Wolfgang Wallner

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Wolfgang Wallner (* 24. April 1884 in Sankt Wolfgang im Salzkammergut; † 29. Januar 1964 in Köln) war ein österreichischer Bildhauer.

Leben[Bearbeiten]

1900 begann Wallner mit seiner Ausbildung in Salzburg bei Holzbildhauer Rohatschek. Er erhielt ein Staatsstipendium zur Weiterbildung an der Holzfachschule in Hallstatt von 1904 bis 1906. Von 1906 bis 1911 besuchte Wallner die Kunstakademie in Wien bei Franz Barwig und Hermann Klotz. Nach Studienabschluss war er Meisterschüler von Barwig. Von 1911 bis 1912 war Wallner als freier Künstler in Wien und hatte ein gemeinsames Atelier mit dem Bildhauer Max Domenig, welcher ebenfalls ein Schüler von Barwig und Klotz war. 1911 präsentierte Wallner eine Kollektivausstellung seiner bis dahin geschaffenen Arbeiten in Budapest.

1912 wurde er vom Direktor der Kölner Werkschulen, dem Maler Emil Thormählen, nach Köln berufen, wo er als Künstlerlehrer mit der Einrichtung einer Bildhauerklasse betraut wurde. Von 1915 bis 1919 musste Wallner Kriegsdienst in Österreich ableisten. 1923 wurde er zum Professor ernannt und 1939 zum stellvertretenden Direktor. 1946 eröffnete er wieder die Kölner Werkschulen und lehrte dort Bildhauerei und Plastik bis 1950.

Wallner wurde auf dem Südfriedhof in Köln beigesetzt.

Werkauswahl[Bearbeiten]

Gedenktafel an der Hahnentorburg in Köln zu Ehren des Stadtbaumeisters Josef Stübben
  • 1906: Heiliger Paulus, 2,50 m hoch; Lindenholz
  • 1912: Weiblicher Akt (Eva), Bronze; Kunstgewerbemuseum Wien
  • 1915: Dä kölsche Boor en Iser, 3,50 m hohes Standbild aus Holz, als Nagelplastik zugunsten von Kriegsopfern
  • 1915: Saisonvereinsdenkmal St. Wolfgang/ Seepromenade
  • 1920: Merkur-Brunnen für Aachen (zerstört)
  • 1923: Beethovenkopf (überlebensgroß), Holz, für die Universität Bonn – Ausgestaltung des Haus Neuerburg in Köln (Konzern der deutschen Zigarettenindustrie)
  • 1924: Max Bruch-Denkmal für Bergisch Gladbach – Gedenktafel für Städtebaumeister Josef Stübben, Köln
  • 1925: Kriegerdenkmal St. Wolfgang/ Kirche
  • 1928: sechs Figuren für die Attika der Universität Bonn, darstellend die universitären Disziplinen (Muschelkalk)
  • 1929: vier überlebensgroße Puttengruppen (die vier Elemente) für die Universität Bonn (zerstört)
  • 1933: Blechwalzer (Eisenguss, 2,50 Meter hoch) für die Stahlwerke in Bochum
  • 1945: Grabmal für Musik-Professor Lafite, Wiener Zentralfriedhof – Ehrenurkunde-Behälter (geschnitzt) anlässlich der Ernennung von Erzbischof Joseph Frings zum Kardinal
  • 1947: Ehrenurkunde-Behälter (geschnitzt) anlässlich der Ernennung Konrad Adenauers zum Ehrenbürger der Stadt Köln
  • 1950: Tünnes und Schäl, Holz, 4 m hoch, als Nagelplastik für den Wiederaufbau des Gürzenich in Köln
  • 1950er Jahre: Keramik-Variationen des Heiligen Wolfgang von Regensburg
  • 1952: Spielende Knaben mit Fisch, Bronze, für den Brunnen (Lichthof) der Hauptsparkasse Köln
  • 1954: zwei Figurengruppen, überlebensgroß, Untersberger Marmor, ein Kalkstein aus Österreich: Maria mit dem zwölfjährigen Jesus, St. Borromäus mit Pestkrankem – für zwei Kirchen in Afrika – Gethsemane, Holz, freie Arbeit
  • 1960: Herz-Jesu-Altar für St. Laurentius in Bergisch Gladbach – Christusfigur, 4,30 m hoch, Schmiedebronze, für die St. Gertrud Church in Cincinnati (Ohio/USA) (Ausführung des Entwurfs durch Kunstschmied Carl Wyland aus Köln)
  • 1962: Porträt Otto von Habsburg, Bronze; Auftrag der Bundesregierung
  • 1963: Ecce Homo; Bronze, freie Arbeit – unvollendet

Zwischen den oben genannten Jahren liegen Studienreisen in verschiedene Länder, Ausstellungen in verschiedenen Städten; Aufträge von Öffentlichkeit (Kommune, Kirche, Industrie usw.) und privatem Bereich werden durchgängig in Holz, Stein, Bronze und Keramik ausgeführt: Manche Werke gehen auf entsprechende Preise zurück. Dem weitgespannten Feld der Thematik – der Darstellung etwa von Mensch und Tier, von Allegorischem, Symbolischem, Ornamentalem, Religiösem in ihren vielfältigen Bezogenheiten und Formungen – verleiht Wallner Gestalt in Groß- und Kleinplastiken, Portraits, Reliefs, Standbildern, Bauplastiken, Brunnenanlagen, Friedhofskunst, Plaketten u.a. mehr.

