Wolkenstein (Erzgebirge)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wolkenstein
Wolkenstein (Erzgebirge)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wolkenstein hervorgehoben
50.65444444444413.074722222222553Koordinaten: 50° 39′ N, 13° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Höhe: 553 m ü. NHN
Fläche: 30,51 km²
Einwohner: 3941 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 129 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09429
Vorwahl: 037369
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 670
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 13
09429 Wolkenstein
Webpräsenz: www.stadt-wolkenstein.de
Bürgermeister: Wolfram Liebing (parteilos)
Lage der Stadt Wolkenstein im Erzgebirgskreis
Sachsen Amtsberg Annaberg-Buchholz Aue Auerbach (Erzgebirge) Bad Schlema Bärenstein (Erzgebirge) Lauter-Bernsbach Bockau Börnichen/Erzgeb. Borstendorf Breitenbrunn/Erzgeb. Burkhardtsdorf Crottendorf Deutschneudorf Drebach Ehrenfriedersdorf Eibenstock Elterlein Lugau/Erzgeb. Gelenau/Erzgeb. Geyer Gornau/Erzgeb. Gornsdorf Großolbersdorf Großrückerswalde Grünhain-Beierfeld Grünhainichen Heidersdorf Hohndorf Zwönitz Jahnsdorf/Erzgeb. Johanngeorgenstadt Jöhstadt Königswalde Lauter-Bernsbach Pockau-Lengefeld Lößnitz (Erzgebirge) Lugau/Erzgeb. Marienberg Mildenau Neukirchen/Erzgeb. Niederdorf (Sachsen) Niederwürschnitz Oberwiesenthal Oelsnitz/Erzgeb. Olbernhau Pfaffroda Pockau-Lengefeld Raschau-Markersbach Scheibenberg Schlettau Schneeberg (Erzgebirge) Schönheide Schwarzenberg/Erzgeb. Sehmatal Seiffen/Erzgeb. Stollberg/Erzgeb. Stützengrün Tannenberg Thalheim/Erzgeb. Thermalbad Wiesenbad Thum Wolkenstein (Erzgebirge) Marienberg Zschopau Zschorlau ZwönitzKarte
Über dieses Bild
Wolkenstein von der Wiesenbader Straße

Wolkenstein ist eine Stadt im Erzgebirgskreis in Sachsen. Im Ortsteil Warmbad befindet sich die älteste und wärmste Thermalquelle Sachsens.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt Wolkenstein liegt auf einem Felssporn oberhalb des Zschopautales in der Nähe des Zusammenflusses mit der Preßnitz. 70 m über dem Zschopautal liegt die Burg Wolkenstein, die dem Ort seinen Namen bescherte. „Die Burg steht auf einem Stein der bis in die Wolken zu ragen scheint.“ Der südwestlich gelegene Ortsteil Falkenbach ist ein einseitiges Waldhufendorf. Nordöstlich von Wolkenstein liegen die Waldhufendörfer Gehringswalde und Hilmersdorf. Ganz im Nordosten befindet sich die Heinzebank an der Kreuzung der Bundesstraßen 101 und 174. Nördlich von Wolkenstein liegt der Kurort Warmbad.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Wolkenstein mit Floßplatz[Bearbeiten]

Burg Wolkenstein über dem Zschopautal von Südwesten

1262 wird ein Hugen von Motzen aus der Linie der Burggrafen von Leißnig als Besitzer der Herrschaft Wolkenstein genannt. 1293 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. 1312 ist der Ort Sitz eines Erzpriesteramtes und untersteht dem Kloster Chemnitz. 1323 wird der Ort als „oppidum“ (Stadt) bezeichnet, und 1385 wird eine Stadtschule erwähnt. Auf der Burg Wolkenstein saßen die Waldenburger als Ministeriale im Auftrag des deutschen Königs. Ab 1378 war Wolkenstein der Hauptsitz der Waldenburger. Nach dem Tod des letzten Waldenburgers fiel der Besitz 1473 als erledigtes Lehen an die Landesherren, die Wettiner. Zur gleichen Zeit wird in der Gegend um Wolkenstein der Bergbau wieder aufgenommen. 1536/37 wird durch Heinrich dem Frommen die Reformation eingeführt. Wolkenstein wird eine eigenständige Parochie.

