Wolfs-Eisenhut

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Wolfs-Eisenhut
Fuchs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum subsp vulparia)

Fuchs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum subsp vulparia)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Delphinieae
Gattung: Eisenhut (Aconitum)
Art: Wolfs-Eisenhut
Wissenschaftlicher Name
Aconitum lycoctonum
L.

Der Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum), auch Gelber Eisenhut, oder – je nach Unterart – Fuchs-Eisenhut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Eisenhut (Aconitum).

Nur regional gebräuchlich sind die Trivialnamen Gäli Fuchswürze (Bern), Gelbe Gelstern (Zillertal), Hundsgift, Hundstod, Narrenkappen, Wolfseisenhütli (Bern), Wolfskraut, Wolfswurz (Österreich, Pinzgau, Kärnten) und Weiße Wolfswurzel (Pinzgau).[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Wolfs-Eisenhut wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimeter. Er hat einen aufrechten Stängel. Die Laubblätter sind tief handförmig fünf- bis siebenteilig mit grob gesägten Abschnitten.

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Die Blüten stehen in einem lockeren bis dichten, traubigen Blütenstand zusammen. Die zwittrigen, zygomorphen Blüten sind hellgelb. Der Helm ist etwa doppelt so lang wie breit. Darunter befinden sich zwei Nektarblätter die schneckenförmig aufgerollt sind. Da die Nektarblätter etwa 2 Zentimeter lang sind, können nur langrüsselige Hummeln an den Nektar gelangen.

Der Wolfs-Eisenhut ist wie alle Aconitum-Arten sehr giftig.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Wolfs-Eisenhut kommt in Süd- und Mitteleuropa sowie in Asien vor.

In Deutschland ist der Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum ssp. lycoctonum) im mittleren und südlichen Teil zerstreut zu finden. Er fehlt in Norddeutschland und zum Teil in Sachsen. Der Fuchs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum ssp. vulparia) ist lediglich aus den Berchtesgadener Alpen bekannt. In Österreich kommen beide Unterarten häufig bis zerstreut vom collinen bis alpinen Gebiet vor.

Der Wolfs-Eisenhut wächst auf feuchten, nährstoffreichen, humosen Böden in Auwäldern, Hochstauden- und Karfluren sowie feuchten Wiesen.

Systematik[Bearbeiten]

In Europa unterscheidet man fünf Unterarten[2]:

  • Aconitum lycoctonum subsp. lasiostomum (Rchb.) Warncke; kommt nur in Rumänien, im Baltikum, in der Ukraine und in Westrussland vor
  • Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum subsp. lycoctonum) - mit krummhaarigen Blütenstielen; kommt in Mittel-, Nord- und Nordosteuropa sowie in Asien vor
  • Aconitum lycoctonum subsp. moldavicum (Hacq.) Jalas: kommt nur im Umkreis der Karpaten in der Slowakei, in Ungarn, Polen, Rumänien, der Westukraine und in Westrussland vor
  • Aconitum lycocotonum subsp. neapolitanum (Ten.) Nyman, kommt nur in Süd- und Mitteleuropa vor, fehlt aber in Deutschland
  • Fuchs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum subsp. vulparia - früher A. vulparia) - mit gerade-abstehend behaarten Blütenstielen; kommt nur in Mittel- und im nördlichen Südeuropa von den Pyrenäen bis zu den Karpaten vor

Mythologie und Droge[Bearbeiten]

Der Wolfs-Eisenhut soll, nach antikem griechischen Mythos, aus dem Geifer des Höllenhundes Kerberos entstanden sein. Im indoeuropäischen Kulturkreis stellte der Wolfs-Eisenhut eine Luppewurz (keltisch lubi; althochdeutsch luppi = tödlicher Saft/Gift/Zauber) dar. Das Artepitheton lycoctonum (griech. Wolfstöter) verweist auf die frühere Verwendung als Gift für Wolfsköder. Die psychoaktive Wirkung durch die enthaltenen Diterpen-Alkaloide nutzten die als Hexen etikettierten Kräuterfrauen noch im Mittelalter. Diese mischten einige Eisenhut-Samen der als Flug- oder Hexensalbe bekannten balsamischen Kräuterzubereitung diverser Nachtschattengewächse (Solanaceen) bei, die den Konsumenten einen Zustand seelischer Verrückung, einen visuellen Flug halluzinieren ließen. Genaue Rezepturen sind nicht überliefert. Es besteht kulturanthropologischer Anschauung nach ein direkter, geschichtlicher Zusammenhang zwischen der märchenhaften Darstellung der fliegenden Hexe und den historischen Berichten der geistigen Flüge.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • M. A. Fischer, W. Adler & K. Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5
  • Xaver Finkenzeller: Alpenblumen, München 2003, ISBN 3-576-11482-3
  • Muer, Angerer: Alpenpflanzen, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-3374-1
  • Dieter Heß: Alpenblumen – Erkennen – Verstehen – Schützen, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3243-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfs-Eisenhut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, Seite 8
  2. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8 (Nymphaeaceae to Ranunculaceae). Seite 43-47, Helsinki 1989. ISBN 951-9108-07-6
  3. James George Frazer: Der goldene Zweig: Das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker, Rowohlt 2004, ISBN 978-3499554834