Zeiselmauer-Wolfpassing

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Zeiselmauer-Wolfpassing
Wappen von Zeiselmauer-Wolfpassing
Zeiselmauer-Wolfpassing (Österreich)
Zeiselmauer-Wolfpassing
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Tulln
Kfz-Kennzeichen: TU
Hauptort: Zeiselmauer
Fläche: 12,72 km²
Koordinaten: 48° 19′ N, 16° 11′ O48.31944444444416.175175Koordinaten: 48° 19′ 10″ N, 16° 10′ 30″ O
Höhe: 175 m ü. A.
Einwohner: 2.219 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 174 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3424
Vorwahl: 02242
Gemeindekennziffer: 3 21 40
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnstraße 6
3424 Zeiselmauer-Wolfpassing
Website: www.zeiselmauer-wolfpassing.at
Politik
Bürgermeister: Eduard Roch (ÖVP)
Gemeinderat: (2013)
(19 Mitglieder)
8 SPÖ, 6 ÖVP, 4 Liste "Aktiv", 1 Grüne
Lage der Gemeinde Zeiselmauer-Wolfpassing im Bezirk Tulln
Absdorf Atzenbrugg Fels am Wagram Grafenwörth Großriedenthal Großweikersdorf Judenau-Baumgarten Kirchberg am Wagram Königsbrunn am Wagram Königstetten Langenrohr Michelhausen Muckendorf-Wipfing Sieghartskirchen Sitzenberg-Reidling St. Andrä-Wördern Tulbing Tulln an der Donau Würmla Zeiselmauer-Wolfpassing Zwentendorf an der Donau NiederösterreichLage der Gemeinde Zeiselmauer-Wolfpassing im Bezirk Tulln (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Zeiselmauer-Wolfpassing von Südwesten. Im Hintergrund Stockerau
Zeiselmauer-Wolfpassing von Südwesten. Im Hintergrund Stockerau
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Zeiselmauer-Wolfpassing ist eine Gemeinde mit 2219 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Tulln in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Zeiselmauer-Wolfpassing liegt im Tullnerfeld und wird von der Donau in West-Ost-Richtung durchflossen, wobei sich die Siedlungen der Gemeinde nur am Südufer befinden. Nördlich der Donau gibt es lediglich zeitweise genützte Sommerhäuser, die am Rand des Auwaldes gebaut wurden. Eine Zufahrt ist nur über die Bezirkshauptstadt Tulln möglich, was einen erheblichen Umweg darstellt.

Die Fläche der Gemeinde umfasst ca. 12,7 Quadratkilometer, hiervon sind 50,24 Prozent bewaldet.

Traditionell wird Zeiselmauer in die Teile "Alt-Zeiselmauer" und "Neu-Zeiselmauer" untergliedert, wobei diese Bezeichnung tatsächlich der geschichtlichen Abfolge der Besiedlung entspricht, was durch historisches Kartenmaterial belegt ist. Diese Teilung wird heute durch die Bahnlinie unterstrichen. Neben historischen Bezeichnungen wird diese Gliederung als Bezeichnung für die Wahlsprengel genützt, um die Stimmauszählung übersichtlicher zu gestalten.

Früher wurde der Bezirk Tulln, zumindest der südlich der Donau gelegene Teil, zum Mostviertel gezählt. Die klassische Einteilung Niederösterreichs wurde um eine fünfte Region "Niederösterreich Mitte" ergänzt, zu welcher nun auch Zeiselmauer-Wolfpassing gehört.[1]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst die folgenden beiden Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[2]):

  • Wolfpassing (938)
  • Zeiselmauer (1328)

Geschichte[Bearbeiten]

Zeiselmauer hat eine bedeutende römische und hochmittelalterliche Vergangenheit. Als östlichstes Kohortenkastell am norischen Donaulimes wird es in der Truppenliste der Notitia dignitatum als Cannabiaca geführt. Die bis heute weitgehend erhaltenen spätrömischen Baudenkmäler Burgus, Fächerturm, Kastentor („Körnerkasten“) und Fahnenheiligtum (principia) sind nach Typus und Zustand für Österreich Unikate. Zeiselmauer ist nach Carnuntum der an erhaltener römischer Bausubstanz reichste Ort Niederösterreichs. Eine alte Tradition der Florianiverehrung geht davon aus, hier wäre auch der Geburtsort des heiligen Florian gewesen.