Schaffensstil – Analyse[Bearbeiten]

Die nackten Tatsachen (1928), Universität Bonn, als Allegorie der Naturwissenschaften; Muschelkalk

In allen Werken Wallners fällt die Gegenständlichkeit auf. Harmonie und Geschlossenheit der Form sind allgegenwärtig. Sie sind Grundkonstanten seines Wesens, das künstlerische Gesetz in ihm. Dieses spiegelt sich im verstärkenden Sinn in zwei äußeren Komponenten wider: Die Schönheit seines heimatlichen Lebensraumes – St. Wolfgang am Wolfgangsee – und der vollkommene Altar von Michael Pacher in seiner Heimatkirche. Bedingt durch Beides, die Harmonie der Landschaft und die Großartigkeit des genannten Altars, „… hegte ich schon früh den Wunsch, Bildhauer zu werden“, so schreibt Wallner in seiner Autobiografie von 1956.

Wenngleich Wallner sich auch der Natur verbunden fühlte – hierin befand er sich in der Tradition seiner Heimat – so stellte er keine Kopie der Wirklichkeit her. Wallner schaffte es, mit der von ihm gewählten Körperhaltung, Gebärdensprache, Gestik seiner Skulpturen ans Licht zu holen und somit den Realismus als lediglich abkonterfeite Wirklichkeit zu überwinden. Für ihn war diese Haltung etwas zutiefst Natürliches. Deshalb ist es auch konsequent, dass er Stilmerkmale aller -ismen ablehnte, etwa den Futurismus, Surrealismus, Expressionismus. Seine künstlerische Frage war nicht darauf bezogen, wie etwas völlig Neues, noch nie Dagewesenes zu schaffen sei, sondern wie sich die im Inneren jeweils geschaute Idee am überzeugendsten gestalten lässt. Lassen sich allenfalls in einigen Frühwerken seiner Wiener Zeit noch Elemente des Jugendstils entdecken, so ist er in seinem Alterswerk zu einer leicht abstrahierenden, vereinfachenden Form herangereift zugunsten des Wesentlichen eines Motivs.

Dieser symbolistische Ansatz zeigt sich deutlich an der nach 1945 restaurierten Figurengruppe auf der Attika der Universität Bonn. Von links nach rechts werden hier die wichtigsten universitären Disziplinen allegorisch dargestellt: das Dunkel der Geschichte wird erhellt durch einen fackeltragenden Jüngling, die Medizin als „weiblicher“ Äskulap, dann die Rechtswissenschaft als eine das Gesetzbuch haltende männliche Figur. Diesem Wechselschema folgend kommt danach die weise Sophia als das Sinnbild der Philosophie, die fünfte Statue repräsentiert die Theologie durch einen kräftigen Mann, der ein Kreuz trägt, und abgeschlossen wird die Reihe mit der Naturwissenschaft, einer wiederum weiblichen, die „nackten Tatsachen“ verkörpernden Gestalt.[1]

Wallner stößt somit über alle modischen, einengenden Stilrichtungen hinaus in Bereiche des Zeitlosen. „Vor seiner von Kultur geprägten Persönlichkeit und Könnerschaft verstummt das aufgeregte Gespräch über Stile und Richtungen …“, wiederholt die Presse in ihrem Nachruf 1964 das schon zu seinem 70. Geburtstag Gesagte.

Schüler[Bearbeiten]

Literatur/Abbildungen[Bearbeiten]

  • Paul Bachmann: 75 Jahre Kölner Werkschulen (Chronik) 1994.
  • Bessie Bennet: A potery by Wolfgang Wallner, Bulletin of the Art Institut of Chicago. 1920.
  • Wolfram Hagspiel: Stadtspuren, Denkmäler in Köln. Band 8. 1996.
  • Rüdiger Joppien: Die Kölner Werkschulen 1920–1933. 1982.
  • Barbara Maas: Eisenzeit. Der Kunstschmied Carl Wyland. 1977.
  • Hermann Mylius: Die Erweiterung des Universitätsgebäudes (Bonn). 1953.
  • Wolfgang Wallner. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 35, E. A. Seemann, Leipzig 1942, S. 103.
  • Wolfgang Wallner. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Bd. 5. E. A. Seemann, Leipzig 1961, S. 75f
  • Horst-Pierre Bothin, Erhard Stang: Geheimnisvolles Bonn. Wartberg, Gudensberg-Gleichen 2003, ISBN 3-8313-1342-3.
  • Wolfgang Lorentz: Kunst hat Recht(e). Sramek-Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-902638-27-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Wallner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beschreibung der Universitätsattika bei Horst-Pierre Bothin, Erhard Stang: Geheimnisvolles Bonn. Wartberg, Gudensberg-Gleichen 2003, ISBN 3-8313-1342-3, S. 7