1573 wird eine überdachte Holzbrücke über die Zschopau errichtet. Durch die Vereinigung mit dem Amt Rauenstein entsteht ab 1596 das größte Amt des Erzgebirges. Wolkenstein ist 1614–1680 von Hexenverfolgung betroffen. Zwei Totengräber geraten unter dem Vorwurf des Pestzaubers in Hexenprozesse. 1614 wird der Verurteilte C.G. (abgekürzter Name) auf die Richtstätte geschleift und verbrannt.[2] Um 1622 werden 67 Zechen betrieben. 1689 wird die durch den Stadtbrand von 1687 zerstörte Kirche wieder eingeweiht. Nach den Plänen Daniel Pöppelmanns wird 1769 anstelle der hölzernen Brücke eine Steinbrücke errichtet. 1835 wird am Floßplatz die Baumwollspinnerei Falkenhorst errichtet. 1880 wird die Produktion auf Papier und Kartonagen umgestellt. Im Sommer 2003 wurde das gesamte Gelände an einen Unternehmer aus Großolbersdorf verkauft, und seitdem werden dort Drehteile für die Automobil- und Armaturen sowie Medizin- und Elektrotechnik hergestellt. 1866 wird die Stadt mit dem auf Schönbrunner Flur gelegenen Bahnhof an die Zschopautalbahn angeschlossen. Die Freiwillige Feuerwehr wird 1876 gegründet. Ein neues Schulgebäude entsteht 1885. Die Kanalisation der Stadt wird 1890 vollendet. 1904 wird der Bergbau im Wolkensteiner Revier eingestellt. Eine Hochdruckwasserleitung wird 1908 fertiggestellt. 1919 wird ein Kino eingerichtet. 1925 wird Wolkenstein an das Annaberger Ferngaswerk angeschlossen und schließt gleichzeitig das eigene Gaswerk. 1926 kauft die Stadt das Warmbad, um es weiter zu betreiben. Ab 1929 beginnen die Bauarbeiten der Umgehungsstraße. So muss dabei im Ortsteil Floßplatz eine Brücke über die Zschopau und die Zschopautalbahn gebaut werden. Die Fertigstellung ist 1931. Der Neubau des Rathauses wird 1929 eingeweiht. In der Nacht vom 14. auf dem 15. Februar 1945 kommen bei einem Luftangriff sechs Menschen ums Leben, über 200 Gebäude werden zerstört oder beschädigt. Wolkenstein hat eine Patenschaft mit der 6. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 371 in Marienberg.

Am 1. Januar 1999 wurden Falkenbach, Gehringswalde, Hilmersdorf und Schönbrunn eingemeindet.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007:

1982 bis 1988

  • 1982: 4843
  • 1983: 4850
  • 1984: 4843
  • 1985: 4873
  • 1986: 4891
  • 1987: 5008
  • 1988: 4976

1989 bis 1995

  • 1989: 4864
  • 1990: 4719
  • 1991: 4674
  • 1992: 4635
  • 1993: 4631
  • 1994: 4614
  • 1995: 4617

1996 bis 2002

  • 1996: 4528
  • 1997: 4459
  • 1998: 4415
  • 1999: 4400
  • 2000: 4358
  • 2001: 4302
  • 2002: 4309

2003 bis 2012

  • 2003: 4335
  • 2004: 4331
  • 2005: 4325
  • 2006: 4272
  • 2007: 4217
  • 2009: 4134
  • 2012: 4001

ab 2013

  • 2013: 3941
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Politik[Bearbeiten]

Rathaus, davor Postmeilensäule

Stadtrat[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[4]
Wahlbeteiligung: 52,6 % (2009: 47,4 %)
 %
50
40
30
20
10
0
44,0 %
34,3 %
15,2 %
2,6 %
4,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+2,2 %p
+0,7 %p
+1,9 %p
-4,9 %p
+0,1 %p

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Demokratische Wählervereinigung Wolkenstein (DWV): 8 Sitze
  • CDU: 6 Sitze
  • SPD: 2 Sitze

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wolkenstein unterhält Städtepartnerschaften mit der Stadt Bad Bentheim in Niedersachsen (seit 1991), mit Ruppertshofen (Ostalbkreis) in Baden-Württemberg (seit 1992) und mit Postoloprty (seit 2012).