Im Zuge der baierischen Kolonisierung kam das östliche Tullnerfeld 836 durch königliche Schenkung an das Hochstift Passau. Unter Nutzung der römischen Bauten wurde Zeiselmauer zum Verwaltungszentrum dieser Hofmark (um 971 Zeizinmurus). Auf den Resten des römischen Fahnenheiligtums entstand eine karolingische Saalkirche, die zu den frühesten Kirchenbauten Niederösterreichs gehört. Ihre Mauerzüge sind in der heutigen Unterkirche freigelegt.

Im Hochmittelalter befand sich in Zeiselmauer eine bischöfliche Pfalz als Amtssitz des Passauer Bischofs, wenn er sich in diesem Teil der Diözese aufhielt. Hier verstarb 1091 der aus Passau vertriebene Bischof Altmann, der Gründer des Stiftes Göttweig. Das fürstbischöfliche Zeiselmauer war nach dem landesfürstlichen Tulln lange Zeit der bedeutendste Ort des östlichen Tullnerfelds und auch kultureller Anziehungspunkt.

In Zeiselmauer erhielt am 12. November 1203 der Minnesänger Walther von der Vogelweide von Bischof Wolfger von Erla 5 solidi longi („Lange Schillinge“) zum Ankauf eines Pelzrocks. Die Eintragung darüber im Reiserechnungsbuch des Passauer Bischofs Wolfger von Erla ist das einzige bisher bekannte außerliterarische Lebenszeugnis Walthers von der Vogelweide. Etwas später wählte Neidhart von Reuental Zeiselmauer zum Schauplatz seiner populären dörflichen Minnelieder. Zeiselmauer fand auch Eingang ins Nibelungenlied.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Eduard Roch, bis dahin Vizebürgermeister, übernahm am 18. Oktober 2012 die Funktion des Bürgermeisters als Nachfolger des zurückgetretenen Josef Wagner (SPÖ). Zum neuen Vizebürgermeister wurde Michael Weber (Liste aktiv) gewählt.[3]

Auf Grund der außerplanmäßigen Auflösung des Gemeinderates im Oktober 2012 durch geschlossenen Rücktritt der SPÖ-Funktionäre[4] wurde eine vorgezogene Neuwahl am 28. April 2013 beschlossen und mittlerweile durchgeführt. Nach dieser Wahl gibt es folgende Mandatsverteilung[5]:

  • SPÖ: acht Sitze (8)
  • ÖVP: sechs Sitze (6)
  • Liste Aktiv: vier Sitze (4)
  • Grüne: ein Sitz (1)

In der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 23. Mai 2013 wurden schließlich Eduard Roch (ÖVP) zum Bürgermeister und Michael Weber (Liste Aktiv) zum Vizebürgermeister gewählt.[6]

Wappen[Bearbeiten]

Das offizielle Wappen der Gemeinde spiegelt die Geschichte von Zeiselmauer wider: die namengebende Mauer steht symbolisch für knapp 400 Jahre römisches Kastell, der rote Wolf – das Wappentier Passaus – für beinahe 1.000 Jahre Zugehörigkeit zum weltlichen Herrschaftsgebiet der Passauer Bischöfe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 72, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 20. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 898. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 48,42 Prozent.

