Wolfgangsee

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Wolfgangsee
Abersee
Wolfgangsee von Südosten. Im Hintergrund der Schafberg
Wolfgangsee von Südosten. Im Hintergrund der Schafberg
Geographische Lage Salzkammergut
Zuflüsse Zinkenbach, Kesselbach, Kohlbach
Abfluss Ischler Ache/IschlTraunDonauSchwarzes Meer
Städte am Ufer St. Wolfgang, St. Gilgen
Daten
Koordinaten 47° 45′ N, 13° 24′ O47.75277777777813.397222222222538Koordinaten: 47° 45′ N, 13° 24′ O
Wolfgangsee (Land Salzburg)
Wolfgangsee
Höhe über Meeresspiegel 538 m ü. A.
Fläche 12,84 km²[1]
Länge 10,3 km[1]
Breite 2 km[1]
Volumen 667,07 Mio m³dep1[1]
Maximale Tiefe 114 m[1]
Mittlere Tiefe 52 m[1]
Einzugsgebiet 124,8 km²[1]

Der Wolfgangsee, mit älterem Namen auch Abersee, ist ein See in Österreich. Er liegt zum größten Teil im Nordosten des Bundeslandes Salzburg, ein kleiner Teil gehört zu Oberösterreich, und er ist mit 13 km² einer der größten und bekanntesten Seen in der Region Salzkammergut. Am Wolfgangsee liegen die Salzburger Gemeinden Sankt Gilgen und Strobl sowie die oberösterreichische Gemeinde Sankt Wolfgang im Salzkammergut. Das Gebiet um den Wolfgangsee gilt als viel besuchte Tourismusregion (Ferienregion Wolfgangsee).

Namensgebung[Bearbeiten]

Der ursprüngliche Name des Sees lautet „Abersee“, in älterer Schreibung auch „Äbersee“ und in ähnlichen Varianten anzutreffen. Der erste urkundliche Beleg stammt mit „ad Abriani lacu“ (lat., eigentl.: beim Abriansee) aus dem Jahr 788.[2] Ein keltischer Ursprung des Wortteiles Aber- wird ausgeschlossen, und man führt die Benennung des Sees auf eine Person mit dem althochdeutschen Namen Aparin zurück, der hier Fischereirechte ausübte und/oder Grundbesitz hatte. (Dasselbe Benennungsmotiv wird auch bei einigen anderen Seen der näheren und weiteren Umgebung angenommen.)

Eine Benennung des Sees nach dem Ort St. Wolfgang findet sich erstmals mit „Wolfgangersee“ schon im Jahr 1381, blieb aber noch lange Zeit eine Ausnahme. Der Name nach der Ansiedlung fand auch Eingang in die ersten Landkarten des 16. und 17. Jahrhunderts, doch eine endgültige Verdrängung des Namens „Abersee“ durch „Wolfgangsee“ wird erst auf den stark zunehmenden Tourismus in der Gegend nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgeführt. Der Wolfgangsee wird heute nur noch wenig „Abersee“ genannt.

Der Name „Abersee“ hatte sich im Laufe der Zeit auf die gesamte Gegend um den See übertragen. So wird 1599 von St. Wolfgang „im aberseeischen Gebürg [= Gebirge]“ gesprochen. Auch erhielt eine am See befindliche Ansiedlung diesen Namen, der heute als Abersee bezeichnete Ortsteil der Gemeinde St. Gilgen an der Gemeindegrenze zu Strobl.

Eine volkstümliche Erklärung des Namens „Abersee“ rührt von der Ansicht her, dass der See nur selten, in ungewöhnlich kalten Wintern, zufriere, also in normalen Wintern umgangssprachlich aper bleibe. „Abersee“ lässt sich aber sprachlich nicht mit dem Wort „aper“ in Zusammenhang bringen, zumal dieses auch „schneefrei“ bedeutet und nicht „eisfrei“ (im Sinne von Eis aus gefrorenen Wassermassen). Außerdem ist ein vergleichsweise öfteres Zufrieren des Wolfgangsees nicht nachzuweisen. Verbreitet wurde diese Irrmeinung in einer volkskundlichen Arbeit von dem Rechtsanwalt und Heimatforscher August Prinzinger d. Ä. aus dem Jahre 1890.[3]

Geographie[Bearbeiten]

St. Gilgen, hinten Abersee
Blick auf den See von St. Wolfgang im Salzkammergut

Der Wolfgangsee hat eine Fläche von 13 km². Er liegt auf einer Seehöhe von 538 Metern und ist an seiner tiefsten Stelle 114 Meter tief. Durch den Schwemmkegel des Zinkenbaches am Südufer wird er in zwei Seebecken geteilt. An dieser Stelle ist der See nur 200 Meter breit. Der Zinkenbach ist der Hauptzufluss des Wolfgangsees, der Abfluss erfolgt über die Ischler Ache (Ischl) am östlichen Ende. Der mittlere Abfluss (MQ) beträgt 5,4 m³/s, die (theoretische) Wassererneuerungszeit 3,9 Jahre[1].