Zur 6. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 371 im benachbarten Marienberg besteht ein Patenschaftsverhältnis.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Schloss Wolkenstein ist eine renaissancezeitliche Schlossanlage auf einem Bergsporn über dem Tal der Zschopau, die auf eine hochmittelalterliche Burg der Herren von Waldenburg zurückgeht.
  • Die evangelisch-lutherische St.-Bartholomäus-Kirche geht auf eine mittelalterliche, zur Burg gehörende Kapelle zurück und wurde in ihrer heutigen Gestalt nach dem Stadtbrand von 1687 errichtet, wobei als ältester Teil vom Vorgängerbau der Chorraum im Osten (erbaut 1648) erhalten blieb. Das rechteckige Kirchenschiff wurde 1689, der 35 m hohe Turm 1710 vollendet. Unter den Kunstwerken in der Kirche sind der Altar aus Marmor, Alabaster und Porphyr sowie die auf der zweiten Empore an der Westseite befindliche Orgel von 1817/18 hervorzuheben.
  • Das Mühltor in Wolkenstein soll eines von lediglich vier in Sachsen erhaltenen mittelalterlichen Stadttoren sein.
  • Am historischen Markt befindet sich das Rathaus mit Ratskeller und auf dem Marktplatz die rekonstruierte kursächsische Postdistanzsäule vom Rossmarkt, deren nicht mehr verwendete Bestandteile u. a. im Schlossmuseum bzw. der Schlossgaststätte ausgestellt sind. Ein originaler kursächsischer Viertelmeilenstein steht an der Annaberger Straße zur historischen Zschopautalbrücke mit kursächsischem Wappenstein. In Wolkenstein befinden sich zahlreiche weitere historische Gebäude.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Wolkenstein erhielt seinen Bahnanschluss 1866 mit der Eröffnung der Zschopautalbahn. Die von Flöha bzw. Chemnitz Hauptbahnhof über Annaberg-Buchholz nach Vejprty (Weipert) führende Strecke wird heute von der Erzgebirgsbahn, einem Regio-Netz der Deutschen Bahn, betrieben.

Seit 1892 war der Wolkensteiner Bahnhof zudem Ausgangspunkt der Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt (auch Preßnitztalbahn genannt), die von hier nach Jöhstadt führte. Die Strecke wurde zum Jahresende 1986 endgültig stillgelegt. Technisch interessant war die Verwendung eines Dreischienengleises, welches die Preßnitztalbahn (Spurweite 750 mm) und die Zschoptautalbahn (Spurweite 1435 mm) auf einer Strecke von 1,9 km ausgehend vom Bahnhof Wolkenstein benutzten.

Straße[Bearbeiten]

Durch die Stadt verläuft die Bundesstraße 171. Im Ortsteil Heinzebank kreuzen sich die Bundesstraßen 101 und 174.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Gesundheitswirtschaft[Bearbeiten]

Die Knappschafts-Klinik Warmbad ist eine Rehaklinik für Orthopädie, Innere Medizin und Neurologie.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Zwischen Wolkenstein, Marienberg und Jöhstadt (= Werte unserer Heimat. Band 41). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1985.
  • Die Parochie Wolkenstein. In: Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Marienberg. Strauch Verlag, Leipzig, S. 733–782. (Digitalisat)
  • Max Grohmann: Das Obererzgebirge und seine Städte. Verlag Graser, Annaberg 1903.
  • Carl Gottfried Heinsse: Beschreibung des Wolkensteiner Bades, zum Gebrauche für dasige Badegäste, und Unterricht für alle, die eine Badekur brauchen wollen. Craz & Gerlach, Freiberg 1808 (Digitalisat)
  • Friedrich Wilhelm Köhler: Historische Nachrichten von der chursächsischen alten freyen Bergstadt Wolkenstein im meißnischen Obererzgebürge. Schneeberg 1781. (Digitalisat)
  • Wolkenstein (Stadt). In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 13. Band, Zwickau 1826, S. 298–307.
  • Werner Opitz: Das Ende und Danach. Die Jahre 1945/1946 im Erzgebirge. Reinhold Kolb Verlag, Mannheim 2005, ISBN 3-936144-67-2.
  • Anja Riedel, Guntram Petzold: Burg und Stadt Wolkenstein. Verlag Monumente & Menschen, Hamburg 2012, ISBN 96846486486 (formal falsche ISBN).
  • Andreas Schmied, Christoph Haase: Wolkenstein – alte Bergstadt neu entdeckt. Bildverlag Böttger, 1992, ISBN 3-9806125-1-1.
  • Ingrid Wernecke: Wie alt ist Wolkenstein? - Eine Studie zur Geschichte der Herrschaft und Stadt Wolkenstein. In: Erzgebirgische Heimatblätter. 5/1980, ISSN 0232-6078, S. 110–113.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolkenstein (Erzgebirge) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Wolkenstein im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  • Huth im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  • Kohlau im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 644-647.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  4. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  5. Jonas Flöter, Maria Pesenecker: Erziehung zur Elite. Die Fürsten- und Landesschulen zu Grimma, Meißen und Schulpforte um 1900. Leipzig 2003, S. 99.