In Zeiselmauer gibt es folgende Einrichtungen: eine römisch-katholische Kirche, ein Friedhof, eine Volksschule, ein Kindergarten mit mehreren Gruppen an zwei Standorten, ein Sportplatz, eine Veranstaltungs- und Turnhalle ("Römerhalle"), eine Tennissportanlage und zwei Reitställe. Zusätzlich bieten eine Bank, ein Frisör, eine Gärtnerei und ein Lebensmitteldiskonter ihre Produkte an. Im "Gewerbepark Ost" nahe der Nachbargemeinde St. Andrä-Wördern haben sich einige Kleinbetriebe unter anderem aus den Bereichen Metallverarbeitung und Kfz-Handel bzw. Reparatur angesiedelt. Ebenso gibt es einen bekannten Hundesportverein samt Trainingsgelände am Rande des Orts.

Wolfpassing bietet eine kleine Kapelle, einen Kindergarten, einen Tennisplatz, ein Gasthaus sowie Heurigenlokale. Daneben gibt es zwei KFZ-Betriebe und eine Gärtnerei.

Sowohl in Zeiselmauer als auch in Wolfpassing sind Freiwillige Feuerwehren stationiert.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Hauptverkehrsstrecke durch das Ortsgebiet von Zeiselmauer ist die Bundesstraße B14, welche den nördlichen Teil der Ortschaft in Ost-West-Richtung quert.

Ebenso verläuft durch Zeiselmauer die Franz-Josefs-Bahn, in der Bahnstation "Zeiselmauer-Königstetten" halten halbstündlich die Züge der Schnellbahn Linie S40 in Richtung Wien Franz-Josefs-Bahnhof sowie Tulln an der Donau und St. Pölten. Ähnliche Strecken werden durch die vorhandenen Buslinien bedient.

In der Ortschaft Wolfpassing engt sich die Landeshauptstraße 118 auf eine einzige Spur ein. Die dortige Ampelanlage führt in der Morgen- und Abendverkehrsspitze zu erheblichen Wartezeiten aus allen Richtungen und zu hoher Lärm-, Abgas- und Staubbelastung der Anrainer.

Eine geplante Umfahrung der Nachbarortschaft Königstetten wird in den umliegenden Gemeinden, darunter auch Zeiselmauer-Wolfpassing, kontrovers diskutiert, da befürchtet wird, dass es neben einer weiteren Reduktion von Grünflächen zu einer erneuten Steigerung des Verkehrsaufkommens insbesondere bei der Engstelle Wolfpassing kommen könnte.[7][8]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Birkhan und Ann Cotten (Hrsg): Der achthundertjährige Pelzrock. Walther von der Vogelweide – Wolfger von Erla – Zeiselmauer. Vorträge gehalten am Walther-Symposion der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vom 24. bis 27. September 2003 in Zeiselmauer (Niederösterreich), Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2. Auflage, Wien 2006 (= Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, 721).
  • Johann Werfring: Legionäre, Sänger, Veilchenverderber Artikel in der „Wiener Zeitung“ vom 6. November 2014, Beilage „ProgrammPunkte“, S. 7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zeiselmauer-Wolfpassing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Perspektiven für die Hauptregionen. S. 27, abgerufen am 12. Januar 2014 (PDF).
  2. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011. Abgerufen am 12. März 2014 (PDF).
  3. Amtsblatt der Gemeinde Zeiselmauer-Wolfpassing, Nummer 9/2012. Abgerufen am 20. Januar 2014 (PDF).
  4. SPÖ legt geschlossen Mandate zurück. Kurier (Tageszeitung), 30. Oktober 2012, abgerufen am 20. Januar 2014.
  5. Ergebnis der Gemeinderatswahlen vom 28.April 2013. Abgerufen am 20. Januar 2014.
  6. Bürgermeister Eduard Roch wurde in seinem Amt bestätigt. ÖVP Zeiselmauer, abgerufen am 20. Januar 2014.
  7. Umfahrung Königstetten / Niederösterreich / 3433. Liste Aktiv, abgerufen am 20. Januar 2014.
  8. Gemeinderat gegen Umfahrung Königstetten. Grüne Zeiselmauer-Wolfpassing, 20. Juni 2013, abgerufen am 20. Januar 2014.