Die anliegenden Orte Strobl, St. Gilgen, Abersee und Ried befinden sich auf salzburgischem Gebiet; einzig die Gemeinde Sankt Wolfgang im Salzkammergut liegt in Oberösterreich.

Als Verbindung von St. Wolfgang nach St. Gilgen auf der Nordseite des Sees existiert nur ein Fußweg über die Erhebung des Falkenstein.

Geologie[Bearbeiten]

Der See entstand durch die Erosionstätigkeit des Traungletschers. Am nordwestlichen und südöstlichen Ende des Sees erstreckt sich ausgedehntes Moränengelände, das auch das Seebecken auskleidet. Durch Gletscherabschluss bedingt, lag der Seespiegel im frühen Spätglazial ursprünglich auf etwa 600 m. Für die Zeit um 18.500 v. Chr. wurde ein spätglazialer Seespiegel von 544 m nachgewiesen, womit bereits weitgehend das heutige Niveau von 538 m erreicht wurde. Durch den Geschiebeeintrag des Zinkenbaches erfolgte eine Umbildung des einheitlich geformten Seebeckens, wodurch der etwa 2 km breite See durch diese Einengung auf etwa 250 m in zwei Becken geteilt wurde. Die Entwässerung des Sees erfolgte immer über die Talfurche der Ischl. Ein Zusammenhang mit dem Fuschlsee bzw. die Entwässerung über den Mondsee ist auszuschließen.

Der Wolfgangsee wird südwestseitig durch die leicht zerfallenden Gosauschichten aus Mergel, Sandstein und Konglomerat, nordostseitig vorwiegend durch die Lias-, Hierlatz- und thitonischen Plassenkalke des Schafberges umrahmt.

Tourismus[Bearbeiten]

Ferdinand Georg Waldmüller: Wolfgangsee, 1835

Die Haupterwerbsquelle der einheimischen Bevölkerung ist der Tourismus; in den drei Wolfgangseeorten befinden sich derzeit 8.500 Gästebetten, womit ca. 900.000 Gästeübernachtungen jährlich erzielt werden. Rund 75 % der Übernachtungen entfallen dabei auf die Sommersaison. Im Jahr 1998 schlossen sich die Gemeinden Strobl, St. Gilgen und St. Wolfgang zu einer gemeinsamen touristischen Organisation zusammen, der „Wolfgangsee Tourismus Gesellschaft“ (WTG). Diese vertritt die Tourismusregion „Ferienregion Wolfgangsee“ und ist auch Mitglied des „Kommunalverbands Salzkammergut“ (als GmbH organisiert).

Auf dem Wolfgangsee herrscht seit langem Schiffs- und Fährverkehr. Heute wird in den Sommermonaten sowie in der Vorweihnachtszeit Linienschifffahrt betrieben. Die Wolfgangsee-Schifffahrt war, wie die von St. Wolfgang ausgehende Schafbergbahn, bis 2005 Teil der Österreichischen Bundesbahn und wurde danach ausgegliedert. Beide werden heute von der Salzkammergutbahn GmbH betrieben, deren Gesellschafter zu fast 100 % das Infrastrukturunternehmen Salzburg AG ist. Neben dem Linienverkehr, der hauptsächlich zu Ausflugszwecken genutzt wird, werden auch verschiedene Sonderfahrten angeboten. Zudem existiert zwischen St. Wolfgang und Abersee eine von der Schifffahrtsgesellschaft unabhängige Fähre für Fußgänger und Radfahrer. Für Wanderer gibt es einen ausgeschilderten, rund 27 km langen Rundweg um den See.

Der Wolfgangsee wurde aufgrund seiner hohen Wasserqualität von der Europäischen Union zu einem Referenzgewässer ernannt. Unter anderem ist hier der Perlfisch heimisch, der nur in sehr sauberen Gewässern vorkommt. Der See wird als oligotroph eingestuft, die Sichttiefe beträgt 10,3 m.[1]

Der See gilt wegen seines meist ganzjährig sehr klaren Wassers auch als vorzügliches Tauchgebiet. Taucher finden bei der „Franzosenschanze“ eine bizarre Unterwasserlandschaft mit versunkenen Bäumen vor. Unmittelbar vor der „Fürbergbucht“ können anspruchsvolle Tauchgänge zu dem unter Wasser gelegenen Teil der Falkensteinwand gemacht werden, und vor der „Marineschule“ in St. Gilgen liegen Artefakte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs am Seegrund.[4]

Die Falkensteinwand ist seit vielen Jahren ein beliebter Treffpunkt für (Hobby-)Klippenspringer. Mit einer Absprunghöhe von bis zu 28 m gehört die Falkensteinwand zu den weltweit höchsten Klippen, von denen gesprungen wird.

