975, 1976, 1981, 1983, 1985 und 1986), bekam 1956 den Internationalen Meistertitel und 1959 den Großmeistertitel der FIDE verliehen.[2]

Er nahm von 1956 bis 1990 elfmal für die DDR an Schacholympiaden teil.[3] Dabei ist zu berücksichtigen, dass die DDR-Mannschaft von 1974 bis 1986 aufgrund einer Weisung des Deutschen Turn- und Sportbundes nicht an Schacholympiaden teilnehmen durfte. Bei der Olympiade 1964 in Tel Aviv belegte die Mannschaft der DDR den ersten Platz in der Finalgruppe B.[4] Uhlmann erreichte 83 Prozent der möglichen Punkte und erhielt die Goldmedaille für das beste Resultat am ersten Brett.[5]

Seit 1954, dem Jahr seiner ersten Teilnahme an einem Zonenturnier (in Mariánské Lázně, 13. Platz), griff er in den Kampf um die Weltmeisterschaft ein. Beim Zonenturnier in Wageningen 1957 wurde er Fünfter. 1960 sollte er am Zonenturnier in Berg en Dal teilnehmen. Ihm wurde jedoch die Einreise in die Niederlande verweigert, woraufhin die Teilnehmer aus den anderen Staaten des Warschauer Paktes das Turnier boykottierten. Es wurde 1961 in Mariánské Lázně wiederholt. Dort schaffte Uhlmann mit dem 3. Platz den Einzug ins Interzonenturnier von Stockholm (1962), bei dem er den 9. und 10. Platz teilte. Durch einen Sieg beim Zonenturnier in Raach 1969 gelang ihm erneut der Sprung ins Interzonenturnier. Diesmal (1970 in Palma de Mallorca) belegte er den geteilten 5.-6. Platz, der gleichbedeutend mit der Qualifikation zu den Kandidatenwettkämpfen war. Der 1971 gegen den Dänen Bent Larsen gespielte Viertelfinalwettkampf ging für Uhlmann mit 3,5-5,5 verloren. Trotz zweier weiterer Interzonenturnierteilnahmen (1973 in Leningrad und 1976 in Manila) blieb dies sein letzter und einziger Kandidatenwettkampf.

In den 1960er Jahren hatte Uhlmann seine sportlich erfolgreichste Phase. 1964 gewann er gemeinsam mit Lew Polugajewski in Sarajevo und mit Wassili Wassiljewitsch Smyslow in Havanna. 1965 siegte er mit Borislav Ivkov vor dem Weltmeister Tigran Petrosjan in Zagreb. Er gewann mit Boris Spasski das traditionelle Turnier von Hastings zur Jahreswende 1965/1966. 1968 gewann er zusammen mit David Bronstein das Lasker-Memorial in Berlin.

Als Senior spielte er ebenfalls noch sehr gut Schach. Er nahm an mehreren Weltmeisterschaften der Senioren teil. Bei der Schachweltmeisterschaft der Senioren 1998 in Grieskirchen wurde Uhlmann Zweiter, punktgleich mit dem Sieger Wladimir Bagirow. 1996 in Bad Liebenzell belegte er den vierten Platz, als Alexei Suetin Weltmeister der Senioren wurde. Bei den deutschen Seniorenmeisterschaften belegte er 2001 und 2006 jeweils den ersten Platz.

Uhlmanns beste historische Elo-Zahl betrug 2696. Diese erreichte er im Dezember 1970. Im Juli 1971 belegte er mit Platz 17 seine beste Position auf der Weltrangliste.

Wolfgang Uhlmann ist Mitglied der Schachabteilung des USV TU Dresden.

Autor[Bearbeiten]

Wolfgang Uhlmann ist auch ein bedeutender Schachautor. Er ist einer der weltbesten Experten der Französischen Verteidigung und publiziert seit den 1980er Jahren. Daneben schreibt er für zahlreiche Schachzeitschriften.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Wolfgang Uhlmann; Gerhard Schmidt: Offene Linien. Sportverlag, Berlin 1981.
  • Wolfgang Uhlmann; Gerhard Schmidt: Bauernschwächen. Sportverlag, Berlin 1984.
  • Wolfgang Uhlmann; Lothar Vogt: Gute Läufer - schlechte Läufer. Sportverlag, Berlin 1988. ISBN 3-328-00237-5.
  • Wolfgang Uhlmann: Französische Verteidigung - richtig gespielt: ein Leben lang Französisch. Beyer, Hollfeld, 1991. ISBN 3-88805-271-8.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Uhlmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabriele Baumgartner (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. De Gruyter Saur 1996
  2. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 75
  3. MEN'S CHESS OLYMPIADS - Uhlmann, Wolfgang (East Germany) auf Olimpbase (englisch)
  4. 16th Chess Olympiad: Tel Aviv 1964 - Final B -Standings auf Olimpbase (englisch)
  5. 16th Chess Olympiad: Tel Aviv 1964 - East Germany (GDR) auf Olimpbase (englisch)