Umliegende Orte[Bearbeiten]

St. Wolfgang und der Wolfgangsee (Video 2008)
  • Abersee: Der Ort ist Teil von St. Gilgen, er liegt in der südlichen Mitte des Wolfgangsees und wird durch den Zinkenbach geteilt. Der Ort ist bekannt für die früher dort angesiedelte Zinkenbacher Malerkolonie.
  • Fürberg ist eine zu St. Gilgen gehörende Ortslage am Nordostufer des Sees. In diesem Bereich befinden sich Badeplätze, gastronomische Betriebe, der direkte Ausgangspunkt des Fußweges über den Falkenstein nach Ried sowie eine Haltestelle der Wolfgangsee-Schifffahrt.
  • Ried ist Teil der Gemeinde St. Gilgen, der jedoch durch die Falkensteinwand vom Hauptort abgetrennt ist. Er kann auf dem Straßenweg nur rund um den See über St. Wolfgang erreicht werden. Markant und weithin sichtbar ist das 1902 erbaute, schlossartige Hauptgebäude des Ferienhorts am Wolfgangsee, eines Vereins, der sich der Kinderwohlfahrt verschrieben hat.
  • St. Gilgen: Bekannt geworden ist die Gemeinde als Wohnort von Anna Maria Mozart, der Mutter des Komponisten Wolfgang Amadeus. Die Gemeinde war seit dem Mittelalter Salzburgs „Fuß in der Tür“ zum Salzkammergut. Der Ort erlebte, gleich wie Strobl, seine erste Hochblüte als Sommerfrische in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • St. Wolfgang: Der Ort ist benannt nach dem heiligen Wolfgang, der laut einer Sage eine Axt warf und an der Stelle, wo sie landete, eine Kirche baute. Die Gemeinde am Fuße des Schafbergs wurde Pilgerort und war im Mittelalter der bedeutendste Pilgerort Mitteleuropas. Die Kirche, erbaut im gotischen Stil, beherbergt einen weithin bekannten, von Michael Pacher geschnitzten Flügelaltar.
  • Strobl: Die Gemeinde ist Wohnort zahlreicher Künstler, Autoren und Schauspieler. Im Ort existieren noch etliche Landvillen aus der Kaiserzeit.

Fotogalerie[Bearbeiten]

Blick vom Elferstein am Zwölferhorn über den Wolfgangsee gegen den Schafberg nach Nordosten. Links im Bild liegt St. Gilgen, rechts am Fuß des Schafberges St. Wolfgang. In der Mitte, am See, die Falkensteinwand. Hinten links der Mondsee bei Scharfling und die Mondseer Flyschberge. Das Tal rechts führt nach Bad Ischl.
Blick über St. Gilgen nach Osten. Rechts das Zwölferhorn mit Nebengipfel Elferstein und Weißwand am See. In Wolken hinten die RinnkogelGamsfeld-Gruppe, davor Sparber und Bleckwand (Nordabdachung der Osterhorngruppe), links der Schafberg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Willi und Hilde Senft: Die schönsten Seen Österreichs, 2005, Leopold Stocker Verlag, ISBN 3-7020-1089-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgangsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Cities and villages on Wolfgangsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wolfgangsee – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Wolfgangsee – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Bundesamt für Wasserwirtschaft (Hrsg.): Atlas der natürlichen Seen Österreichs mit einer Fläche ≥ 50 ha. Morphometrie - Typisierung - Trophie. Stand 2005. Schriftenreihe des Bundesamtes für Wasserwirtschaft, Band 29, Wien 2008, S. 81-83 (PDF; 9,0 MB)
  2. Zur Namensgeschichte vgl. Leopold Ziller: Aberseer Namenbuch. Flur-, Haus- und Familiennamen des Gerichtsbezirkes St. Gilgen, herausgegeben und verlegt durch die Raiffeisenkasse St. Gilgen, Fuschl, Strobl, St. Gilgen/Fuschl/Strobl 1977, S. 12f; Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch, bearbeitet von Ingo Reiffenstein und Leopold Ziller, hrsg. von der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1982, S. 154.
  3. Leopold Ziller: Aberseer Namenbuch. Flur-, Haus- und Familiennamen des Gerichtsbezirkes St. Gilgen, herausgegeben und verlegt durch die Raiffeisenkasse St. Gilgen, Fuschl, Strobl, St. Gilgen/Fuschl/Strobl 1977, S. 13. Es werden in den Quellenangaben zwei Arbeiten von Prinzinger aus dem Jahr 1890 angeführt, jedoch wird nicht erwähnt, in welcher dieser beiden Publikationen Prinzingers diese Ansicht vertreten wird. Es handelt sich wohl um die Schrift Zur Namens- und Volkskunde der Alpen, da in der anderen genannten Arbeit, Zur altsalzburgischen Geographie (Online auf anno.onb.at) dieses Thema nicht behandelt wird.
  4. Tauchen, Wolfgangsee Tourismus Gesellschaft, abgerufen am 8. April 2012